Jahresnachlese bei der Spassfirma

So zum Jahresausklang noch ein Ausblick auf meine Lieblingsfirma SpaceX. Fangen wir mit meiner Wette an.

Die alte Wette

Ich hatte ja am 1.4. gewettet, dass sie dieses Jahr keine 20 weiteren Starts mehr schaffen würden. Bezogen auf dieses Zitat: „Musk said SpaceX has around 20 more missions on its manifest this year, and only two will likely be with the Falcon Heavy, assuming it debuts by late summer.“. Bis zu dem Zeitpunkt waren bereits 4 geflogen. Inzwischen sind es 18. Das sind also nur 14 weitere. Selbst bei kritischer Auslegung von „around 20“ ist 14 doch näher bei „around 10“ als bei 20. Und zwei Falcon Heavy Starts gab es auch nicht (als der obige Artikel erschien, Anfang April stand dort auch das Sie in zwei bis drei Monaten fertig sein würde – in der Realität waren es 8 Monate). Mal sehen ob ich auch den seit Jahre erwarteten Pro-SpaceX Artikel als Wettschuld bekomme. Wahrscheinlich eher nicht. Denn wenn man nicht wie Nachrichtenporale nur Artikel aus Zitaten zusammenstellen will, dann ist das bei der Firma sehr arbeitsaufwendig.

Aber da man mir ja vorwirft ich würde nichts Positives über die Firma schreiben. Will ich das mal tun. Ich freue mich, dass sie diesmal keine Rakete hochgejagt haben und die Startrate steigern konnten. Das ist auch gut für die Kunden, die nun nicht mehr so lange warten muss. Die DLR die z.B. zwei GRACE Satelliten starten lässt muss nur 6 Monate oder 50 % länger als zugesichert. Oder um meine neue Einheit Musk zu bemühen: Angekündigt am 6.2.2017, für „früh 2018“, nun vorgesehen für 21.4.2018 sind nur noch 1,1 bis 1,2 Musks Verzögerung.

Früher mussten Kunden viel länger warten. Es hat auch positive Auswirkungen auf das Launch Manifest. Das ist kleiner geworden. Es sind nun weniger Starts als Ende 2017. Zwar nur wenige, aber immerhin. Wächst es dauernd, so ist die Firma im Verzug, weil im Normalfall ein Start relativ konstant 2 bis maximal 3 Jahre im voraus gebucht wird. Es ist für SpaceX sogar „günstiger“ denn es sind nur so wenige Starts weniger, weil sie dieses Jahr einen Riesenauftrag für viele CRS Flüge bekommen haben. Vor einem Jahr wurden 8 CRS/CCDev Flüge gelistet, nun sind es 16. Bei den kommerziellen Starts ist folgerichtig die Auftragslage deutlich stärker rückgängig. Doch bei 70 bis 80 % Staatsfinanzierung kann einem das egal sein.

Die neue Wette

Ich habe mir überlegt was ich wohl als wette für nächstes Jahr anbiete. Shotwell, die ja etwas näher am Geschäft ist als Musk sprach ja von 50 % mehr Starts nächstes Jahr als dieses Jahr. Das wären dann 27. Doch das wäre ja nur eine Wiederholung der jetzigen Wette. Doch man muss bei SpaceX nicht auf weitere Steilvorlagen warten. Zitat aus einer Senatsanhörung am 25.10.2017. „SpaceX vice president of satellite government affairs Patricia Cooper said the company’s first two prototype satellites will launch “within the next few months” to validate in-house technology ahead of an operational launch campaign in 2019.“. Das ist immerhin vor dem Senat. Soweit ich weiß, kann man belangt werden, wenn man dort nicht die Wahrheit sagt. Natürlich ist „few“ dehnbar. Doch da das Jahr nur maximal 12 Monate hat und es ja noch Quartale gibt und Zeitfristen anzugeben, würde ich „few“ mit maximal 6 Monate ansetzen. Also meine nächste Wette:

Ich wette das SpaceX bis zum 25.4.2018 seine beiden Prototypsatelliten nicht gestartet hat.

