Textadventures

The HobbitIch will heute mal über eine ausgestorbene Spielekategorie sprechen: Textadventures. Man kann sich streiten was wohl die ältesten Spiele sind, aber zumindest ist wenn man die Verbreitung als Basis nimmt „Adventure“, das erste Spiel. Es wurde im Quellcode in FORTRAN verbreitet und basierte auf einem System in dem ein Forscher seine Ergebnisse präsentierte: Er hatte Höhlen erforscht und man konnte durch diese gehen und bekam Hinweise was man wo sehen konnte (Malereien, Funde etc.). Adventure hatte nun Piraten und Fallen. Es waren Abenteuer zu bestehen wie der Name sagt.

Adventure verbreitete sich rasend schnell. Da die Oberfläche textbasiert war, war es leicht zu portieren und es wurde bald wie ein Virus über das Arpanet verbreitet. Wer das Buch von Trace Kidder, „The soul of a new Machine“ gelesen hat weiß, wie wichtig Adventure war – ein „Benchmark“ des neuen Data General Computers war, dass man dieses Spiel spielen konnte.  Es war auch das erste Spiel, das für den IBM PC erschien – und das erste Spiel von Microsoft, welche diese Version programmierte.

Textadventures waren auf den ersten Heimcomputern relativ populär. Das lag daran, dass ihre Oberflächen textbasiert waren. Die Betriebssysteme wie CP/M und MS-DOS auch.

ZorkWas war der Reiz von Textadventures? Man begann an einem Ort den man zu erforschen hat. Bei dem es Rätsel zu Lösen, Gegenstände mitzunehmen gab etc. Man korrespondierte mit einer Minisprache die von Interpreter verarbeitet wurde, meist in der Form „Verb Substantiv“ also:

>Go West

You are on a empty Clearing. There is a Troll

> Kill Troll with Sword

Thee Troll is hit by your Sword. He suffers only minor Damage. The Troll hits you. You are dead

… und zack dürfte man wieder von vorne anfangen. Später gab es dann noch Grafikadventures. Zuerst waren das Textadventures nur mit einer kleinen grafik was man sah. Später war dann die Grafik animiert, aber unten gab es nach wie vor die Textbox für die Befehle. Dann gab als letzte des Genres Grafikadventures. Hier bewegte man nun eine Spielfigur, klickte auf Gegenstände und wenn man eine Unterhaltung führen wollte kam eine Auswahlbox wo man unter verschiedenen Antworten und Fragen wählen konnte.

Das erste Spiel das ich hatte war der Hobbit. Weil man in diesem Spiel wie auch in anderen sehr schnell tod sein kann und die Speicherfunktion auf meinem CPC-464 direkt auf die Betriebssystemroutinen zugriff und nur auf Cassette schrieb, habe ich das Spiel sogar um eine Speicherroutine / Laderoutine auf die Disk ergänzt -. der erste Patch meines Lebens. Später habe ich mich bei Spielen meistens beschränkt auf Sequenzen wie „3E 03“ zu suchen (Lade Akkumulator mit 3 (Leben)) und diese für mehr Leben anzupassen. Nur durch dieses spiel kam ich übrigens auf den Herrn der ringe, denn an einer Stelle kam ich nicht weiter. Da ich wusste, dass das Spiel auf einem Buch beruhte habe ich mir den Herrn der ringe gekauft (erst später stellte ich fest das es das falsche Buch war…). Auch so was würde ich wohl heute nicht mehr machen.

Leisure Suit LarryDer Hobbit war eines dieser Textadventures mit Grafik, wenn sie auch recht primitiv war (siehe Screenshot). Die Textadventures die ich probierte waren alle nichts für mich. Ich kam bei keinem recht weiter. Das eine war Zork“ und das andere „Per Anhalter durch die Galaxis“ (da kannte ich die literarische Vorlage vorher, was mir aber auch nichts nütze).

Später habe ich mich an Leisure Suit Larry auf dem PC probiert. Das schwierigste am Game war der Jugendschutz der einem eine reihe von Fragen stellte die man als Erwachsener beantworten können musste, und die sich allesamt auf amerikanische Geschichte oder Gesellschaft bezogen, sodass zumindest für mich die Beantwortung mehr Glücksache war. Leisure suit Larry erlebte einige Fortsetzungen die letzte habe ich glaub ich 1994 gesehen.

Die echten Grafikadventures wurde populär mit den Spielen von LucasArts, wie Monkeys Island oder Indiana Jones – the last Crusade. Das letzte das ich spielte war wohl „The Day of the tentacle“.

The Secret of Monkey IslandHeute sind diese Spiele weitgehend vergessen, die Adventures haben kaum Bedeutung auf dem Spielemarkt. Warum? Nun ich denke ich weiß warum. Zum einen habe ich es ja selbst erlebt. Das Lösen von Rätseln hat genau zwei Optionen: man schafft es oder man schafft es nicht. Wenn man es nicht schafft ist der Frust groß und im Extremfall bleibt man gleich beim Anfang stecken. Hat man es dagegen einmal durchgespielt ist die Spannung weg. Es gibt keine Alternativen mehr. Man kann nur noch den Punktescore oder den Prozentsatz des Spiels das man erkundet hat erhöhen.

