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Ich habe als ich vor einigen Jahren (2018) mal als ich für das Mercuryprogramm recherchiert habe einen Blog zu Explosionen auf dem Pad geschrieben, eigentlich zwei, weil ich ihn geteilt habe. Da es vor allem in den letzten Jahren neue Explosionen auf dem Pad gab, ergänze ich ihn an dieser Stelle also den Zeitraum 2018 bis 2026 und da gab es doch einiges.
Explosion auf der Startrampe <> Explosion über der Startrampe
Auch wenn der Schaden meist gleich hoch ist, muss man zwischen der Explosion auf der Startrampe also noch vor dem Abheben und danach unterscheiden. In den Fünfzigern und frühen Sechziger war die Zuverlässigkeit von Raketentriebwerken noch sehr niedrig. Damals wurden Tests auch schneller durchgezogen, Ziel waren ja einsatzfähige militärische Raketen, die neben den Triebwerktests die alleine mit dem Triebwerk erfolgten auch noch Testflüge absolvieren sollten, und zwar in hoher Zahl. Derzeit ist ja das Buch über die Thor bei meinem von mir sehr geschätzten Korrekturleser Mario Remler und bei der Thor wurde das Triebwerk in weniger als zwei Jahren entwickelt. Das ist extrem kurz verglichen mit heutigen Entwicklungszyklen bei neuen Triebwerken wie dem BE-4 oder Raptor. So verwundet es nicht das viele Triebwerke kurz nach der Zündung ausfielen. Im Prinzip waren die ersten Testflüge – die Thor hatte 18 Testflüge + 28 Flüge um die Rakete in eine militärische nutzbare umzuwandeln auch weitere Triebwerktests. So fand man erst hier raus das reproduzierbar das Gehäuse der Turbopumpe brach. Diese Flüge hatten eine hohe Fehlerquote, auch bei der Thor explodierte eine vor dem Abheben.
Besonders häufig gab es Verbrennungsinstabilitäten, die im Extremfall zu einer Triebwerksexplosion führen konnten, aber meistens eher dazu, dass das Sicherheitssystem einschritt und das Triebwerk abschaltete. Das ging auch damals ohne Computer relativ einfach. Es gab einen Druckmesser, der aktiv wurde, sobald die Rakete abhob und schwankte der Brennkammerdruck so sank die Spannung, die aus dem Druck generiert wurde, ab und erfolgte dies so schaltet ein Relais die Treibstoffzufuhr ab. Wenn das wenige Meter über der Startrampe erfolgt, dann fällt sie durch den zu kleinen Schub auf die Startrampe zurück und explodiert. Auch ohne Abschaltung entwickeln Raketen mit Verbrennungsinstabilität meist zu wenig Schub und fallen dann auf die Startrampe zurück. Das ist auch heute so und der Grund warum man dann nicht die Rakete weg von der Basis lenkt um die Beschädigungen zu minimieren.
Dagegen ging man schon damals davon aus, dass eine Rakete auch bei einem Probecountdown nicht einfach so explodiert oder vor einem Start explodiert. Dann liegt es nicht am Triebwerk, sondern an einem Überdruck in den Tanks und Tanks, die unter Druck stehen sind, nun wirklich keine „Rocket Science“ sondern werden überall in der Industrie eingesetzt um Flüssigkeiten oder Gase zu lagern oder zu transportieren, also etablierte Technik die nicht einfach so versagen sollte.
Eine Explosion vor dem Start war auch damals schon bemerkenswert. Daher habe ich meine Liste in zwei Teile unterteilt: Explosionen, bevor die Rakete abgehoben hat und Explosionen, nachdem sie abhob. Auf der anderen Seite muss man natürlich noch unterscheiden, wann man eine Explosion nicht mehr zu dieser frühen Phase zählt. Rein formal habe ich die Passage des Startturms als Kriterium genommen. Also dieser Blog enthält nur Starts, die fehlschlugen bis die Rakete in ihrer vollen Länge den Startturm passiert. Das alles aber nur als theoretisches Kriterium, das ich beim letzten Blog öfters anwenden musste. Bei allen Explosionen auf dem Pad von denen wir hier reden hob keine rakete ab.
