Flüssiges Methan als Raketentreibstoff?

Vor einiger Zeit habe ich mich mal informiert, wer dieser Lukas Gruber ist, der die Kritik über das Das ATV Jules Verne: Von der Erde in den Orbit – Europas Weg in eine unabhängige Raumfahrt verfasst hat und ich bin auf seinem Blog auf die Idee gestoßen bei der Ariane 5 Erststufe den Wasserstoff durch flüssiges Methan zu ersetzen und dazu ein russisches Triebwerk einzusetzen, das Astrium in Lizenz bauen will oder bauen lassen will. Bei Nachrechnen seiner Lösung zeigte sich, dass er von viel zu optimistischen Annahmen ausging und zudem einen Rechenfehler machte. In der Summe hätte der Ersatz die Zentralstufe zwar mehr als doppelt so schwer gemacht aber keinerlei zusätzliche Nutzlast gebracht. Aber Methan wird ja auch anderswo immer wieder propagiert zuletzt z.b. für den Altair Mondlander. Zeit einmal sich mit diesem Treibstoff zu beschäftigen.

Zuerst einmal: Was ist der Vorteil von Methan? Methan ist eigentlich nur ein Kohlenwasserstoff, aber ein besonderer. Normale Kohlenwasserstoffe haben sehr lange Ketten An jedem Kohlenstoffatom sitzen zwei Wasserstoffatome. An den Enden gibt es dann jeweils eines mehr. Aber durch den Gehalt an Alkenen und ringförmigen Molekülen weist Kerosin, der übliche Kohlenwasserstoff in der Summe in etwa die Zusammensetzung CnH2n auf. Methan hat die Summenformel CH4.

Methan enthält also doppelt so viel Wasserstoff wie Kerosin. Das hat zwei positive Auswirkungen:

  • Der Energiegehalt ist höher: Er beträgt bei stöchiometrischer Verbrennung 13.9 MJ/kg (LOX+CH4), gegenüber 10.3 MJ/kg bei LOX/Kerosin.
  • Die mittlere molare Masse ist geringer und beträgt 26.7 gegenüber 31
  • Verglichen mit dem Wasserstoff (14.9 MJ/kg, Molmasse 18) sind vor allem die Unterschiede in der Molmasse gering.

Doch was sind die Nachteile? Flüssiges Methan hat eine niedrige Dichte von 0.42 und ist nur zwischen -183 und -162 C flüssig. Kerosin dagegen hat eine Dichte von 0.8 g/kg und siedet erst bei rund 180 C (Werte für JP-1 den meist eingesetzten Treibstoff, Kerosin ist ein Synonym für ein breites Gemisch an Kohlenwasserstoffen). De Fakto habe ich damit einen kryogenen Verbrennungsträger mit denselben Anforderungen an die Technik, wie flüssiger Wasserstoff. Die Frage ist: Lohnt sich der Übergang von Kerosin auf Methan?

Ich muss sagen, dass ich lange Zeit selbst Probleme hatte zu verstehen, warum Wasserstoff so viel mehr Aufwand macht als flüssiger Sauerstoff. Meine Vorstellung war: Sicher, die Temperatur ist niedriger und man braucht größere Tanks und eventuell verdampft etwas von dem Wasserstoff, weil der Temperatur-Bereich, in dem er flüssig ist, kleiner ist und er eine geringere Dichte hat, also das Verhältnis Oberfläche/Volumen größer ist. Doch was macht das aus? Für die Beanspruchung von Materialen macht es keinen Unterschied ob es -180 oder -250 Grad sind. Bei beiden Temperaturen sind Kunststoffe die bei Raumtemperatur weich sind, hart wie Stein und Metall steif und kaum dehnbar. Mir wurde es erst klar, als ich mich mehr mit der Technik eines Raketentreibwerks beschäftigt habe. Flüssiger Sauerstoff als Oxidator hat in einem Raketentriebwerk einen einfachen Weg: Ein Teil wird im Gasgenerator verbrannt und erzeugt das Arbeitsgas für die Turbine. Der Rest wird durch die Turbopumpe in die Brennkammer gedrückt und dort verbrannt. Das ist nicht viel mehr Aufwand wie für eine Pumpe die auch Wasser fördert (die ersten Turbopumpen der A-4 stammten von Pumpen für die Feuerwehr ab).

Der Verbrennungsträger hat mehr Funktionen. Als erstes einmal wird mit dem Verbrennungsträger jedes Lager und jedes bewegliche Teil geschmiert. Die Möglichkeit einen Schmierstoff zu nutzen, scheidet bei Methan oder Wasserstoff wegen der niedrigen Temperaturen aus. Dann wird mit dem Verbrennnungsträger die Brennkammer und Düse gekühlt. Weiterhin hängt die Leistung der Turbopumpe von dem transportierten Volumen ab, nicht vom Gewicht. Die LOX Turbopumpe des Vulcain 2 hat z.B. eine Leistung von 5.1 MW bei 12600 U/min. Die für den Wasserstoff muss 7 mal weniger Gewicht fördern, hat aber eine Leistung von 14.1 MW bei 35500 U/min weil Wasserstoff eine 16 mal geringere Dichte als Sauerstoff hat.

Nun zu den Herausforderungen, die Wasserstoff als Verbrennungsträger für die Technik stellt:

  • Schmieren muss mit einem Medium erfolgen, dass nur zwischen -259 und -252 C flüssig ist
  • Dasselbe gilt für die Kühlung: Kerosin kann sich auf bis zu +180 C erhitzen (andere Kohlenwasserstoffe sogar bis +300) und dadurch große Wärmemengen aufnehmen bevor es verdampft (der Dampf kühlt wegen der geringeren Dichte natürlich erheblich schlechter) und dabei ist eine Wasserstoff/Sauerstoff Verbrennung heißer als die von Kerosin/LOX, es muss also mehr Wärme abgeführt werden.
  • Während bei Kerosin und Sauerstoff in etwa gleiche Volumina gefördert werden müssen, ist der Unterschied bei Wasserstoff und Sauerstoff so groß, das es schwer ist die beiden Turbopumpen durch eine gemeinsame Turbine zu betreiben, mit einem einfachen Übersetzungsgetriebe. Die hohen Drehzahlen die eine Wasserstoffpumpe erfordern macht oft eine zweistufige Pumpe nötig, weil es schwer ist mit nur einer Stufe sie zu erzeugen.

Das sind die technischen Herausforderungen bei Wasserstoff. doch wie sieht es bei Methan aus? Nicht viel besser. Der Bereich in dem es flüssig ist, ist ebenfalls nur etwa 20 K groß. Es verdampft bei niedrigen Temperaturen wenn auch etwas höheren als Wasserstoff. Ein Treibstoff von -180 Grad Celsius muss bewegliche Teile schmieren, wodurch diese aus Materialen hergestellt werden müssen die bei diesen Temperaturen nicht aneinander haften. Etwas besser sind die Anforderungen an die Turbopumpe. Das geförderte Volumen ist nur 60 % größere als bei Kerosin.

