Buchkritik: Robotic Exploration of the Solar System Part 1

Wie die Bezeichnung Part I schon verrät, gibt es noch einen Part II, sogar einen Part III. Dieser Teil deckt die Raumsonden seit Pioneer 1 bis zu Voyager 2 ab. Teil 2 dann 1982 bis 1996 und Teil 3 1997 bis 2009. Ein vierter Teil ist auch geplant und soll Ende des Jahres erscheinen. Obwohl es dann insgesamt über 2000 Seiten sein werden, wird die Buchreihe nicht alles abdecken. Das liegt zum einen dran, dass schon mal 100 Seiten auf Quellen, Glossar und Index entfallen. Es liegt aber auch an der Zielsetzung des Buches.

Bei einem Buch Robotic Exploration of the Solar System: Part 1: The Golden Age 1957-1982: Part I: The Golden Age 1957-1982: Golden Age 1957-1982 v. 1 (Springer Praxis Books / Space Exploration) über die Erforschung des Sonnensystems durch Raumsonden kann man verschiedene Schwerpunkte setzen. Man kann die historische Perspektive sehen, das heißt sich auf die Projektgeschichte konzentrieren. Man kann sich auf die Erforschung der Planeten konzentrieren, dann stehen die Ergebnisse der Sonde und ihre Mission am Zielplaneten im Vordergrund. Oder man kann sich auf die Raumsonden konzentrieren und ihre Technik beschreiben.

Dieses Buch konzentriert sich auf die Mission der Raumsonden, ohne das aber die Ergebnisse der Planetenforschung im Vordergrund stehen. Sie werden vielmehr eingepflegt in den Ablauf. eine andere Vorgehensweise wäre bei der Struktur auch nicht möglich, denn das Buch ist chronologisch gegliedert. Es fängt also mit der ersten Raumsonde Pioneer 5 und endet mit Voyager 2. Die Zeitangabe im Titelk bezieht sich auf den Start, denn Voyager 2 passierte ja Neptun erst 1989 und das ist auch Bestandteil des Buchs. Es gibt so systembedingt Sprünge, wenn eben 1972/73 erst Jupitersonden (Pioneer 10+11), dann eine Merkursonde (Mariner 10) und dann Marssonden (Mars 4-7) dran sind.

Es ist leicht zu lesen. Es gibt viele Abbildungen, darunter auch etliche die ich bisher nicht kannte und die von den üblichen abweichen. Wer also an dem Format Freude hat und sich vor allem über die Misionen und Ergebnissen beschäftigen will, dem kann man zu dem Buch bedingungslos raten. Aber es gibt auch einige Nachteile. Die meisten Bücher die ich kenne und die sich mit Raumfahrtgeschichte beschäftigen, sind relativ sparsam mit technischen Daten, vor allem Zahlenangaben. Das ist hier nicht so. Das ist positiv, aber man hat alles in den Fließtext eingestreut. Einen Fehler den ich bei meinen ersten Büchern auch gemacht habe um ihn dann zu korrigieren und seitdem arbeite ich nur mit Tabellen. Sie machen sowohl das finden von Daten einfacher wie auch das Lesen.

Der zweite Nachteil ist, dass die Überschriften nicht sehr hilfreich sind wenn man eine bestimmte Raumsonde sucht. „The first success“ oder „Hot and Hotter“ sind solche Beispiele. Der Hauptnachteil ist aber, dass die Beschreibung sehr unterschiedlich umfangreich ist. Das erste Kapitel über Vorbeiflugsonden deckt alles bis 1970. Das zweite dann Orbiter und Lander und das dritte nur Voyager. Das erste Kapitel ist 97 Seiten stark, das zweite 190 und das dritte 150 Seiten. Sicher kann man mehr über Voyager schreiben als über Pioneer 6, aber das Ungleichgewicht ist doch sehr ausgeprägt. Es mag dem Publikumsinteresse entsprechen das sicher mehr über prominente Projekte wie Viking und Voyager erfahren will als über nicht so populäre wie Pioneer Venus, aber wenn ich ein vierbändiges Werk, das den Anspruch hat alles abdeckt schreibe, dann würde ich darauf achten dass auch ältere oder vergessene Missionen etwas ausführlicher gewürdigt werden. Die Fokussierung ist schade, denn selbst wenn man sich schon gut in der Materie auskennt erfährt man durchaus noch neues, so z.B. das man bei Mariner 6+7 die Belichtungszeit durch Auslesen einzelner Picel anpassen wollte, aber die entsprechende Komponente 3 monate im Zeitplan zurücklag und man es so deaktivierte. Was das Buch nicht enthält sind die Mondsonden. Sie sind der Inhalt eines weiteren Buches.