Right back from where you come
In meinem alten Blog ist ersichtlich, dass die meisten Ereignisse in der Frühzeit der Raumfahrt waren. Für die 70-er und 90-er Jahre fand ich gar kein Ereignis, was mit meinen Erinnerungen korrespondiert. In den Jahren danach entfallen alle Ereignisse auf neue Raumfahrtakteure, also kommerziell entwickelte Firmen oder in den frühen 2000-ern auf den Verfall der russischen Raumfahrt die sich in mangelnder Sorgfalt auswirkte. So haben wir in den letzten Jahren wieder etliche neue Ereignisse zu verzeichnen. Ich habe der Übersicht halber diesmal nicht nach Datum, sondern Firma sortiert.
SpaceX
Die meisten Vorkommnisse hat SpaceX bei seinen Starship Tests zu verzeichnen. Für die insgesamt 39 Starship-Prototypen und 19 Superheavys kam die Firma auf erstaunlich viele Fehlschläge nämlich sieben, während hunderte von Falcon 9 im selben Zeitraum problemlos flogen. Das ist nicht nur in dieser Rubrik ohne Beispiel, sondern es verwundert, weil alle anderen Explosionen von „Newcomern“ stammen, deren ersten Rakete es ist. Bei SpaceX ist das Starship aber schon die dritte Rakete die sie entwickeln.
Mark 1: 20.11.2019
Der erste Test eines Starship Prototyps betraf nur die Tanks. Der erste Prototyp explodierte am 20.11.2019 bei einem Druckbelastungstest. Auch wenn SpaceX das abwiegelte, man hätte den Tests bis zum Maximum gefahren und die Explosion käme nicht völlig unvorbereitet, scheint das nicht die Wahrheit gewesen zu sein, denn genau dieses Vehikel sollte nach Posts von Elon Musk die ersten Testflüge in niedriger Höhe durchführen.
SpaceX: SN1 : 28.2.2020
Die nun folgenden Prototypen wurden neu konstruiert und erhielten nun SN-Prototypnummern anstatt eine „Mark X“ Nomenklatur.. Am 28.2.2020 wiederholte man mit dem ersten SN-Prototypen den Drucktest bei dem Mark I vor drei Monaten durchfiel. Natürlich tat das auch SN1, er flog bei einer Beaufschlagung mit Stickstoff in die Luft. SpaceX stellte damit einen neuen Rekord auf. Bisher gab es nur den Fall das ein Raketentyp zweimal hintereinander bei einem Drucktest explodierte, das war eine Atlas in den fünfziger Jahren, das eine Rakete zweimal hintereinander versagt, gab es nicht. SpaceX ist Weltrekordhalter und baute in der Folge diesen Vorsprung weiter aus.
SpaceX: SN3: 5.4.2020
Mit dem folgenden Starship SN2 schaffte man den Drucktest mit Gasen, nun ging SpaceX an den Test den Tank nicht nur mit Druckgasen, sondern kryogenen Flüssigkeiten zu befüllen. Diesmal kippte der obere Teil der Stufe einfach um, nachdem es schon Falten im unteren Teil, wahrscheinlich dem Methantank gab. Musk schreibt. „“There are redundant pressure control valves. It’s a new system and SN3 was simply commanded wrong. … Not enough pressure in the LOX tank ullage to maintain stability with a heavy load in the CH4 tank. This was done with N2.”.
Also es gibt ein redundantes System, das ja eigentlich solche Probleme verhindern sollte, aber man ist bei SpaceX nicht fähig es auch korrekt zu bedienen.
SpaceX: SN4: 29.5.2020
Nachdem man mit SN4 den Betankungstest wiederholte und erfolgreich durchführte. Testete man mit SN4 zum ersten Mal auch ein Raptor-Triebwerk. Das Raptor wurde kurz gezündet, schaltete dann regulär ab. Dann gab es nach einer Minute eine Explosion. Schuld daran waren die Verbindungen der Treibstoffleitungen zum Starship. Diese sollten auch getestet werden. Solche Verbindungen müssen schnell abziehbar sein, bei den meisten Raketen werden diese bis wenige Sekunden vor dem Start betankt und dann zurückgezogen. Das klappte nicht so gut, denn aus den Leitungen flossen danach noch Treibstoff, der sich dann entzündete und zur Explosion führte. Wieder mal ein neuer Rekord von SpaceX: diese Ursache einer Raketenexplosion gab es bisher in der Raumfahrtgeschichte noch nicht.
