Zusatzstofffachsimpelei bei Frosta

Ein Werbespot von Frosta behandelt ein Gespräch zwischen einem indischen und Frostakoch, wobei sie sich über Zusatzstoffe austauschen, doch wie aussagekräftig ist dies? Damit sie verstehen wovon die Leute hier reden, hier die Zusatzstoffe in Reihenfolge des Auftretens:

  1. Schwefeldioxid: Ist als Konservierungsstoff eingestuft, hat jedoch auch andere technologische Funktionen. Es wirkt antimikrobiell, verhindert aber auch enzymatische Bräunungen und wird so zum Verhindern von Verfärbungen bei getrockneten Früchten, Meerrettich aber auch Gemüsefertiggerichten eingesetzt. Das könnte also in Konkurrenzprodukten anderer Hersteller durchaus vorkommen.
  2. Calciumsorbat: Ein Konservierungsstoff auf Basis der Sorbinsäure. Sorbinsäure konserviert z.b. Vogelbeeren auf natürliche Weise. Sie ist für viele Lebensmittel zugelassen und findest sich vor allem in abgepacktem Brot. Tiefgefrorene Lebensmittel, wie sie Frosta vertreibt, sind aber durch das Tiefkühlen haltbar gemacht und dürften bei Unterbrechung der Kühlkette nicht verkauft werden. Es ist also garantiert kein Stoff den Konkurrenten nötig hätten.
  3. Natriumhydrogensulfit: Ist nichts anderes als gebundenes Schwefeldioxid, daher gilt hier das gleiche wie für 1.
  4. Monostärkephosphat: Dies ist eine chemisch modifizierte Stärke. Sie bildet einen zäheren Kleister als die normale Stärke und ein weiches Mundgefühl und wird daher oft für fettreduzierte Lebensmittel eingesetzt. Bei Fertigprodukten werden oft chemisch modifizierte Stärken eingesetzt, da natürliche Stärke beim Auftauen an Wasserbindungsfähigkeit verliert. Dazu eignet sich diese Stärke recht gut.
  5. Stärkenatrumoctinylsuccinat: Dies ist eine weitere modifizierte Stärke, sie ist kalt löslich und bildet mit kaltem Wasser stabile Gele. Daher wird sie für kalt lösliche Cremespeisen eingesetzt. Für Fertigprodukte wird sie wohl aber eher selten genutzt werden.
  6. Glutaminsäure: Ein sehr alter Geschmacksverstärker den Unami“ Geschmack vermittelt (Der Eigengeschmack von Fleischwurst kommt u.a. auch von der zugesetzten Glutaminsäure). Dieser Stoff wird in der Tat in vielen Fertiggereichten verwendet.
  7. Hefeextrakt angereichert mit Dinatriumrubonukleotid-5-phosphat: Fleischig schmecken auch Ribonukleotide, das sind Abbauprodukte der DNA und RNA. Dazu gehört auch das Dinatrium-5?-ribonucleotid, wie es korrekt heißen sollte (E635). Da Hefe sehr viel DNA und RNA enthält (um so mehr je stoffwechselaktiver ein Organismus ist), kann man auch Hefeextrakt als Geschmacksverstärker nutzen, nur klingt das viel besser auf der Verpackung.
  8. E160f: Das ist ?-apo-8-Carotinalester. Ein gelber Farbstoff der natürlicherweise in Grass und Zitrusfrüchten vorkommen. Eingesetzt werden allerdings die chemischen Reinsubstanzen. Während E160a (?-Carotin) sehr weit verbreitet ist, findet man kaum den Einsatz von E160f. Da alle Carotinoide fettlöslich sind, ist ihr Einsatz bei Fertiggereichten eher selten. Man färbt damit eher Margarine oder fetthaltige Süßspeisen.
  9. E129: oder Allurot C ist nicht in Deutschland als Farbstoff zugelassen, sondern nur in England und dort auch nicht für Fertiggerichte.
  10. E155: Braun HT ist ein allgemein zugelassener Farbstoff, der jedoch vor allem in Süßspeisen eingesetzt wird. Ich wüsste ehrliche gesagt auch nicht, welches Sinn es machen sollte Fertiggerichte braun zu färben.
  11. E110: Gelbeorange-S ist ein gelbroter Farbstoff, der jedoch nicht für Fertiggerichte zugelassen ist.
  12. Hexamethylentetramin: Ein Konservierungsstoff, der ausschließlich für Provolone zugelassen ist. Würde mich wundern, wenn dieser Bestandteil der indischen Küche ist….
  13. PHB: Parahydroxibenzoesäure Ester sind Konservierungsstoffe die einen sehr starken Eigengeschmack haben (in etwa wie Aspirin) der sehr auffällig ist. Sie werden daher selten eingesetzt. Für Fertiggerichte sind sie nicht zugelassen, außer man zählt Soßen und Feinkostsalate auch dazu. Sie finden sich viel häufiger zum Konservieren von Hautcremes als in Lebensmitteln.
  14. Natriumethyl-p-hydroxybenzoat: Ist nichts anderes als einer der phb-Ester, also „doppelt gemoppelt“ wie oben bei Schwefeldioxid/Natriumhydrogensulfid. Oder Hefeextrakt / E635.
  15. Natriumtetraborat:: Oder Borax ist lediglich zur Konservierung von echtem Kaviar zugelassen und wird sich daher wohl kaum in einem Fertiggericht finden. Oder kennen sie ein Fertiggericht mit echtem Kaviar?
  16. 4-Hexylrecorcin:Ist ebenfalls nur für ein Lebensmittel zugelassen: Zur Konservierung von frisch gefangenen Krebstieren, die sonst auch bei Kühlung braun werden würden. Er wirkt wie Schwefeldioxid und verhindert eine enzymatische Bräunung. Da dieser Stoff schon beim Fangen der Tiere eingesetzt wird, könnte er durchaus auch in Frostaprodukten vorhanden sein – wenn dort Garnelen o.ä. verwendet werden.
  17. Silikonöle: Also natürlich sollten Silikonöle nicht in Lebensmittel eingesetzt werden. Ein einziges ist jedoch in kleiner Konzentration tatsächlich zugelassen, das ist : Dimethylpolysiloxan (DMPO). Es ist ein Schaumverhüter und findet sich so z.B. in Konfitüre, Frittierfetten (temperaturbeständig) und Kaugummi. Über das Frittierfett könnte es auch in Fertiggerichte kommen, ist jedoch nicht als Zusatzstoff für Fertiggerichte selbst zugelassen. Daher auch die Bemerkung über die fehlende Deklaration.
  18. Packgas: Zugelassen sind eine Reihe von Gasen zum Abpacken von Produkten. Die meisten dienen zum Verhindern von Oxidationen, bei Fleischprodukten kann aber auch Sauerstoff zugesetzt werden damit das Fleisch länger rot bleibt. Packgase sind gang und gäbe und eingesetzt wird normalerweise Stickstoff, aus dem auch die Luft zu 80 % besteht.