Kommen wir zum Buzz-Thema der letzten Wochen. Der Falcon Heavy. Sie wurde der Presse präsentiert. Seit einigen Tagen steht sie auch am Startpad. Woanders würde ich annehmen, dass nun bald der Start ansteht. Aber nicht bei SpaceX. Die haben auch schon mal im Januar 2009 eine Falcon 9 im Cape aufgerichtet, das war zwei Jahre vor dem Jungfernflug. Zuletzt haben wir ja noch das Zeituniversum von Musk, (siehe oben) wo man nicht mal 2-3 Monate in die Zukunft schauen kann. Im Frühjahr 2011 hat er die Falcon Heavy ja für Ende 2013 angekündigt. Nun ist sie Ende 2017 zumindest zusammengebaut. Mithin mindestens eine Verzögerung um 4,0 Musk. Ja es war schwierig. Man habe die ganze Zentralstufe umkonstruieren müssen und konnte nicht einfach drei Cores zusammenbündeln. Komisch, ich bin kein Raketenfachmann, aber einfache physikalische Grundlagen, wonach bei der zentralen Stufe nun ein Teil des Schubs von der Seite kommt, schließlich liegt dort der Schwerpunkt, sagen mir das sie mehr aushalten muss. Kein Problem, wenn sie entsprechend stabil konstruiert ist wie die Delta 4 Stufe. Aber SpaceX war ja so stolz auf ihre niedrigen Strukturfaktoren. Dann gibt es diese Reserven nicht. Die Frage, die ich mir stelle: Ich kenne keine Interna des Aufbaus der Falcon 9. Ich bin auch nicht Ceo der Firma. Trotzdem bin ich auf den Schluss gekommen. Wie kann es sein, das der Ceo das dann nicht weiß? Okay, ein Ceo muss nicht über technische Details bescheid wissen, obwohl Musk dauernd damit angibt. Aber er sollte doch über Termine bescheid wissen. Und da verwundert es mich doch, das er in seinen Zeitschätzungen so oft so arg daneben liegt. Aber dazu noch mehr.

Das fliegende Schrottauto

Mehr Schlagzeilen macht ja die Nutzlast. Ein gebrauchter Tesla Roadster von Musk. Anscheinend läuft es bei Tesla auch nicht so gut, das er den Umsatz ankurbeln muss. Aber im Ernst. Mir fielen eine Reihe von besseren Nutzlasten ein die SpassX realisieren könnte.

  • Red Dragon: Im Mai 2018 öffnet sich das Startfenster zum Mars. Die Red Dragon wurde ja eingestellt, weil man nun auf Wasser landet, also ohne Landebeine und Triebwerksabbremsung. Gut sie würde die Landung nicht überleben, aber man könnte doch eine Kamera am Fenster einbauen und den Abstieg bis zum Aufschlag filmen, mit schönen Luftaufnahmen vom Mars, die es ja auch bisher nicht gibt und dann auf einen der kleinen Satelliten die SpaceX sowieso baut, übertragen. Dort würde man es zwischenspeichern und dann über Tage langsam zur Erde übertragen. Mit Hilfe des DSN umsetzbar. Wäre auch spektakulär und ein bisschen sinnvoll.
  • Oder sie entsenden eine Kapsel auf die Bahn, die Ende des Jahres zwei Touristen um den Mond beschrieben würden, nur eben unbemannt. Ich denke die würden sich freuen, wenn sie wüssten, dass sie das Abenteuer überleben.
  • Bigelow hat kürzlich angekündigt, ein Lunar depot zu entwickeln. Das könntet ihr auch starten. Der Start geht ja derzeit an ULA, so entgeht euch kein Auftrag. Aber klappt es, so bietet sich die Chance zu Follow-On Kontrakten wie den Touristentransport dorthin – wenn man die Kapsel etwas im Gewicht abspeckt, mit einer Falcon Heavy zu schaffen. Der Artikel zeigt übrigens, wie das heute mit den „Private Space“ funktioniert. Wörtliches Zitat: „Bigelow emphasized he saw this proposal as a public-private partnership. He estimated NASA’s share of the costs to be $2.3 billion, in addition to the “hundreds of millions” being spent by both Bigelow Aerospace and ULA.“. Also einige Hundert Millionen von ULA /Bigelow und 2300 vom Staat. Da muss man ja mit 70 bis 80 Staatsquote bei SpasX schon richtig zufrieden sein.
  • Zuletzt könntet ihr auch einfach einen eurer Prototyp-Kommunikationssatelliten zum Mond schicken. Fragt mal bei der NASA nach, ob ihr das Ersatzmodell der HiRISE Kamera bekommen könnt. Mit den Ionentriebwerken sollte sich das Gefährt eine Weile im Orbit halten können und Elon Musk könnte mal was Sinnvolles tun: den Streit um den Moon Hoax beenden. Aus einem 15-km-Orbit würde diese Kamera Details von 1,5 cm Größe abbilden. Dann wären die Landefähren, ALSEP-Packages und selbst die Fußpuren deutlich erkennbar. Das könnte den Streit um den Moon Hoax beenden, schließlich seit ihr ja „privat“. „Elon musk busted Moon Hoax“. Wäre das nicht eine Schlagzeile, die seinem Ego schmeicheln würde?

Aber Musk startet einen Roadster, der noch dazu außerhalb des Startfensters zum Mars diesen nie erreicht. Ansonsten würde es auch Ärger mit der NASA wegen der Sterilisierung geben. Die Idee hat nur einen Sinn. Aufmerksamkeit erhaschen. Ansonsten ist es unsinnig. Der Roadster ist zu leicht um die Nutzlastkapazität genauer angeben zu können und er gefährdet sogar die Mission: er wird nicht nur mit bis zu 6 g beschleunigt. Eine Rakete vibriert auch und auf das sind normalerweise Autos nicht ausgelegt. Wenn dann da was abbricht, kann das unangenehme Folgen haben, siehe explodierende Oberstufe 2015.

