EADS

Heute mal ein Thema das mir klar wurde als ich für mein letztes Buch recherchiere. Inspiriert wurde ich aber auch von einem Bericht in Frontal über EAD und die Eurofighter gesehen habe. Es geht darin im Kern darum, dass die Bundeswehr einen Übungsflug der Eurofighter nach Indien angesetzt hat – sehr komisch für ein Jagdflugzeug, dass diese Strecke nicht ohne mehrmaliges Auftanken und absolvieren kann und auch nicht für Langstreckenflüge ausgelegt ist. Dort sollen die Flugzeuge dann von EADS Testpiloten auf einer Flugschau vorgeführt worden sein um einen Auftrag zu ergattern. Gezahlt wurde von EADS nur die Flugstunden in Indien. Der viel längere Flug von Deutschland nach Indien, inklusive Tankflugzeugen und Begleitmannschaft nicht. Auf den Koten von 5.5 Millionen Euro blieb die Bundeswehr sitzen.

In einem anderen Falle war EADS bei der Lieferung von Eurofightern nach Österreich in Verzug, was Österreich zum Ausstieg aus dem Vertrag berechtigte. Nun bekam EAD von der Bundeswehr schon ausgelieferte Eurofighter zurück und lieferte diese an Österreich – die Bundeswehr wartet immer noch auf Ersatz für diese Flugzeuge.

In beiden Fällen (es wurden noch mehr genannt) wird also die Bundeswehr genutzt, um Kosten bei EADS zu senken. Das ist nicht das einzige Mal, dass mir diese Firma sehr negativ auffiel. Bei der Recherche zum Buch fiel mir auch auf, dass Meldungen in der Presse über Vorstöße für neue Trägerentwicklungen immer dann aufpoppen, wenn ESA Ministerratskonferenzen anstehen.

  • 2005 sagte ein EADS Manager öffentlich, die Satelliten würden nicht schwerer werden und man bräuchte (vorerst) keine ESC-B. Stattdessen sollte man den Hopper finanzieren, der maximal 5 t in einen LEO Orbit transportieren kann.

  • 2008 gab es dann Pläne für einen nicht genau spezifizierten Ariane 5 Nachfolger, der aber nur 6 t Nutzlast in den GTO hat, dafür mit einem größeren Haupttriebwerk der 2500 kN Klasse ohne Booster starten kann, wenn notwendig.

Beides macht in keinem Zusammenhang. Es macht keinen Sinn überhaupt über ein Projekt nachzudenken, bevor man nicht mal die laufende Entwicklung finanzieren kann. Selbst wenn es die ESC-B gibt, so gibt es noch weitere Maßnahmen bei der Ariane 5 um deren Nutzlast und die kosten zu steigern. Die Rakete ist nach ESA Angaben für 14-15 t in den GTO gut, und das in der derzeitigen Konfiguration (dass man einfach mit vier oder 6 Booster Lösungen, allerding anderem Schubverlauf als heute, ohne Problem die Nutzlast noch weiter steigern kann, brauche ich nicht auch noch erwähnen).

  • Vor allem aber sind diese EADS Konzepte an einen Markt nicht hilfreich: Hopper hat etwas weniger als die Nutzlast einer Sojus. Er erreicht keinen GTO Orbit. Es gibt aber fast keine LEO Starts auf dem freien Markt und wenn, dann könnte man sie mit der Sojus starten, für die ja gerade ein Pad in Kourou entsteht.

  • Die 6 t Lösung wäre ein Rückschritt gegenüber der Ariane 5.- Schon heute gibt es größere Raketen. Bis die Rakete in 10 Jahren entwickelt wäre, wäre wohl das Groß der Satelliten schwerer. Warum sollte die ESA viel Geld für eine Entwicklung ausgeben, die dann weniger kann als ihr derzeitiges Arbeitspferd?

EADS ist übrigens die gleiche Firma, die es heute nicht fertig bringt die Rakete zu Preisen zu produzieren, die konkurrenzfähig sind. Ja ich sage EADS, obwohl die Firma natürlich zwar den Großteil der Ariane produziert aber nicht alles (Es gibt ja noch SNECMA, MT Aerospace und CASA uw.). Aber sie ist inzwischen auch Systemintegrator und damit für die Produktion im Ganzen verantwortlich. Von 2004 bis 2009 zahlte die ESA jedes Jahr 192 Millionen Euro als Subvention an die europäische Aerospace Industrie.