Fazit

Von 18 aufgezählten Zusatzstoffen würde ich sechs in einem Fertigprodukt erwarten. Der Rest ist nicht für Fertiggerichte zugelassen oder nur für spezielle Lebensmittel oder macht im Einsatz keinen Sinn. Ich finde das schade, denn ich halte den Spot für witzig. Offensichtlich hat man die Zusatzstoffe nach Namen und nicht nach Häufigkeit ausgesucht. Das ganze Gespräch ist damit abgehoben und fern jeder Wirklichkeit.

Wenn sie sich selbst informieren wollen: Alles über Zusatzstoffe finden sie in meinem Buch über Zusatzstoffe, ihre Verwendung und wie man Kennzeichnungen lies und durchschaut: Alle Infos die sie hier kompakt finden, sind auch im Buch drin – und noch viel mehr wie z.B. die Gruppen von Lebensmitteln für die ein Zusatzstoff zugelassen ist, seine Beurteilung in technologischer und toxikologischer Sicht und und und….

Probekapitel: Ein „Waldfrucht-Obstriegel (6 Seiten, 5 MB)

3 thoughts on “Zusatzstofffachsimpelei bei Frosta

  1. Ich fand die Werbung auch lustig, je länger die telefonieren denkt man sich: „Boah, das sind ja voll die Chemiker!“ 🙂

    Außerdem fand ich erst merkwürdig, wie „Shariv“ nach dem SO2 fragte, es klang nämlich, als ob er es unbedingt dadrin haben wollte.

    PS: Das Bami Goreng kommt eigentlich aus Indonesien, trotzdem ist „Shariv“ eher ein indischer Name, das ist auch merkwürdig.

  2. Ein Koch muss auch nicht konservieren und woher soll er die Farbstoffe nehmen? Schließlich gibt es genügend färbende Lebensmittel wie Eigelb, Safran, Curry, Paprikapulver… Und Frosta stellt ihre Produkte auch nicht in einer Küche her sondern Kesseln mit einigen Kubikmetern Größe. Das hat mehr was mit Gulaschkanone als Küche zu tun. Aber solange da nicht eine schon 1627 abgebrannte Mühle vorkommt, muss man ja schon froh sein…..

  3. Also ich fand die Werbung total witzig und man sollte auch nicht ganz so kritisch sein. Natürlich handelt es sich hierbei um eine Übertreibung und kaum ein Gericht auf der Welt wir all diese Zutaten enthalten. Allerdings sollte man es eher so verstehen, dass Frosta mit der ganzen Produktpalette auf all diese chemischen Stoffe verzichtet. Einzeln können sie ja durchaus alle vorkommen.
    Die Botschaft dieser Werbung kommt auf jeden Fall sehr gut rüber!

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