Militärische bemannte US-Raumfahrt 3

Kurz nach dem Einstellen des MOL Projektes setzte die NASA die Space Task Group ein, die unter der Leitung des Vizepräsidenten Agnew die Richtlinien für die bemannte Raumfahrt nach Apollo erarbeiten sollte. Doch von ihren anspruchsvollen Projekten (einer Mission zum Mars, erweiterte Mondmissionen oder dem Aufbau einer Raumstation im erdnahen Orbit) fand keines richtig Zuspruch. alle waren zu teuer. Am ehesten wäre noch die Raumstation umsetzbar, für die ein Raumgleiter als Versorgungsgefährt vorgesehen war.

Die NASA suchte nach politischer Unterstützung und so begann eine Zusammenarbeit mit der Air Force. Wenn das Space Shuttle militärische Bedeutung hat, dann wäre es leichter durchzusetzen.

Dies rettete das Space Shuttle Programm doch für einen hohen Preis, denn die Air Force forderte Dinge, die das Shuttle Projekt gravierend änderten.

Der Orbiter war bisher ausgelegt gewesen für die Versorgung einer Raumstation, eventuell auch für deren Aufbau. Es war ein kleiner Gleiter in der Form mehr vergleichbar mit Dyna Soar und dem X-37B, also Stummelflügeln. Sie sollten Kontrolle in der Atmosphäre erlauben, doch es gab nicht die Forderung überall landen zu können. Einmal pro Tag würde der Gleiter in jedem Falle einen der US-Landeplätze überfliegen. Für ein ziviles Gefährt ist dies völlig ausreichend. Die Air Force verlangte eine sehr hohe Querreichweite von 1100 nmi (2000 km). Das bedeutet, der Gleiter könnte bei der Landung noch auf einem Flugplatz landen, der 2500 km östlich oder westlich des Flugpfads liegt. Diese Forderung ergab sich aus den Plänen die man schon bei Gemini B hatte: Man startet von Vandenberg in einen Orbit überfliegt die Sowjetunion, macht Aufnahmen und landet weniger als eine Erdumrundung wieder bevor die Russen auch nur die Flugbahn bestimmen können. Da sich die Erde während eines Umlaufs weiter dreht muss der Gleiter diese hohe Querreichweite haben. Der NASA Entwurf hatte nur eine von 230 nmi (426 km), Das Bild

Das ergab die erste Änderung: Die Flügel wurden sehr viel größer und schwerer.

Die bisherigen Entwürfe gingen von der Versorgung einer Raumstation aus, aber auch dem Aussetzen von Satelliten – zumindest denen die bei der NASA üblich waren. Der Nutzlastraum war je nach Entwurf daher 22 bis 30 Fuß lang (6,71 bis 9,14 m). Das war schon deutlich größer als das Volumen der Nutzlastspitze der leistungsstärksten NASA Trägerrakete der Atlas Centaur.

Doch die Air Force hatte schon die KH-9 Satelliten in der Entwicklung die einen Durchmesser von 13 m hatten und bis zu 18 m lang waren. Selbst die aktuelle Generation der GAMBIT KH-8 Satelliten war länger als die 22 Fuß die geplant waren.

Die Air Force verlangte einen größeren Nutzlastraum von 15 Fuß Durchmesser und 60 Fuß Länge. Diesmal gab es starke Widerstände seitens der NASA, denn der Gleiter würde dadurch erheblich größer, erheblich schwerer und das schlägt natürlich voll auf die Größe der unteren Stufen durch. Die NASA offerierte als Kompromiss einen Nutzlastraum von 12 Fuß Durchmesser und 40 Fuß Länge (3,66 / 12,20 m). Die Air Force argumentierte dagegen, dass dann 71 von 149 Nutzlasten zwischen 1981 und 1990 und 129 von 232 Nutzlasten zwischen 1991 und 2000 dann den Einsatz von Titan Trägerraketen nötig machen würden.

Und natürlich waren auch die Nutzlasten schwerer. Die KH-9 Satelliten wogen schon 30.000 Pfund und gelangten in einen sonnensynchronen Orbit. Die NASA plante das Shuttle zur Versorgung einer Raumstation in einer 55 Grad zum Äquator geneigten Bahn. Die Nutzlast für diesen Orbit betrug etwa 25.000 Pfund (11.340 kg), was etwa 30.000 Pfund Maximalnutzlast entsprach.

Da nun schon die Nutzlasten der Air Force 30.000 Pfund wogen und zukünftige noch größer werden würden, verlangte sie eine Nutzlast von 40.000 Pfund in den polaren Orbit (18.144 kg), das entspricht 65.000 Pfund Maximalnutzlast (29.484 kg). kurzum: Die Air Force wollte in etwa eine doppelt so große Nutzlast. Dadurch wurde die Struktur noch schwerer und die neue Nutzlast würde erheblich höhere Anforderungen an das Trägersystem stellen.

Die Air Force bekam am Schluss alles was sie wollte. Die NASA brauchte die politische Unterstützung, denn während die Planungen liefen, wurde die Raumstation gestrichen. Sie würde erst nach dem Space Shuttle entstehen. Da nun auch das Shuttleprojekt in Gefahr ist, schlussendlich war es für die Versorgung der Station ausgelegt worden, war die Unterstützung des Militärs wichtig, damit war das Projekt von nationaler Dringlichkeit.

