Wie es bei der Energiekrise weitergeht

Erdaufgang

Ich habe an dieser stelle mich schon öfters darüber ausgelassen, wo es möglich ist, fossile Energie durch regenerative zu ersetzen und wo nicht. Ich glaube aber das keines der Szenarien die ich entwickelt habe, eintreten wird. wir leben in einer Marktwirtschaft und weltweit in einer rein kapitalistischen Marktwirtschaft. Das bedeutet, dass man eine Energieform solange nutzt wie sie vorteilhaft ist. Bei steigendem Energiepreisen werden regenerative Energien nur dann eingesetzt werden, wenn sie mit anderen Energieformen konkurrieren können. Was also wird passieren?

Wenn der Erdölpreis weiter steigt, so wird man einfach auf andere Energieformen umsteigen. Gas ist noch preiswerter und bei einem genügend hohen Preisunterschied kann es lukrativ sein, aus Erdgas synthetisches Erdöl durch katalytische Dehydrierung herstellen. Das ist energieaufwendig und so keine gute Lösung. Der einzige Vorteil dabei ist, dass man als Nebenprodukt Wasserstoff gewinnt, den man in vielen Bereichen einsetzen kann. doch dazu später mehr.

Es dürfte aber nur eine kurzzeitige Lösung sein, denn auch der eEdgaspreis steigt und das Vorkommen von Erdgas ist auch begrenzt. Begrenzt ist auch Kohle. Allerdings gibt es davon viel mehr als Erdöl. Kohle könnte über mehrere Hundert Jahre, je nach Schätzung sogar Jahrtausende reichen. Bis vor einigen Jahrzehnten war Kohle verbreitet für die Heizung. Das könnte wieder kommen. Strom wird heute schon zu einem guten Teil aus Kohle gewinnen. Es werden zwar neue Kernkraftwerke propagiert, doch auch Uran wird schwerer abbaubar. Die erzreichen Vorkommen sind schon weitgehend erschöpft. Die Aufarbeitung von Uran ist sehr energieintensiv und Strom wird sich bald nicht mehr so preiswert wie bisher mit Uran erzeugen lassen. Natürlich gibt es noch die Lösung Brennstoff mit einem Brutreaktor zu erzeugen. Doch anders als moderne Hochtemperaturreaktoren haben Brutreaktoren nach wie vor Probleme: Sie sind nicht so sicher und es entstehen noch mehr radioaktive Abfallprodukte.

Kohle kann Strom erzeugen und verfeuert werden. Doch wie kommt man zu Benzin, Kunststoffen, den ganzen Vorprodukten der petrochemischen Industrie? Nun man kann Kohle hydrieren und damit synthetische Kohlenwasserstoffe erzeugen. das Verfahren der „Kohleverflüssigung“ ist nichts neues. Die gesamte deutsche Treibstoffproduktion im zweiten Weltkrieg erfolgte so. Es hat nur einen Nachteil: Es ist ineffizient. Um zum Beispiel den einfachsten Kohlenwasserstoff Methan zu erzeugen muss man glühende Kohle mit überhitztem Wasserdampf umsetzen. Nach zwei weiteren Schritten erhält man:

2C + 2 H2O -> CH4 + CO2

Man verbrennt also die Hälfte der Kohle um Methan zu erzeugen. Hat man den Wasserstoff schon aus einer anderen Quelle, so vereinfacht sich das Verfahren, man braucht aber in jedem Fall viel Energie, da alle Reaktionen nur bei hohen Temperaturen stattfinden. Das Verfahre emittiert also mindestens die doppelte Kohlendioxydmenge wie eine direkte Nutzung von Erdöl. Nicht gerade das was man sich von einem Ersatz erwartet. Nach einer Abschätzung ist die Kohleverflüssigung attraktiv, wenn der Erdölpreis langfristig über 70 Dollar/Barrel liegt. das ist heute gegeben. Es ist daher zur rechnen dass man bald anfangen wird solche Anlagen zu bauen. das dürfte dann immerhin den Preisanstieg bei Erdöl bremsen.

Heute schon lukrativ ist es Pflanzenöl zu tanken. Pflanzenöl hat 80 % der Energie von Diesel, kostet mit 76 ct/l beim Supermarkt aber weniger (ich nehme an in größeren Mengen noch weniger). Ältere Diesel vertragen es ohne Probleme, größer Diesel (wie bei Schiffen oder Maschinen) sowieso. Sofern unsere Bundesregierung nicht auf die Idee kommt dann auch 90 ct Steuer draufzuschlagen werden mehr und mehr Leute Öl tanken. Das Problem: Es gibt viel zu wenig Anbaufläche. die ganze Agrarfläche Deutschlands wird nicht ausreichen um den Ölbedarf für Diesel zu decken. So wird man in der Dritten Welt noch mehr Urwälder roden um noch mehr Ölpalmen für die Treibstoffproduktion anzubauen – also genau das Gegenteil von dem was für das Klima gut wäre.

Das gilt auch für die Nutzung von Pflanzen als Energiequelle im Allgemeinen. Will man es nachhaltig betreiben, dann kann man nur so viel entnehmen wie nachwächst. Das limitiert den Einsatz von Holzpellets genauso wie den Anbau von Pflanzen zur Treibstoffproduktion oder (besser, da viel höherer Flächenertrag) Pflanzen die man thermisch verwertet also verbrennt). Das geht nur auf einem Teil der Nutzfläche, weil man wie bei anderen Kulturen die Probleme von Monokulturen und Auslaugung des Bodens hat wenn man nicht öfters die Fruchtfolge wechselt.

Doch selbst mit optimaler Ausnutzung von nachhaltigen Rohstoffen wird man niemals den heutigen Energiebedarf decken können. Dazu verbrauchen wir einfach zu viel. vergleichen wir unseren Energieverbauch mit Regionen in denen es noch kaum Industrie auf der Erde gibt, so ist es mindestens das 10 fache was diese Regionen verbrauchen. Jeder sollte nur einmal vergleichen wie viel Heizöl und Benzin er im Jahr verbraucht und wie viel Öl er zum Braten und Kochen braucht.

Ich denke aber das wir einfach wechseln werden. Bei der Heizung von Gas und Öl auf Pellets oder Kohle – Kohle ist zwar durch Chinas Energiehunger auch teurer geworden, kostet aber im Welthandel 4 mal weniger als heute Öl. Es wird eben wieder die Kohleheizung Einzug halten. Wahrscheinlich wird man nun auch mehr dran denken Energie effizient zu nutzen durch gekoppelte Strom/Wärme Erzeugung. Vielleicht wird man dann endlich mal daran gehen den öffentlichen Personennahverkehr konkurrenzfähiger zu machen und Bahnstrecken ausbauen anstatt zu schließen. Solarkraftwerke werden gebaut werden, aber nur die vorhandenen Raftwerke ergänzen. Aber ich rechnen nicht mit einem grundlegenden Wandel.