Geschichte(n)

Heute mal ein „Nicht-Raumfahrt“ Blog. Dieses Jahr jähren sich drei Dinge von Bedeutung für Deutschland:

  • Der Versailler Vertrag von 1919
  • Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939
  • Der Fall der Mauer 1989
  • 60 Jahre Grundgesetz

Derzeit laufen gerade zu den letzten beiden Punkten wieder Dokumentationen, auch weil die Ereignisse in etwa zum gleichen Zeitpunkt stattfanden. So begann mit der Massenflucht bei einem „Picknick“ vor 20 Jahren die Welle der Botschaftsflüchtlinge und Fluchten über Ungarn. Und natürlich der Polenfeldzug am 1.9.1939. Ich schaue mir das seit Jahren immer kritisch an, denn ich stelle fest, dass deutsche Geschichte im Fernsehen – vor allem im ZDF dank Guido Knopp – auf den zweiten Weltkrieg reduziert wird. Auch jetzt wieder. Weil der zweite Weltkrieg sechs Jahre dauerte hat man alle paar Jahre eine Gelegenheit irgendetwas aufzuarbeiten weil es sich jährt. Meine persönliche Meinung ist, dass es dabei nicht um die Vermittlung von Geschichte geht, sondern um eine Erziehungsmaßnahme, mit dem Ziel zu vermitteln, was seitens Deutschland im zweiten Weltkrieg an Unrecht verübt wurde und dass dies sich nicht wiederholen darf. Das letzte denke ich ist nach 60 Jahren Demokratie gegeben.

Das andere ist ein ideologisches Ziel, denn es geht ja nicht darum den Zuschauer allgemein zu informieren. Es wird immer der Fokus auf Verbrechen oder Opfer gelegt. Auch in der einen Dokumentation zum Polenfeldzug die ich gesehen habe. Wie der Polenfeldzug militärisch verlief? Keine Ahnung, das kam nicht dran. Auch nicht das die Russen durch einen Vertrag am 17.9 ebenfalls einmarschierten und auf ihrem besetzten Gebiet genauso Gräueltaten verübten. Denn es geht ja nicht um Geschichte, sondern um ideologische Erziehung.

Der zweite Punkt der mich darauf bringt, ist, dass der Versailler Vertag, die Ursache dafür dass die Nazis erst an die Macht kommen konnten weitgehend vom Fernsehen ignoriert wurde. Arte zeigte eine „Spielfilm-Dokumentation“, und zwar eine gute, obwohl ich von dem Format nicht so viel halte im Frühling und das wars auch schon. Das gleiche gilt für das Grundgesetz, Auch das wurde weitgehend von den Medien ignoriert. Mal sehen wie es beim Datum 20 Jahre Mauerfall sein wird.

Ich glaube das ist eine deutsche Spezialität: Wenn es was zu erinnern gibt, dann sind es die schlechten Dinge und das Fernsehen ist da nicht anders. Mir gefällt dieser einseitige Blick nicht. Auch weil die deutsche Geschichte rund 1000 Jahre umfasst von der ersten Reichsgründung von Otto beginnend. Was erfahren wir von der Weimarer Republik? Was vom Kaiserreich? Was von der Revolution 1848? Oder von den anderen neun Jahrhunderten? Geschichte, das ist im Fernsehen nur noch Drittes Reich.

Dann kam unsere Stadt in die Fernsehnachrichten. In den letzten Jahren gibt es von unserer Stadt ja nur noch schlechte Nachrichten. Luxussanierungen auf der einen Seite, Schließung öffentlicher Einrichtungen auf der anderen Seite. Nun haben 130 Bürger nach einem Aufruf ihre Waffen abgegeben, als dieser nach dem Massaker von Winnenden erging. Nun kam raus, dass 44 dieser Waffen weiterverkauft wurden an einen Waffenhändler, anstatt vernichtet zu werden. Übrigens für enorm hohe Summe von 500 Euro, als knapp 12 Euro pro Schusswaffe! Echt super! Würde mich nicht wundern wenn die Waffe, die der Rentner eingesetzt hat von uns stammt. Hat übrigens schon jemand nachgeguckt ob der nicht zuhause „Counterstrike“ auf seinem Computer hat? Bekanntlicherweise machen solche Videospiele ja aggressiv.

Soviel für heute. Für alle die bis hierhin gelesen haben nun doch noch eine Raumfahrtnachricht. Nachdem ich in den letzten Monaten wegen des Bücherschreibens wenig an der Webseite gemacht habe, habe ich nun einige Dinge aktualisiert und nachgezogen. So gibt es als Nebenprodukt des Buches einige neue Webseiten über Trägerraketen und andere wurden aktualisiert. Mehr davon in der Neues Seite.

