Buchkritik "Abenteuer Raumfahrt – Expeditionen ins All"

Nach längerer Zeit mal wieder eine Buchkritik, diesmal von einem eher ungewöhnlichen Buch, nämlich einem, das sich an das allgemeine Publikum wendet und in Deutsch, denn ich lese sonst meistens Fachbücher und die sind meist in Englisch. Eigentlich war das Buch mehr ein Lückenfüller – ich hatte eine andere Bestellung und um die Versandkosten bei Amazon zu sparen, suchte ich nach einem Buch, das mich interessieren könnte und nicht so teuer ist. Auf Platz 1 der Verkaufscharts war dieses Buch für 11,95, dass bei Abzug der Versandkosten die ich sonst zu zahlen hätte nur noch 7 Euro kostet.

Da schon eine Seitenzahl von über 300 angegeben war, dachte ich mir wärst ein guter Kauf, zumindest was Seiten/Euro angeht. Als ich dann den Karton aufmachte schaute ich nicht schlecht: Das Buch ist im Über-Din A4-Format, Hardcoverbindung und über 2 kg schwer. Damit steht schon eines fest: in dieser Ausstattung wäre es in Deutschland nicht herstellbar. Das geht weiter beim Durchblättern, glattes, festes, dickes Papier mit hohem Gewicht, sehr viele großformatige Fotos, viele Seiten nur mit Fotos. Alle Seiten in Farbe (außer es gibt wie am Anfang der Raumfahrt nur Schwarz-Weiß Fotos).

Doch das ist nur die Form. Wer meine Bücher kennt, der weiß das ich nicht so viel von Fotos halte. Das Bildmaterial soll den Text ergänzen, meine Bücher sollen keine Bildbände sein. Daher setze ich mehr auf Diagramme und Graphiken als Bilder. Nun Diagramme gibt es auch, qualitativ hochwertig wie die Fotos, aber sie sind eher die Ausnahme. Für das gewählte Zielpublikum ist das sicher kein Nachteil, denn die interessieren sich sicher nicht für die Details der Raumschiffe.

Das leitet über zum Inhalt. Meistens sind Bücher für das Allgemeine Publikum ja voll mit Platituden, vor allem wenn man bedenkt dass man über 50+ Jahre Raumfahrtgeschichte auf 300+ Seiten zusammenfassen will und vielleicht ein Drittel des Platzes für Text zur Verfügung steht. Doch hier war ich positiv überrascht. Wenn man sich die Texte durchliest wird man gut informiert, kurz, prägnant, sicher nicht stark in die Tiefe gehend, aber auch nicht nur an der Oberfläche kratzend. Ab und an fand ich auch was, das ich nicht kannte. Ergänzt wird dies durch Zeitleisten am Rand und Kästen mit Informationen zu Biographien, Technik und Geschichte. Auch die Bildunterschriften sind ausführlich und erklären was man sieht. Jede Doppelseite behandelt ein Thema z.B. eine Mission oder eine serie von Raumfahrzeugen. Es hebt sich sehr wohltuend von dem letzten Buch in deutscher Sprache zum Thema Raumfahrt ab, das von einem „ausgewiesenen Fachmann“ geschrieben wurde.

Wie schon vorne angedeutet, ist das Buch nicht von einem deutschen Autor, Giles Sparrow ist studierter englischer Astronom und publiziert seit über 10 Jahren Bücher zum Thema Raumfahrt. Nach der Lektüre des Buches hätte ich ihn allerdings für einen Amerikanischen Fachjournalisten gehalten Die Themen Auswahl entspricht nämlich dem, was diese sich aussuchen. Etwa 210 der 310 Seiten behandeln die bemannte Raumfahrt, davon der größte Teil die US-Programme (70 alleine Apollo und 60 für STS). Die Gewichtung ist daher sehr unterschiedlich. So nimmt jede Apollomission mindestens eine Doppelseite ein. Das ganze Skylab Programm nur zwei Doppelseiten und beim Shuttle reichte es nur für einige herausragende Missionen. Sehr verwundert hat mich, dass von dem ISS, also dem aktuellen Konzept so wenig kommt. Auf einer Doppelseite erfährt am an den Beschriftungen zur Grafik was die Elemente der Station sind und der gesamte Aufbau wurde auch in einer Doppelseite abgehandelt.

Doch das ist noch viel, verglichen mit der unbemannten Raumfahrt, die muss sich, obwohl viel mehr Finanzmittel da rein gepumpt wurden und es um die Raumfahrt in der ganzen Welt geht, (inklusive der Kurzbeschreibung aller Raumfahrtagenturen) mit 42 Seiten begnügen. Das reicht nicht mal jede Raumsonde auch nur namentlich zu erwähnen. Von einem Astronomen, der meistens dann eher einen Bezug zu Messgeräten und daher auch eher unbemannten Programmen hat, hätte ich da eine ausgewogenere Gewichtung erwartet, doch scheint sich Sparrow wohl am vermeintlichen Publikumsgeschmack zu orientieren.

Abgerundet wird das Buch durch ein Glossar das auch seinen Namen verdient und ein Stichwortverzeichnis. Auch das ist heute nicht mehr selbstverständlich und angesichts der Breite der Thematik sehr nützlich.

Kommen wir zur Beurteilung. Die hängt natürlich von den Erwartungen und dem Publikum ab. Wer das Buch mit einer Aufnahme eines Astronauten auf dem Mond auf der Vorderseite und dem Start von STS-1 auf der Rückseite sieht, sowie sich den Umschlagtext oder die Beschreibung bei Amazon durchliest, dem durfte klar sein, dass es sich vorwiegend auf bemannte Raumfahrt konzentriert. Die Gewichtung kennt man also schon vor dem Kauf. Ebenso macht die Beschreibung klar, das es um Raumfahrtgeschichte und nicht um Technikgeschichte geht, die mangelnde Tiefe kann man so auch nicht bemängeln. Das es mit vielen Bildern auf ein Publikum zielt, das auch nicht so tief in die Materie eindringen will, dürfte auch klar sein. 5 Sterne bei Amazon wären also gerechtfertigt, vor allem wenn man Ausstattung und Preis in die Betrachtung mit einbeziehet.

Die Frage ist für wenn eignet es sich? Es eignet sich sicher sehr gut als Geschenk entweder für jemanden der sich bisher nicht für Raumfahrt interessiert und bei dem man das Interesse wecken will. Man kommt leicht beim Blättern ins Lesen, weil man von der Bildunterschrift schnell in den Text hineinkommt und da jede Doppelseite ein abgeschlossenes Thema hat ist auch die Einstiegsbarriere klein. Ebenso kann man jemanden der gerade sich erst mit Raumfahrt beschäftigt hat, raten das Buch zu kaufen. Bei denen die schon eine Ahnung haben wird es schwieriger. Hier können noch die interessiert sein, die ein Faible für Bücher mit vielen und guten Fotos haben. Was es leider nicht ist: Ein Buch zum Schmökern im Bett. Dazu ist es zu schwer und zu groß.

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