Den eigenen Kohlendioxid Fußabdruck verringern – die Fortsetzung

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Ich schließe heute nahtlos an den ersten Teil des Beitrags von gestern an. In diesem ging es um Mobilität und Wohnen und heute geht es um die restlichen Sektoren: Ernährung, Konsum und die Politik.

Ernährung

Der viertgrößte Posten ist die Ernährung. Ich gebe zu, die Umstellung fällt hier am schwersten. Die Zusammenhänge sind relativ simpel und jeder dürfte sie kennen: regional ist besser als Import, weil alles ja erst mal herangekarrt werden muss. Bestimmte Frischwaren sogar per Flugzeug und dann verhagelt es die Kohlendioxidbilanz komplett. Saisonal ist besser als außerhalb der Saison. Weil der Aufwand für den Anbau dann geringer ist bzw. viele Früchte und Gemüse dann bei uns gar nicht mehr wachsen und importiert werden müssen. Anderes geht auch außerhalb der Saison im Gewächshaus und unter künstlichem Licht. Aber mal ehrlich: das schmeckt man dann auch. Daneben spart man so viel Geld, denn der aufwand für Energie und Transport muss ja bezahlt werden. Relativ komplex wird es bei verarbeiteten Lebensmitteln. In denen steckt zwar viel mehr Energie als in Rohwaren, aber die Alternative ist ja nur die Verarbeitung selbst zu machen und da braucht man meist wesentlich mehr Energie. Einfaches Beispiel: wer selbst Brot backt braucht dafür ein Vielfaches der Energie pro Laib wie ein Bäcker der den Platz im Ofen viel besser nutzt und mehrere Bleche hintereinander mit nur einer Aufheizperiode bäckt.

Den größten Batzen an Kohlendioxidemissionen kann man bei dem Verzicht auf Fleisch einsparen. Das liegt daran das Warmblüter den Großteil der aufgenommenen Energie nur zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur brauchen. Bei einem Menschen, der sich kaum bewegt, sind es mehr als zwei Drittel der Energie (Stichwort Grundumsatz und Leistungsumsatz wenn ihr mal danach suchen wollt). Man rechnet bei der Mast, das man für 1 kJ Energie im Fleisch etwa 10 kJ Energie in den Futtermitteln aufwenden muss. Aber ich weiß, das Verändern von Ernährungsgewohnheiten ist wirklich schwer. Ich esse seit dem Tod meiner Mutter fleischreduziert. Das ergab sich ganz natürlich, weil ich dann alleine war und ich nicht wegen der Miniportionen zum Metzger wollte und die abgepackten Portionen beim Discounter zu groß waren. Aber ich kenne auch das Gegenbeispiel mein Bruder. Bei dem gibt es immer nur Fleisch und Fisch. Spagetti isst er nie mit Tomaten- oder Käsesoße sondern nur mit Hackfleischsoße. Aber vielleicht probiert man es mal im kleinen, also mal die Menge an Fleisch/Wurst pro Portion reduzieren oder eine Mahlzeit fleischfrei gestalten. Aus Erfahrung weiß ich dass wenn man längere Zeit weitestgehend auf etwas verzichtet – gerne in den 40 Tagen der Fastenzeit, das einen längerfristigen Effekt bringt.

Wenn es Fleisch sein muss, dann gibt es noch einen Tipp: die einzelnen Fleischsorten haben einen unterschiedlichen Kohlendioxidfußabdruck. Am wenigsten Futter braucht Geflügel, dann folgen Schweine und ganz schlecht steht Rindfleisch da. Das liegt nicht daran, dass Kühe ineffiziente Verdauer sind – im Gegenteil: durch ihre große Masse und die Tatsache dass sie Wiederkäuer sind, brauchen sie pro Kilogramm Körpermasse relativ wenig Futtermittel. Aber im Wiederkäuen liegt das Problem. Sie können dadurch auch die Zellulose im Grass verdauen, die für Säugetiere eigentlich völlig unverdaulich ist. Das erledigen Bakterien in den vier Mägen des Rinds. Die produzieren aber auch Methan und Methan ist ein viel schlimmeres Treibhausgas als Kohlendioxid.

Daneben werden für die meist importierten Futtermittel in Südamerika Wälder gerodet und so eine Kohlenstoffsenke vernichtet und beim Verbrennen des Holzes weiteres Kohlendioxid freigesetzt.