SpaceX: SN10: 3.3.2021
Beim Starship SN10, das einen Aufstieg und eine Landung durchführte, lief bis zur Landung alles problemlos. Diesmal klappte auch die Landung, nachdem der Vorgänger auf der Startbasis aufgeschlagen war. Doch der Prototyp landete mit zu hoher Geschwindigkeit (10 m/s, etwa doppelt so schnell wie eine Dragon am Fallschirm bei der Landung wassert). Drei der Landebeine waren nicht eingerastet und zwei Beine brachen in der Folge ein. Austretendes Methan führte dann 8 Minuten nach der Landung zu einer Explosion. Verantwortlich soll ein zu geringer Heliumvorrat im Methantank gewesen sein. Später wurde präzisiert, dass Helium in die Turbopumpen gelangte.
Das Helium wurde erst nach SN9 hinzugenommen, um das Treibstoffschwappen zu reduzieren. Klar ist das bei einer vorher horizontalen Position im Gleitflug so natürlich Helium in die Leitungen gelangen kann, die nicht mehr von Flüssigkeit bedeckt sind.
SpaceX: SN36: 18.6.2025
Das Starship für den IFT-10, wurde am 18. Juni 2025 auf dem SpaceX-Testgelände „Starbase South Texas“ routinemäßigen Tests unterzogen. Dabei kam es laut Angaben der örtlichen Behörden auf Facebook zu einem katastrophalen Defekt und einer Explosion. Videos zeigen einen gewaltigen Feuerball. Später wurde bekannt, dass eine Druckgasflasche bei den Tests explodiert war. Druckgasflaschen gehören nicht gerade zu den Hightech-Anteilen einer Rakete, die Druckbeaufschlagung macht bei SpaceX aber anscheinend größere Probleme, denn dies war schon das dritte Starship das so verloren wurde und diesmal erfolgte dies mit einem Serien-Starship, nachdem dieses schon zwei Jahre lang flog und die letzten 24 Stück nicht durch Drucktests verloren gingen.
SpaceX: 21.11.2025: Superheavy NR. 18
Während eines Tests auf der Startrampe gegen 4 Uhr morgens CT am Freitag zeigte ein Live-Videostream der SpaceX-Beobachtergruppe LabPadre, wie die Boosterstufe plötzlich einknickte und eine Gaswolke aus ihren Seiten austrat, was darauf hindeutete, dass eine Explosion ihre Außenhülle aufgerissen hatte.
Bilder nach dem Vorfall zeigten erhebliche Schäden, eine Art Verformung, an der unteren Hälfte der Trägerrakete, in der sich der Flüssigsauerstofftank befindet. Weder SpaceX noch Firmengründer Elon Musk gaben seitdem eine Ursache oder genaue Beschreibung was passiert ist bekannt, die SuperHeavy mit der Seriennummer 18 sollte eigentlich beim nächsten Start IFT-12 zum Einsatz kommen, wurde nun aber verschrottet.
ABL Space: 19.7.2024: RS1
Am 19. Juli 2024 explodierte eine Rakete des Typs RS1 bei einem statischen Test, bei dem die Triebwerke kurz angelassen wurden. Die E2-Triebwerke wurden gezündet, der Test jedoch nach nur einer halben Sekunde wegen eines zu niedrigen Druckwerts in einem Triebwerk abgebrochen. Laut Unternehmen wurde der zu niedrige Druck durch einen fehlerhaften Drucksensor verursacht.
Die Triebwerke schalteten sich ab, doch brach darunter ein Feuer aus, das durch auslaufenden Treibstoff zweier Triebwerke angefacht wurde. Das Feuer konnte eingedämmt, aber weder mit Wasser noch mit Inertgas gelöscht werden, woraufhin das ABL Space begann, Kerosin und flüssigen Sauerstoff abzupumpen.
