Die Helden mit Einfluss und ohne Aufgabe

Derzeit bin ich bei der dritten Korrektur des Manuskripts des „Mercury Programms“. Das ist die letzte nachdem ich bei den ersten noch laufend was ergänzt oder gelöscht habe. Ich habe sie heute beendet und dann ging sie an Mario als ersten Korrekturleser raus. Ich kam wegen der Hitze aber nur schwer vorwärts, weil nach Mittags ich ziemlich müde bin und jetzt abends keine Lust noch weiter korrekturzulesen, so mache ich mich mal an einen Blog. Eigentlich wollte ich mich danach ja gleich an das nächste Buch über die Apolloraumfahrzeuge und Saturn V machen, aber bei der Hitze kann mich nicht dazu aufraffen.

Wie meistens wenn ich ein Buch schreibe kommen mir Gedanken, vor allem wenn ich mich mit dem Thema vorher nicht so intensiv beschäftigt habe, wie es auch beim Mercuryprojekt der Fall war. Dazu sicher noch etwas mehr, heute geht es um die Mercury-Astronauten.

Die waren von Beginn an Helden, lange bevor sie flogen. Sie erhielten einen Vertrag über 500.000 Dollar, damit sie nur exklusiv mit dem Magazin „life“ zusammenarbeiteten. Das wären heute rund 4,3 Millionen Dollar.

Als ich das Buch schreib wurde mir eines klar: bei keinem anderen Programm hatten die Astronauten so viel Einfluss und so wenig Einfluss. Bei keinem anderen Programm waren sie so unentbehrlich und trotzdem überflüssig und bei keinem anderen Programm mussten sie so wenig können. Continue reading „Die Helden mit Einfluss und ohne Aufgabe“

Oops! … I Did It Again – Die bösen Deutschen

Es war eine lange Pause seit dem letzten Blog, zwei Wochen. Daher erst mal warum ich so lange nichts von mir hören habe lassen. Jetzt ist Freibadsaison. Im Sommer habe ich eine Saisonkarte und gehe jeden Tag schwimmen. Da fehlen mir dann immer 4 Stunden, die zusammenkommen, wenn man die Gesamtzeit rechnet – zum Freibad zwei Ortschaften weiter fahren, Schwimmen, zurückfahren und dann noch etwas ausruhen. Zwar treibe ich auch im Winter Sport und schwimme, dann aber nur dreimal in der Woche und zwei Termine sind abends.

Dann habe ich seit letzter Woche auch wieder (vor dem Schwimmen) etwas zu Programmieren. Irgendwann muss das Geld zum Leben ja auch verdient werden. Continue reading „Oops! … I Did It Again – Die bösen Deutschen“

In Memoriam Scott Carpenter

Am 10. Oktober starb Scott Carpenter im Alter von 88 Jahren. Scott Carpenter war der zweite IS-Amerikaner im Orbit. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es erst drei bemannte Raumflüge durch die USA, keiner war lang. Al Shepard hatte einen ersten Hüpfer in einer suborbitalen Bahn (so was wird heute als Weltrautrourismus für 200.000 Dollar angeboten) die Kapsel erprobt, bei der aber noch nicht alle Systeme einsatzbereit waren. Ihm folgte Gus Grisson mit der Kapsel in Orbitalkonfiguration, bei dem sich die Tür vorzeitig nach der Landung öffnete – die Kapsel versank und Grissom, bei dem ein Ventil im Anzug offen war, sodass Wasser eindrang wäre fast ertrunken, weil der Pilot de Helikopters die Kapsel für wichtiger hielt und sie erst abtrennte als sie durch das eingedrungene Wasser zu schwer wurde. Continue reading „In Memoriam Scott Carpenter“

Positive und negative Redundanz

Als sie Space Task Group (STG) gegründet wurde, um das Mercury Programm zu imitieren war auch klar, dass man eine Trägerrakete brauchte. Für die orbitalen Flüge gab es nicht viel Auswahl, die einzige Trägerrakete die dafür geeignet war, war die Atlas, die 1958, als die Planung begann, selbst noch in der Erprobung war. Die Atlas war die neueste Interkontinentalrakete der US-Air Force und damit waren auch die Zuständigkeiten geklärt. Die USAF würde die Atlas stellen und auch starten. Sie wehrte sich dagegen, dass man ihren Träger modifizierte. Im Prinzip bekam die Atlas nur ein neues Lenksystem, das das autonome, aber fehleranfällige ersetzte. Dazu kam ein System zum Erkennen von Abweichungen, das bei Mercury aber noch nicht den Fluchtturm auslöste, sondern nur einen Fehler signalisierte. Man befürchtete, dass dieses System selbst nicht zuverlässig genug sei und wollte die volle Kontrolle haben. Erst als sich bei den Flügen zeigte, dass die Atlas durchaus nicht die zuverlässige Rakete war, welche die Air Force versprach, wurde nachgebessert. Intern rechnete man nur einer Zuverlässigkeit von 0,75 Mitte 1961 und 86% ein Jahr später. Trotzdem waren Änderungen nur nach Fehlstarts durchsetzbar.  So scheiterte Mercury Atlas 1, als die obere Struktur nahe des Punktes der maximalen aerodynamischen Belastung kollabierte. Die folgenden erhielten zuerst eine Verstärkung im oberen Teil (belly Band), später wurde die Struktur aller Atlas auch für unbemannte Programme verstärkt. MA-3 wurde gesprengt, weil sie ihr Rollprogramm nicht ausführte. Der Fehler lag im Autopilot. Die genaue Fehlerursache wurde nie gefunden, aber erst jetzt wurde der Autopilot durch einen zweiten ergänzt um Redundanz zu haben. Continue reading „Positive und negative Redundanz“

Der kürzeste Flug im bemannten US-Weltraumprogramm

21. November 1960. Kurt Debus zählt vom Blockhaus aus die letzten Sekunden des Countdowns des ersten Flugs des Mercury Programms MR-1 herunter „Three, Two, One, Zwo Fire Liftoff“.

Im Kontrollzentrum am Cape verfolgt man den Start, auf die Wand wird das Bild einer Fernsehkamera projiziert, welche die Rakete bei der Zündung zeigt und dann nach oben schwenkt um ihr zu folgen, sie aber schnell verliert.

„Look at the Acceleration of that son of a bitch“ sagte Flugdirektor Chris Kraft nach eigenen Aussagen. Folgt man den Memoiren von Gene Kranz, dann hat er den Satz nicht ganz vollendet. Derselbe Gedanke kam aber auch Kranz – wow, wie schnell beschleunigt aber die Redstone, wenn die Kamera ihr nicht folgen kann. Als die Kamera nach einigen Sekunden aber die Rakete immer noch nicht eingefangen hat schwenkt sie zurück zum Startturm und da sitzt sie! Continue reading „Der kürzeste Flug im bemannten US-Weltraumprogramm“