Weiß Griffin was er will?

Am Montag hat NASA Administrator Griffin mal wieder eine Rede gehalten. Inzwischen schaue ich regelmäßig nach was er so sagt, weil jedesmal was neues rauskommt. Es ging diesmal um die Kommerzialisierung des Weltraums und die NASA. Diesmal ist der folgende Absatz interessant:

"I’ve been asked on many occasions for my opinion on commercial crew transportation to ISS. We’ve made an initial $500 million dollar bet on commercial cargo service capability to ISS. That is actually the more critical need, and while I certainly wish that I had more money to invest in developing COTS crew capability – and many other things – I think it unwise to raid other accounts to increase our bet on COTS crew capability.

For those who claim that NASA’s systems, the Orion crew vehicle and Ares 1 launcher, will compete with commercial providers, I will again remind everyone that, in our plan, commercial systems are "primary" for ISS logistics. Orion and Ares are the backstop if U.S. commercial providers are not successful in developing such capability. They are sized for missions beyond low-Earth orbit, and will not be as cost-effective as commercial systems built specifically for ISS transport. We should not yield to the temptation to build yet another government system solely for access to LEO. As a matter of fiscal responsibility, we should not design systems like Orion and Ares for low-Earth orbit operations, and then redesign them later for missions to the moon, the near-Earth asteroids, and Mars. And as a matter of strategic policy, the Earth-to-LEO market niche should be left to commercial providers, if they can fill it, and to government systems only if they cannot. "

Also: Griffin will zuerst einmal in einem ersten Schritt die Versorgung durch Cargo durch kommerzielle US Transporte durchführen. In einem zweiten Schritt soll nun auch der Mannschaftstransport durch kommerzielle Firmen durchgeführt werden. Ares und Orion sind zu teuer und sollten dafür nicht genutzt werden.

Dazu ein paar Bemerkungen

  • Also es gibt 3 Vehikel für die Versorgung der ISS nach dem Ausmustern des Space Shuttles. Der Transportbedarf wird von der ESA auf 42 t pro Jahr geschätzt. 4 Progress Transporter, 1 HTV und alle 1.5 Jahre ein ATV bringen schon jetzt (nach den vertraglichen Bestimmungen) bis zu 20 t pro Jahr. 3 weitere ATV / HTV könnten die restlichen 22 t bringen. Doch anstatt diese Serviceleistung preisgünstig einzukaufen, vergibt man Aufträge an US Firmen, die erst Trägerraketen und Transportfahrzeuge entwickeln müssen. Dabei haben diese Firmen nie vorher ein Raumfahrzeug gebaut, in dem sich Menschen aufhalten und ihre Trägerraketen existieren auf nur dem Papier oder sind noch nie geflogen.

  • Auf der anderen Seite gibt es etablierte US Firmen wie Boeing und Lockheed, die anboten mit verfügbaren Trägerraketen (Delta IV und Atlas V) ebenfalls verfügbare Raumfahrzeuge (HTV und ATV, umgerüstet für US Bedürfnisse) in Eigenregie zu starten. Sie erhielten keinen Auftrag seitens der NASA. Geht es also wirklich um die Sicherung der Versorgung der ISS?

  • Die NASA entwickelt das Ares Systeme unter dem Hauptgesichtspunkt: Es muss sicher sein. Das war das Hauptargument gegen die Verwendung der Technologie der Delta und Atlas, weil die Sicherheit geringer war als bei der Verwendung der SRB und des J-2. Ich nehme an, dass dies auch für Orion gilt. Das ist eine der Lehren aus dem Verlust der Columbia. Der Tod der Besatzung schlägt so große Wellen, dass praktisch das bemannte Raumfahrtprogramm für Jahre still steht und ein (angeblich) unsicheres System in Rente geschickt wird.

  • Nun sollen Firmen die Crew zur ISS bringen, die (im Falle von SpaceX) nicht einmal Raketentechnologie einsetzen, die seit 40-50 Jahren etabliert ist um das Risiko zu mininieren. (Retroraketen, Prallbleche) und diese erst einbauen, wenn es sich zeigt dass es nicht ohne geht. Wie viele Tote muss es da geben, bis die Dragon Kapsel sicher ist? Meint die die NASA ihr würde dann nicht die Schuld zugeschrieben werden, sondern diese würde nur auf SpaceX zurückfallen? Warum entwickelt man selbst ein System auf maximale Sicherheit und bei privaten Firmen werden diese Anforderungen nicht gestellt?