Ich denke die Nachfolge sind heute auf dem PC Rollenspiele. Ich habe davon auch einige der „Xeen“ Serie gespielt. Auch hier gibt es Aufgaben, Rätsel, Es gibt Figuren mit Fähigkeiten und Schwächen. Das ist interessanter und die Grafik ansprechender, es gibt grafische Kämpfe und nicht nur eine Animation. Wie ich beim Nachschauen für diesen Artikel gesehen habe werden einige Spiele noch heute auf den Markt gebracht und für was? Für die Tablett PC’s und Smartphones. Na klar, ein Spiel wie Money Island ist dafür ideal – man braucht nicht viel Fläche (kann die Umgebung um die Spielfigur scrollen), es gibt nur wenige Befehle und Symbole die man dann auch mit dem Finger antippen kann. Es ist keine feinfühlige Steruerung per Joystick oder Maus nötig.

6 thoughts on “Textadventures

  1. Moin,

    für Zork hast du leider nur die InfoCom (z-Maschine) Version als Screenshot, falls Interesse besteht kann ich Dir den älteren FORTRAN Source mailen.

    Single User Textadventures werden recht schnell langweilig. In den 90ern entwickelte sich das Genre der MUDs und MUSHes, bei dem mehrere Spieler gleichzeitig im selben Dungeon mit oder gegeneinander agierten. Der Client war für den Einsteiger meist Telnet, und für den Pro dann ein richtiger programmierbarer MUD-Client, wie z.b. TF oder mein eMUDs. Ich selber habe damals hauptsächlich Realms of Magic (Uni-Bremen) und Discworld gespielt.

    Der Hauptunterschied zwischen einem Multi-User-Dungenon und einer Multi-User-Shared-Haluzination war das erste ein Kampfsystem und Spielregeln hatten, während letzte auf den normalen Spielern, und nicht nur den Göttern, die Möglichkeit gaben selber kreativ zu sein und die Welt zu erweitern. Dies war auch die Hauptstärke der Text-Spiele, da jeder der English kann, auch gute Dungeons schreiben konnte.

    Wenn ich dies mit aktuellen 3D Spielen vergleiche so ist World of Warcraft ein MUD, und Secondlife ein MUSH, jeweils in 3D.

    ciao,Michael

  2. Ach ja, die Textadventures. – Über viele davon hab ich seiner Zeit in den einschlägigen Zeitschriften (64’er und Happy Computer) gelesen, einige hätte ich gerne mal ausprobiert, aber kein einziges hab ich je gespielt…

    Ach ja, und die Textparser, speziell die von Infocom und Magnetic Scrolls, dürften doch für Informatiker immer noch interessant sein. Zumindest in historischer Hinsicht, und/oder als Beispiele für eine Lösung wenn es darum geht, aus knappen Resourcen ein Maximum an Leistung heraus zu holen. Oder täusche ich mich da?

  3. „Ich will heute mal über eine ausgestorbene Spielekategorie sprechen[…]“

    Nun ja, ausgestorben stimmt wohl nicht ganz. Seit Anfang der 90er schreibt eine kleine und feine Hobbyszene weiter Textadventures. Inzwischen gibt es eine stattliche Anzahl englischer und eine Handvoll deutscher Spiele. Vertrackte Rätsel, die nichts mit der Geschichte zu tun haben, Zufallstode und Labyrinthe sind heute verpönt. Die Geschichte steht im Vordergrund und da man ja damit kein Geld verdienen will, man nuss ja auch nicht wie früher das Spiel durch unfaire Stellen künstlich in die Länge ziehen.

    Im Übrigen ist das mit Grafikadventures nichts anderes. Die alten Sierra Titel glänzten auch mit zahlreichen unvorhersehbaren Todesfällen und endlosem Gerenne durch irgendwelche Szenen.

    Ich habe einige der alten Infocom und Magnetic Scrolls Titel durchgespielt und kenne das Medium seit meiner Jugend. „Zork“ ist da ein eher schlechtes Beispiel und der Hitchiker’s Guide ist hammerschwer. Gut spielbare Titel waren „Moonmist“ oder „Wishbringer“ und mein persönlicher Favorit ist „Planetfall“.

    In modernen Geschichten ist die „Topografie“ meist so (einfach) gewählt, dass Kartenzeichnen überflüssig ist. Im Schnitt spielt man ca. 2-3 Stunden an einem Titel, es gibt auch längere und kürzere Werke.

    Mich fasziniert das Medium nach wie vor, vor allem da, wo eine spannende Geschichte erzählt wird. Da gibt es zuhauf gute Beispiele mit denen man den ein oder anderen verregneten Nachmittag gut rumbringen kann. Wer will googelt mal ifwizz.de oder eben die „interactive fiction database“. Bald gibt’s wieder haufenweise neue Spiele, da die IFcomp-deadline (Interactive Fiction Wettbewerb für englische Spiele) Ende September naht. 🙂

    Grüße,
    — Michael

  4. @Sierra: Das gab es ja erst dieses Jahr mit „Leisure Suit Larry Reloaded“ ein sehr libevolles Remake des ersten Teils.

    Kennt übrigens einer die King’s Quest Remakes von AGD? (Sind zwar nur autorisierte Fanadventures, aber sehr Gute.)

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