Der Brief der Woche an die UEFA

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Liebe UEFA, ich schreibe Dir diese Woche diesmal nicht, damit Du dirch freust. Auch wenn mit der Floskel meine Briefe anfangen, die dann doch eine Wende um 180 Grad machen, glaube ich das niemand in eurem Gremium sich darum Gedanken macht, ob eure Taten Freude auslösen.

Ihr könnt euch denken, warum – es ist das Thema, das seit gestern die Runde macht, die Beleuchtung der Allianz-Arena in Regenbogenfarben. Das ist verboten, weil das eine politisches Statement ist. Stimmt, aber man muss doch mal betrachten wofür. Es gibt politische Statements für bestimmte politische Lager und die sollten sicher verboten bleiben. Doch hier ist es ein politisches Statement für die Gleichbehandlung von Nicht-Heteorsexuellen, die noch immer nicht überall gleichgestellt sind, z.B. in der katholischen Kirche und beim Fußball (in Deutschland geben nach Umfragen 7,4 % der Bevölkerung an Nicht-Heterosexuell (abgekürzt als LGBT -Lesbian, Gay, Bi, Trans) zu sein, aber gibt es einen aktiven Profifußballer/in der/die das offiziell bekannt gemacht hat? Ich kenne nur nicht mehr aktive Sportler. Dazu kommen Ressentiments im Kleinen und im Alltag. Es geht also im Prinzip um ein Statement, das auf die Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes, ein fundamentales Menschenrecht aufmerksam macht.

Es würde der UEFA sicher gut anstehen, dieses gesellschaftspolitische Ziel zu unterstützen. Doch das könnt ihr nicht, denn mag es bei uns und in vielen Ländern ein gesellschaftspolitisches Statement sein, vergleichbar dem Kniefall in der NFL in den USA, aber es wurde ein ungarisches Gesetz zur Einschränkung der Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität verabschiedet und damit ist für die UEFA der Fall klar, sie sei zu politischer Neutralität verpflichtet.

Klar, ihr seid vorbildlich in der Neutralität. Ihr wart nicht gegen die FIFA-WM in Russland, das seit Jahrzehnten für die Einschränkung der Menschenrechte bekannt ist und die Krim annektiert hat. Bei dieser EM gibt es Spiele in Ländern, die die Menschenrechte mit Füßen treten oder totalitär sind wie Ungarn, Russland und Aserbaidschan. Kann man politisch neutraler sein? Oder haben diese Staaten einfach mehr Geld für die Austragung geboten, denn wenn ich an europäischen Fußball denke, dann denke ich eher an Länder wie Portugal und Frankreich als an Ungarn und Aserbaidschan, aber in Portugal und Frankreich finden keine Spiele statt. So hagelte es auch Kritik von allen Seiten, selbst von Markus Söder. Kleine Merkregel – wenn sowohl die Parteien im linken Spektrum als auch Markus Söder dein Handeln kritisieren, dann machst Du fundamental etwas falsch. Von unseren Parteien findet nur die AfD das gut. Die Einzigen, die das gut findet ist die ungarische Regierung. Dort werden Minderheiten, und dazu gehört LGBT ja, schon heute unterdrückt, so bekennen sich dort nur 1,5 % zu dieser Veranlagung. Mittlerweile strebt die EU-Komission gegen Ungarn wegen des Gesetzes ein Verfahren vor dem EuGH an, nachdem schon 13 Regierungen das gefordert haben. Von der Leyen sagt, dass das Gesetz Menschen diskriminiere aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und verstoße gegen fundamentale Werte der Europäischen Union. Bravo und mit solchen Leuten macht ihr bei der UEFA euch gemein.

