Sonnensegel und Ionenantriebe

Es ist still geworden um Sonnensegel, während Ionenantriebe inzwischen schon Einzug zur Lageregelung von geostationären Satelliten eingezogen haben. Zeit dem mal auf den Grund zu gehen. Zuerst einmal sehen Sonnensegel oberflächlich viel attraktiver als Ionenantriebe aus – Es wird weder ein kompliziertes Triebwerk benötigt, noch eine Hochspannungsquelle mit beschränkter Lebensdauer (bei Langzeitmissionen setzt man mehrere dieser ein). Zudem werden keine teuren Solarzellen oder gar ein Kernreaktor als Energiequelle benötigt. Stattdessen nur eine leichtgewichtige Folie und ein paar Stangen – schon hat man das Sonnensegel.

Warum setzt man es also nicht ein? Weil der Teufel im Detail liegt. Der Strahlungsdruck durch das Licht ist gering und beträgt maximal 9 N/km² (100 % Reflektion). Die Solarzellen, die den Strom für ein Ionentriebwerk mit 9 N Leistung liefern , belegen dagegen – je nach Triebwerk und Solarzellen – nur 100-200 m², das bedeutet, ein Solarsegel muss die rund 10.000 fache Fläche eines Solargenerators einnehmen. Damit also überhaupt nennenswerter Schub entsteht, muss das Material äußerst leicht sein. Derzeit gibt es zwar Ideen wie dies zu bewerkstelligen ist, verfügbare Segel sind jedoch noch zu schwer. Nicht zu letzt ist das Problem ungelöst, wie man ein richtig großes Segel im Weltraum aufspannt und mit (ebenso leichtgewichtigen) Streben stabilisiert. (mehr …)

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Parteien, Werbung und Zahlen

DFRPHeute mal wieder ein Eintrag aus der Rubrik „Was mir so an nennenswerten Dingen aufgefallen ist“. Also erst mal, wie gehe ich mit Zahlen um, um den Eindruck zu erwecken der mir wichtig ist? Da gab es vor knapp zwei Wochen eine Sendung von Quarks & Co über Solarenergie. Da gab es zwei Fakten dazu, die mich stutzig machten. Zum einen die Angabe das „Alleine 2008 so viele Solarzellen installiert wurden, die soviel Strom wie zwei Kernkraftwerke liefern“ und zum anderen die Angabe, dass „Solarstrom 1 % des Strombedarfs deckt„. Nun gibt es noch 16 Kernkraftwerke – decken die also nur 8 % des Strombedarfs wie ich aus den beiden Angaben berechnen kann (es muss sogar noch weniger sein, denn es war ja die Rede von den 2008 installierten Solarzellen, während es bei der Prozentangabe um die Gesamtleistung ging, die ja auch aus den vor 2008 installierten Zellen mit besteht.

Nun man hat wohl zwei Zahlen genommen, ohne sie zu erläutern – die Spitzenleistung der Solarzellen, die z.B. im Sommer entsteht, wenn in Deutschland kein Wölkchen am Himmel zu sehen ist und die zweite wird die Durchschnittsleistung an Gesamtstromverbrauch über das ganze Jahr (auch im Winter, bei bewölktem Himmel und bei Nacht) darstellen. Ich hoffe wenigstens eine weitere Angabe aus der Sendung stimmt, nämlich dass eine Solarzelle die Energie zur Herstellung nach 37 Monaten wieder reingeholt hat (von der Sandgewinnung über die Herstellung bis zur Montage und Entsorgung). Es gibt ja noch das Gerücht, dass eine Solarzelle mehr Energie zur Produktion braucht als sie später liefert.

Solche Zahlenspiele gibt es ja im „Launch Business“ zu Hauf, da werden nur die erfolgreichen Starts seit dem letzten Fehlstart gezählt oder ein SpaceX Anhänger erklärt einfach mal die ersten beiden Flüge der Falcon 1 mit dem Merlin 1A und 1B Triebwerk zu anderen Versionen und zählt nur die letzten drei. Die nächste Folge von Quarks & Co zeigt weitere Beispiele: Wie man Karten benutzen kann um Tatsachen zu suggerieren so z.B. Kontextmappen aus den dreißiger Jahren welche das deutsche Militär und das der Nachbarstaaten zeigten (das natürlich eine Bedrohung suggerierte) und eine Mercatorprojektion der Weltkarte, welche die USA und UdSSR zeigt: Bei der Mercatorprojektion sind die Ländergrößen nicht flächentreu, so das nördlich gelegene Länder viel größer erscheinen als sie sind. So wirkt die UdSSR natürlich riesig und die USA klein. (mehr …)