In der Summe hat man also einen Antrieb mit nahezu den gleichen technischen Anforderungen, die auch den Einsatz von Wasserstoff teurer machen, als den von Kerosin. Aber bringt es wenigstens etwas? Nein, denn der spezifische Impuls ist nur wenig größer. Ich will dies an 2 Beispielen zeigen. Zum einen am Vergleich real existierender Triebwerke für Erststufen:

Triebwerk NK-33 RD-170 Vulcain 2 SSME Volga
Treibstoff LOX/Kerosin LOX/Kerosin LOX/LH2 LOX/LH2 LOX/LCH4
Brennkammerdruck 145.7 Bar 300 Bar 118 Bar 220 Bar ?
spezifischer Impuls Boden 2923 m/s 3030 m/s 3118 m/s 3560 m/s ?
spezifischer Impuls Vakuum 3247 m/s 3305 m/s 4256 m/s 4462 m/s 3530 m/s

Das zweite sind Berechnungen mit dem NASA FCEA Programm. Diesmal mit folgenden Eckwerten:

  • Brennkammerdruick80 Bar
  • Flächenverhältnis: 100
  • stöchiometrische Verbrennung
Treibstoff LH2/LOX CH4/LOX Kerosin/LOX
Verbrennungsverhältnis 1/8 1/4 1/3.4
spezifischer impuls 3668.8 / 3974.6 m/s 3061.4 / 3322.1 m/s 2950.3 / 3203.3 m/s
Verbrennungstemperatur: 3611 K 3578.6 K 3706.2 K

In der Summe erreicht man mit Methan also etwa 200-300 m/s mehr gegenüber Kerosin, aber immer noch 700-900 m/s weniger als mit Wasserstoff/Sauerstoff. Die Frage ist: Ist dies den Aufwand wert? Meiner Meinung nach nein. Der Gewinn von 200 m/s steht in keinem Verhältnis zum Aufwand. Das gilt auch für andere antriebe, so setzt die NASA ja das RS-68 in der Ares V ein, obwohl der spezifische Impuls dem eines SSME unterlegen ist, aber es ist preiswerter zu produzieren. Ich denke das gilt noch mehr für Methan, das in weiten Teilen die gleichen Herausforderungen wie flüssiger Wasserstoff stellt, ohne das man den Vorteil des hohen spezifischen Impulses als Nutzen hat.

 

40 replies


  1. Je mehr ich darüber nachdenke, desto sinnvoller erscheint es mir, ein Ammoniak-Ethin-Gemisch zu verwenden: Ethin ist energiereich (pures Ethin kann sich sogar explosiv in Kohlenstoff und Wasserstoff zersetzen!), Ammoniak liefert bei der Verbrennung große Mengen an mittelschweren zweiatomigen Molekülen (N2, NO), die im Raketentriebwerk effizienter Schub erzeugen als dreiatomige (Wasserdampf, Kohlendioxid). Bei letzteren wird nämlich ein größerer Teil der Hitzeenergie aus der Brennkammer in inneren Moden (Rotation, Schwingung) gespeichert als bei zweiatomigen, und diese innere Energie steht dann nicht zur Schuberzeugung zur Verfügung, da diese in der Düse nicht “gleichgerichtet” werden kann.

    Ob es am Ende aber so toll ist, wie Jewgeni-7 schreibt, wird sich zeigen. Auf jeden Fall benötigt man ja Druck und/oder Temperaturen unter “Raumtemperatur”, um das überhaupt zu verflüssigen.

    Kai


  2. Das zeitgleich in Skolkovo als auch bei Energomasch daran gearbeitet wird, hat schon einen gewichtigen Grund. Der Termin für die Brennversuche stehet ja auch, es ist aber auch richtig das zum Start der ersten Rakete noch Jahre vergehen. Der erste Start sei um 2018 geplannt. Das ist aber ganz normall, wir brauchen nur uns die Entwicklung der Methan-Technologie anzuschauen und persönlich bin mir auch sicher das Baikonur nach 2050 nicht mehr betrieben und der grösste Umveltverschmutzer die Proton nur Schnee von gestern sein wird. Die Einstellung sei um 2020 bis 2023 zu erwarten. Es kommen nur neue Raketen, die schon auch in Entwicklung sind, in Frage.

    Mit Acetam würde aber auch die Einführung einer Einstufiger Trägerrakete mit nur 1 Triebwerk aber mit hohen Schubspectrum auch möglich sein. Wir haben solche Träger konzipiert für Nutzlasten bis 2,5 Tonnen. Im Gegensatz zu Vega , 4 Triebwerke, hat der Träger nur 1 Triebwerk darunter ein zwei Modi 3 komponennten Triebwerk. Die technischen Daten haben wir auf der Koroljow Lesung präsentiert. Ja, und mit Acetam wäre es noch leichter die Parameter signifikant zu verbessern.

    Besonders Acetam würde für den beschlossnen 5 Tonnen Träger gelten. Also abwarten.


  3. Also eine Recherche ergibt, dass Ammoniak und Acetylen nur bei hohem Druck (9 MPa) und tiefer Temperatur (6°C) mischbar und verflüssigbar sind.
    Eine ähnliche Mischung (75% NH3, 25% Ethin) ist als Schweißgas im Einsatz, doch handelt es sich dann um ein Druckgas, keinen flüssigen Treibstoff. Ich habe da meine Zweifel an der Umsetzbarkeit.


  4. Dazu noch die offizielle NPO Energomasch Meldung vom 5 Dezember 2011 :

    Разработка и внедрение высокоэффективного топлива “Ацетам” (высококонцентрированный раствор ацетилена в сжиженном аммиаке).

    Entwicklung und Anwendung von Hocheffektiven Kraftstoff Acetam ( hochkonzentrierte Lösung des Acetylen in verflüssigten Ammoniak).

    In kürze fahre ich wieder für längere Zeit nach Russland, werde also definitiv auch dazu mehr erfahren.

    Unabhänig davon ist heute hier mein letzter Auftritt in Bernd Leitenbergers Blog.


  5. Nur sind Acetylen und Ammoniak nicht mischbar (unpolares und polares Molekül) und haben unterschiedliche Siedpunkte (Acetylen ist zwischen -84 und -80 Grad flüssig und Ammoniak zwischen -77 und 33 Grad).

    Das ist also technisch nicht machbar.


  6. Noch ein Wort zu Acetam, dazu die Izvestija Meldung vom 5 Mai :

    «Смесь ацетилена и аммиака, даже по самым грубым подсчетам, в 20 раз дешевле водорода – килограмм водорода стоит около 2 тыс. рублей, а килограмм ацетама – максимум 100 рублей.

