Was ist nur bei der NASA los?

Seit Obama im Februar ankündigen lies, das Constellation Programm einzustellen geht es bei der Weltraumpolitik drunter und drüber. Erst melden sich unzählige die das Constellation Programm weiter am Leben erhalten wollen, dann gibt es andere, die den Shuttle weiter fliegen lassen wollen – ohne gravierende Budgeterhöhungen wird beides nicht gehen. Und nun das.

Über den zusätzlichen Shuttleflug kann man sich streiten. Er hilft zwar die Versorgung zu sichern, nachdem 2011 wohl weder OSC noch SpaceX reguläre Transporte zur ISS durchführen werden, aber es bedeutet das Shuttleprogramm 4-5 Monate länger am Leben zu erhalten, was bei Fixkosten von 200 Millionen Dollar mindestens 900-1100 Millionen Dollar mehr kostet. Billiger wäre es von Europa einen ATV Flug oder von Japan einen HTV Start zu kaufen. Ein ATV kostet beim derzeitigen Eurowechselkurs 420 Millionen Dollar bei fast derselben Nutzlast.

Noch weniger Sinn macht es schon 2011 eine Schwerlastrakete zu entwickeln. Also zuerst mal sollte eine Nachfolge des Shuttles zur Verfügung stehen, egal ob kommerziell oder von der NASA entwickelt. Vielleicht sollte dieses Programm daher zuerst Mittel erhalten. Und selbst wenn: Eine Schwerlastrakete nützt ja nichts ohne Nutzlast. Es ist ja kein Programm auch nur angedacht, dass nun kommen soll. Dabei dürfte die Entwicklung der Rakete das sein, das am schnellsten geht. Bei Apollo war der Mondlander das was am längsten dauerte und die Saturn V war als erstes fertig. Dabei kann die NASA heute auf die SRB Booster, das RS-68 und die SSME zurückgreifen. Sie würde also Entwicklungszeit sparen.

Nun sollen plötzlich dafür neue Mittel bereitgestellt werden, dass dies schon 2011 losgehen kann. Ich sehe das ziemlich kritisch. Oberste Priorität sollte es sein, die ISS am Leben zu erhalten, bzw. für die USA so schnell wie möglich einen eigenen Zugang zu ihr zu haben und ein Versorgungssystem auf die Beine zu stellen. Bis dahin sollten sie auch mal über ihren Schatten springen und Leistungen anderer Partner einkaufen. Also Transportkapazität bei Japan und Europa und Mannschaftstransporte bei den Russen. (Die Progress sind zwar günstiger, aber Russland kann nur eine begrenzte Anzahl von Progress und Sojus produzieren – will man mehr Sojusflüge, auch weil es nun eine 6 Mannbesatzung gibt, so müssen Progress eingespart werden).

Wenn das anläuft, so ab 2015 (nach NASA Vorstellungen, ich würde eher 2016/7 ansetzen), dann kann man mit den nächsten Schritt angehen und vielleicht bis dahin auch wissen WAS man machen will. Was ich damit meine? Hat jemand in den letzten sechs Jahren von Constellation den gelesen, WAS konkret bei der Rückkehr zum Mond gemacht werden soll? Also mehr als nur Landen und zurückfliegen? Erst wenn man was man will, kann man das in Angriff nehmen.

Das scheint das Grundproblem zu sein. Keiner weiß eigentlich was man jetzt nun tun will, in welche Richtung es gehen soll, welcher Zeitplan dahinter steckt. Ich sehe derzeit verschiedene Einflussgruppen die alle irgend ein Ziel verfolgen. Wahlweise Constellation am Leben erhalten, oder das Shuttle Programm, oder Neuentwicklungen, aber nur auf Grundlagenbasis oder eine konkrete neue Schwerlastrakete… Vielleicht einigt ihr euch mal.

Ich habe als Konsequenz begonnen meine ISS Borschüre fertigzustellen – ich will es nicht Buch nennen, weil der Textteil nur 134 Seiten stark ist. Es passt auch nicht so richtig in die Liste meiner Bücher ein. Als ich das ATV Buch überarbeitete dachte ich zuerst mal daran einen Zusatznutzen für die zweite Auflage herienzubekommen und das war die Beschreibung der ISS. Später gab es dann doch noch viel Neues beim ATV, vor allem eine deutlich ausführlichere Beschreibung der anderen transporter, Neuigkeiten bei der Evolution und die eine oder andere Änderung. In der Summe ist mehr als ein Drittel des Inhalts neu. Da es auch nicht so ganz zusammenpasst entschloss ich mich zu trennen.

Also das ISS Büch(lein) behandelt nur die technische Seite der ISS, die einzelnen Module, aber auch die Geschichte und Kostenentwicklung. Überhaupt nicht erwähnt werden die ganzen Expeditions zu der Raumstation. Ich denke für den der sich kompakt über die Raumstation, ihren Aufbau, ihre Versorgung und die Probleme informieren will ist es ganz interessant. Für die die sich für Astronauten interessieren ist es völlig ungeeignet. Ursprünglich plante ich eine Veröffentlichung im Herbst – zum damals geplanten Fertigstellungszeitpunkt, doch da nun die letzten Shuttle Flüge immer weiter nach hinten rutschen macht es keinen Sinn mehr zu warten. Es erscheint in ein paar Wochen – 168 Seiten für 13,90 Euro.

An dieser Stelle (mal wieder) die Bitte: Wenn jemand schon ein Buch hat und es gut findet, dann bitte verfasst eine Rezension bei Amazon. Das hilft mir, da meine Bemühungen bisher die Bücher journalistisch besprechen zu lassen erfolglos blieben. Ich denke die meisten gehen wie ich nach den Rezensionen, sowohl was die Anzahl wie auch die Sterne angeht beim Buchkauf.

Das war der 999.ste Blogeintrag. Morgen bekommt ihr zum 1000.sten Jubiläum einen Gastblog von Andreas Buschmann.

2 thoughts on “Was ist nur bei der NASA los?

  1. Die NASA kann man, so weit ich die Amerikaner verstanden habe, nur verstehen, wenn man sie als eine Ansammlung von Arbeitsplätzen unter einer Art Denkmalschutz sieht – ganz wesentlich dirigiert von Abgeordneten jener Bundesstaaten, in denen die NASA-Zulieferfirmen beheimatet sind oder mit den Zulieferfirmen andernweitig enge Verbindungen haben.

    Die eigentliche Raumfahrt wird da zur Nebensache, wie auch vieles anderes in der US-Innenpolitik. (Ich erinnere nur an den jahrzehntelang vergeblich eingeforderten Hochwasserschutz in New Orleans.)

  2. Meiner Meinung nach sollte man schnellstmöglich bemannt zu einem Asteroiden fliegen, das Objekt eingehend untersuchen und Techniken zur Bahnänderung und Ressourcennutzung testen. Ein Flug zu den Asteroiden macht aus ökonomischer wie aus „überlebenssichernder“ Sicht mehr Sinn als eine Mondlandung.

    Die Entwicklung von Trägerraketen sollten die Amerikaner der Privatwirtschaft überlassen, die machen ja einen ganz guten Job (ULA mit Delta IV und Atlas V, SpaceX mit Falcon 9).

    Leider geht es bei der NASA primär um Arbeitsplätze, daher wird man die teure Shuttle-Infrastruktur erhalten wollen.

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