Finanzmanipulationen

Warum geht es dann? Es geht um Publicity. Es geht darum (positiv) in den Schlagzeilen zu sein. Und nein, ich glaube nicht das es nur um Musks Ego geht. Dahinter steckt eine perfide Taktik. Derzeit wird der „Wert“ von SpaceX auf 21,5 Millairden Dollar geschätzt. Nun ist es mit dem Wert so eine Sache. Bei börsennotierten Firmen ist das das Kapital, das als Aktien zirkuliert und damit stark von Spekulationen abhängig. Nehmen wir mal Solarworld, die sind als die Geschäfte schlechter wurden, im Kurs um 95 % eingebrochen, sicher aber nicht im wert das es als Anlagevermögen gab. Wenn man den substanziellen Wert nimmt, dann kann man eine solide Zahl angeben. Also Immobilen, Anlagen, Rücklagen. Ohne Insiderkenntnisse geht das nicht. Es geht aber auch anders. Im Durchschnitt kostet das Erreichten eines Arbeitsplatzes rund 100.000 €. Natürlich auch mit Schwankungen. Ein Programmierer hat kleinere Investitionen als ein Arbeitsplatz in einer Chipfabrik. Aber macht man bei den großen Unternehmen eine Rechnung und teilt die Marktkapitalisierung durch die Zahl der Beschäftigen kommt man in etwa auf diesen Wert. Das gilt auch für Raumfahrtfirmen. Avio ist dieses Jahr an die Börse gegangen. Die Firma baut die Vega. Ihre Marktkapitalisierung beträgt rund 360 Millionen Euro. Die Vega startet 2,5-mal pro Jahr (in den nächsten Jahren eher öfters) macht einen Umsatz bei 25 Millionen € pro Start von 62,5 Millionen €. Die Firma ist also 6-mal mehr als ihr Umsatz wert. Übertragen auf SpaceX wären das bei 20 Starts pro Jahr mit im Mittel 83 Millionen Dollar (4 x CRS zu 150, 2 x DOD/NASA zu 96, 14 x Kommerziell zu 62) dann ein Firmenwert von 6.640 Millionen Dollar, also etwa ein Drittel des angeblichen Werts. Bei 7.000 Angestellten und 100.000 € pro Abreitplatz käme man sogar auf nur 800 Millionen Dollar. Selbst wenn man alle Aufträge des Startmanifests zusammenzählt, (in der Annahme sie wären alle Reingewinn) kommt man nur auf eine Summe von rund 4,5 Milliarden Dollar. Und 100 % Reingewinn gibt es auch bei SpaceX nicht. Schlussendlich wurden nach dem obigen Artikel nur 1,7 Milliarden investiert. Addiert man alle bisher erfolgten Starts dazu und alle Ausgaben der NASA bisher, so kommt man nur auf 9 Milliarden. Und für dieses Geld wurden auch Löhne bezahlt. Das konnte nicht nur investiert werden. Wie also kann eine Firma ein Vielfaches dessen Wert sein, was sie jemals an Auftragen erhielt, jemals an Geldern bekam oder auch ein Vielfaches der zukünftigen Einnahmen? Die Antwort: Schaumschlägerei. Es gilt durch positive Meldungen so viele Schlagzeilen zu verursachen, indem man alles Mögliche ankündigt, wie riesige Raketen, Suborbital-Passagiertransport, Marskolonisierung und eben mal 7.518 Kommunikationssatelliten um den Eindruck zu vermittelt „Wow sind die innovativ“ oder „Mensch die müssen ja Geld wie Heu haben, wenn die das alles umsetzen wollen“. Entsprechend wird dann auch der Firmenwert steigern, wenn man mal an die Börse geht. Das Ganze geht nur so lange gut, bis die Öffentlichkeit genug von den Ankündigungen hat oder lästige fragen stellt wie „Wann kommen denn nun endlich die Passagiertransporte?“. Meiner Meinung nach geht das schon viel zu lange gut. Wenns mal abflaut geht man an die Börse und die Fonds, die 1,7 Milliarden investiert haben – mehr war es bisher nicht – würden dann bei 21 Milliarden Börsenwert rund 900 % Rendite machen. Gut für die Investoren. Es kann natürlich auch anders laufen. Beispiel Tesla. Da funktionierte das ja auch mit dauernd angekündigten neuen Modellen, immer neuen Features, wie autonomen Fahren so. Tesla ist börsenotiert. So kann jeder die Unternehmenszahlen abfragen. Tesla hat noch nie Gewinn gemacht. 2016 betrugen die Gesamtverbindlichkeiten das Dreifache des Umsatzes. Trotzdem stieg immer der Kurs, nun fragen sich die Leute nach einigen Jahren aber doch wann mal Gewinn kommt, zumal die Verbindlichkeiten ja immer weiter steigen. Entsprechend hat die Aktie ihre Spitze hinter sich und fällt nun. Tesla wird übrigens zu 44,3 Mrd. Wert geschätzt. Also doppelt so hoch wie SpaceX. Hat aber 33.000 Angestellte, nicht doppelt so viel sondern fünfmal so viel wie SpaceX. Auch hier sieht man das der Wert von SpaceX ein imaginärer ist. Übrigens auch bei Tesla. Chrysler hat 56.000 Mitarbeiter, also knapp doppelt so viel wie Tesla. Aber die Firma macht den achtfachen Umsatz – und keinen Verlust. Also schon Tesla ist deutlich überbewertet. Wie wird das erst bei der SpaceX-Blase sein, wenn der erste ruft „Aber er hat ja nichts an!“.

