Der schlechteste Computer aller Zeiten …

Ist der ZX80. Ich habe ja vor Jahren mal eine lose Rubrik gehabt mit dem Titel „die schlechtesten Computer aller Zeiten“ in denen ich mehr oder weniger vermurkste Konzepte vorstellte. So den C64 der zwar eine tolle Hardware hat, aber den Käufer von der Benutzung dieser ausschließt, dazu nicht standardisierte Schnittstellen und eingebaute Bremsklötze (beim Floppylaufwerk). Andere Rechner waren, der Ti 99/4A dessen Architektur nichts von den Vorteilen des 16-Bit-Prozessors Gebrauch machte und die MSX Rechner, die vom Design nicht mal so schlecht waren, aber viel zu spät kamen und bei denen die Erweiterung des Speichers auf 64 kb besonders intelligent war – unter BASIC hatte der Nutzer nämlich genau Null Bytes mehr …

Heute will ich, weil C64 Fans immer wieder den C64 Artikel herauskramen, den absolut schlechtesten Computer küren (zumindest in meinen Augen). Und C64 Fans – es ist kein C64 oder VC20.

Ich halte dafür den ZX80, der Großteil der Ausführungen gilt auch für den ZX81. Der ZX80 hatte zwar ein stylisches Gehäuse, das gut auf die Brücke der Orion gepasst hätte. Aber es war auch klein, die Tastatur daher auch nur 40 Tasten. Zum Vergleich: eine normale PC-Tastatur hat 105 Tasten. Da alleine 56 davon notwendig sind, für die Eingabe der Zeichen, Leertaste und Enter, waren die Tasten bis zu vierfach belegt. Selbst so häufig genutzte Tasten wie die Cursortasten waren nicht direkt zugreifbar. Ein Unikat war, das 22 BASIC Befehle ebenfalls auf den Tasten untergebracht wurden und so mit einem Tastendruck eingegeben werden konnten.

Ein etwas größeres Gehäuse hätte eine normale Tastatur mit normalem Qwerty-Layout erlaubt (an nationale Belegungen dachte damals keiner, das zog erst mit dem IBM PC ein und auch nur in der höheren Preisklasse). Mehrfachbelegungen sind schlecht. Ich weiß, wovon ich rede. Mein erster Rechner, ein Ti 99/4A hatte auch eine gestauchte Tastatur. Bei ihm, weil man daneben einen Modulschacht angebracht hatte. (Die Module hätte man ja auch an der Seite anbringen können) und so konnte man auch die Cursortasten mit einer Function-Taste erreichen.

Das Layout ist eine Sache. Der Hauptnachteil war, dass es aber eine Folientastatur war. Das heißt, eine Folie wurde auf eine untere Folie gedrückt, die druckempfindlich war. Damit gab es praktisch kein haptisches Feedback. Wer einmal auf einem Herd auf einem Glasdisplay was eingestellt hat, der weiß, wovon ich rede. Und nun stellen sie sich vor, sie müssen so ganze Programme eintippen … Selbst die beim Nachfolger ZX Spectrum eingeführte Tastatur mit Taschenrechner-Gummiknöpfen war da ein Vorteil. Da waren die Tasten wenigstens ein bisschen nach unten drückbar. Klar ist so, dass natürlich auch ein Druckpunkt fehlte.