Fisch – sofern man ihn mag – wäre eine Alternative. Bei Kaltblütern sieht die Energiebilanz besser aus. Aber die Meere sind sowieso überfischt, Fischzuchten lösen das Problem nicht, denn die Fische dort werden mit anderen Fischen als Fischmehl gefüttert. Unproblematisch sind nur Fische, die Pflanzenfresser sind, leider die wenigsten die auf dem Teller wandern. Mir fällt da nur der Karpfen ein.

Ein heikles Thema sind Haustiere. Die häufigsten Haustiere bei uns sind Katzen und Hunde. Beides sind Fleischfresser. Hunde soll man rein vegetarisch ernähren können, wenn das Futter alle Nährstoffe enthält, bei Katzen geht das nicht. Weil diese nur Fleisch fressen, sieht angeblich ihre Ökobilanz miserabel aus. Doch bei der Recherche fand ich heraus, das alle Meldungen sich nur auf eine Publikation von ESU-Services beziehen, die noch dazu keine offizielle wissenschaftliche Untersuchung sondern eine Praktikumsarbeit ist. Aufgeführte Quellen sind dort nicht herunterladbar. Ich habe so meine Zweifel. Denn: Tierfutter wird vor allem aus dem Fleisch hergestellt, das wir nicht konsumieren und das ist eine Menge. Verwendet wird ja nur ein Teil. Die meisten Innereien, Sehnen, Knorpel und das Bindegewebe landen im Tierfutter, Verzehrt wird bei uns fast nur Muskelfleisch. Das fällt aber in jedem Falle bei der Schlachtung an.

Aber man kann vielleicht beim nächsten Tier etwas besser machen. Hunde gibt es in verschiedenen Größen und Gewichtsklassen und damit unterschiedlichem Apettit. Vielleicht tut es auch ein Pudel anstatt einem Schäferhund. Und vielleicht reicht auch nur Tier (der Autor hat drei Katzen und weiß wie schwer es ist sich von einem Tier zu trennen). Ein persönlicher Tipp: wenn ich ein kaufe schaue ich im Discounter nach Fleisch das heruntergesetzt ist, dann meist nur noch einen Tag oder diesen Tag haltbar. Das dürfen aufgrund der Gesetzeslage anders als Wursterzeugnisse die Märkte auch danach nicht mehr an die Tafel oder andere Organisationen abgeben, sondern müssen es in den Müll schmeißen. Damit füttere ich dann meine Katzen, portioniert für jeweils eine Tagesration eingefroren und peu a peu aufgetaut. Wenn die Chance groß ist das es sowieso im Müll landet verbessert das in der Summe dann die Ökobilanz. Wenn man auf Nummer sicher gehen will: erst abends einkaufen, das es dann noch einen anderen Käufer findet ist dann noch unwahrscheinlicher.

Der einfachste Tipp und der spart auch noch Geld, ist weniger wegzuwerfen. Das ist eine Erziehungsfrage. Bei meiner Oma hätte es Schimpfe gegeben wenn man Essen wegwirft oder nicht alles aufisst was man sich in den Teller geschöpft hat. Bei meiner Mutter nicht, aber da war es selbstverständlich das Reste am nächsten Tag nochmal auf den Tisch kamen, notfalls in andere Gerichte verarbeitet. Da gab es Gerichte, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gegessen habe wie Brotsuppe (altes, trockenes Brot klein schneiden mit Öl anbraten und zusammen mit ebenfalls angebratenen Zwiebeln in eine schon heiße Fleischbrühe gegeben, darf nicht lange ziehen, sonst wird das Bot matschig). Inzwischen hat das der Gesetzgeber erkannt, und will das „Containern“ straffrei machen. Woanders sind Lebensmittelgeschäfte sogar verpflichtet ihre Lebensmittel am Ende der Mindesthaltbarkeitsdauer an Tafeln abzugeben (anders als ein populärer Irrtum sind die Lebensmittel danach noch genißbar, es heißt ja „mindestens“.

