So langsam reichts!

Beim durchlesen der Nachrichten stieß ich auf diesen Artikel über den Disput Ariane 5 und Ariane 6. Ich dachte eigentlich Beratungen von Fachgruppen hätten eine Annäherung gebracht, aber dem scheint nicht so zu sein. Stattdessen wird der Ton härter:

“We in industry have been fighting for a decade to have launch vehicles viewed in Germany as a strategic interest, and finally the government has agreed. And it’s now that France proposes to scrap the program?” Fuchs said. “What has particularly bothered Germany is that its position on Ariane 5 ME is viewed as childish, short-term thinking focused only on industrial policy. It’s getting to where it provokes an almost emotional reaction. The reaction now is that if France wants Ariane 6, they can only get it if they go through Ariane 5 ME.”

Dazu muss man sagen, das Marco Fuchs Chef von OHB ist und damit über MT-Aerospace an der Ariane 5 beteiligt. Da MT Aerospace vor allem aber die Booster fertigt würde vom Anstieg der deutschen Beteiligung von 20 auf 33% vor allem Astrium Bremen profitieren, weniger OHB. Dorthin würde die Fertigung der ESC-B Stufe wandern.

Ich habe ja schon hier meine Position deutlich gemacht: Ich bin für die ESC-B und die Ariane 5 ME. Die Versprechung eine Ariane 6 (von der ich übrigens bisher noch keine Pläne gesehen habe) wäre billiger als die Ariane 5 glaube ich schlicht und einfach nicht. Ob eine Trägerrakete teuer oder billig ist, zweigt sich wenn sie existiert. Hier einige Beispiele die mir so spontan ohne nachzuschlagen einfallen:

  • Als Ariane 1 startete hoffte man in optimistischen Schätzungen 3-4 Starts pro Jahr durchführen zu können, viele unkten jetzt wo das Space Shuttle bald kommt, wäre sie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Ein Jahrzehnt später startete Ariane 4 mit mehr als der doppelten Nutzlast 12 mal pro Jahr und hatte über 60% Anteil am gesamten Markt.
  • Das Space Shuttle sollte einmal für 10,5 Millionen Dollar starten. Die letzten Flüge kosteten rund 600 Millionen Dollar. Inflationskorrigiert ist dies zwölfmal teurer als geplant.
  • Das EELV Programm sollte mit der Atlas V und Delta 4 die Kosten decken. Das ist nicht eingetreten. Die Träger sind doppelt so teuer wie vor zehn Jahren und zusätzlich gibt das DoD noch 1 Milliarde Dollar als Subventionen pro Jahr aus.
  • Japan arbeitet seit über 10 Jahren daran die H-2 mit Nachfolgemustern kommerziell erfolgreich zu machen. Nun wurde auch die H-2B privatisiert. Erfolg bisher: Der Start einer Sekundärnutzlast.
  • und nicht zuletzt: Als die Ariane 5 beschlossen wurde, wurde versprochen, der Startpreis vergleichen zur Ariane 5 würde um 40% sinken. Und nun müssen wir sie subventionieren.

Ich hätte zwei Botschaften an die Beteiligten, eine politische und eine wirtschaftlich/technische:

Die politische: einigt euch endlich mal. Denn ohne Einigung wird beim nächsten ESA Gipfel, der bald ansteht nichts beschlossen, weder Ariane 6 noch Ariane 5 ME und dann hat man wieder drei Jahre verloren. Meiner Meinung hättet ihr schon 2008 die Ariane 5 ME in Angriff nehmen sollen, dann würden wir auch heute nicht über eine Ariane 6 reden.

Die zweite ist eine technische. Ich kenne noch kein beschlussfähiges Konzept für die Ariane 6. Es gibt einige Konzepte der ESA aus dem FLPP Programm, die ich auch für mein Buch angeschaut habe. Alle setzen eine kryogene Oberstufe ein. Also warum entwickelt man die ESC-B nicht so, dass die Stufe oder zumindest große Teile der Technologie für eine zukünftige Ariane 6 adaptierbar sind?

Mehr noch von fünf Konzepten des FLPP setzen drei LOX/LH2 in der Zentralstufe ein, nur mit einem größeren, schubstärkeren Triebwerk.  Warum baut man dieses nicht in die Ariane 5 ein? Die CNES hat in ihrer Ariane 2010 Initiative ja so etwas schon 2002 untersucht und kam zum Schluss dass dies auch 1.100 bis 1.900 kg mehr Nutzlast bringt (je nach Leistung des Triebwerks). Dadurch werden die Gravitationsverluste erniedrigt. Und die kleinen Feststoffbooster der Ariane 6 könnte man auch zusätzlich an der Ariane 5 befestigen. Mehr noch: Da für die Ariane 6 Triebwerke von 2.500 bis 2.750 kN Schub geplant werden, wäre es beim Einbau in die Ariane 5 sogar möglich diese ohne Booster oder mit den kleinen der Ariane 6 zu starten.

Worauf ich raus will? Lassen wir bei der Ariane 5 die Booster weg, bauen ein neues Triebwerk ein und eine ESC-B Oberstufe und wir haben die Ariane 6. So kann sie in der Tat dann weniger Nutzlast transportieren, Nur wäre sie kostenmäßig nicht ideal für die kleine Nutzlast weil die Booster das preiswerteste sind. Ich vermute es ist das Vulcain 2 das der Kostentreiber ist. Bei der Ariane 2010 Initiative war Hauptaugenmerk dieses Triebwerk durch ein billigeres, selbst wenn es einen niedrigeren spezifischen Impuls hat, zu ersetzen. Doch braucht man dafür eine neue Rakete, zwei der FLPP Konzepte haben LOX/LH2 Stufen mit 156 bzw. 170 t Treibstoff – 156 t das ist Ariane 5G und 170 t das ist Ariane 5E – also wofür dann eine neue Rakete?

Aber ich sehe keinen Grund, warum es nicht eine friedliche Koexistenz geben könnte. Mit ESC-B und neuem Haupttriebwerk, zwei kleineren Boostern zusätzlich läge die Ariane 5 bei 13-14 t im Einzelstart. Wenn es dann eine Ariane 6 mit 3-5 t im Einzelstart gibt dann sehe ich keine Konkurrenz, denn mit 13-14 t entspricht dies 2 x 6,2 bis 6,7 t also höher als die Nutzlast einer Ariane 6 im Einzelstart. Die eine transportier dann die schweren Nutzlasten und die anderen die leichten. Dafür brauchen wir keine Sojus. Auf Druck der CNES hat man ja für sie einen Startplatz gebaut, größtenteils von der ESA finanziert.

Ach übrigens, noch ein kleiner Gruß an unsere französischen Freunde: bevor ihr irgendwelche Forderungen stellt, solltet ihr erst mal eure seit 2002 offenen Schulden an die ESA zurückzahlen. Im Januar waren noch 376 Millionen Euro offen, das sind 15% des ESA Etats oder die Hälfte dessen was Frankreich jährlich zahlt.

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