Schraubte man das Gehäuse auf, das beim ZX81 etwas flacher und in Schwarz war, aber ansonsten mit derselben Tastatur so sah man die Platine. Die belegte nicht mal das ganze Innenleben und enthielt beim ZX80 22 Chips, beim ZX81 waren es nur noch vier. Der Rechner verfügte über ein minimalistisches BASIC – das ROM war beim ZX 80 4 KByte Groß, beim ZX 81, 8 KByte. Nun ist BASIC zwar eine kompakte Programmiersprache, die bei dieser Herrenklasse zugleich das Betriebssystem enthielt, sich also um den Bildschirmaufbau und das Laden und Speichern auf Kassette und das Drucken kümmerte – mehr Peripherie war beim ZX80/81 nicht vorgesehen. Aber das ist wirklich wenig. Das Applesoft Basic des Apple II und auch das BASIC des Atari hatten 12 KByte Größe. Bei den meisten anderen Rechnern, so dem C64, Oric, Dragon, Sinclair Spectrum, war es 16 KB groß. Wenn man BASIC auf diese Größe heruntershrinkt, dann fehlen nicht nur „Komfortanweisungen“, sondern elementare Anweisungen des Minimalstandards. Beim ZX80 reichte es nicht mal für Fließkommarithmetik.

An Anschlüssen gab es nur die Standardanschlüsse für einen Kassettenrekorder (3,5 mm Line-In und Micro, bei uns war damals aber die 5-polige DIN Buchse gängiger), einen Antennenanschluss für den Fernseher und den Erweiterungsbus.

Das RAM war nur 1 Kilobyte groß. Beim Start waren davon noch 899 Bytes frei, doch mit jedem Tastendruck wurden es weniger, weil in das Kilobyte auch die Bildschirmrausgabe passen musste. Die war 32 × 22 Zeichen groß, sodass wenn der Bildschirm voll war, weitere 704 Bytes fehlten. Kurz das war viel zu wenig, damit konnte keiner Arbeiten. So gab es auch vom Start weg Arbeitsspeichererweiterungen zuerst mit 1,2,3 KByte, dann wurden diese von einer 16 KByte Erweiterung abgelöst, der später sogar eine 64 KByte Erweiterung folgte. Ich glaube allerdings kaum, dass viele Käufer sich diese zugelegt haben. Denn zum einen kostete sie soviel wie der Rechner selbst und zum anderen war es eine Qual, auf dem Rechner längere Programme einzutippen.

Grafik konnte der Rechner nicht, stattdessen gab es 16 Blockgrafikzeichen mit denen man dann eine 64 × 44 Pixel Grafik erstellen konnte. Das Bild war relativ schlecht und es war nicht stabil – ohne eine Schaltung für den Bildschirmaufbau – synchron zur Bewegung des Elektronenstrahls auf dem Bildschirm musste der Computer ja die Signale für den TV-Anschluss erzeugen – war das Bild immer dann kurz weg, wenn der Computer rechnete, also z.B. nach jedem Tastendruck oder, wenn ein Programm lief, aber nicht auf eine Eingabe wartete. Ebenso wurde so beim Laden oder Speichern von Programmen der Bildschirminhalt zerstört. Damit disqualifizierte er sich eigentlich auch für anspruchslose Anwendungen. Da Sinclair nicht damit rechnete, dass jemand den Computer ernsthaft nutzte, gaben sie sich auch nicht die Mühe die Adresssignale komplett zu decodieren. Das ROM belegte so den Bereich bis Adresse 16.384, war also zwei bis viermal im Adressbereich gespiegelt – eine 64 K RAM Erweiterung brachte so real nur 48 KB mehr Speicher.