    Die Lagerung ist bei Raumtemperatur möglich, hat eine grössere Dichte und dadurch können die Tanks etwas kleiner sein.

    Übersetzt ist das eine Mischung aus Acetylen und Ammoniak.


  7. Die Nutzung exotischer Kohlenwasserstoffe ist in Russland nicht ganz neu. Bei der Sojus gab es ein Gemisch namens “Sintin” als Option. Es brachte aber nur wenig Nutzlast und wurde daher wegen der Kosten aufgegeben.

    De fakto ist der Energiegehalt von Kohlenwasserstoffen sehr ähnlich, nur Methan liegt hier durch den doppelt so hohen Wasserstoffgehalt höher. Was Acetam wohl ist wird nicht zu klären sein, selbst Jewgeni-7 liefert ja mehrere Möglichkeiten. Da Acetam aber der Trivialname von acetaminophen ist, wird man auch im Internet wohl nichts dazu finden.

    Egal wie, alle kohlenwasserstoffe außer Methan liefern fast die gleichen spezifischen Impulse. Die Gewinne sind dann marginal (bei der Sojus waren es um die 5% mehr Nutzlast). Das ist mehr die Notlösung wenn man auf Teufel komm raus, bei LOX/Kohlenwasserstoff bleiben will anstatt energiereichere reibstoffe anzugehen.


  8. Zu Acetam: Könnte das eine Mischung aus Aceton und C2H2 sein? Die sind nämlich ganz gut ineinander löslich.

    Kai


  9. Mit anderen Worten: Bis jetzt steht der Nutzen von Acetam nur auf dem Papier. Niemand weiß, ob das auch in der Realität funktioniert.

    Klar ist Wasserstoff teurer als andere Treibstoffe, dafür ist aber die Nutzlast deutlich höher. Und gerade bei einer Flüssigkeitsrakete ist der Treibstoff das Billigste. Mit anderen Treibstoffen spart man so nur wenig Kosten, aber viel Nutzen. Ganz sicher nicht optimal.

    Ständig neue Technik entwickeln, wenn man noch nicht mal in der Lage ist, die vorhandene zu nutzen, ist einfach lächerlich. Wozu soll das gut sein, um sie auch nicht zu nutzen?


  10. Nach neusten Informationen werde der Wasserstoff als auch der Methan wahrscheinlich vom Acetam abgelöst.

    Die ersten Brennversuche des Acetam beginnen noch in diesem Jahr und werden voraussichtlich 3 Jahre dauern. Durch die Eigenschaften des Acetam sind keine nennenswerte Veränderungen an den bestehenden Triebwerken nötig.

    Nach der russischen Meldung ist das neue Treibstoff 20 mal billiger als Wasserstoff. In Russland kostet 1 kg H2 um die 2000 Rubel und das Acetam max. bis 100 Rubel. Die Lagerung ist sehr freundlich und vergleichbar mit Kerosin. Eine Beschleunigungsstufe mit Acetam kann 30 bis 40 Prozent mehr an Nutzlast beförden. Die genaue Zusammensetzung als auch die notwendigen Daten und Parameter, für eine erfolgreiche Einführung des Acetam in der Raumfahrt, werden bei den bevorstehenden Brennversuchen ermittelt.

    Wäre es möglich, was ich absolut überzeugt binn, den Acetam einzuführen, so ergeben sich Einsparungen in Milliarden für die russische Raumfahrt. Acetam ist auch eines der Schwerpunkte in Innovationzentrum Skolkovo, es geht ja schliesslich um sehr viel Geld als auch um Gelder für die Entwickler.


  11. Daß immer nur große Projekte gemacht werden, ohne daß etwas fertig wird, ist leider Tatsache. Solange nicht wenigstens ein Projekt wirklich fertiggstellt wird, ist das alles nur heiße Luft. Und genau da passiert eben nichts. Kein Wunder, um eine neue Technik wirklich zu entwickeln ist eben eine Menge Geld nötig. Ohne Moos nix los. Das ist auch bei der russischen Raumfahrt nicht anders, egal ob das einen nun paßt oder nicht. Ankündigungen von irgendwelcher Technik mit recht spektakulären Werten gab es schon lange, nur funktioniert hat das noch nie. Von Otrag über SpaceX bis Zubrin, bei genauerer Betrachtuing haben sich die sensationellen Werte als viel zu optimistisch erwiesen. Man könnte auch glatte Lüge dazu sagen. Mit Computersimmulationen läßt sich jedes Märchen “beweißen”, von Enterprise über Babylon 5 bis Stargate. Was noch lange nicht heißen muß, das so etwas auch in der Realität funktioniert.
    Die russische Raumfahrt hat das gleiche Grundproblem wie die NASA: Sie hat kein wirkliches Ziel. Wenn Jeder in eine andere Richtung zieht, ist es kein Wunder wenn die Karre nicht vom Fleck kommt.
    Ich behaupte nicht, daß die Russen nichts können. Schließlich fliegen amerikanische und indische Raketen mit russischen Triebwerken. Und die ISS wäre ohne Sojus nur noch Schrott. Die russische Technik ist also durchaus brauchbar. Nur wird sie eben im eigenen Land viel zu wenig genutzt.


  12. @ Elendsoft

    Bitte um etwas mehr sachlichkeit, denn heute kann jeder einen Unsin schreiben.

    Die Verwendung von H2 war bis heute in Russland nicht vorgesehen. Es war aber schon 1996 allen verantwortlichen bekannt wann es soweit ist. Dazu gehört auch die Fertigstellung des H2 als auch des Methan Triebwerks für die Beschleunugungsstufen der Angara. Gegenwärtig werden die Baupläne des RD 0120 gescannt. Wahrscheinlich ab 2013 werde das Energia Triebwerk start überarbeitet, vorgesehen für die MRKN als auch für die Schwerlastrakete die ab 2030 zu Einsatz kommt.

    Laut Popowkin werden Technologien als auch die Möglichkeiten für eine H2 Zentralstufe mit einen Durchmesser von 8 bis 12 Meter untersucht. Die Montage des Trägers werde wahrscheinlich vor Ort in Wostotschny erfolgen.

    In Energomasch wird intensiv an zwei neuen Triebweken mit einen Schub von 1000 Tonnen als an einen RD 193 für einen Träger für eine Nutzlast von 5 Tonnen gearbeitet. Neben Triebwerken gehen auch die Arbeiten an Acetam Treibstoff weiter.

    Beachte auch die gestrige sensationelle Meldung das Acetam wäre in der Lage den Wasserstoff als Treibstoff abzulösen.
    Das habe ich aber schon früher auch geschrieben! Die Grundlage für den ersten Acetam Triebwerk werde der RD-161 sein. Es wurde auch ein Terminn für den ersten Start einer Rakete mit Acetam Triebwerk gennant.