  • Vor allem: sehe ich keine große Differenz für ein Orion für Erdorbitsystem und ein System für Mondflüge auf Basis einer Kapsel: Man benötigt in jedem Fall eine Kapsel für die Astronauten. Die ist unabhängig wohin es geht. Auf dem Mond landen kann die Kapsel nicht, dafür ist sie zu schwer, weil sie ja den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstehen muss. An die Kapsel dockt man einmal einen Mondlander an und einmal dockt man an die ISS an. Dann braucht man ein Service Modul. Es muss für einige Tage lang die Lebenserhaltung gewährleisten. Bei Apollo war in dem Servicemodul dann auch der Antrieb untergerbacht. Doch das muss nicht sein, er kann auch in einer separaten Stufe untergebracht wird, die zusammen mit dem Mondlander mit der Ares V transportiert wird. Man könnte auch ein gemeinsames Servicemodul bauen und dessen Antrieb zum Anheben der Station nutzen: Dann transportieren ATV und Progress eben nur Fracht und keinen Treibstoff mehr. In der Summe benötigt man also keine zwei Systeme. Einen Unterschied gäbe es nur, wenn das LEO System ein Raumgleiter wäre. Dieser macht bei einem LEO System Sinn und bei einem System zum Mond nicht. Doch das ist noch viel teurer als die Kapsel: Zwar spart man pro Flug vielleicht Kosten, doch dafür muss man ja auch einen neuen Raumgleiter entwickeln.

  • Die Idee ein System auch für Flüge zu Asteroiden und zum Mars auszulegen zeigt mangelnden technischen Sachverstand, da die Anforderungen jeweils unterschiedlich sind: Asteroiden haben fast keine Schwerkraft und der Mars eine Atmosphäre, gravierende Änderungen in den Landern und dem Antrieb nötig macht. Vor allem ist es sinnlos ein System für Missionen zu planen die nicht einmal geplant sind. Hmmm gab’s das nicht mal schon? Ach ja ein gewisses Space Shuttle wurde für den Bau einer Raumstation geplant, die dann nie gebaut wurde… Vor allem: Warum kommerzialisiert man dann nicht auch dieses System. Soll doch die Privatindustrie die Marsmission entwickeln. Einfach einen fixed Price Kontrakt ausschreiben..

Griffin sollte, wenn Obama seinen nächsten Administrator ernennt, zu SpaceX wechseln. Er passt in deren Firmenkultur gut hinein.

Ich möchte nochmals an meinen noch laufenden Aufruf für einen Titel erinnern. Das LM Buch wird wohl erst im Januar erscheinen. Ich brauche viel Zeit mit dem Korrekturlesen, fand heute auch nochmal ein interessantes Lebensmittel zum Besprechen und es haben sich schon zwei Kollegen gefunden die Teile Korrekturlesen wollen, weil sie auch die Thematik interessiert. Beim ATV Buch läuft es inzwischen prächtig. Ich war ja skeptisch ob sich jemand für dieses Nischenthema interessiert, aber in 2 Monaten sind schon 66 Bücher verkauft worden. Wenn das mit dem LM Buch auch so gut läuft, werde ich vielleicht da mehr machen. So als Themen im Kopf hätte ich noch was wie die "Die populärsten Ernährungsirrtümer" und ein Lebensmittelführer, also was ist drin in Milch, Eiern, Fleisch, Gemüse, Obst. Detaillierter als die Einführung in die Grundnährstoffe die das jetzige Buch hat. Ich habe an meiner alten Leidenschaft – Lebensmittelchemie – wieder gefallen gefunden und derzeit wächst die "Was ist drin" Rubrik fast täglich: Es gab eine Reihe von Lebensmitteln, die ich für das Buch mir angesehen habe, aber aus Platzgründen nicht aufnehmen konnte (geworden sind es 12, davon zwei Vergleiche von ähnlichen Produkten). Wie sieht es eigentlich mit dem Interesse an Themen aus dem Beriech Ernährung und Lebensmittelchemie hier im Blog aus?

Dann habe ich mir gedacht mache ich mal was neues: Das Picture of the Day. Da ich gestern mit Eugene Cernans Buch fertig (The Last Man on the Moon: Astronaut Eugene Cernan and America’s Race in Space) wurde, ist auch er auf dem Bild des Tages zu sehen. Es ist auch eines der wenigen Bilder, die auf der Mondoberfläche (nicht dem Orbit) gemacht wurden und welche die Erde vom Mond aus zeigen.

Eugene Cernan

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