Die Startrampe, die ABL Space in Kodiak (Alaska) nutzt, verfügt über keine eigene Wasserversorgung. Stattdessen werden mobile Tanks verwendet, deren Wasserstand elfeinhalb Minuten nach der Zündung erschöpft war. Dies führte laut Unternehmensangaben zur Ausbreitung des Feuers und zu einem fortschreitenden Ausfall der Systeme der Startrampe. So konnte die Rakete nicht mehr enttankt werden, und schließlich fielen auch die Telemetriedaten aus.
“At T+ 23:24, the fire exceeded the thermal capability of the structure and RS1 buckled to the pad,”“, erklärte das Unternehmen. Dabei wurden die meisten elektrischen und Wasseranschlüsse der Startrampe beschädigt, die Startrampe selbst und andere Bodenausrüstung blieben jedoch unbeschädigt.
Eine Untersuchung der beiden Triebwerke, aus denen Treibstoff austrat und das Feuer verursachte, zeigte eine erhebliche Erosion des Injektors und Injektorblenden. Laut Unternehmen soll dies auf eine Verbrennungsinstabilität beruhen. “Our current leading theory is that differences in the Block 2 Stage 1 propellant feed system led to a higher energy startup than on the test stand, triggering an instability in 2 of 11 engines,”
ABL betonte, dass dieses Phänomen bei über 300 Tests des E2-Triebwerks nur einmal beobachtet wurde und damals auf ein anderes Problem zurückgeführt wurde. Das Unternehmen erklärte jedoch weiter, dass es mit dieser speziellen Konfiguration wenig Erfahrung habe und daher eine Testreihe auf seinem Testgelände am Mojave Air and Space Port in Kalifornien starte, um diese Erklärung zu überprüfen und nach weiteren möglichen Ursachen zu suchen.
Schon der erste Start der RS1 am 10. Januar 2023 war gescheitert. Die Rakete verlor 10 Sekunden nach dem Abheben an Schub und stürzte auf die Startrampe zurück. ABL Space kam später zu dem Schluss, dass die Konstruktion der Startrampe zu einem Brand im Triebwerksraum der Rakete beigetragen hatte , der zum Leistungsverlust führte, und überarbeitete die Rampe. Im November 2024 gab ABL Space an, die Entwicklung der RS1 einzustellen und die Technologie für die Raketenabwehr zu nutzen. Dabei hatte die Firma ein Auftragspolster für 58 Satellitentransporte, das Lockheed-Martin Anteilseigner war.
Bei der im Juli bei dem Brand zerstörten RS1 handelte es sich um eine überarbeitete Block-2-Version. Sie zeichnet sich durch einen um 20 % höheren Schub und 20 % mehr Treibstoff aus und verfügt über zwei zusätzliche Triebwerke (elf anstatt neun) in der Erststufe.
RFA 19.8.2024: RFA One
Am 19. August 2024 führte Rocket Factory Augsburg auf dem schottischen Weltraumbahnhofs SaxaVord einen statischen Triebwerkstest der ersten Stufe seiner RFA ONE-Rakete durch. Die Stufe hatte zwar bereits zwei kurze statische Triebwerkstests absolviert, dieser Test war jedoch der erste mit allen neun installierten Helix-Triebwerken.
Ein von der BBC aufgenommenes Video zeigt eine Explosion, als die neun Triebwerke zünden. Daraufhin schießt eine horizontale Flammenwand hervor, woraufhin die gesamte Startrampe in Flammen aufgeht und vollständig zerstört wird. Nach RFA-COO Dr. Stefan Brieschenk wurde ein „Sauerstoffbrand in einer der Turbopumpen“ als Ursache des Vorfalls identifiziert. Später wurde von RFA eigene Aufnahmen veröffentlicht.