Aber bisher klappt es. Wieder mal eine Schlagzeile produziert, sogar noch eine für Tesla mit. Also in PR macht Musk keiner was vor.

Übrigens

Wenn SpaceX mal die Kostenreduktion um den Faktor 100 hinbekommt, kann eine Falcon Heavy 12 Tesla Roadster (je 1,2 t) pro Start zum Mars befördern. Das für 1,35 Millionen Dollar. Neu kostet das Gerät 217.000 €, also sind die Autos dann mehr wert als die Falcon Heavy.

Alternative Erklärungen

Das ist aber nur ein Erklärungsversuch für den Start des Roadsters. Eine andere könnte die sein:

Musk zu einem Berater von Trump: „Ich brauche die Starts von NASA, NRO und DOD. Sonst geht meine Firma pleite. Ich spende schon mehr für Lobbyismus als ULA. Was kann ich tun, damit der Präsident mehr Druck ausübt?“

Berater: „Sorry Musk, aber Du produzierst Elektroautos und bist an Solar City beteiligt. Du weist, was Trump von Klimawandel und alternativen Energiequellen hält“

Musk: Aber meine Raketen verbrennen auch Erdöl und das nicht zu knapp, und bald auch Erdgas, damit unterstütze ich das Fracking!“

Berater: „Das reicht nicht. Du must etwas machen, das zeigt, das Du mit einer Linie mit dem Präsidenten bist. Wie wäre es, wenn Du öffentlich dich von deinem Roadster trennst und dir ein typisches amerikanisches Auto wie einen Hummer zulegst?“

Musk: „Gute Idee, aber ich habe noch eine bessere …“

Nur ausgedacht, aber unmöglich?

21 thoughts on “Jahresnachlese bei der Spassfirma

  1. @Bernd Leitenberger
    Warum verlangst du immer realistische Ziele und ebensolche Zeitvorgaben wenn dir klar ist das SpaceX und auch Tesla ihre Existenz Investoren verdankt die für kleine Brötchen backen und Sachen die in 30 Jahren passieren sollen kein Geld locker machen? Würde Elon Musk seine Unternehmen so führen wie du das für angemessen hältst wären sie meiner Meinung nach über Planspiele nie hinaus gekommen.
    Die Investoren scheinen ganz zufrieden zu sein mit dem was sie für ihr Geld bekommen. Sonst wäre der Aktienkurs von Tesla nicht so hoch und SpaceX und Tesla das Geld ausgegangen.

  2. Ach ja, SpaceX…

    Es gibt für Dich aber noch eine neuere Spaß-Raumfahrt-Firma: Vodafone!
    Laut Werbung wollen die bald auch auf dem Mond ein Telefonnetz aufbauen!

    Fragt sich nur wozu?
    Der Mond kann doch nur von einem Ort höchstens 13 1/2 Stunden gesehen werden.
    Und das Handy für die Verbindung Erde-Mond ist wegen der Antenne auch nicht soo handlich.

    Und auch die Internet-Wüste Deutschland kann nicht so richtig profitieren (Signallaufzeit 2,5 sec. mindestens!)

    Das gibt aber ordentlich Roaming-Gebühren!

    Schönes neues Jahr und gute Raketenstarts!
    Wünscht Ralf mit Z

  3. Der Start der beiden Starlink Demosatelliten ist für NET Ende Januar 2018 angesetzt auf einem flight-proven Booster. Die Wette könntest du verlieren.

    Falcon Heavy ist sicherlich ein Paradebeispiel für die „Musk-Zeit“ und nicht gerade glücklicher Kommunikation. Ich denke die Verzögerungen sind dem sehr agilen Vorgehen (für ein Raumfahrtunternehmen) geschuldet und der dauernd wechselnden Rolle dieser Rakete. Von anfangs GTO Missionen, die mittlerweile auch die Falcon 9 mit nennenswert Nutzlast fliegen kann, zur Plattform die eventuell genug Leistungsreserven für eine wiederverwendbare zweite Stufe haben könnte bis hin zu Mars Demo-Missionen, die zugunsten der BFR Entwicklung aufgegeben wird. Ich glaube ohne die potentiellen Militär/Spionagemissionen direkt in den geostationären Orbit in direkter Konkurrenz zur Delta IV Heavy hätte man das Projekt schon aufgegeben. Gegenüber der Öffentlichkeit die technischen Herausforderungen hervorzuheben, klingt da einfach besser.