    Die umfangreichen Arbeiten zu dem nuklearen Antrieb laufen schon seit Jahren ohne nennenswerte schwierigkeiten. Letztes Jahr wurde das technische Projekt fertiggestellt und in kürze beginnt im Kurtschatow-Institut eine umfangreiche Computersimulation als auch danach der Bau eines Versuchsmusters von 1MW Leistung.

    MRKN ist eine beschlossne Sache, damit werde es möglich sein die Startkosten um 35% zu senken. Erst danach kommen vollständig wiederverwendbare Träger die gegenwärtig bei NPO Molnija untersucht werden als auch ein kosmisches Flugzeug in Frage.

    Bei Chrunischew laufen auch die Arbeiten an den bemannten Mondlander und der Mondinfrastruktur weiter und bei RKK Energia werden die Marslander als auch das ganze Marsraumschiff konzipiert.

    Möchte aber noch erwähnen die umfangreichen Massnahmen von nie dagewesener Tragweite die nach den neuste Fehlschlägen auch veranlast wurden.

    Habe nur einige Punkte gennant, möchte aber auch richtigstellen das all die Projekte ausschliesslich vom neuen Kosmodrom aus erfolgen. Jeder Sachkenner weiss wie lange die technische Vorarbeit dauert und Grund zur Eile hat die russische Seite aber nicht. Erst nach der ganzen Umgestaltung der Raumfahrtindustrie, Fertigstellung des Kosmodroms und Bau von neuen Versuchsständen werden die heutigen Massnahmen auch Früchte tragen.

    Nach neusten Informationen werde nach 2030 auch ein supermodernes Flugleitzentrum für interplanetare bemannte Flüge in Russland gebaut.

    Schreiben könnte ich noch mehr, alles aus erster Hand und aus russischen Quellen, werde aber es unterlassen. Danke!


  13. Klingt ja alles sehr schön, aber solange es nicht fliegt sind das alles nur Träumereien. Fakt ist jedenfalls, daß es nach dem Ende der Sowjetunion keine wirklichen Neuentwicklungen gab, die zur Einsatzreife gebracht wurden. Lediglich kleinere Verbesserungen an vorhandenen Trägern und Umbau von militärischen Raketen zu Satellitenträgern. Alles andere wird entweder immer weiter verschoben oder ganz gestrichen.
    Angara, Baikal, Klipper, Rus, Oberstufen mit LH2 / LOX für Sojus und Proton. Mit der vorhandenen Technologie duchaus machbar, aber nichts passiert. Man baut nur das, was man schon immer gebaut hat. Und selbst dabei gibt es immer mehr Pannen.
    Jede ernstzunehmende Raumfahrtnation hat inzwischen Trägerraketen mit LH2 / LOX, nur Russland nicht. USA, Europa, Japen, China und Indien. Letztere sogar mit russischen Triebwerken. Dabei hatte man mit der Energija gezeigt, daß man es auch kann. 25 Jahre später geht gar nichts mehr. Nur noch Ankündigungen und heiße Luft. Dagegen ist ja selbst SpaceX ein Muster an Zuverlässigkeit.


  14. @ Pragmatiker

    In Russland hat Atom eine oberste Priorität und der in Entwicklung sich befindliche Nukleareantieb ist verankert im Erlass des russischen Präsidenten. Nach dem Start gelangt der Antrieb auf eine 1000 km hohe Sicherheitsbahn und erst dann wird der Reaktor eingeschaltet. Beim einen Rückflug vom Mars zur Erde gelangt der Antrieb erneut auf die Sicherheitsbahn. Die Kosmonauten werden von dort abgeholt oder kehren mit einen kleinen Raumschiff zu Erde.


  15. @ Elendsoft, zu

    Mars und Methan, Quellennachweis:

    Robert Zubrin, Brian Frankie, Tomoko Kito; Mars In-Situ Resource Utilization Based
    on the Reverse Water Gas Shift.

    Stephen Teskey; In-Situ Resource Utilization on Mars.

    Robert Wagner, Robert Zubrin; Unternehmen Mars; Heyne-Verlag.

    Dazu noch diverse NASA Publikationen.


  16. Grundvoraussetzung für eine Treibstoffproduktion auf dem Mars ist es, die dort vorhandenen Rohstoffe zu nutzen. Wenn man flüssigen Wasserstoff von der Erde aus zum Mars transportieren und landen muß, wird das bei den benötigten Mengen unbezahlbar. Der einzige für die Treibstoffproduktion sinnvolle Rohstoff auf dem Mars wäre Wasser. Daraus läßt sich durch einfache Elektrolyse Wasserstoff und Sauerstoff herstellen – die hochenergetischste Treibstoffkombination. Daraus mit gigantischem Aufwand einen schlechteren Treibstoff zu produzieren, wäre ziemlich blöd.
    Den einzigen Vorteil hat Methan nur dort, wo es als natürlicher Rohstoff vorkommt.


  17. Die Methan Mondlander werden nach dem heutigen Stand wiederverwendbar sein. Nach dem Rückstart und Umstieg der Kosmonauten verbleiben die Lander in der LOS bzw. Mondumlaufbahn. Den Transport von Metan für die nächste Mondexpedition übernehmen unbemannte H2 Raumschlepper. Der Ablauf und das technische Konzept ist plausibel und erspart den ständigen Bau der Lander.

    Die Bedeutung des Treibstoffes werde in der weiteren Zukunft, insbesondere mit regulären Flügen und Landungen auf den Planeten und Monden des Sonnensystem und die damit verbundene Möglichkeit Methan, O2 als auch H2 vor Ort zu Gewinnen, signifikant steigern.

    Der Mars als eines der nächsten Ziele der Raumfahrt ist geradezu prädestiniert für die Produktion von Methan auf dem Planeten. Ein Marslander werde somit noch effizienter, da er den Treibstoff für den Rücktransport vor Ort erhält und senkt somit die Kosten mit noch anderen Technologien recht deutlich.

    Die Methangewinnug und der damit verbundene chemischer Prozess wurde im 19 Jahrhundert vom Franzosen Sabatier entdeckt, wobei die Formel lautet :

    CO2 4H2 -> CH4 2H2O, oder anders gesagt, da ich kein Chemiker bin, Kohlendioxid der Marsatmosphäre reagiert zusammen mit Wasserstoff zu Methan und Wasser. Durch eine Wasserelektrolyse erhält man H2 für die erneute Methan Produktion als auch Sauerstoff.