„Dieser Motor und diese Turbopumpe liefen schon zuvor problemlos“, schrieb Dr. Brieschenk. „Acht Motoren zündeten. Wir hatten mehrere Backup- und Sicherheitssysteme eingerichtet, die alles abschalten sollten – aber am Montag lief nicht alles wie geplant.“
Laut dem Hauptaktionär OHB stand RFA nur wenige Wochen vor dem Erstflug im Juni 2024 der Rakete, als sich der Vorfall ereignete. Inzwischen ist der Jungfernflug für den 1.7.2026 geplant. „Nach dem Zwischenfall im Jahr 2024 haben wir alles gründlich überprüft, analysiert und getestet und die Systeme verbessert, um noch mehr Zuverlässigkeit zu erreichen“, teilte Stefan Brieschenk mit.
Blue Origin: 28.5.2026: New Glenn
Am 28.5.2026 explodierte die New Glenn bei einem Pre-Launch Test – sie sollte 48 Kuiper Satelliten für Amazon in der nächsten Woche starten. Geplant war eine statische Zündung der Rakete. Von Blue Origin gibt es keine Videos, nur welche von Beobachtern wie dem NSF, sodass man den zeitlichen Bezug nicht genau herstellen kann. Man sieht in dem Video zuerst ein Feuer unter der Rakete, das von der geplanten Zündung der ersten Stufe resultieren kann, dann kurz darauf Feuer im Zwischenstufenbereich gefolgt von der Explosion.
Bisher gibt es keine Erläuterung zur Ursache, nach der Ansicht des Videos würde ich drauf tippen, das nicht nur die erste Stufe zündete, sondern auch die Oberstufe und deren Triebwerke dann den darunterliegenden Sauerstofftank zur Explosion brachten.
Da Blue Origin im neuen Mondprogramm der NASA, das den Aufbau einer Mondbasis vorsieht, eine zentrale Rolle spielt, Konkurrent SpaceX ist mit seinem Starship ja immer noch da vor sie vor drei Jahren schon waren, wurde spekuliert, dass das gesamte Startpad zerstört wurde und dies das Mondprogramm auf Jahre zurückwerfen würde.
Jeff Bezos postete dagegen am 2.6.2026: „Now that we’ve had access to the pad and integration facility we can share a bit of good news. The propellant farm, oxygen, liquid hydrogen and LNG tanks are all in good shape. This is good luck because these are very long lead items. The water tower is also good. The big support tower is damaged, but it can be repaired in place rather than torn down and replaced. The booster “Never Tell Me The Odds” and the three GS-2s that were onsite in the integration facility also look good.“
Inzwischen scheint klar zu sein, das die Schäden kleiner sind als die Videos dies suggerieren und Blue Origin plant zu Jahresende die Starts wieder aufzunehmen. Betroffen war das alte Atlas Centaur Pad 36A, Blue Origin arbeitet zwar auch an der Konvertierung vom Nachbarpad 36B, ist hier aber noch in einer frühen Phase.
Kuriose Starts
Es gab auch zwei kuriose Starts in dem Zeitraum, die zwar nicht in einer Explosion endeten, aber bemerkenswert waren. Sie sind nach einer Proton die nach dem Start einen Looping drehte, weil man Beschleunigungsmesser verkehrt herum einbaute und sie so Richtung Erdboden drehte die kuriosesten Starts. Dieser Fehlstart am 2.7.2013 war wohl der Tiefpunkt in dem Niedergang der russischen Raumfahrtindustrie mit teilweise sehr seltsamen Fehlerursachen die alle mehr oder weniger auf Schlamperei oder fehlende Kontrollen zurückzuführen waren.
Space Pioneer: 30.6.2024: Tianlong-3
Die chinesische Firma Space Pioneer führte am 30. Juni 2924 eine Testzündung ihrer Tianlong-3 Rakete durch ähnlich wie dies ABL Space einige Wochen später tat. Anders als bei der RS1 schalteten die Triebwerke aber nicht ab, sondern die Rakete hob ab! Die Tianlong-3 gilt als chinesische „Falcon 9“ hat ebenfalls neun Triebwerke mit 820 t Vakuumschub und 3,8 m Durchmesser ist sie im Schub vergleichbar mit der Falcon 9. Sie soll eine Nutzlast von 17 t aufweisen.