Aber zurück zu einem selbst. Der Schlüssel dafür das man selbst wenig wegwirft ist Planung. Man muss sich bei den Dingen die rasch verderben überlegen wie man sie zeitnahe verbraucht. Seit ich alleine bin und die Portionen kleiner, plane ich eigentlich immer für eine Woche im voraus. Selbst eine kleine Packung Kartoffeln ist für mich im Sommer, wenn sie schnell auskeimen, zu viel. Da gibt es in einer Woche dann schon mal Gemüsesuppe, Bratkartoffeln und Spinat mit Kartoffeln und die nächste Woche dann gar keine Kartoffeln. Man kann viele Gerichte auch portioniert einfrieren und wer im Restaurant zu große Portionen bekommt, kann schon bei der Bestellung sagen das die Portion kleiner sein sollte oder bringt Frischhaltedosen mit.

Konsum

Der drittgrößte Brocken beim Kohlendioxidverbrauch ist der sonstige Konsum. Alles was man sonst so braucht außer Essen. Dieser Teil ist enorm variabel und hängt von den eigenen Konsumgewohnheiten ab. Auch wenn ihr es nicht hören wollt: die einfachste Möglichkeit den Kohlendioxidverbrauch zu reduzieren, ist etwas nicht zu kaufen. Ein Drittel der Kleidung wird angeblich ungetragen wieder in den Müll gekauft, ein Smartphone im Schnitt nur 24 Monate lang genutzt bevor ein neues gekauft wird. Über Nicht-Konsum und längere Nutzung kann man viel mehr Kohlendioxid einsparen als wenn man auf ökologische Alternativen setzt, wie die oben erwähnte Bambus-Zahnbürste.

Noch etwas, die Einzelhändler wirds nicht freuen, haben Untersuchungen gezeigt: das Einkaufen im Internet ist ökologisch günstiger als das vor Ort. Der Grund liegt darin dass zwar die Pakete ausgeliefert werden müssen, aber ein Laster hat eben etliche Pakete die er ausliefert, während jeder für das einkaufen meist mit dem Auto in die nächste Großstadt fährt. Das gilt allerdings nur, sofern man nicht die Gewohnheit hat, drei Größen und fünf verschiedene Farben/Designs zu bestellen und die nicht passenden Teile dann wieder zurückschickt.

In den Konsum mit eingerechnet habe ich auch das Reisen, obwohl es in der Klimabilanz bei Mobilität untergeordnet wird. Ich sehe es aber von der Beeinflussungsmöglichkeit hier angesiedelt. Der Grund: die meisten Fahrten mit einem Auto kann man nicht vermeiden. Man muss zum Arbeitsplatz oder zu einem bestimmten Ort. Aber wohin und wie oft man verreist, kann man schon beeinflussen. Die Zusammenhänge sind relativ einfach: je länger die Strecke, desto schlimmer die Klimabilanz. Zwar braucht selbst ein Flugzeug pro 100 km und Passagier auf Kurzstrecken nicht mehr Treibstoff als ein PKW mit einer Person (bei Langstrecken sieht es wegen des Zusatzgewichts für mehr Treibstoff schon schlechter aus), aber es macht eben die Strecke. Einmal Malle hin und zurück sind 2.600 km direkte Flugstrecke, das ist bei einer Durchschnittstrecke von 13.000 km, die ein Auto pro Jahr bei uns zurücklegt, schon ein Fünftel dieser Strecke. Also vielleicht mal ein näheres Ziel suchen, innehab Deutschlands kann man mit der Bahn oder Bus auch noch seine Kohlendioxidbilanz verbessern weil der Ausstoß pro zurückgelegtem Kilometer deutlich geringer ist.

Politik

Unter der rot-grünen Regierung unter Schröder wurde die EEG Novelle initiiert, die heute Früchte trägt. Die nächsten 16 Jahre regierte die CDU, die von 2009 bis 2013 mit der FDP (mit der SPD war es wohl nicht zu machen), sogar die Reformen von Schröder zurückdrehen wollte und das beim Atomausstieg auch tat, dumm nur das nach Fukushima bei uns ein Umdenken einsetzte und es so nicht dazu kam. Seitdem hat sich nichts in Sachen Reduktion von Treibhausgasen getan und es wurde die schmutzige Energiegewinnung aus Kohle sogar mit Subventionen und Garantien gefördert. Ebenso blieb es bei einem symbolischen, noch unter den Mindestforderung der eigenen Experten liegenden Kohlendioxidsteuer. In der jetzigen Koalition sind die Grünen wieder dabei, aber auch die FDP, die für den Verkehrssektor zuständig ist und wieder Bestandsgarantien für Verbrenner durchsetzte was sie „Technologieoffenheit“ nennt. (Liebe FDP, Technologieoffenheit würde auch heißen das man auf Autobahnen und Bundesstraßen als Fahrradfahrer oder in Innenstädten mit dem Pferd unterwegs sein darf, warum setzt ihr das mal nicht durch?) und schließlich sogar erreichte, dass der Verkehrssektor seine Klimaziele gar nicht erreichen muss. Wo es immer nur geht bremst die FDP. Ich glaube ein psychologischer Aspekt des Heizungsgesetzes in der urspünglichen Form war wohl, das Habeck hier besonders viel tun wollte, weil die Grünen ansonsten überall in der Koalition – die SPD scheint ja auf Seite der FDP zu sein – zurückstecken musste und übers Ziel hinausschoss. Und die AFD leugnet ja den Klimawandel.

