Neue Ausrüstung für die Bundeswehr

Vor wenigen Tagen hat „Flintenuschi“ von der Leyen den letzten Statusbericht („Weissbuch„) über die Bundeswehr veröffentlicht, der ihrer Ansicht nach voll positiv ist. Journalisten halten die Bundeswehr aufgrund diverser Vorfälle und Negativmeldungen nicht mehr für einsatzbereit. Die Bundeswehr hat tatsächlich eine Reihe von Problemen. Die Ausrüstung ist noch größtenteils auf den im Kalten Krieg erwarteten Konflikt ausgelegt: Um feindliche Panzerarmeen und Luftstreitkräfte abzufangen, die geballt einen Angriff starten. Das letzte Jahrzehnt, die Konflikte in Afghanistan, Lybien, Syrien und nun der Kampf gegen die IS zeigen, aber das man heute eine andere Armee braucht, die fertig wird mit hoch mobilen, leicht bewaffneten oder mit gekaperten Waffen ausgerüsteten Milizen oder auf See Piraten mit Infanztrewaffen. Da nützen Leopard II gar nichts und Eurofighter nur wenig (er ist vorwiegend als Jagdflugzeug ausgelegt). Die benötigte Ausrüstung, vor allem mehr leichte und bewegliche Mannschaftstransporter, Hubschrauber ist zwar bestellt, kommt aber kaum zur Truppe. Stattdessen hat man noch nach dem Mauerfall Rüstungsprojekte angeschoben, die noch im kalten Krieg geplant wurden wie den Eurofighter, die U-Boot Klasse 212A oder Airbus 400 und deren Nutzen bei den heutigen Konflikten fraglich ist.

Ein zweites Problem scheint die Einsatzbereitschaft zu sein, die auch verbunden ist mit immer komplexerer Technik. Der Wehrbeauftragte Königswinter rechnete vor, dass auf einem Luftwaffenstützpunkt man nun 122 Technikerstunden braucht um eine Flugstunde vorzubereiten, vor drei Jahren wären es noch 50 gewesen. Schnelle Einsätze sind so reine Illusion. So wird die neue „very rapid Joint Execution Force“ der Nato, eine besonders schnelle Einsatztruppe 2-7 Tage brauchen um nach dem Marschbefehl am Ziel zu erscheinen. Im zweiten Weltkrieg brauchten Truppen der Wehrmacht oder japanischen Armee nicht mal diese Zeit um ganze Länder zu erobern.

Nicht nur die Politik scheint schuld zu sein, auch die Industrie scheint nicht pünktlich liefern zu können, bei den meisten Projekten gibt es Verzögerungen die teilweise mehrere Jahre betragen. So hat man im Kabinett die Reiseleine gezogen und eine Reihe von Projekten angeschoben, die schnell die Wehrkraft und Einsatzfähigkeit der Truppe erhöhen sollen. Die Infanterie wird 1200 neue Mannschaftstransporter des Typs „Büffel“ erhalten. Anders als neuen Spähpanzer sind die Transporter umgebaute VW-Transporter. Anders als bisherige Muster aber gepanzert und bewaffnet. Basis ist ein VW T5. er erhält einen stärkeren Motor (200 PS), eine zwischen 10-20 mm starke Panzerung die Infantriewaffen standhalten kann, schusssichere Fenster und auf der Beifahrerseite ein 12,7 mm MG. Jeder Transporter kann bis zu 8 Personen transportieren (Fahrer, MG-Schütze, 6 Passagiere). Er soll deutlich mobiler und leichter als die Spähpanzer sein, kann also schneller transportiert werden, ist aber stärker geschützt als die größeren Busse und LKW der Bundeswehr. Ziel ist es einer Spähtruppe die Mobilität und Schutz zu geben die die braucht um einen Brückenkopf zu sichern, bevor dann schweres Gerät eingeflogen wird.

Damit dies geht erhält die Bundeswehr 33 Flugzeuge des Typs A380F. Die Frachtversion von Airbus 380 wurde bisher nicht geordert. So konnte man mit dem Auftrag eine Änderung durchsetzen: die für Lufttransporte notwendige Landeklappe am Heck. Ein A380F wird über 150 t Fracht über eine Distanz von 10.400 km transportieren. Die Reichweite ist doppelt so groß wie bei der A400 und die Nutzlast sogar viermal größer. Anders als die A400 wird der Airbus 380 auf einem normalen Flugplatz in einem sicheren Nachbarland landen und dort die Ausrüstung befördern die man für Luftschläge aber auch Unterstützung von Bodentruppen braucht.