4 thoughts on “Geschichte(n)

  1. Zu dem Thema empfehle ich immer wieder mal die Lektüre von

    http://en.wikipedia.org/wiki/Late_Victorian_Holocausts

    http://de.wikipedia.org/wiki/Taiping-Aufstand

    http://en.wikipedia.org/wiki/Bengal_famine_of_1943

    Und diverse andere. Ich bin mir erst sicher, dass es den Holocaust gab, seit ich gesehen habe, dass andere Nationen zu dieser Zeit kein noch so kleines bischen menschlicher waren. Man lese nur einmal, wie die im Geschichtsunterricht so niedlich beschriebene „Öffnung“ von Japan und China für den Welthandel verlief. Oder wie es den Australischen Aborigines erging (und ergeht) und weshalb man bei Tasmanien zwar an den Tasmanischen Teufel denkt, aber nicht an die Tasmanischen Ureinwohner.

    Die vorherrschende Ideologie in den Regierungen ist eben, dass man ein Land am besten regieren kann, indem man den Bürgern sagt was sie glauben sollen, insbesondere in der Wirtschaft. Natürlich war Anfang 2007 abzusehen, dass die Wirtschaft jederzeit global zusammenbrechen kann (Ende Februar 2007 fielen die Aktienkurse weltweit simultan um 5% …) – dennoch faselte Präsident Bush 2007 etwas von einer Grundsoliden amerikanischen Wirtschaft. Genauso wie es Politiker hierzulande über die deutsche Wirtschaft sagen. (Deren BIP weit stärker eingebrochen ist, als das der USA.)

    Menschenrechte werden schließlich auch nur aus dem Hut gezogen, wenn es gerade Diplomatisch hilfreich ist. Wenn in China 1 Polizist und 100 Tibeter sterben, dann gibt es einen weltweiten aufschrei. Wenn bei Gaza ein Israeli und in Gaza 100 Palestinenser sterben, dann ist das nicht Anlass genug den ersten Besuch eines deutschen Bundeskanzlers in Israel abzusagen, geschweige denn von mehr zu sprechen als der Bitte doch die Verhältnismäßigkeit zu wahren.

    Bevor ich noch ein weiteres Wort zu dem Thema schreibe, danke ich dir lieber für den Artikel über die kleinen Trägerraketen – ich mag eben alle Extreme. Die größte, die kleinste, die teuerste, die billigste, die mit dem besten Gewicht/Preis Verhältnis etc.

  2. Dass soviel über den 2. Weltkrieg im Fernsehen läuft liegt sicher auch daran, dass Krieg „ineressant“ ist. Der enorme technische Fortschritt einerseits und das einfache Gut- und Bösedenken andererseits tragen sicher einen Teil dazu bei. Viele Computerspiele haben z.B. den 2. WK als Basis. Weiterhin kommt hinzu, dass es eines der großen Ereignisse war, welches umfangreiche Veränderungen mit sich brachte. Zudem ist der 2. WK noch nicht soo lange zurück und ist vielen Menschen noch in Erinnerung. Das Aufkommen der Medien, gerade Bilder und Filme machen das Ganze auch noch recht anschaulich und recht einfach aufbereitbar.
    Dazu kommt natürlich erschwerend hinzu, dass Dtl. den Krieg verloren hat und immer die „Opferrolle“ bekommt bzw. mache Teile dadurch etwas (mehr) tabuisiert werden. Ich glaube daher sind die Dokus über den 2. WK teilweise sehr einseitig.

  3. Meiner Meinung nach sind die Dokus in anderer Seite einseitig: Nicht als Opfer, sondern als Täter steht man immer da. Es wird praktisch nur von den Verbrechen berichtet: Holocaust, Behandlung Kriegsgefangener, Zwangsarbeiter. Diese Themen werden selbst da rausgesucht, wo der Krieg „anständig“ verlief (sofern man das überhaupt sagen kann, ghemeint ist hier kein Krieg gegen die Zivolbevölkerung) wie z.B. im Afrika oder Frankreichfeldzug. Wer einmal bei einer US Doku über den zweiten Weltkrieg hänge beliebt (gibt es bei n-tv oder n24) wird genau das Gegenteil erkennen: Absolut keine Kritik am eigenen Tun! Bombenkrieg gegen Japan und Deutschland? Atombombenabwürfe? Alles okay! Nur von Siegen, Tapferkeit und enorm viel über Technik wird berichtet.

    Es scheint da wohl keine Mitte zu geben.

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