Space Pioneer führte das Abheben auf ein strukturelles Versagen der Verbindung zwischen Bodenplatte und der Rakete zurück. Die Rakete stieg zuerst auf, danach schaltete der Bordcomputer die Triebwerke ab und nach 50 Sekunden schlug sie 1,5 km vom Pad entfernt auf. Da sie voll betankt war explodierte der Resttreibstoff in einem Feuerball.
Dabei war Space Pioneer kein Neuling: der Vorgänger Tianlong-2 war die erste privat entwickelte chinesische Rakete die einen Orbit. Am 15.9.2025 wurde der statische Test mit einer neuen Stufe erfolgreich wiederholt, der Start am 3.4.2026 scheiterte nach 2 Minuten als ein Triebwerk explodierte.
Astra: 21.8.2021: Astra 3.3
Noch kurioser war der Start der Astra Rakete am 21.8.2021. Nach dem Start bewegte sich die Rakete erst seitwärts, um dann langsam aufzusteigen. Zweieinhalb Minuten nach dem Start wurden die Triebwerke abgeschaltet, die Rakete hatte bis dahin erst eine Geschwindigkeit von 800 m/s und eine Höhe von 205 km erreicht. Schon vorher war beim Durchqueren von Max-Q ein Teil abgebrochen. Die Mission war aber im Prinzip schon nach dem Abheben gescheitert. Was passiert war, war das von den fünf Triebwerken nur vier zündeten. Raketen die Flüssigkeiten als Treibstoff nutzen starten typischerweise mit einem Schubüberschuss von 25 %, der so auf Null zusammenschmolz was dazu führte, dass die Rakete seitwärts flog aber keine Höhe erreichte (ihr Neigeprogramm war schon aktiv), erst durch den Verbrauch von weiterem Treibstoff wurde sie so leicht, dass sie schließlich doch noch an Höhe gewann.
Dies war die Rakete mit der Seriennummer L0006, also die sechste, aber die erste der Astra 3.3 Version. Die beiden Vorgänger 3.1 und 3.2 erreichten auch keinen Orbit, diese Version war 5 m länger als die vorherigen. An Bord waren militärische Nutzlasten, keine Dummy-Satelliten. Von den vier folgenden Starts scheiterten zwei. Danach stellte Astra die Rakete ein und arbeitet nun an der Astra 4.
Zusammenfassung
Dies sind 10 Fehlschläge zwischen 2019 und 2026, so viele wie seit den frühen sechziger Jahren nicht mehr und 70 % aller Fehlschläge gehen auf das Konto von SpaceX. Auch eine Parallele zu den frühen 60-ern. Damals traf es besonders die Atlas mit ihren teilweise weniger als 1 mm dicken Wänden die nur bei richtigem Innendruck stabil waren.
Fehlschläge sind bei Raumfahrt-Newcomern inzwischen fast normal, während die meisten neuen Raketen von Regierungsorganisationen erfolgreich ihren Jungfernflug absolvierten, wie diese Tabelle der Jungfernflüge ab dem 1.1.2020 zeigt:
| Erfolg | Startdatum | Nutzlast | Trägerrakete | Startort | Satellite Nation | Gesamtgewicht | Orbit |
| – | 16.03.2020 | Xinjishu Yanzheng 6 | Chang Zheng 7A | WEN LC201 | CN | 5000 | -2.000 × 200 km × 20,00 ° |