Bedeutsamer ist der Umbau weiterer A380, die A380 Condor und A380 Albatros. Bei dem letzteren handelt es sich um ein Frühwarnflugzeug mit einer Radarantenne über dem Rumpf, ähnlich den älteren AWACS Flugzeugen. 18 Maschinen wurden geordert, 6 mit einem Radar zur Überwachung des Luftraums und 12 mit einem abbildenden RASAR zur Überwachung des Bodens, ergänzt durch Infrarotkameras. Im Inneren werden bis zu 40 Personen die Daten auswerten und Ziele markieren und verfolgen. Die Bekämpfung von Bodenzielen wird die Aufgabe der A380 Condor sein. Die Luftziele werden wie bisher von Eurofighter angegriffen. Beide Modelle haben Abwehrmaßnahmen an Bord wie Flares (Ablenkung infrarotgesteuerter Raketen) und Chaffs (Ablenkung von radargesteuerten Rakete). Die Condor zusätzlich noch aktiv sich auf Radar einklinkende Raketen (sie fliegen diue Quelle des Radars, also die Radarstation an und zerstören diese). Die A380 Condor basieren auf den positiven Erfahrungen die die Amerikaner mit ihren uralten B52 Bomber im Afghanistan sammelten. Bedingt durch die Lufthoheit ist die effektivste Möglichkeit Bodentruppen zu bekämpfen eine Maschine mit großer Bombenlast. Die USA flogen die Bomber sogar aus Amerika ein, das war billiger und effektiver als F-15 oder F-16 einzusetzen, da eine B-52 über 10 dieser Flugzeuge ersetzen konnte. Die A380 Condor enthalten im Rumpf bis zu 150 t einzeln abwerfbare passiv gesteuerte Bomben (ohne Antrieb, nur durch Regelung des Auftriebs durch die Leitwerke). Zwei Typen wird es geben: GPS-gesteuerte Bomben die eine bestimmte Koordinate anfliegen (vor allem gegen Gebäude oder unbewegliche Ziele eingesetzt) und eine lasergelenkte Bombe (Das Ziel wird durch einen lLserstrahl durch die Besatzung der Albatros markiert, dessen Reflektion die Bombe ansteuert). Ergänzt kann diese Waffenlast durch aktive Raketen unter den Flügeln werden, die ein Ziel nach dem Abschuss automatisch verfolgen.

48 dieser Maschinen hat von Leyen bestellt. Eine Rotte besteht aus einer Albatros zur Überwachung des Luftraums, zwei zur Überwachung des Bodens und acht Condor. Sie kann ein Gebiet von 100 x 100 km Abdecken und dort bis zu zu 80 Ziele verfolgen. Die Bombenlast soll ausreichen über 2000 Ziele anzugreifen. Dies soll erheblich günstiger und effektiver sein als alle Eurofighter der Bundeswehr zusammen, weil die Maschinen über 10 Stunden über einem Zielgebiet kreisen können und so jedes Ziel in einem Radius von 15 km angreifen können. Dabei bleiben sie in einer sicheren Höhe von 10-12 km über dem Boden.

Ohne Bodentruppen wird es aber nicht geben. Experten befürchten dass man vor Ort Infanterie braucht um die eigenen Truppen von den Gegnern zu unterscheiden. Das müssten aber keine Bundeswehrsoldaten sein, sondern könnten auf Kurden oder Ukrainer tun.

Nicht alle Wünsche von Leyen kamen aber durch. Sie scheitete mit ihrer Idee zwei gebrauchte Containerschiffe zu Hubschrauberträgern umzurüsten um die Marine bei der Bekämpfung von Piraten zu unterstützen. Jeder hätte rund 50 Hubschrauber aufgenommen und den Einsatzradius und Reaktionsgeschwindigkeit der Marine deutlich erhöht. Als problematisch galten die schon jetzt vorliegenden Beschaffungsprobleme bei neuen Hubschraubern und vor allem die fehlende Legitimation für effektive Maßnahmen: Piraten versenken darf die Marien nur wenn sie selbst von diesen beschossen wird. Ansonsten darf sie die Piraten nur „verhaften“ und der nächsten Polizei übergeben – wenig abschreckend und auch nicht effektiv.