Also welche Partei soll man wählen, wenn man etwas fürs Klima tun will? Die Grünen sind heute nicht mehr die Grünen, die sie mal waren, aber sie sind die einzige Partei im Bundestag die wenigstens das Ziel noch im Auge haben. Ob es die vielen Parteien, die auch „grün“ sein wollen, und an der 5 Prozent Hürde scheiterten, besser machen, weiß ich nicht, solange sie nicht im Parlament sind ist das auch Spekulation. Aber gerade deswegen weil die Politik es nicht hinbekommt kann man als Bürger ja mit gutem Beispiel vorangehen.

Geld

Geld regiert die Welt und mit der Kaufkraft die jeder einzelne hat, kann er etwas bewegen. Nicht umsonst schmücken sich Unternehmen gerne mit dem Begriff „Klimaneutral“, meist eine Mogelpackung weil sich die Unternehmen nur auf einen Teilaspekt konzentrieren. Discounter loben das aus, beziehen sich dann aber nur auf den Kohlendioxidgasstoß ihrer Filialen. Sie lassen gerne weg, dsas alles ja zu diesen Filialen transportiert werden muss, bei ihnen Verpackungsmüll anfällt und auch Dinge im Container landen die unter Kohlendioxidemission hergestellt wurden. Aber man kann seine Kaufentscheidung wenn man die Wahl hat, danach richten und so Druck ausüben. Dazu bräuchte man aber auch eine unabhängige Einstufung um vergleichen zu können, die es derzeit nicht gibt.

Direkt etwas bewegen kann man bei der Geldanlage. Ich habe vor Jahren mal bei der Bank gefragt, ob ich nicht direkt in Windparks investieren kann. Damals waren die wohl noch nicht so gut informiert und verwiesen mich an Bürgerenergien, das sind Vereine die Geld sammeln und damit Solaranlagen betreiben. Bei zwei regionalen in Ostfildern und Stuttgart bin ich denn auch Mitglied. Inzwischen weiß die Bank mehr und hat mit bei der letzten Beratung Encavis empfohlen die Wind- und Solarparks betreiben und in den letzten Jahren enorm an Wert zugelegt haben, der Boom ist nun aber vorbei.

Ich habe schon vor Jahren begonnen vornehmlich in Aktien oder Fonds zu investieren, die Unternehmen betreffen die im Bereich alternative Energien aktiv sind, so Vestas (Windkraftanlagenhersteller) Veolia (Wasser, Abwasser, Abfallentsorgung, Energiemanagement), Niebe (Wärmepumpenhersteller) und Fonds wie den BNP Paribas Easy Low Carbon 100 oder Erste WWF STOCK Umwelt. Manche Investments sind auch eher im Bereich „Zocken“ angesiedelt wie der Kauf von Carbios (entwickelt, hat aber noch kein Verfahren um Kunststoffe mit Enzymen zu spalten und zu recyceln). Dagegen habe ich andere Unternehmen die energieintensiv sind, aus meinem Portfolio verbannt wie RWE, BP, Shell, Bayer oder Heidelbergzement. In der Summe haben sich die „Umweltfirmen“ besser entwickelt als der Markt.

Das so gewonnene Geld kann man nutzen, nicht nur um ein Balkonkraftwerk zu betreiben, sondern auch „Kohlendioxid-Kompensation“ zu betreiben. Der eine oder andere kennt das im Zusammenhang mit Flügen um so das schlechte Gewissen zu beruhigen. Das Prinzip: eine Organisation sammelt Gelder und investiert diese so, das Kohlendioxid eingespart wird – aber langfristig. Das kann das Aufforsten von Wäldern sein oder indem man in Entwicklungsländern z.B. Öfen die mit Holz betrieben werden durch effizientere ersetzt oder eine Dieselmotor betriebene Wasserpumpe durch eine mit PV-Anlage betriebene Pumpe ersetzt. Ich unterstütze Prima-Klima und Atmosfair jedes Jahr mit 400 Euro, die schnitten in einem Test von Stiftung Warentest von den Anbietern 2019 am besten ab.