Das Nachfolgemodell ZX81 erschien ein Jahr später. Es war intern anders aufgebaut, ansonsten aber weitestgehend kompatibel. So gab es für ZX80 Besitzer auch einen ROM-Chip, mit dem man den ZX80 auf einen ZX81 aufrüsten konnte. Das doppelt so große ROM beherrschte nun auch Fließkommazahlen, de Zahl der Befehlsworte stieg von 22 auf 55. Das waren so viele, das die Tasten nun fünffach belegt waren, mit aber nur einer Shift-Taste als Umschalthilfe. Deswegen wurde die Return-Taste als weitere Umschalttaste missbraucht und man musste schon gewisse akrobatische Eigenschaften haben, damit flüssig einzutippen. Das normale Eintippen wäre bei den meiste kurzen BASIC Schlüsselwörtern sicher schneller gegangen. Intern gab es die größte Veränderung: Aus 22 IC wurden vier bis fünf. Es waren eigentlich nur noch Z80 CPU, 1 KB RAM, 8 KB ROM und ein anwendungsspezifischer Baustein, der die anderen IC ersetzte. (Es gibt mindestens zwei Versionen der Hardware, eine mit zwei 2114 Bausteinen (1 KBit x 4) und eine mit einem 4116 Baustein (2 KBit x 8). Der Speicher betrug aber auch beim 4116 nur KByte. Damit war der Rechner noch preiswerter zu fertigen. Der ZX80 kostete als Bausatz bei Einführung 80 Pfund, zusammengebaut 100 Pfund. Der ZX81 dagegen nur 50 Pfund als Bausatz und 70 Pfund als Komplettgerät – in Deutschland waren die Rechner durchaus nicht so billig wie in England. Ein Jahr nachdem er erschienen war (und damals sanken die Preise von Rechnern laufend) kostete er in Deutschland 375 DM. Er war aber immer noch nur halb so teuer wie ein VC20. Mit 16 KB Speichererweiterung relativierte sich das aber auf 150 DM Preisunterschied.

Der Bildschirmausgabe war immer noch nicht autonom. Für Programme konnte man nun den Rechner aber mit den Befehlen FAST und SLOW umschalten. Im Slow Modus erledigte der Z80 die Bildschirmausgabe mit, sie blieb erhalten, auch wenn er nicht wartete (z. B. um Statusmeldungen auszugeben) Im Fastmodus nicht. Dann war er viermal schneller.

Als offizielles Zubehör gab es nur den ZX-Printer, das war ein Thermodrucker, der auf aluminiumbeschichtetes Spezialpapier druckte. Die Rolle war nur 32 Zeichen breit, also etwas breiter als ein Kassenbon, der heute noch dasselbe Prinzip, nur mit anderem Papier einsetzt. Das Thermopapier war relativ teuer. ZX 81 Programme konnte jeder in einer Computerzeitschrift – damals noch ein Medium um Programme zu vertrieben, erkennen, denn auch beim (im August 1982 noch 275 DM teuren Drucker) hatte man gespart. Anstatt das man ein Zeichen, das aus acht Pixels in der Höhe bestand mit 8 Nadeln druckte gab es nur eine Nadel, die rotierte und die dann, wenn sie an der richtigen Position war, aufs Papier schlug. Nur klappte das nicht die Folge war ein unsauberes, verfranstes Schriftbild.

Daneben waren die Rechner auch unzuverlässig. Dauerproblem war, das die 16 KB RAM Erweiterung nicht richtig auf dem Platinenstecker saß und sich ablösen konnte uns so einen Reset auslöste. Es gab auch Meldungen über viele Rückläufer von defekten Computern. Britische Händler sprachen von einem Drittel defekten Computern – Sinclair dagegen von 2,4 % der Bausätze und 13 % der Kits. Das war übrigens ein Dauerproblem. Auch zwei Jahre nach Einführung des Nachfolgers ZX Spectrum gab es bei diesem eine Ausschussquote von 5 bis 6 %, die beim Spectrum+ auf 30 % hochschnellte und eine frühere Erfindung von Sinclair, die Black Watch war ebenfalls chronisch unzuverlässig (zeigte meist die falsche Zeit an und die Batterie, die nicht gewechselt werden konnte, hielt nur 10 Tage),