Dies rettete den Shuttle, so bekam das Projekt als es in den Siebzigern den Kostenrahmen durch Probleme massiv sprengte Finanzspritzen, während überall sonst im NASA Haushalt gespart wurde. Die Air Force beteiligte sich aber nicht an den Kosten. Auf das System hatte es enormen Einfluss, denn die bisherigen Entwürfe basierten auf ersten Stufen mit flüssigem Treibstoff. Die F-1 und J-1 Triebwerke wurden als Antriebe erwogen. Nun war ein Space Shuttle basierend auf dieser Technologie zu teuer. Der schwere Shuttle machte riesige Stufen nötig, was schlussendlich dazu führte, dass die NASA auf das heutige Konzept mit Feststoffboostern und externem Tank und Hochdrucktriebwerken wechselte.

Die Bilder hier von frühen Shuttlekonzepten zeigen wie sehr diese Einflussnahme den Orbiter veränderte.

Das Militär und der Shuttle Einsatz

Wie immer in den USA ging die Trennung der Aufgaben weiter. So konnte der Shuttle nur niedrige Erdbahnen erreichen. Für höhere Bahnen wie der geostationäre Orbit benötigte er eine Stufe. Die NASA entwickelte die Centaur G Prime und die Air Force eine Variante davon, die Centaur G. Zusätzlich entwickelte sie noch die IUS.

Die NASA Startanlagen (39A und 39B am Cape Canaveral) ließen keine höheren Bahnneigungen als 57 Grad zu. Für die Aufklärungssatelliten der Air Force die in sonnensynchrone Umlaufbahnen führten war ein Start vom Cape aus keine Option. Die Bahnneigung war zu gering. So baute die Air Force in der Vandenberg Air Force Base, von der aus auch militärische Starts ihrer Satelliten stattfanden eine eigene Startrampe (SLC-6), dazu einen eigenen Hangar, vergleichbar dem VAB am Cape und verlängerte die Landebahn von 1.700 um 3,000 m. Die Investitionen erreichten eine Summe von 3,2 Milliarden Dollar. Die erste Mission wäre STS-62A am 19.10.1986 gewesen, als die Explosion der Challenger das komplette Konzept in Frage stellte.

Schon vorher war die US-AF nicht mit dem Space Shuttle zufrieden. Was sie wollte waren ursprünglich zwei eigene Space Shuttles, genannt Blue Shuttles, wie Blue Gemini. Sie sollten exklusiv von Vandenberg aus starten. Doch die NASA bekam nicht ihre gewünschten fünf Orbiter genehmigt und musste sich so mit der gemeinsamen Nutzung der Flotte abgeben. Am 24.1.1985 fand der erste rein militärische STS-51C Mission statt, schon vorher wurden (z.B. bei STS-4) militärische Nutzlasten mitgeführt.

Da das Shuttle sich im Einsatz verzögerte orderte die Air Force eine neue Generation der Titan, die Titan 34D, da neue Satelliten schon auf den Space Shuttle ausgelegt waren, reichte die Nutzlast der alten Titan nicht mehr. Die Atlas und Delta wurden länger in der Produktion gelassen. Vor allem aber war das Militär sehr unzufrieden mit dem öffentlichen Interesse an den Starts. Zwar galt hier dasselbe wie bei militärischen Starts: Der Starts selbst wurde bekannt gegeben, und ob er erfolgreich war, die Nutzlast blieb jedoch geheim, doch während ein Start einer Titan II kaum jemanden interessierte war eine geheime militärische Shuttle Mission Gegenstand der Hauptnachrichtensendung.

Nach dem Verlust der Challenger stieg das Militär aus dem Shuttle Programm aus. Alle Arbeiten am SLC 6 wurden eingestellt. Zusammen mit den Kosten für die Auflösung von Verträgen hatte die Luftwaffe annähernd 4 Milliarden Dollar in die Infrastruktur investiert. Eine neue Version der Titan, die Titan 4 wurde in Auftrag gegeben um die schweren Nutzlasten zu transportieren. Es erfolgten nur die Flüge, für die es keine Alternative mehr zum Space Shuttle gab. Insgesamt fanden nur neun rein militärische Missionen statt, die letzte war STS-44 am 24.11.1991. (Bild rechts: Ausstzen eines DSP Satelliten bei der letzten militärischen Mission)

Eine Folge hatte das Interesse am NASA Projekt aber: Die Bedrohung die von dem Shuttle ausging wurde von Russland als garvierend empfunden. Schließlich gab es Abbildungen die zeigten wie ein Shuttle eine Saljut Raumstation in den Nutzlastbucht hievt. Das Shuttle könnte in einem Orbit einen Satelliten einfangen, bergen und zur erde zurückkehren ohne das man davon etwas mitbekäme. Man könnte mit ihm, was noch viel wichtiger erschien sehr große und schwere Weltraumwaffen entwickeln und aussetzen.- Das führte zur Entwicklung eines russischen Systems, das dasselbe konnte – Energija und Buran.

One thought on “Militärische bemannte US-Raumfahrt 3

  1. neben der Shuttle
    Hatte die USAF zwei weitere Projekte in Planung, nie verwirklicht.
    Ein Lifting Body im Stil der X-24A, der Bemannt auf eine Titan IIIL in orbit sollte
    und ALSV/AMSCI Studie
    eine Boeing 747 wovon eine Minishuttle ins all startet.
    für eine Nutzlast von 1500 kg mit 1.52mø x 2.74m
    kurios die jetzige X-37 hat fast gleiche Nutzlast: 1000 kg mit 1.2mø × 2.1m

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