    Amerikanische Berechnungen haben gezeigt das aus 1 kg H2 die Gewinnung von 20 kg Methan und Sauerstoff auf dem Mars möglich wäre. Am Johnson Space Center der NASA wurden solche Technologien entwickelt als auch getestet. Der Weg bis zu ständigen bemannten Basen mit Selbstversorgung an Treibstoff, Sauerstoff als auch mit Ressourcen insgesamt ist aber noch sehr weit. Die Stromerzeugung übernehmen recht kompakte nukleare Module mit einer Leistung bis 0,5 MW an denen bei RKK Energia schon gearbeitet wird.

    Die weitere Entwicklung von Methan, Acetam als auch der künftigen Konkurenten und ob die Erwartungen auch erfüllt werden, bleibt also abzuwarten. Es wird sehr spannend all das zu verfolgen als auch dabei zu sein.


  18. Der Treibstoff wird den vorhandenen beigemischt, so die offizielle ITAR-TASS Meldung. Die genannte Formel war nur eine mögliche Wahrscheinlichkeit, da es noch keine offizielle gibt. Die Meldung vom 21 Februar (ИТАР-ТАСС Елена Зубцова) kann jeder abrufen.

    Den möglichen Vorteil hat das Keldysch- Zentrum mit Daten und chemischen Formel die wir nicht kennen berechnet. Es ist definitiv so, das wir damit eine Steigerung der Leistung bis 40 Prozent erreichen. Auf alles weitere muss die Öffentlichkeit noch warten.

    Unabhänig von Acetam wird in Russland weiter an Methan und der möglichen Steigerung sowie für das Projekt Volga gearbeitet.

    An Hybridtriebwerken, also eine kombination aus Fest- und Flüssigtreibstoff, wurde in Russland auch sehr intensiv gearbeitet. Zuständig war dafür das Keldysch- Zentrum. In der russischen Fachliteratur ist das alles mit technischen Daten nachzulessen.

    Für das Energia/Buran System wurden mächtige Feststoffbooster, die mehr als 1000 Tonnen Schub hatten und den amerikanischen gleichwertig waren, auch entwickelt.
    Die Entscheidung war für uns nicht leicht, obwohl die RD-170 doch überlegen waren. Die Entwicklung der RD-170 war aber nicht leicht und es gab eine Periode wo das alles auf der Kippe stand. Aber das nur am Rande.


  19. Nur klingt das dann nach einem hyrbiden Antrieb, denn Polyisobutylen wäre fest. Ich verstehe bloß nicht wie das zu obigen Summenformeln passen soll, die ja komplett andere sind. PIB hätte die Summenformel (C4H8)n.

    Einen Vorteil kann ich nicht erkennen. Methan müsste weitaus mehr Energie liefern. Stattdessen könnte man auch Kerosin nehmen. Zudem wäre mir neu das in Russland jemand ernsthaft an hybriden Triebwerken arbeitet.


  20. Zu Acetam abschliessend noch einige relevante Punkte für den allgemeinen Verständnis.

    An dem Projekt arbeiten zur Zeit NPO Energomasch und das Inovationszentrum Skolkovo. Die ersten Resultate als auch die genaue Zusammensetzung und die Details werden im laufe des Jahres veröffentlicht.

    Am 28 Februar hat ITAR-TASS folgendes zu Acetam veröfentlicht, dazu wörtlich:
    “…das ist eine Beimischung zu Sauerstoff-Kerosin auf der
    Grundlage der Polyisobutelen ( полиизобутилена ).

    Weiter in der TASS Meldung wird gesagt, das die Balistischen Berechnungen die im Keldysch-Zentrum durchgeführt wurden, zeigen das bei einer Verwendung von Sauerstoff-Acetam Triebstoff auf der Beschleunigungsstufe von Sojus-2.1b eine Steigerung der Nutzlast um 30 bis 40 Prozent möglich ist.

    Die Agentur schreibt weiter, das in den nächsten 6- 12 Monaten umfangreiche Analysen durchgeführt werden, darunter auch die Prüfung von der Verwendung des Acetam in den ersten und zweiten Stufen von Trägerraketen als auch für Beschleunigungsstufen für die Proton, Angara und andere.

    Es handelt sich um ein Prestigeprojet verbunden mit jährlichen Einsparungen von mehreren Milliarden Rubel.

    Zu Polisobutelen als auch über hochmolekulare Verbindungen und die damit verbundene energetische Verbesserung der Trägerraketen, möchte ich auf das Fachblatt Dvigatel-Nr.6 / 2005 verweisen.


  21. Demnach ist Acetam ein Gemisch aus Ethin (Acetylen), Propin, Propadien oder Cyclopropen (C3H4 ist als Summenformel nicht mehr eindeutig) und Ammoniak.

    Ich habe meine Zweifel ob dies so möglich ist, denn alle drei Stoffe haben sehr unterschiedliche Siedepunkte, das bedeutet, wenn Ethin flüssig ist (übrigens nur in einem Bereich von 4°C) werden die anderen beiden Verbindungen schon fest sein. So werden drei getrennte Tanks benötigt, auch weil Ammoniak mit den beiden Alkanen nicht mischbar ist Dieser Aufwand für drei Treibstofftanks würde alle Vorteile beim Betrieb zunichte machen.


  22. Zur Acetam, bevor auch die Ergebnisse veröffentlicht werden, kann ich folgendes sagen. Es handelt sich vermutlich um folgende Mischung :

    25% ацетилена С2Н2 oder метилацетилена C3H4, mit
    75% аммиака NH3.


  23. Da ich hier die Bilder des Methan Trägers nicht posten kann, werde mich auf einige Daten der 35 und 21 Tonnen Variante beschränken.

    Gesamthöhe des Trägers : 70,5 Meter
    Zentralstufe : 5 Meter in Durchmesser, Länge mehr als 43 Meter, H2/02 Treibstoff
    Gesamtbreite mit 2 Boostern : 25,39 Meter

    Landebooster:

    Gesamtelänge : 42,6 Meter
    Durchmesser : 4,25 Meter
    Breite mit ausgefahrenen Flügeln bei Landung : 27,5 Meter
    Breite bei Start : 14,07 Meter
    Treibstoff : Methan
    Triebwerke : 4X RD- 0162

    Der MRKN – 35 Tonnen hat eine Startmasse von 921 Tonnen und 2 Landebooster.
    Die moralisch verschliessne Angara A7P hat eine Startmasse von 1125 Tonnen und 6 Booster bei gleicher Nutzlast.

    Der MRKN – 21 Tonnen hat eine Startmasse von 663 Tonnen und 1 Landebooster. Bei gleicher Nutzlast hat die Angara A5P eine Startmasse von 713 Tonnen und 4 Booster.

    Die letzte Variante mit 65 Tonnen Nutzlast hat auch 2 Landebooster und 2 zusätzliche Booster die aber nicht landen. Die 45 Tonnen Variante hat auch 2 Landebooster und 1 zusätzlichen.