Ein Fazit fällt schwer. Auf der einen Seite ist es sicher etwas für Leute die sich für die Raumsonden und ihre Missionen interessieren und auch einige technische Daten haben wollen. Gerade die findet man wegend er schlecht gewählten Überschriften schlecht und da es als linear zu lesendes Buch ausgelegt ist, ist da auch nicht hilfreich. wer sich primär über die Raumsonden selbst informieren will für den ist es nichts, auch nicht für den der die Erforschung der Planeten in der Gesamtheit sieht, also welche Missionen wurden weshalb geplant, welche Ergebnisse brachten sie und wie hat sich das auf weitere Missionen ausgewirkt. Das findet man kaum und dafür hätte man die Gliederung ändern sollen und nach Flugzielen (Venus, Mars … ordnen müssen).

Ich habe es gebraucht gekauft für rund 25 Euro, das wäre auch ein angemessener Preis. Der vorgeschlagene Preis von 37,50 bis 48,50 Euro, je nach Band halte ich für überhöht, auch weil der Textanteil durch zahlreiche Abbildungen nicht so hoch ist wie man bei dem Umfang erwartet. In der Summe hängt die Beurteilung von den Erwartungen ab. Wer an den Missionen interessiert ist und sich an der Gewichtung nicht stört kann 5 Amazonsterne vergeben. Wer wie ich gerne mal nachschlägt und auch meint das ältere Missionen nicht unwichtig sind würde wohl 4 Sterne geben. Es ist in jedem Fall auch unter den engslischsprachigen Büchern (wo die Auswahl an guten Büchern deutlich größer ist als im deutschsprachigen bereich) eines der besseren Bücher.

3 thoughts on “Buchkritik: Robotic Exploration of the Solar System Part 1

  1. Interessante Buckritik, ich fand die Form des Buchs alles als Fliestext zu schreiben durchaus interessant zum lesen, da man alles aus der damaligen Perspektive miterleben kann d.h. zuerst die einführenden kapitel mit dem stand des wissens vor dem Raumfahrtzeitalter, dann die ersten bilder, die interpretation erster daten der sonden etc.
    Nach nachschlagen ist es nix, da hast du recht.
    Leider nimmt das Ungleichgewicht der einzelnen Missionen von Band zu Band zu, Teil 3 ist eigentlich fast nur noch Cassini und MER – fand ich persönlich schade da es dann zu sehr in fast irrelevanten Details versinkt (wenn jeder einzelne Orbit von Cassini besprochen wird etc.)

    mfg
    cosmoruski

  2. Das mit den Zahlenangaben ist sicher auch Gewohnheitssache. Ich habe auch das Gefühl Autoren meinen wenn sie zu viele Tabellen haben das Leser abschreckt die vielleicht mehr eine Geschichte lesen wollen. Ich habe das bisher bei vielen Büchern der Springer Praxis Books so gesehen.

    Hinsichtlich Zahlenangaben ist es noch relativ ausführlich. Ich habe heute gerade „To Orbit and Back again“, ein Buch über das Space shuttle gekauft. Das Buch behandelt vor allem die Technik des Shuttles, nicht die Missionen. Leider hat der autor in seinem bestreben Technik auch nichttechnisch Interessierten dort noch mehr Zahlenangaben weggelassen.

    Immerhin konnte ich aus dem Buch schon einiges herausziehen und in die Aufsätze über Pioneer 6-9 und Mariner 10 einarbeiten und ich hoffe das geht auch noch weiter so. Für mich ist ein Buch immer wertvoll, wenn ich einiges drin finde was ich bisher nicht kannte. Das unterscheidet es zumindest von der Mehrzahl der anderen Bücher die ich habe.

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