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Der Raumfahrtkolumnist und der Raumfahrtbegeisterte

Es gibt viele Raumfahrtbegeistete. Wie bekannt hat die Firma SpaceX viele Anhänger. Auf der anderen Seite gibt es nur wenige Kolumnisten oder Kommentatoren. Die echten Fachjournalisten gibt es in Deutschland nicht mehr und in den USA sind es auch sehr wenige. Viele Portale sowohl hier wie auch jenseits des Atlantiks beschränken sich darauf Nachrichten wiederzugeben. Manche übernehmen die Presseerklärungen sogar 1:!.

Natürlich steckt in jedem Kolumnisten ein Raumfahrtbegeisteter. Ich glaube einen guten Kolumnisten unterscheidet von einem nicht so guten, dass er neutral berichten kann. Das von diesem Blog zu erwarten wäre falsch – denn es ist ein Blog und es ist nicht „SpaceNews.com“ oder „Raumfahrtneuigkeiten.de“. Ich denke aber der letzte Blog war recht neutral geschrieben. Er ist auch weniger meine Meinung wie Rühri meint, sondern die Quintessenz von Dingen die mir bei meiner Recherche zu Band 2 auffielen. Ich kann (und werde das im Buch auch) mit Litertaurstellen belegen. Die Zahlen und Fakten existieren. (mehr …)

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Das Europa der nationalen Eigenmächtigkeiten

Heute ein sehr langer Blog: Ich habe gerade im Konzept das Epilog meines Buchs über europäische Träger Teil 2 fertiggestellt und will euch den nicht vorenthalten.

Beginnend mit der Fortentwicklung der Ariane 5 begann der Konsens, der in der ESA für größere Projekte notwendig ist, zu bröckeln. Die Entwicklung von Ariane und Vega unter­scheidet sich von anderen ESA Projekten in zwei Dingen:

Mit der Rakete selbst ist es alleine nicht getan – es gibt auch den Bedarf für den Unterhalt des CSG, auch wenn die Entwicklung abgeschlossen ist. Weiterhin muss der Träger ver­änderten Marktbedingungen angepasst werden: siehe das Ariane Evolution Programm.

Wenn die Rakete erfolgreich fliegt, so bedeutet dies aber auch gesicherte Arbeitsplätze in der Produktion. Jedes andere ESA Projekt kostet nur Steuergeld. Die Entwicklung einer Träger­rakete kann dagegen auch Steuereinnahmen bescheren. (mehr …)

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Polikerverbot im Fernsehen / Piratenpartei

Ich schaue mir ja sehr gerne Fernsehkritik.TV an – das Format bringt einen auf ganz neue kritische Gedanken. In der aktuellen Folge 34 geht es unter andrem auch darüber, dass die kleinen Parteien keine Chance haben ihr Programm im Fernsehen vorzustellen und alles sich auf das Duell Steinmayer / Merkel fokussiert. Und ich muss dem Autor zustimmen. Ich glaube 1998 gab es mal eine Sendung in der nur die kleinen Parteien ihr (teilweise abstruses) Programm vorstellen. Och kann mich noch erinnern, dass der Vorsitzende der Bibeltreuen Christen damals Harry Potter verbieten lassen wollte, weil das Buch so was wie Teufelszeug sei.

Nun ist es unmöglich die vielleicht 20 Parteien adäquat zu repräsentieren und gleiche Sendezeit zuzuweisen – denn eigentlich fordert unser Grundgesetz ja Chancengleichheit für alle Parteien. Meine Lösung dafür wäre: Keine Parteien mehr im Wahlkampf im Fernsehen. Auch nicht in normalen Talkshows. Wie schon vor ein paar Tagen angesprochen – ich verstehe nicht warum Politiker zu allen möglichen Themen eingeladen werden – sie verstehen ja nicht mehr davon als wirkliche Experten, wie man leicht erkennen kann. Wenn die Politik erst die Banken mit Milliarden stützt und sich dann immer noch nichts an deren Verhalten ändert oder in der Diskussion über die Kinderpornographie, bei der es nicht nur um fundamentale Grundrechte, sondern auch um ein Grundverständnis wie das Internet funktioniert und wie diese Sperren leicht umgehen werden können. Experten dazu habe ich nie in den großen Polittalkshows gehen, sondern eher in einer Sendung wie „Neues“, die aber wohl kaum Gretchen Müller anschaut. (mehr …)

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