Überhaupt wundert sich viele, warum von Leyen die Unterstützung von Merkel im Kabinett bekam und damit musste auch Wolfgang Schäuble klein bei geben, der durch die Kosten seine „schwarze Null“ gefährdet sieht. Gerechterweise soll sie es satt haben bei allen Konflikten von den Bündnispartnern, insbesondere den USA und Frankreich auf die kleine rolle die die Bundeswehr heute spielen kann angesprochen zu worden.,

Das Crash-Programm soll schnell umgesetzt werden. Ende 2016, Anfang 2017 werden die ersten Büffel-Transporter ausgeliefert, die A380F folgt 2017/18 und die Albatros und Condor Versionen sollen 2018/19 folgen. 2020, so verspricht von der Leyen, wäre die Bundeswehr fähig innerhalb eines Tages Luftunterstützung zu gewähren und innerhalb von zwei Tagen Bodenunterstützung, egal wo auf der Welt. 3.000 Mann könnte man ein einer Woche verlegen – das dauerte bei Afghanistan noch drei Monate. Mal sehen ob sie das einlösen kann.

5 thoughts on “Neue Ausrüstung für die Bundeswehr

  1. Um ehrlich zu sein halte ich deine Vorschläge für gar nicht so schlecht (Ich weis Münchhausens Kolumne und so). Ich persönlich würde ja irgendein Geländefahrzeug anstatt deinem Bison nehmen (Mercedes M oder G vielleicht). Und der Condor hat vermutlich das Problem das man für einen Bomber normalerweise noch etwas Notleistung haben will also bräuchte man entweder stärkere oder mehr Triebwerke. Ganz abgesehen davon das man bei beim A380 dann die Druckkabine stark modifizieren müsste (Gilt auch für den A380MF mit Heckklappe) aber ich frage mich da eh schon eine ganze Weile warum man keine normalen Transporter verwendet sondern diesen A400. Ok, letzterer ist für Schotter- oder Grasspisten geeignet aber das braucht man heutzutage eher selten. Ferngesteuerte kleine Geländefahrzeuge mit MG oder MK (Brauchen auch nicht sonderlich gepanzert zu sein da eben unbemannt) wären auch noch eine Sache. Oder Kleinflugzeuge als Drohnen umrüsten …

  2. Ja, die Drone Trottellumme. Die hatte zwar in Schäuble einen großen Befürworter (es handelt sich um eine Fiesler Fi-103 mit GPS-Steuerung oder Videosteuerung mit Produktionskosten von nur 18.000 Euro), aber Merkel war nachdem in Afghanistan ein Tankzug aufgrund der Videoaufnahmen einer amerikanischen Drohne angegriffen wurde von dieser Waffengattung nicht überzeugt.

    Es gab ja noch zahlreiche andere Projekte die durchfielen wie die das mobile ABC-Labor „Ameisenbär“ und die neue auf der Brünne basierende Unform „Gürteltier“.

  3. Eine A380 ist für die meisten Flughäfen zu groß.
    Als sofort lieferbare Transportflugzeuge wären A330, A340 und 747 verfügbar. Aber selbst die 747 kann nicht überall landen.

    Das selbe Problem hätte man mit einer A380 für andere Zwecke, es sei denn das Einsatzkonzept sieht lange An- und Abreisen zum Einsatzort vor. Dann braucht man aber u.U. wieder Luftbetankung.

  4. Ja der „Büffel“ klingt wie ein hervorragender Vorschlag um die deutsche Kfz-Industrie unauffällig zu subventionieren. Natürlich muss man zusehen das weder der Verteidigungsausschuss, noch der Bund der Steuerzahler oder gar die FDP etwas davon mitbekommt. Sonst könnte mal wieder die Rede von Steuerverschwendung sein, schließlich gibt es mit dem „Dingo 2“ gerade einen ganz ähnlichen Panzerwagen, der bereits fertig entwickelt ist, sich gerade in Produktion befindet und sich in Afghanistan bereits im praktischen Fronteinsatz bewährt hat.

    Besonders beeindruckend sind aber die Entwickler der militärische Version des A380F. Wie haben sie es nur geschafft die Heckrampe durch die Druckkalotte hindurch zu konstruieren ohne das das Leitwerk schlackert, wie haben sie die tragenden Zwischendecks entfernt ohne das der Rumpf durchknickt und wie ist es ihnen gelungen den Flügelkasten zu durchbrechen ohne das die Flügel abfallen? Fragen über Fragen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.