    Die „Musk-Zeit“ ist für mich nichts anderes als Management-Taktik. Es zwingt die Mitarbeiter, sehr fokussiert auf das Ziel hinzuarbeiten und häufig die Frage zu stellen, ob dieser oder jener Aspekt wirklich notwendig ist. Ich sehe das auch häufiger in der Software Entwicklung, allerdings dort mit der erhöhten Gefahr, das mit unfertiger Software tatsächlich einfach live gegangen wird 😐

    Eine „nützlichere Nutzlast“ (doppelt hält besser) wäre sicher toll, die Vorschläge passen aber konzeptionell/finanziell/technisch
    aus Sicht SpaceX einfach nicht, mal davon abgesehen, dass es ein Hochrisikomission sein soll:
    – Die „Red Dragon“ Mission sollte ja hauptsächlich die Landung auf dem Mars mittels Supersonic Retropropulsion demonstrieren. Da der Landeanflug mit der BFR, wie auf der IAC 2017 gezeigt wurde, nun aber etwas anders aussieht, erwartet man sich von einer Red Dragon Mission wohl nicht mehr viele Erkenntnisse. Die Dragon Kapsel samt den nötigen Vorbereitungen wären ja auch nicht gerade billig…
    – Die Mondmission soll mit der Dragon 2 durchgeführt werden und diese Kapseln sind gerade in der Konstruktion
    – Das Bigelow B330 Modul passt nicht in eine Falcon Nutzlastverkleidung, es ist zu groß
    – Das Mondsatellitenprojekt ist wohl eher ein Scherz 😉

    Wie du schon sagst, geht es hier um Publicity, „perfide“ würde ich das aber nicht nennen. Der Aktienwert ist meines Wissens eher ein Produkt von Angebot und Nachfrage und muss nicht unbedingt mit den Zahlen in der Buchhaltung übereinstimmen. D.h. es wird ebenfalls die Erwartungshaltung der Anleger bzw. das Potential des Unternehmens eingepreist. Von daher ist der Wert natürlich imaginär und das ist den Leuten, die beruflich mit der Börse zu tun haben, auch bewusst.
    Der Börsenwert von Tesla geht praktisch von einem spekulierten erfolgreichen Model 3 aus. Da SpaceX kein börsennotiertes Unternehmen ist, würde ich solchen Schätzungen eher keine Beachtung schenken, da man außer ein paar geleakte Folien praktisch kaum was in der Hand hat. Die Angabe ist genauso akkurat wie die Aussage von Elon Musk, die Wiederverwendbarkeit hätte eine Milliarde gekostet, was für mich eher ein Synonym für „viel Geld“ als für „1.000.000.000“ ist.

  4. @Ralf:
    es geht dabei nur um eine LTE Verbindung von Lander zu den beiden Rovern.
    Natürlich ist auch Werbesprech mit bei.
    Audi ist ja auch bei den PTScientists mit dabei und lässt die Rover mit ‚Quadro Technology‘ bewerben obwohl davon 0,nix drin ist 😉

    @BL:
    „Ich wette das SpaceX nicht bis zum 25.4.2018 seine beiden Prototypsatelliten nicht gestartet hat.“

    Du weißt ja das in deinen Artikeln manchmal nicht wenige Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler stecken. Diesmal sind es IMO noch mehr als sonst.

    An sich sind mir rechtschreibfehler egal, insbesondere weil es ein Blog ist. Aber sobald sie das verständnis stark beeinträchtigen weil durch diese Fehler einfach falsche aussagen getroffen werden (sie oben, doppelte verneinung…) dann wird es kritisch.

  5. @Taurec
    Willokommen im Blog. Meine Meinung zu den Punkten auch von anderen:
    * Es gibt einen Unterschied zwischen ambitionierten und utopischen Zielen (auch bei den Zeitvorgaben). Auch Investoren schätzen sicher wenn eine Firma schneller ihre Ziele erreicht als ihre Konkurrenz, aber nicht wenn es Vorgaben gibt die irreal sind.
    * Ich sehe bei SpaceX nicht die Fokussiertheit auf etwas. Im Gegenteil, das würde ja bedeuten dass man etwas durchzieht. Stattdessen laufend neue Projekte, bei der Falcon 9 inzwischen die fünfte Version. Das sieht für mich eher nach Chaos aus wo man dauernd nachbessern muss.
    * Der Einschätzung das die Falcon Heavy weitestgehend überflüssig ist teile ich. Man muss nur auf das Launchmanifest sehen wie viele Flüge auf ihr gebucht sind.
    * Ich meinte die Liste ernst. Die Anforderungen an den Hitzeschutzschild beim Mars sind nicht größer als auf der Erde. Überleben wird die Kapsel ehe nicht, also reicht eine alte COTS-Kapsel und davon haben sie genug rumstehen. Wenn die Dragon 2 nicht fertig ist dann frage ich mich warum. Nach dem Plan mit der NASa sollten doch schon 2016 die ersten Testflüge stattfinden. Und sonst betont man ja immer sie wären so schnell. Klar Boeing ist auch nicht weiter, doch die mussten neu anfangen während SpaceX ja schon bei Auftragsvergabe die fliegende Dragon hatten. Der Moon Hoax Satellite wäre wenn sie in „a few months“ die sowieso starten problemlos möglich. Wenn Du wie ich regelmäßig Mails zu dem Punkt bekommst (angeblich sollen ein Drittel der Amis glauben das man nie auf dem Mond gelandet ist und auch bei uns werden es immer mehr) dann denkst Du vielleicht auch anders. Es ist zumindest sinnvoller als ein auto zu befördern.
    * Angebot und Nachfrage bestimmt den Kurs. Wie aber erhöht man die Nachfrage? Indem man suggeriert die Firma wäre enorm toll, könnte aus Eigenmitteln eine Marsexpedition finanzieren.