| ✔ | 22.04.2020 | Noor 1 | Qased | SHAHR LP1 | IR | 15 | 426 × 436 km × 59,81 ° |
| ✔ | 05.05.2020 | XZF-SC | Chang Zheng 5B | WEN LC101 | CN | 7200 | 162 × 377 km × 41,09 ° |
| – | 25.05.2020 | Starshine 4 | LauncherOne | MHV RW12/30 | US | 40 | -6.362 × 9 km × 67,00 ° |
| – | 10.07.2020 | Jilin-1 Gaofen 02E | Kuaizhou-11 | JQ LC43/95 | CN | 327 | -2.000 × 700 km × 98,00 ° |
| – | 12.09.2020 | Astra Test Payload | Astra Rocket 3.1 | PSCA LP3B | US | 5 | -6.378 × 10 km × 86,00 ° |
| ✔ | 07.11.2020 | Tianqi Xingzuo 1-09 | Gushenxing 1 | JQ – | CN | 40 | 484 × 500 km × 97,41 ° |
| ✔ | 03.12.2020 | Chang’e-5 Shangsheng Qi | CE-5 SSQ | LOMN CE-5 ZQ | CN | 0 | |
| – | 15.12.2020 | Astra Test Payload | Astra Rocket 3.2 | PSCA LP3B | US | 5 | -1.100 × 390 km × 98,10 ° |
| ✔ | 22.12.2020 | Yuanguang | Chang Zheng 8 | WEN LC201 | CN | 5255 | 500 × 508 km × 97,44 ° |
| ✔ | 29.05.2021 | Tianzhou-2 | Chang Zheng 7 | WEN LC201 | CN | 7810 | 377 × 387 km × 41,47 ° |
| – | 28.08.2021 | STP-27AD1 | Astra Rocket 3.3 | PSCA LP3B | US | 50 | -6.350 × 47 km × 64,10 ° |
| – | 03.09.2021 | BSS 1 | Firefly Alpha | VSFB SLC2W | US | 36 | -6.370 × 15 km × 137,00 ° |
| – | 21.10.2021 | Wiseongmosache | Nuri | NARO LC2 | KR | 1500 | -1.650 × 750 km × 97,00 ° |
| ✔ | 29.03.2022 | Tiankun-2 | Chang Zheng 6A | TYSC LC9A | CN | 2090 | 587 × 605 km × 97,79 ° |
| ✔ | 13.07.2022 | LARES 2 | Vega C | CSG ZLV | I | 310 | 5.882 × 5.895 km × 70,16 ° |
| ✔ | 27.07.2022 | SATech-01 | Lijian-1 | JQ LC130 | CN | 852 | 493 × 511 km × 97,41 ° |
| – | 07.08.2022 | EOS-02 | SSLV | SHAR FLP | IN | 0 | |
| ✔ | 16.11.2022 | Artemis I | SLS Block 1 | KSC LC39B | US | 10387 | 517 × 376.793 km × 30,53 ° |
| ✔ | 09.12.2022 | Huoju-1 | Jielong-3 | HHAI LP5 | CN | 451 | 528 × 546 km × 97,54 ° |
| – | 14.12.2022 | Zhixing 1B | Zhuque-2 | JQ LC43/96 | CN | 150 | -4.520 × 400 km × 97,60 ° |
| – | 10.01.2023 | Varisat-1A | RS1 | PSCA LP3C | US | 22 | |
| – | 04.03.2023 | Nahid 1 | Qaem-100 | SHAHR – | IR | 50 | -6.378 × 200 km × 64,50 ° |
| – | 07.03.2023 | Daichi-3 | H3-22S | TNSC Y2 | J | 2900 | -5.940 × 636 km × 86,60 ° |
| – | 23.03.2023 | GLHF | Terran 1 | CC SLC16 | US | 1 | -6.200 × 134 km × 28,50 ° |
| ✔ | 02.04.2023 | Jinta | Tianlong-2 | JQ LC120 | CN | 8 | 478 × 496 km × 97,41 ° |
| – | 20.04.2023 | Starship OFT | Starship V1.0 | STB OLP1 | US | 120000 | -6.340 × 35 km × 26,36 ° |
| – | 30.05.2023 | Manligyeong-1 F1 | Cheonlima-1 | SOHAE LC2 | KP | 200 | -5.700 × 151 km × 93,90 ° |
| ✔ | 04.12.2023 | Doory-Sat | ADD TV2 | JEJU – | KR | 80 | 638 × 650 km × 46,98 ° |
| ✔ | 08.01.2024 | Peregrine Mission One | Vulcan Centaur VC2S | CC SLC41 | US | 1283 | 498 × 381.617 km × 30,11 ° |