    Die Sicherheitskriterien wurden bei der Analyse so hoh angelegt wonach die heutigen Proton und Sojus Träger nicht mehr starten dürften. Dazu zählt auch der sehr hohe Schubspektrum der Triebwerke von 30 bis 135 Prozent. Die umfangreiche ZAGI Analyse hat auch gezeigt, das die Verwendung von 4 Methantriebwerken je Booster und 200 Tonnen Schub das Optimum wäre. Computersimulationen mit anderen Triebwerken, wie RD- 180, als auch andere Kombinationen , war für das Konzept nicht optimal.


  24. Versprochen wird immer viel, aber was davon am Ende wirklich rauskommt ist eine ganz andere Frage. Die versprochene Kostenreduzierung beim Space Shuttle ist ein Musterbeispiel dafür, was angekündigt wurde und dann genau das Gegenteil gebracht hat. Oder unsere “Lieblingsfirma” SpaceX. Also Vorsicht mit solchen Ankündigungen. Was zählt ist das was wirklich fliegt. Und eben erst dann wenn es fliegt. Gerade Projekte für Wiederverwendbare Träger gab es schon wie Sand am Meer, und wo sind sie geblieben?


  25. Ein aussenstehender der keinen fachlichen Bezug und Kenntnisse zur russischen Raumfahrt hat kann ja auch so schreiben.

    MRKN ist die offizielle Kurzbezeichnung für den wiedervewendbaren Träger der auch die Angara eines Tages ablösen wird. Dazu könnte ich ein ganzes Buch mit ZAGI Analysen, technische Details, Bildern und Zeichnungen usv. schreiben. Die ersten Arbeiten, auf eine Roskosmos Ausschreibung, begannen schon vor Jahren. Die Ausschreibung gewann Chrunischew. Für die Entwicklung wurde die gennante Firma im Dezember 2011 beaufrtagt. Der Träger ist für Lasten von 7 bis 65 Tonnen vorgesehen. Es ist aber noch ein weterer Weg, insbesondere die Entwicklung der Landebooster und die damit verbundenen sämtlichen technischen Details zu klären und zu Lösen sowie den Bau der Landebahnen und deren Infrastruktur. Der Träger ist für alle russische Kosmodrome, ausser Baikonur, sowie auch für bemannte Starts vorgesehen. Ich habe auch geschrieben das der erste Start sei nach 2025 ev. bis spätestens 2030 vorgesehen. Bei so einen Jahrhundertprojekt kommt es auf die 2-6 Jahre nicht an.

    Der Vergleich zu Angara, die lange Entwicklungszeit, ist absolut unsachlich. Die Gründe sind mir alle explizit bekannt wie auch die Geschichte des entwickles KB Saljut, aber das ist ein anderes Thema. Die ersten Starts sind für 2013 fest eingeplannt.

    Acetam tauchte erst vor einigen Wochen offiziell auf, wird aber schon seit geraumer Zeit im Inovationszentrum Skolkovo als auch bei NPO Energomasch entwickelt. Die ersten Ergebnise werden im Sommer veröffentlicht und zu Formel werde ich mich später äussern. Möchte mich hier nur auf die offiziellen Aussagen berufen, was ich auch gemacht habe. In der Tat, eine Steigerung der Nutzlast um 30-40 % ist ja gewaltig. Wäre fast vergleichbar mit einen H2 Triebwerk.

    Auf dem neuen Kosmodrom gehen die Arbeiten voran. Es ist nach wie vor geplannt den ersten Start einer Sojus-2 um 2015 durchzuführen und somit die ersten Gelder damit einzufahren. Das ist auch ein Grund für die Absage der RUS-M Rakete da sie erst um 2020 startbereit gewesen wäre. Auf der MAKS 2011 war aber schon klar das die Tage der RUS gezählt werden. Es geht also um die Kosten und mit einer Energia- K werden die Startkosten für einen bemannten Träger, als auch mit einen andern Träger mit nur 1 Triebwerk, um die Hälfte kleiner.

    Ob der Baikonur nach 2050 weiter von der russischen Seite genutzt wird ist sehr fraglich, genau so ist es fraglich die Fertigstellung des Baiterek Komplexes auf dem Kosmodrom. Es gibt also ernsthafte Unstimmigkeiten der Parteien angesichts des recht hohen Ausgaben die damit zu erwarten sind. Es wir von rund 1,8 Milliarden Dollar gesprochen und dazu noch die Jährliche Pacht die Russland an Kasachstan zu zahlen hat.


  26. Ich sehe aber diese Investitionen in neue Technologien nicht. Hinsichtlich neuem Kosmodrom gab es ja schon den Versuch sich von Baikonur zu lösen, was aber weniger mit der Technik als vielmehr mit der Unabhängigkeit und den Pachtzahlungen an Kasachstan zu tun hat.

    Um die Transportkosten zu senken gibt es auch andere Möglichkeiten wie Serienfertigung wie es derzeit beim URM der Angara praktiziert wird. Einige Hundert Kilo Ersparnis beim Triebwerkgewicht bringen wenig, zumal bei dem Triebwerksgewicht es sich um eines in der 2000 kN Klasse handelt also für einen Erststufeantrieb, das bringt dann typisch 1:10 mehr Nutzlast wobei natürlich von dem eingesparten Gewicht weider einiges (wenn nicht mehr auf die größeren Tanks geht).

    Wenn Russland 2025 eine neue Rakete haben will, dann müsste sie jetzt beschlossen werden. Von der angara habe ich 1998 erstmals gehört und sie ist 2012 immer noch nicht startbereit. Wenn sie kommt wird sie sicher einige Jahrzehnte ihren Deinst tun und dann wird man sicher wieder die Methan Entwicklungen einstellen.

    Kannst Du mal die Formel für MRKN und Acetam angeben, dann kann ich Dir auch sagen um was es sich im Deutschen/Englischen für Substanzen handelt (eigentlich sollten chemische Namen überall gleich sein, doch auch bei UDMH und N2O4 gibt e eigene russische Bezeichnungen)


  27. Die damaligen Entwicklungen die wir gemacht haben wie mit Boran und anderen Treibstoffen, sind mit den heutigen absolut nicht vergleichbar und es ist keine Modewelle. Es geht primär um die Senkung der Zugangskosten zum Weltraum ( MRKN, Methan, Acetam) als auch um die Senkung der Transportkosten im Weltraum (TEM- 1/25 MW) sowie um ökologische Aspekte insbesondere in Verbindung mit dem neuen Kosmodrom.

    Nach den Worten von A. Lichwancew (NPO Energomasch), ergeben sich durch die Verwendung von Acetam jährliche Kosteneinsparungen von mehreren Milliarden Rubel.