  6. > „Elon musk busted Moon Hoax“

    Die würden doch einfach behaupten, dass Spacex an der Verschwörung beteiligt ist. „Beweis“ wäre das „Bestechungsgeld“ durch die staatlichen Aufträge.

    Der Auto-Start könnte auch noch einen anderen Hintergrund haben: Es ist immer wieder zu sehen, wenn eine Firma Werbung macht zieht die Konkurrenz nach. Da könnten auch andere Autohersteller auf die Idee kommen, die „Weltraumtauglichkeit“ ihrer Autos zu demonstrieren. Das würde im günstigsten Fall eine ganze Auftrags-Lawine lostreten. Besonders wenn sich das nicht nur auf die Auto-Industrie beschränkt.

  7. „Wenn SpaceX mal die Kostenreduktion um den Faktor 100 hinbekommt, kann eine Falcon Heavy 12 Tesla Roadster (je 1,2 t) pro Start zum Mars befördern.“

    Schöner Gedanke, allerdings passen von den Maßen nur sieben Roadster in die Falcon Heavy 🙂 Da die Rakete ja bekanntlich kein Raumwunder ist.

  8. Als ich las, dass ein Tesla als Nutzlast dienen sollte war ich einfach nur entsetzt. Für mich ist das grober Unfug! Dann hätte man das Nutzlastvolumen doch besser an Universitäten oder sonst wen verschenken sollen. 
Das Gebietet der Anstand gegenüber Forschung und Wissenschaft.
    
2018 wird wohl auch die Tesla Blase platzen. Langsam müßten die Fahrzeuge ja mal in Produktion gehen. Das wird aber wohl nicht geschehen. Tolle Ideen und Konzepte sind das eine, marktreife Massenprodukte das andere. So gesehen ist es wohl einfacher eine Rakete als ein Auto zu bauen.
Es geht Musk wahrscheinlich gar nicht darum wirklich etwas zu schaffen. Es geht nur darum etwas „anzuentwickeln“ und dann halbfertig zum 10 fachen Preis des eigentlichen Wertes über die Börse zu verkaufen. Aber die etablierten PKW Hersteller haben den Köder nicht geschluckt, bauen lieber etwas eigenes.
Mit seinen Autos hat er sich mit den 5 Weltmarktführern der PKW Industrie angelegt, beim Raumfahrtprogramm sind es die großen Rüstungsunternehmen.
Letztlich hat er gegen die keine Chance. Ich denke, dass ihm das auch klar ist. Er leidet ja nicht unter Cäsarenwahn. Also spielt er das Spiel so wie er es kennt. Mit Marketingmaßnahmen sehr, sehr viel Geld bewegen und wenn alles zu Bruch geht, bleiben für ihn trotzdem Milliarden an Gewinn übrig.

    Aber trotzdem scheint er damit ja wertvolle Impulse zu geben und die Entwicklung zu beeinflussen. 
PKW werden wohl zukünftig elektrisch betrieben, alternativen wie z.B Wasserstoff werden keine Rolle mehr spielen. 
Den Einfluss auf die Raumfahrtentwicklung kann ich nicht beurteilen, aber auch da wird man in 10 Jahren wohl noch über Elon Musk sprechen.
Leute wie Elon Musk sind so lange in einem Geschäftsfeld aktiv, wie es wächst und sie Fremdkapital zum verbrennen akquirieren können.

    Frank

  9. Wieder ein Beweis für verkorkstes Design. Schon die Falcon 9 kann keine Doppelstarts durchführen, obwohl Leistungsfähig genug. Bei der Falcon Hevay mit der doppelten Nutzlast der Ariane 5 nur die Hälfte des Nutzraumvolumens anzubieten zeigt das SpaceX wohl nur am Transport von massiven Dingen wie Roadstern oder Blei interessiert ist.

  10. Teslas sieht man einfach in Deutschland nicht. In Norwegen fahre ich mal 5km und habe schon 10 Tesla gesehen. In Norwegen sind Elektroautos steuerfrei, so dass ein Tesla günstiger ist als ein BMW oder Mercedes in der selben Klasse ist. Die billigen Modelle konkurrieren eher mit einem Passat als mit einem Luxusauto.
    Ich bin schon mehrmals in einem Tesla gesessen, ist einfach ganz anders als ein normales Auto.