| ✔ | 11.01.2024 | Yunyao-1 18 | Yinli-1 | YJ LP1 | CN | 1500 | 478 × 498 km × 49,99 ° |
| – | 13.03.2024 | TUGKE 1 | Kairos | KII LC1 | J | 150 | -6.738 × 1 km × 97,50 ° |
| ✔ | 07.05.2024 | Haiwangxing-01 | Chang Zheng 6C | TYSC LC9A | CN | 389 | 493 × 511 km × 97,41 ° |
| – | 27.05.2024 | Manligyeong-1-1 | NK Kerolox LV | SOHAE LC2 | KP | 200 | -6.300 × 10 km × 97,00 ° |
| ✔ | 09.07.2024 | CURIE A | Ariane 62 | CSG ELA4 | US | 1660 | 578 × 579 km × 61,99 ° |
| ✔ | 27.11.2024 | Guangchuan 01 | Zhuque-2E | JQ LC43/96A | CN | 1000 | 303 × 499 km × 49,97 ° |
| ✔ | 30.11.2024 | JSW-03 | Chang Zheng 12 | HCSLS LC2 | CN | 600 | 993 × 1.075 km × 50,00 ° |
| ✔ | 16.01.2025 | Blue Ring Pathfinder | New Glenn 7×2 | CC SLC36 | US | 3980 | 2.409 × 19.224 km × 30,00 ° |
| – | 16.01.2025 | Starship FT-7 | Starship V2 | STB OLP1 | US | 139000 | -3.170 × 146 km × 26,40 ° |
| ✔ | 11.02.2025 | WHDW 02-01 | Chang Zheng 8A | WEN LC201 | CN | 6300 | 862 × 874 km × 50,00 ° |
| – | 30.03.2025 | Spectrum Flight 1 | Spectrum | AND ISAR | D | 10 | -6.378 × 1 km × 0,00 ° |
| – | 29.07.2025 | Eris Flight 1 | Eris Block 1 | BOWEN – | AU | 10 | |
| – | 18.09.2025 | Zoljanah test payload | Zoljanah | SEM – | IR | 50 | -6.300 × 10 km × 55,00 ° |
| ✔ | 26.10.2025 | HTV-X1 | H3-24W | TNSC Y2 | J | 10021 | 347 × 389 km × 51,63 ° |
| ✔ | 03.12.2025 | Zhuque-3 Payload | Zhuque-3 | JQ LC43/96B | CN | 3500 | 144 × 1.287 km × 56,95 ° |
| – | 23.12.2025 | FloripaSat-2a | HANBIT-NANO | ALCA HAN | BR | 7,4 | -6.738 × 1 km × 0,00 ° |
| ✔ | 23.12.2025 | Dummy CZ-12A payload | Chang Zheng 12A | JQ LC-CZ12A | CN | 1000 | 204 × 241 km × 69,71 ° |
| – | 17.01.2026 | Zidingxiang-3 | Gushenxing-2 | JQ – | CN | 337 | -6.378 × 1 km × 0,00 ° |
| ✔ | 12.02.2026 | Kuiper-00159 | Ariane 64 | CSG ELA4 | US | 15680 | 458 × 464 km × 51,89 ° |
| ✔ | 30.03.2026 | Bai Xiang | Lijian-2 | JQ LC140 | CN | 4400 | 255 × 613 km × 84,96 ° |
| – | 03.04.2026 | TW-4 xi you | Tianlong-3 | JQ LC120B | CN | 1000 | -6.300 × 40 km × 97,50 ° |
| ✔ | 22.05.2026 | Starship FT-12 | Starship V3 | STB OLP2 | US | 0 | |
| ✔ | 01.06.2026 | Qianfan Xingzuo 10-01 | Chang Zheng 12B | JQ LC-CZ12A | CN | 534 |

Ich habe es ja schon im anderen Artikel gepostet.
Dass das von den Fanboys jahrelang geschmähte SLS nun weit vor Starship und Co. in Führung liegt ist gerade zu köstlich.
(An dieser Stelle nochmal Entschuldigung, dass ich den anderen Artikel genekroposted habe, aber die Mondmännerdoku hat mich dazu bewogen ein paar deiner alten Blogs und Webseitenartkel durchstöbern. Und es war halt interessant wie bestimmte ettliche Entwicklungen anders kamen als vorgesehen und anderes inzwischen komplett an der Realität vorbei mythologisiert wurde. (Koroljow, die NERVA etc etc..)