Man sollte sich aber nichts vormachen: das ist ein Feigenblatt. Denn die 15 bzw. 23 Euro die pro zukünftig eingesparter Tonne Kohlendioxid investiert werden müssen die die Anbriete errechnet haben ist zu niedrig. Das ist das Geld das man aufwenden muss um über lange Zeit eine Tonne in der Zukunft Kohlendioxid einzusparen, und das auch nur wenn es gut läuft (also Bäume wie erwartet wachsen und nicht eingehen, die neuen Anlagen in Entwicklungsländern nicht kaputtgehen). Volkswirtschaftler gehen aber jetzt von etwa 100 Dollar volkswirtschaftlichen Schaden pro ausgestoßener Tonne Kohlendioxid aus. Das ist der Schaden der entsteht durch Dürre, Überschwemmungen, stärkere Unwetter, Tote durch Hitzewellen. Und das ist eben ein Vielfaches von 15 oder 23 Euro. Selbst die derzeitige Kohlendioxidsteuer ist mit 25 Euro höher.

So das wars, ich hoffe ihr konntet was von dem Blog mitnehmen.

4 thoughts on “Den eigenen Kohlendioxid Fußabdruck verringern – die Fortsetzung

  1. Bei Habecks Heizungsgesetz sollten wir höllisch aufpassen nicht Opfer transatlantischer Begehrlichkeiten zu werden. Es könnte passieren das die Kosten für die Heizungserneuerung die Bürger scharenweise in die Abhängigkeit der kommunalen Fernwärme treiben. Und die darf weiterhin mit US LNG betrieben werden. Ein Schelm der dabei Böses denkt.

      1. Sorry, der Beitrag hätte zum 1. Teil gehört: „Wohnen und Strom“.

        Aber man kann bei der Energiewende, die eigentlich eine Rohstoff- und Nutzungswende ist, die Politik schlicht nicht ausklammern – und insbesondere nicht bei dem aller zentralsten Thema, der Verringerung des CO2 Foot Prints. Diese Entwicklung, so sie denn wirklich eingeleitet wird (ich habe da meine Zweifel), wird tiefgreifende Veränderungen im Leben der meisten von uns bringen. Ähnlich gravierende soziale Veränderungen brachten die Aufhebung von Sklaverei und Leibeigenschaft, die ersten Sozialgesetze, der Kühlschrank (kein Witz) und die Anti-Baby-Pille.

        Alle Ihre Bemerkungen zu dem was man persönlich machen kann um CO2 Emissionen zu senken haben Hand und Fuß. Bei dem persönlichen Fleischkonsum kommt noch hinzu (ich hoffe das habe ich nicht überlesen) daß eine Reduktion gleichzeitig den Abbau einer der wichtigsten CO2 Senken – die Wälder – entgegenwirkt. Man kann gar nicht genug betonen wie schwer ein übersteigerter Fleischkonsum das Klima belastet.

        Aber leider werden die von Ihnen angesprochenen Dinge bei weitem nicht reichen die entscheidenden Änderungen herbei zu führen. Niemand bricht sich einen Zacken aus der Krone wenn er mehr das Fahrrad oder den ÖPNV nutzt, da wo es möglich ist, weniger Fleisch isst oder auf moderne Heizungssysteme umstellt. Das Problem liegt vielmehr darin daß unsere Ressourcennutzung komplett auf fossile Rohstoffe ausgelegt ist. Das zu ändern wird jedem Einzelnen persönlich extrem viel abverlangen. Und das ganz zentrale Problem der Energiewende ist daher kein technisches sondern ein soziales Problem. Wir benötigen weniger „New Energy Engineering“ sondern mehr „Social Engineering“. Und deshalb hatte ich meinen, vielleicht etwas VT; Einwand gemacht. Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Und aktuell münden diese „guten Vorsätze“ in Kohleverstromung für ausländische E-Autos und LNG zum Heizen der Wohnung.