  11. Zu Tesla gibt es ja dieses sehr aufschlussreiche Video:

    https://www.youtube.com/watch?v=UKfqqGFCCkE&t=36s

    Und der Kerl ist kein „Tesla Hasser“, ganz im Gegenteil. Aber schon im Mai des Vorjahres hat er ein Video gemacht, wo er meinte, dass Tesla endlich mal „das Steak servieren sollte und nicht nur das bruzzeln.“

    „Musk Zeit“ wird im Video ebenfalls behandelt, diesmal allerdings nur auf Tesla bezogen und da siehts ähnlich aus wie bei SpaceX.

    Besonders interessant ist, was gegen Schluss besprochen wird. Und zwar, dass Tesla seinen Vorteil als „Early Adapter“ zu verlieren droht. (Besonders beim Stuchwort „Autonomes Fahren“.)

  12. Hab das Video wieder ausgemacht als klar wurde das Mark Spiegel die Hauptquelle zu sein scheint. Der Typ hat seit langem Short-Positionen auf Tesla-Aktien und hat ein sehr sehr großes finazielles Interesse das die Firma den Bach runter geht. Die zweite Quelle die zu Beginn des Videos mehrmals fällt ist das WSJ. Ein stockkonservatives Blatt in dem Tesla-Bashing auch schon eine lange Geschichte hat.
    Vor einer möglichen (bzw. eigentlich wurde sogar „wahrscheinliche“ gesagt) „Production Hell“ wurde deutlich vor dem offiziellen Produktionsstart seitens Tesla gewarnt. Große Autohersteller machen hat ein paar hundert Autos auf Vorserie (die dann ihr dasein als Deko in Autohäusern fristen), da hat man sowas dann hinter sich und wenn man in Serie geht dann läufts halt „von Beginn an“ rund. Wie groß die Verzögerungen und Problem in der Vorserie (wo auch gern mal manuell Arbeitsschritte erledigt werden) bekommt man eh so gut wie nie mit.
    Bisher verschieben sie ihre Produktionssteigerungen nur. Das ist ärgerlich, aber mittelfristig kein Problem. Nur falls der Anstieg deutlich flacher ausfällt, dann wirds blöd. Davon redet aber bisher niemand. Ausser Mark Spiegel, der würde aber auch viel Geld verlieren falls das Model 3 ein Erfolg wird.

  13. hm, witzig ist, dass S P A C E X der größte Tag in Bernds Tag-Wolke ist ;). Wird die aus den Kommentaren oder aus den Blog-Beiträgen berechnet?

    Wir alle wissen, dass Musk in einer Marketing-Welt lebt, das ist sein Job: aber SpaceX erfüllt doch nach und nach vieles.

    Nehmen wir Bernds Nachlese von CRS-1, die Mission mit dem Triebwerksschaden. Er orakelte damals, dass das Merlin 1C mies ist und dass das Merlin 1D wohl kaum besser wird. Er bezweifelte, dass das Merlin1D jemals die angepeilten Werte erreichen wird. Er fabulierte was von Triebswerksschäden kurz nach dem Start. Usw. usf. Das war damals üblich, nicht nur hier…

    Uns was sieht man 5 Jahre später? Das Merlin1D ist ein sicheres, wiederverwendbares, leistungsfähiges Triebwerk geworden. Die angepeilten Leistungsdaten, die Bernd damals als fast unmöglich bezeichnete (er zweifelte es jedenfalls stark an), wurden erreicht, z.T. übertroffen. Bernd hat damals die Leistungsfähigkeit von SpaceX völlig falsch analysiert.

    Nun ja, natürlich wurde das nicht in Elon-Time erreicht, sondern in harter Arbeit über 4-5 Jahre, ein realistischer Zeitraum. Und in der Zeit gab es Probleme, aber nie mit den Triebwerken. Bernd konnte sich das nicht vorstellen. Es war eine Utopie für ihn.

    Mal sehen, wo Bernd noch so falsch liegt.

    @Bernd

    hattest du mal deine falsche Einschätzung von 2012 revidiert? Zutrauen würde ich es dir, dass du deine Fehler eingestehst. Hattest du doch, oder? Ansonsten: danke für deine tollen Artikel, abseits von SpaceX.

    Beste Grüße,
    Ingolf

  14. Ja die zuverlässigen Merlins. Da ist ja jüngst eines explodiert:
    http://www.businessinsider.de/spacex-merlin-block-5-engine-test-failure-2017-11?r=US&IR=T
    Aber mal im Ernst. Die thrust to Weight Ratio gibt es nur als Angabe von Twitter Meldungen. ein richtiges Datenblatt gibt es nicht von dem Triebwerk. Sie sind zudem alt. Bei SpaceX wird gerne umgeplant ohne das die kommuniziert wird, siehe Raptor, das laufend im Schub sinkt. Wer nur grundlegende Kenntnisse von Maschinen hat wird skeptisch wenn man plötzlich für denselben Schub nur das halbe Gewicht braucht – wenn das z.B. ein Motor eines Autos wäre, dann wäre Dir das auch klar.
    Im übrigen hat SpaceX nach CRS-1 die Nutzlast für einige Zeit reduziert, wahrscheinlich weil man die Engine-out capability nicht berücksichtigt hatte. Als die Rakete dann problemlos flog wurde sie wieder angehoben.