    Bei der Verwendung der Methantriebwerke in den wiederverwenbaren MRKN Trägern, geht es auch um die signifikante Senkung der Transportkosten als auch um die Erhöhung der Zuverlässigkeit des Trägers auf P= 0,999. Die Triebwereke sind mehrfachverwendbar und haben eine deutliche, um 400 bis 600 kg, geringere Trockenmasse gegenüber eines Kerosintriebwerks. Nur das entspricht schon eine Einsparung von mehreren Millionen Rubel, dazu noch der recht deutlich billige Treibstoff. Es ist also Fakt das die Methantechnologie billiger und effizienter im Vergleich zu Kerosin ist. Sehr ausführlich und sehr positiv haben sich auch unabhänige russische Weltraumexperten auf der Koroljow Lesung, die ich anfang des Jahres auch mitverfolgen konnte, dazu geäussert.

    Von einer baldigen Einsatzreife habe ich nicht gesprochen, sondern ich habe schon in einen andern Blog auch genannt, das die MRKN nach 2025 zum Einsatz kommen.

    Weder die USA noch Russland schwimmen auf dem Geld um auf die kostensparenden Technologien zu verzichten. Es bedarf natürlich noch viel Zeit und Geld. Auch die Fertigstellung des neuen Kosmodrom, bis zu 7 Startkomplexe, technische Gebäde, H2, Kerosin, Methan Infrastruktur und eine neue Stadt für 50 000 Bewohner bedarf immense Arbeit.Wir haben aber auch keine andere Wahl als den angefangenen Weg weiter zu gehen.

    Bezüglich der russischen Raumfahrt bitte ich also um etwas mehr Sachlichkeit. Danke!


  28. Das liegt wohl daran, daß die Entscheidungen von Politikern getroffen werden. Und die haben meistens recht wenig Ahnung von dem, worüber sie entscheiden. Also machen sie das, was alle machen, da fallen die fehlenden Fachkenntnisse nicht so auf. Anstatt sinnvolle Projekte kommen dann eben solche Modewellen wie Raumstation, bemannte Mondflüge oder Methantriebwerke heraus.

    Mit dem Ergebnis, daß kein Projekt so richtig vorankommt, weil eben das Geld fehlt. Bei einigen “Projekten” werden die Leute praktisch nur dafür bezahlt, daß sie nicht kündigen. Gemacht wird überhaupt nichts mehr, weil das Geld dafür fehlt. Und irgendwann wird das mit viel Rummel angekündigte Projekt dann still und leise beerdigt.

    Aber das ist nicht nur ein russisches Problem, der NASA und der ESA geht es genau so. Da man kein wirkliches Ziel hat, bastelt man eben an allen möglichen Sachen herum, ohne sagen zu können wozu das gut sein soll. Hauptsache es wird Geld ausgegeben, auch wenn man keins hat.


  29. Nur suggerieren deine Ausführungen eine baldige Einsatzeife. Dem ist aber nicht so. Wenn man das gleich Kriterium beim Vinci anlegen würde, dann hätten wir auch schon lange eine neue Oberstufe, doch auch hier gibt es Streit um die eigentlichen Entwicklungskosten für eine solche Stufe.

    Russland hat extrem viele Triebwerke entwickelt und getestet, darunter auch welche mit exotischen Kombinationen wie Fluor oder Boran und keines wurde je eingesetzt. Daher sollte man solche Verlautbarungen mit Vorsicht genießen. Das Triebwerk alleine ist der kleinste Teil wie ich schon oben ausgeführt habe liegen die Herausforderungen auch noch bei anderen Gebieten.


  30. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun ! Habe nur den aktuellen Stand der Methantechnologie sachlich dargelegt !


  31. Erstmal wäre es sicher wichtig das fertigzustellen, was man seit Jahren entwickelt. Auf die Angara wartet man seit 10 Jahren, ihr Jungfernflug liegt konstant 2 Jahre in der Zukunft. Wie Phobos Grunt zeigte hat die russische Raumfahrt derzeit andere Probleme – erst mal das angefangene auch erfolgreich umzusetzen.


  32. Am 29.09.2010 hat ein Methan- Demonstrationstriebwerk C5.86.1000-0 Nr.2 völlig neue Masstäbe bei der Entwicklung der Metahntechnologie gesetzt. Die Arbeiten wurden im Rahnmen des Projekts “Triebwerk 2015″ durchgeführt. Folgende Daten möchte ich bei diesen Rekordbrennversuch hier hervorheben:

    Schubleistung : 7500 kg
    Brenndauer : 1160.38 Sekunden bei Mehrfachzündung
    Brennkammerdruck: von 50 bis 60 kg/cm2
    Spezifischer Impuls : 370 s
    Treibstoffdurchsatz : 20.27 kg/s

    Die ersten Arbeiten begannen in Russland ab 1996 und heute münden sie ua. in folgende Methan-Triebwerke :

    RD-0146, 10 Tonnen Schub
    RD-0162, 203 Tonnen Schub
    RD-192, 200 Tonnen Schub

    Die Daten sind noch etwas mit Vorsicht zu betrachten da sie noch weiterentwickelt werden.


  33. Methan ist zur Zeit die beste Alternative zu Kerosin, aber nicht mehr lange. In Russland wird noch an einen besseren Treibstoff mit der Bezeichnung Acetam ( rus. Schreibweise)gearbeitet. Nach Aussagen der Forscher wäre es möglich, angewandt auf den letzten Stufen der Sojus Trägerraketen, die Nutzlast um die 30 bis 40% zu steigern. Die ersten Ergebnisse werden im Sommer 2012 veröffentlicht.

    Die russischen MRKN-Trägern, an denen seit Dezember 2011 schon offiziell daran gearbeitet wird, erhalten folgende Treibstoffe und Triebwerke:

    Zentralstufe : 1 x RD- 0120, H2/02
    Landebooster : 4 x RD- 0162, Methan/O2, Schub je 200 T.

    Die Booster sind bis zu 25 wiederverwendbar, später sogar bis 100. Noch ein kurzer Vergleich von Kerosin und Methan Triebwerken. Der Kerosin RD- 0163 hat eine Trockenmasse von rund 2696 kg und einen Isp von 278s. Der Methan RD-0162
    hat eine Trockenmasse von 2100 kg und einen Isp von 323s.
    Ja, das ist schon gewaltig.

    Die russischen bemannten Mondlander PWLK-1 als auch der PWLK-2, wobei der letzte hat eine Startmasse von 39,827 Tonnen und Platz für 6 Kosmonauten , werden mit zwei Methan Triebwerken mit je 4000 kg Schub ausgestattet sein ( Stand Februar 2012).