Am selben Tag wurde dann noch bekannt, dass ihr den Engländern erlaubt die Stadien in den letzten Runden zu 70 % zu füllen. Bei uns war ja schon die Belegung zu 25 % umstritten, weil die 14.000 Besucher weit über den Grenzen sind, die die Coronaverordnung zulässt und an die sich jeder andere Betreiber von Großveranstaltungen, wie Rockkonzerte halten muss. Das wären 250 Besucher beim ersten Spiel gewesen und bei sinkender Inzidenz dann 500. Entsprechend gibt es auch Kritik, vor allem wenn man sieht, wie sich Fans zusammenballen oder beim Jubel, in den Armen halten. Noch ist die Pandemie nicht ausgestanden. Weder sind genügend geimpft für eine Herdenimmunität, noch weiß man sicher, dass die Impfstoffe auch gegen die neuen Varianten gut schützen. Da ist dieses Vorgehen der britischen Regierung, die mit der Einstufung in ein „Forschungsprogramm“ ja ihre eigenen Gesetze umgeht, purer Leichtsinn. Ich befürchte in einem Jahr wird man von London ähnlich sprechen wie heute von Ischgl. Der Präsident des Weltärztebundes Montgomery sagt: „Wer nach Großbritannien fährt, läuft Gefahr, sich mit der Delta-Variante zu infizieren. Wir können davon ausgehen, dass 95 Prozent aller Covid-Erkrankungen in Großbritannien auf die Delta-Variante zurückgehen … Ich halte es sogar für Geimpfte für verantwortungslos, in dieser Lage nach London zu reisen.“

Aber hey, was sind einige Tausend Tote, noch mehr schwer erkrankte und Millionen Betroffene durch Lockdowns, die dann kommen werden dagegen, dass die UEFA wieder etwas mehr Geld verdient hat. Denn darum geht es um Geld. Bei uns wurde der komplette Sport zweimal völlig runtergefahren – und zwar auch der Fußball, mit nur einer Ausnahme – die Spiele der ersten und zweiten Liga, für die es sonst kein Geld für die Senderechte gibt. Schon alleine das zeigt, das es im Fussball längst nicht mehr um Sport geht oder auch nur um die Fans – die Eintrittsgelder machen bei der DFL den kleinsten Etat aus, Senderechte und Werbung bringen viel mehr ein. Aber der UEFA reicht das ja nicht, schon beim UEFA-Endspiel 2021 in Porto durften 17.500 Fans ins Stadium, mindestens 6.000 davon aus dem Delta-Hochrisikogebiet England. England ist ein Hochrisikogebiet. Stand heute (23.6.2021) haben sie eine 7-Tages Inzidenz von 104,7 und das trotz einer höheren Erst- und Zweitimpfquote als bei uns (46,2 % Zweitimpfung 63,7 % Erstimpfung). Bei uns liegt die 7-Tages Inzidenz bei 7,2, 51,6 % sind einmal und 32,4 % zweimal geimpft.

Wenn ich mir die Trailer für Spiele anschaue, geht es um Sport, um Begeisterung, wenn ich aber an die UEFA oder den DFL denke, der ja auch keine rühmliche Rolle in der Regenbogenaffäre gespielt hat, dann denke ich aber nicht an Sport oder Begeisterung, sondern nur an Geld, Werbung, Exklusivität, denn ohne Sky-Abo sieht man bei uns ja nichts mehr von der Bundesliga.

Also liebe DFL und UEFA, beweist doch mal das ihr wirklich den Sport vertretet. Wie wäre es, wenn ihr 50 % der Einnahmen aus Werbung, Transfers und Senderechten der obersten nationalen und europäischen Ligen, unter all den anderen Ligen, die es im Fußball gibt, verteilen würdet? Dort gibt es etliche Vereine mit finanziellen Problemen, viele die jeden Tag ehrenamtlich viel Arbeit für ihren Verein leisten. Vielleicht würden dann die Ligen auch etwas interessanter, wenn nicht mehr so viel Geld an so wenige Vereine fließen.

Zurück zur LGBT-Problematik. Die hat ja primär nichts mit der UEFA oder auch den nationalen Ligen zu tun, außer vielleicht in Ungarn. Es ist ein gesellschaftliches Phänomen. Homosexuelle Politiker und Kunstschaffende sind mittlerweile akzeptiert, Sportler (nicht nur Fußballspieler) nicht. Ebenso gibt es ja immer wieder Übergriffe gegen Spieler mit einer Nicht-Europäischen Ethnie. An der Gesellschaft können die Organisationen nichts ändern, aber an dem Vorgehen gegen solche „Fans“ die Spieler beleidigen. Und zwar indem die Maßnahmen wirklich schmerzhaft sind. Dazu gehört lebenslanges Stadionverbot für den betreffenden Fan, zeitweiliges für den Fanclub und – weil die Fans ja gekommen sind, um ein Spiel zu sehen – sofortiger Spielabbruch und Wertung mit 3:0 für die Mannschaft deren Spieler beleidigt wurde. So etwas könntet ihr als UEFA durchsetzen, doch ich befürchte, das ist euch zu politisch …

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