Überflüssige Raumsonden

Heute ist der längste Tag des Jahres – für mich als jemanden der unter Winterdepression leidet ein Wendepunkt bei dem es erst mal für 7 Monate abwärts geht. Aber das ist heute nicht das Thema. Ich dresche ja gerne auf die bemannte Raumfahrt ein, schlicht und einfach weil ich schon so viele Projekte haben sterben sehen, weil Space Shuttle und ISS Kosten ausuferten und am Ende man sich fragt: Wofür?

Doch es gibt auch überflüssige unbemannte Projekte. Gerade habe ich in dem Artikel über spezielle astronomische Satelliten Gavity Probe B aufgenommen. GP-B ist ein Spezialsatellit zur Messung von zwei vorgesagten Effekten der Relativitätstheorie. Die Effekte sind bei der kleinen Masse der Erde so klein, dass man ausgefuchste Technik brauchte um die Messungenauigkeit unter den zu messenden Effekt zu bringen. So musste man 9 Technologien für den Satelliten eigens entwickeln und dieser wurde 760 Millionen US$ teuer, das ist viel für einen Forschungssatelliten. Normalerweise kostet ein Satellit weniger als die Hälfte.

Was man sich schon vor dem Start gefragt hat ist: Wozu braucht man diese Mission? Es kann ja nur 3 mögliche Resultate geben.

  1. Man findet genau das was die Relativitätstheorie vorhergesagt hat innerhalb der Messfühler. Dann wurde eigentlich nur bestätigt was alle erwartet habe
  2. Man findet eine kleine Abweichung außerhalb des Messfehlers, dann weis man nicht ob irgendwo doch es Probleme bei der Messung gab oder ob man irgend etwas vergessen hat in der Theorie. Diese also zwar allgemein gültig ist, aber noch ein Term denn man bislang nicht bestimmt hat fehlt.
  3. Man findet ein völlig anderes Ergebnis und die Relativitätstheorie ist falsch: Das kann man nahezu ausschließen, denn in anderen Bereichen wurde sie schon überprüft und die Gleichungen hängen zusammen. Es ist also schwer denkbar dass ein Teil richtig ist und der andere falsch.

Was herauskam war Option 2: Man bekam das erwartete Ergebnis, aber nicht ganz genau und man stellte „Verdreckungs“ Effekte bei den Sensoren fest die das verursachen können (die Datenauswertung läuft noch). Man ist also so schlau wie vorher, denn man kann so nicht sagen ob man die Theorie ein wenig ergänzen muss oder nicht (und wenn wie bitte ergänzen – es gibt bislang keine Idee was fehlen könnte).

Kurzum: Viele Wissenschaftler halten Gravity Probe B für eine technologisch interessante, aber überflüssige Sonde. Noch etwas überflüssiger war eine Sonde, die Al Gore als er noch Vizepräsident war in den späten 90 ern vorschlug. Eine Raumsonde sollte in dem sonnenzugewwandten Lagrange Punkt positioniert werden und eine Kamera auf die Erde richten. Dieser Punkt zeichnet sich dadurch aus, dass er bezüglich der Erde ortsfest im Raum ist. Der Satellit umrundet die Erde dort in einem Jahr und ein Jahr braucht die Erde um die Sonne zu umrunden. Beide Bewegungen gleichen sich aus und der Satellit behält so von der Erde aus eine Position zwischen Sonne und Erde. Vom Satelliten aus sieht man immer die Vollerde, nur dreht sie sich, d.h. man sieht sie nacheinander die Kontinente rotieren.

So ein Filmchen ist sicher spannend und er macht sich gut als Trailer in Nachrichtensendungen – aber wie lange? Nach ein paar Monaten haben sich die Leute dran gewöhnt und der Effekt – zu zeigen wie verwundbar unsere Erde ist und dass wir nur eine davon haben und vielleicht mit ihr besser umgehen sollten – wäre weg. Für Wetterbeobachtungen ist der Satellit zu weit weg. Geostationäre Satelliten sind 40 mal näher dran. Man bräuchte schon ein großes Teleskop um aus 1.5 Millionen km Entfernung gute Bilder zu gewinnen. Eine Sonde in diesem Punkt wäre von Nutzen wenn sie die Sonne beobachtet wie es SOHO seit Jahren in diesem Orbit tut. Doch das stand nie zur Debatte.

Mit dem Antritt der Bush Regierung war diese Idee natürlich gestorben und das ist auch gut so. Die Sonde wäre zwar viel billiger gewesen als ein Shuttlestart (man rechnete mit 150 Millionen USD, ein Shuttle Start erreicht inzwischen die 1 Milliarden Dollar Grenze) aber 150 Millionen für eine unnötige Sonde sind immer noch 150 Millionen zu viel.

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