Wie Thomas in seinem Kommentar zum vorletzten Blog bemerkte: In Europa wartet die Aerospace Industrie darauf, dass der Staat alles vorfinanziert. Wenn es dann profitabel ist, dann investiert sie vielleicht selbst. Sobald es nicht mehr geht, ruft sie wieder nach dem Staat. Woanders ging es besser: In den USA wurden schon wenige Jahre nach Beginn der Raumfahrt die ersten privat finanzierten Kommunikationssatelliten gestartet. Anfang der 80 er Jahre wurden die ersten Unternehmen gegründet die private Raketenstarts anbieten wollten (bislang ohne Erfolg) und in den 90ern folgten die Unternehmen die Erdbeobachtungssatelliten bauten. Zeitweise war sogar mal von Raumsonden die Rede, bei denen dann nur noch die Instrumente von Wissenschaftlern stammen. Das diese Unternehmen durchaus auch einen staatlichen Markt anvisieren (wie er z.B. bei der Erdbeobachtung weitgehend gegeben ist) ist legitim: Aber sie verlangen nicht dass der Staat ihre Unternehmen auch noch vorfinanziert.

Bei uns ist es wirklich schlimm geworden. Inzwischen ist es soweit, dass Weltraumagenturen sogar die Handlanger der Industrie sind. Bei der Recherche zu Daten der Vega fand ich einen Vortrag vom damaligen DLR Referenten Dr. Volker Liebig in der er behauptete: dass die Vega die innereuropäische Solidarität zur Ariane gefährde: der Hintergrund: EADS Astrium ist beteiligt an der Vermarktung der Rockot. Eine nationale Raumfahrtagentur verteidigt also die Geschäfte eines Unternehmens damit diese keine Einbußen hinnehmen muss, wenn ganz Europa (ganz Europa? Nein ein kleines Dorf namens Deutschland beteiligt sich nicht an der Vega) eine Trägerrakete entwickelt. Ich könnte das noch verstehen, wenn es sich um eine deutsche Rakete handelt, aber es handelt sich um eine russische Rakete die auch in Russland gestartet wird. Das sichert keine deutschen Arbeitsplätze, sondern nur die Gehälter einiger Manager.

Ich gebe zu, dass ich von EADS nicht viel halte, das liegt vor allem auch an der Kommunikation mit Ihnen. Auf fast jeder EADS Website findet sich eine Kontaktadresse. Die habe ich in den letzten Jahren bei verschiedensten Projekten genutzt: Beim ATV, Ariane, bei diversen Satellitenprojekten. genutzt. Ich habe noch nie in al den Jahren Antwort bekommen. Beim ATV habe ich die Pressestelle kontaktiert wegen der Rechte an Bildern – Die Antwort kam nach sieben Wochen, als ich schon mit keiner mehr rechnete und das Buch in den Druck gegangen ist. Diesmal dasselbe bei Fragen zur Ariane 5. Als ich keine Antwort bekam, habe ich mich auch diesmal an die Pressestelle gewandt mit der Bitte um Vermittlung: Zwar kam eine Antwort von der Pressesprecherin, sie würde die Anfrage weiterleiten – aber das wars schon. Dabei habe ich diesmal betont, dass ich an einem Buch arbeite. Wenn also EADS die Öffentlichkeit so scheiss-egal ist, dann macht keine Kontakte auf dei Seiten. Schreibt vielleicht stattdessen hin „Vielen Dank lieber Steuerzahler für deine Milliarden“

Es muss sich einiges ändern: Nicht nur bei EADS, sondern auch bei der DLR und der ESA.

One thought on “EADS

  1. EADS ist halt ein Monopol-Anbieter …….

    …… und für die staatlichen Organe ist es zweitrangig, dass die Raumfahrt davon beeinträchtigt wird, weil die sogenannte „Arbeitsplatzsicherung“ höhere Priorität hat.

    Entwicklungsaufträge: für EADS als Monopolanbieter interessant; Geht alles in die eigene Kasse & keine Konkurrenz vorhanden.

    Produktion von Ariane-Raketen: Kleine Margen & immer diese lästige Konkurrenz durch die Russen, Chinesen usw. ……..

    ==> EADS wirtschaftet (logischer- und legitimerweise) nur in die eigene Kasse.

    Warum logisch und legitim ?

    Weil das der Geschäftszweck ist und von den staatlichen Organisationen nicht geahndet wird !

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