    Bei NPO Energomasch wird zur Zeit ein neuer Triebwerk mit der Bezeichnung RD-175 entwickelt. Das Triebwerk mit einer Schubleistung von 1000 Tonnen ist für die Energia-K als auch für die Booster eines Schwerlastträgers, der für bis 180 Tonnen ab 2018 entwickelt wird, vorgesehen. Ob davon auch eine Methan Variante geben wird, ist leider nicht bekannt.

    Zur Methan wäre noch zu erwähnen eine russische Patententwicklung, die am 27.02.2002 veröffentlicht wurde, bei der sich um eine Mischung aus Methan und Ethylen handelt.


  34. Habe gerade “Raketentechnik für Besserwisser” gefunden. Sehr schön.


  35. Danke für die weitgehend positive Bewertung des Vorschlags.

    Aber wie berechnetst du die performance von Trägerraketen?

    1. Einfachste Möglichkeit: Integrieren über den Zeitabhängigen Schub; daraus eine Endgeschwindigkeit errechnen; und diese mit der zum erreichen der Bahn erforderlichen Geschwindigkeit vergleichen.

    Nachteil: gilt nur für eine Kanone. Eine Rakete mit einem Schub von unter 1g würde nah dieser rechnung auch jede Bahn erreichen können, hebt aber in der Realität nicht mal ab.

    2. Auslegung für einen Planeten ohne Atmosphäre:

    Bescheunigung in Horizontaler Richtung bis zu einer Orbitalbahn bei höhe Null bis die Zentrifugalkraft gleich der Gravitation ist.
    Ausgleich der Gravitation in vertikaler Richtung. Dies führt zu einem Verlust an Triebwerksleistung, der vor allem am anfang schwehr wiegt.

    a(horizont)^2=a(ges)^2-(g-v^2/6400km)^2

    Mit Luftwiderstand und unterschidlichem aufbau der Raketen wird das belibig kompliziert. Gibt es da eine reihe von Faustformeln, an dennen du dich orientierst.


  36. Das RD-171 kann das, der Schub ist ausreichend groß, doch das Vulcain 2 ist für Bodenstarts ausgelegt. Da die ESA zwar das Geld für den Aufbau eines Launchpads für die Sojus in Kourou hat, nicht jedoch für die ESC-B Oberstufe hat dein Vorschlag sicher Chancen auf Verwirklichung.


  37. Hallo Herr Leitenberger,

    ich halte Ihre Webseite für ganz hervorragend gemacht.

    Zum Betrieb von Triebwerken mit Wasserstoff ist folgendes zu sagen:

    Sie hatten zwar richtigerweise erwähnt, dass die erforderliche Förderarbeit proportional zu dem Volumen ist, es gibt dabei aber noch zwei Punkte.

    In einem Turbokompressor wird dem Medium kinetisch Energie zugeführt, die dann in Potentielle energie also Druck umgesetzt wird. Die kinetische Energie ist aber proportional zur Dichte, so dass zum erreichen des selben Drucks die Geschwindigkeit gesteigert werden muss (technisch sehr aufwändig).

    Ausserden ist flüssiger Wasserstoff eine besonders stark kompressible Flüssigkeit, so dass die Verdichtungsarbeit hier besonders groß ausfällt.

    Triebweke mit Methan erscheinen mir durchaus nützlich:
    Im Vergleich zu Kerosin halten sich die geringere Dichte und der höhere spezifische Impults etwa die Wage.

    Als Vorteil sehe ich die geringe Anfälligkeit zu Rußen, was für die teilverbennung und regenerative kühlung wichtig ist. Das wird bei kerosin nur mit teuren synthetischen Kraftstoffen erreicht.

    Mein Vorschlag für die Ariane5 ist allerdings ein anderer, und kommt mit verfügbaren Treibstoffen aus, naja fast.
    4 bzw 6 Booster sind um eine neuartige Zentralstufe gruppiert. Die äußeren Abmessungen dieser Stufe sind identisch mit der gegenwärtigen. Sie ist mit Kerosin/LOX betankt und als Zentraltriebwerg fungiert ein RD-171. Durch den großen Tank (ca 600t Treinstoff) verdoppelt sich die Betriebsdauer des Tribwerks gegenüber der Zenit (ob das das Triebwerk ab kann??).
    Als Oberstufe dient dabei die bisherige Zentralstufe der Ariane mit für den Vakuumbetrieb modifizierten Vulcain2-Triebwerk.

    Grob gesagt verdoppelt sich die länge der Rakete. Vorteil sieses Aufbaus wäre eine weitgehende Verwändung bereits entwikelter Komponenten. Ausserdem ist der Durchmesser auf der ganzen Länge konstant.

    So bitte zerreiße meinen Vorschlag.


  38. es gibt noch einige Vorteile mehr

    Lox/Lch4 ist in Volumen kleiner als gleiche menge Lox/Lh2
    Somit kleiner Tanks und platzt Einsparung oder günstige Aerodynamik.

    bei Lox/Lch4 können beiden Turbopumpen durch eine gemeinsame Turbine betreiben werden.
    Lox und Lch4 Temperatur liegen bei rund -183°C

    Langzeit Lagerung
    theoretisch kann man Lox/Lch4 mit geringe aufwand flüssig halten.
    besonders interessant war das für CEV (heute Orion) und Bemannte Mars Flüge
    weil Lox/Lch4 mehr ISP bring als das klassische NTO/UDMH (letze sehr giftig)

    Treibstoff Herstellung vor Ort
    Bemannte Mars Flüge wie Zubrin “Mars Direct” stellen aus Wasserstoff und Mars Atmosphäre
    Lox/Lch4 her für den Rückflug
    auf Saturnmond Titan wahre das nachtanken mit Lch4 ein Kinderspiel
    zum nächsten Methan See schlauch rein pumpe an, tank voll. ;-)
    was startgewichst Reduzierung mit sich bring

    Doch brauchen wir Lox/Lch4 ?
    unter CEV sollte antrieb und Lage Kontrolle mit Lox/Lch4 gehen.
    Die russen waren die einzige die Technologie entwickelten.
    NASA versuch einer Lizenz wurde von Senat und Kongress verhindert !
    dann versuchte NASA es Lox/Alkohol (V-2 Treibstoffe) zu teuer in Entwicklung.
    jetzige stand der dinge Orion verwende klassische NTO/UDMH Treibstoffe

    für Mondmission ist Lox/Lch4 unnötig
    die Technologie ist so weit das man ohne weiters mit Lox/Lh2 fliegen kann.

    und Mars ?
    NAA hatte schon 1967 in Studien gezeigt das man Lox/Lh2 in gut isolierten Tanks
    Monate lang bewahren kann in Weltraum


  39. “das Astrium in Lizenz bauen will oder bauen lassen will. ”
    Davon dass es existiert war nicht die Rede.


  40. Ich hatte das Volga-Programm bisher für nicht mehr als eine Studie gehalten, wann wurden die Triebwerke getestet?

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