Wie kam es zu dem Computer? Clive Sinclair, untriebiger Erfinder entdeckte in den siebziger Jahren den Boom der Mikrocomputer doch fand sie alle zu teuer. Er meinte, dass wenn der Rechner unter 100 Pfund kostete, die Leute ihn kaufen würden und nicht mehr danach fragen würden, ob er sinnvoll ist oder nicht und was sie damit anstellen könnten. Sinclair selbst ist immer Ideengeber gewesen, das heißt, er hat nicht den Rechner erfunden oder gar entwickelt, er hatte nur die Idee für den Rechner in diesem Falle eigentlich nur eine Preisvorgabe und seine Ingenieure – zu erwähnen ist hier Christopher Curry, der sich nach der Entwicklung des ZX80 selbstständig machte und Mitbegründer von Acorn wurde – setzten diese Ideen dann um. Sinclair hatte nie ein besonders tiefes Verhältnis zu Computern, wollte nicht wie Wozniak eine überlegene Maschine schaffen, sondern er sah einfach den Boom und die Gewinne, die er damit machen konnte, die es ihm erlauben würden weitere Dinge zu erfinden. So kam es zu einem Computer, der zwar das Preisziel einhielt, aber nahezu nutzlos war. Qualität, das zeigen auch Sinclairs andere „Erfindungen“ war weniger wichtig, als das etwas kompakt war, auch wenn das, wenn man den Platz für eine Tastatur benötigte, eher kontraproduktiv war.

Trotzdem wurde der Computer nachgebaut. In den USA offiziell von Timex, als Timex 1500. Es gab aber auch illegale Nachbauten, die ihren Grund in dem einfachen Aufbau des Rechners und den damit verbundenen Kosten hatten. In Ländern wie Brasilien mit einem anderen Lebensstandard waren andere Rechner schlicht und einfach zu teuer. Im Warschauer Pakt wurden Ideen des Rechners für eigene Projekte übernommen, so den DDR-Computer KC 85.

Der ZX80 wurde nur ein Jahr lang gebaut, bis ihn im März 1981 der ZX81 ablöste. In der Zeit sollen 50.000 bis 70.000 Stück verkauft worden sein, die meisten nur in England. Der ZX81 wurde bis Ende November 1984 produziert. Je nach Quelle sollen 1,5 bis 2 Millionen Stück verkauft worden sein, was zeigt, dass die Rechnung von Clive Sinclair aufging. Schon ein Jahr später, im April 1982 erschien der Nachfolger Sinclair Spectrum, das heißt über fast zwei Jahre wurden beide Rechner parallel verkauft. Es gab also offensichtlich eine Nachfrage nach dem Minimalgerät, obwohl auch der Spectrum relativ preiswert war, aber in der kleinsten Ausführung (mit 16 KB Speicher) immer noch 150 DM teurer als der ZX81 (allerdings reduzierte die 16 K RAM Erweiterung den Preisunterschied auf Null). Das zeigt, das die Leute den Rechner nur nach Preis kauften, wie von Sinclair prophezeit – heute undenkbar, aber damals war ein Computer unbekannt. Mit den Fachbegriffen RAM, ROM MHz konnte ein Normalbürger nichts anfangen und er wusste auch nicht, was er mit dem Rechner machen konnte und was nicht. Aber so gab man eben nicht viel Geld aus, wenn man dann feststellte, das diese Computer doch nichts für einen sind.

In der Summe denke ich, hat der ZX80 / 81 den Platz als schlechtester Computer verdient – was meint ihr?

2 thoughts on “Der schlechteste Computer aller Zeiten …

    1. Beides sind Lerncomputer um Assembler bzw. die Technik überhaupt kenne zu lernen. Der ZX81 wurde beworben als Heimcomputer mit dem man Programmieren lernen könnte, ja sogar als „Personalcomputer“ siehe hier:
      https://www.zock.com/8-Bit/Ad_ZX81b.JPG
      Ich messe alle Computer nach dem Anspruch den die Hersteller selbst in die Welt gesetzt haben und soweit ich weiß hat man bei den obigen Kits nicht mehr versprochen als das man die Funktionsweise eines Mikrocomputers verstehen kann und Assembler lernen kann. Das haben sie auch eingehalten.

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