        Wir hatten ein Klimakanzlerin die 16 Jahre nichts für das Klima gemacht hat, und wir haben eine grün gefärbte Regierung die die Energiewende propagiert und verstärkt Kohle verstromt. Es wäre schön wenn der private Verzicht, ohne den es schlicht nicht geht, nicht durch eine ignorante Politik unterlaufen wird.

  2. Ich würde noch gerne einige Punkte zum Thema CO2 einsparen anbringen.

    Transport und Verkehr:
    Etwa 18% der fossilen Nutzung entfällt auf Transport und Verkehr – so die folgende Statistik (1). Wenn wir nun alle Verkehrsmittel elektrisch betreiben (den Flugverkehr lasse ich einmal Außen vor), dann sind diese 18% aber noch lange nicht weg. Die Straßen müssen weiterhin gebaut und instand gehalten werden, die E-Autos müssen gebaut werden und die Infrastruktur für die erneuerbare Energiegewinnung wird auch nicht hingezaubert. Die größte CO2 Einsparung, die der Bürger machen kann ist vermutlich in einem Haushalt mit zwei Autos auf eines zu verzichten. Da käme dem Car Sharing vermutlich ein größeres CO2 Einsparpotential zugute als viele annehmen.

    Elektrifizierung der LKW
    Wir haben bei Lübeck eine Autobahn-Teststrecke mit Oberleitung. Im Prinzip sollte es überhaupt kein Problem sein einen großen Teil der rechten Autobahnspuren mit solchen Oberleitungen auszustatten. Die Technik existiert seit mehr als 100 Jahren. Das würde die Notwendigkeit großer und teurer Batterien wie auch der Ladestationen im Transportbereich erheblich senken. Die LKW würden leichter und billiger.

    Schnittstelle Straße-Schiene
    Eine Energiewende ohne massive Nutzung der Schiene im Fernverkehr ist eigentlich illusorisch. Und da reden wir auch nicht von technologischen Problemen sondern einer ignoranten Politik.

    Fossile Ressourcen
    Ich kann mich noch an ein Leben ohne Plastik erinnern. Man glaubt es kaum, aber es war möglich. 1970 lebten in Gesamt-Deutschland 78 Mio. Menschen. Und die nutzten fossile Rohstoffe in erheblich geringerem Ausmaße. Sei es weil die wenigsten ein Auto hatten, sei es weil einfach erheblich weniger fossile Rohstoffe für die Dinge des täglichen benötigt wurden. Aktuell ist es billiger ein Sofa komplett aus Erdöl und Erdgas zu fertigen als aus Holz, (Baum)-Wolle und anderen Naturstoffen. Der Verzicht auf Kunststoffe ist kein technologisches sondern ein soziales Problem. Und wir sind in den 60er Jahren nicht reihenweise an Lebensmittelvergiftungen gestorben weil wir das Fleisch beim Metzger im Papier eingewickelt bekamen oder die Milch in der Kanne kauften.

    Infrastruktur/Gebäude
    Die Herstellung von Zement setzt unglaublich viel CO2 frei, ebenso die Herstellung von Ziegeln. Bei der Zementherstellung kommt man technologisch nur um den Teil der CO2 Emission herum der die notwendige Wärmeleistung betrifft. Der Rest der CO2 Emission kommt aus der chemischen Umsetzung. Ziel müsste es sein mehr mit Ziegeln und weniger mit Beton zu bauen. Das energetische Optimum bei der Herstellung von Ziegeln wurde auch schon vor über 100 Jahren mit dem Hoffmann Ofen erreicht (2). Die Quelle ist übrigens eine Fundgrube für Ansätze zur CO2 Reduzierung.

    Allgemeine Nutzung von fossilen Ressourcen
    Letztlich hat kaum jemand eine Vorstellung darüber wie unglaublich viele fossile Rohstoffe inzwischen unser tägliches Leben bestimmen. Wir werden eher wieder verzichten, was nicht falsch sein muß, als denn unser gewohntes Nutzungsverhalten technologisch zu kompensieren.

    (1) https://www.goclimate.de/glossar/emissionen/sektoren/#:~:text=CO2%20Emissionen%20in%20Deutschland%20nach%20Sektoren%20in%20Prozent&text=In%20Deutschland%20ist%20die%20Energiewirtschaft,Verkehr%20und%20den%20privaten%20Haushalten.

    (2)
    https://www.lowtechmagazine.com/2009/10/hoffmann-kilns-brick-and-tile-production.html

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