  15. So toll scheint es mit der Wiederverwendbarkeit der Triebwerke aber nicht auszusehen. Mehr als zwei Flüge traut man denen wohl selbst bei Spacex nicht zu. Logisch wäre doch, eine Stufe so oft zu starten bis sie auseinanderfällt. Es muss ja keine komplette Rakete sein, ein Betonklotz statt einer Oberstufe reicht aus um die erste Stufe zu testen. Oder doch wenigstens die Triebwerke ausbauen und auf dem Prüfstand zu tode testen. So könnte man Schwachstellen erkennen, um sie in späteren Versionen zu beseitigen. Aber wie weit kommt man wohl, wenn man nichts probiert?

  16. @Elendsoft:
    Zumindest die 1. sauber gelandete Stufe wurde auf dem Prüfstand noch einige male intensivst getestet und hat dort „virtuell“ noch mehrere Missionen „geflogen“.
    Jede weitere Stufe wurde zumindest intensiv inspiziert.

    Es ist wohl offensichtlich, dass die Leute bei SpaceX recht guten Überblick über die Haltbarkeit der Triebwerke, bzw. der ganzen Stufe haben.

    Das man auf einem Prüfstand auch mal Triebwerke bis zum Bruch hoch treibt, ist aber auch nicht ungewöhnlich. Wobei ich jetzt auch nicht weiß, ob das gerade bei diesem Test so gewollt war…

    Man kann also nicht sagen, SpaceX würde nicht testen.

  17. Was die Zuverlässigkeit angeht, hat SpaceX sich in jedem Fall stark gesteigert. Was die Überlegungen zur finanziellen Lage angeht: Auch andere Unternehmen mit technischem Vorsprung haben oft einen hohen Wert pro Mitarbeiter, bei Gilead Sciences liegt dieser z. B. bei einer Million Dollar https://marktdaten.fuw.ch/detail/stocks?ID_NOTATION=167496666 und https://marktdaten.fuw.ch/detail/stocks?ID_NOTATION=167496666 Der Vergleich son SpaceX und Tesla passt nicht, da SpaceX laut den Leaks in Jahren ohne Fehlstart bereits Gewinne machte. Des Weiteren ist SpaceX bereits einer der Marktführer, eine Position von der Tesla meilenweit entfernt ist: https://www.welt.de/wirtschaft/article171949205/Falcon-Heavy-Rakete-Elon-Musks-SpaceX-startet-staerkste-Rakete-der-Welt.html

  18. Ich denke man muss die amerikanische Seele verstehen. Im amerikanischen Denken ist viel stärker das „lass es uns probieren“ – Denken verankert, als „lass uns mal darüber nachdenken“.

    @Bernd Leitenberger
    Ich verfolge schon seit Jahren die Webseite und bin jedes Mal über die profunde Analyse von Designs der Weltraum-Technik (ich nenne es mal so) erstaunt und begeistert. Daher bin ich auch ein wenig irritiert wie wenig Würdigung die Leistung von SpaceX und Musk durch Sie erfährt. Die Kritik und den zum Teil hämische Unterton dass z.B. Triebwerksdatenblätter, sofern es welche gibt permanent andere Leistungsdaten ausspucken halte ich für überzogen, zumal ich das Ganze noch eher in den Anfängen sehe. Musks Vorgehensweise entspricht nicht den „typisch deutschen“ Gepflogenheiten die seinerzeit ein v.Braun mit seiner Mannschaft bei der NASA etabliert hat (und auch zum Erfolg geführt hat).

    Ich beurteile Musk mit Tesla und SpaceX etwas positiver. Er verfolgt ein Konzept das (mehr) Erfolg verspricht den er aber nur in Teilen einhalten kann. Mit einer typisch deutschen Sichtweise kommt man zu der Beurteilung „Schaumschläger“ bis fast zum Betrüger, was in einem Blogbeitrag schon als Vorwurf der Selbstbereicherung im Raum steht. Trennen wir uns aber von dieser Sichtweise dann sind eine Erfolge unübersehbar. Erster Erfolg (von Tesla und SpaceX): Konkurrenz belebt das Geschäft. Es hat schon viele Elektroautos vor den Teslas gegeben, aber keiner hatte das Image (und darüber werden schließlich Autos verkauft) dass sich die Teslas mit zum Teil irrsinnigen Strategien erarbeitet haben. Keine andere Raumfahrtorganisation außer SpaceX, ist derzeit in der Lage eine Raketenstufe so zu landen dass diese mit geringem Aufwand wiederverwendet werden kann. Über das „recyceln“ der Space-Shuttle-Booster wurde ja schon ausgiebig geschrieben und ist zwischenzeitlich auch Geschichte.

    Musk ist mit seiner Firmen enorm innovativ (so wie seinerzeit Steve Jobs) und riskiert zugegebenermaßen nicht nur das eigene Geld. Es besteht die Möglichkeit des Scheiterns, und damit tun wir uns mit der „typisch deutschen Denkweise“ schwer. Bei uns muss ein Projekt (so wie seinerzeit die Mondlandung) von vorneherein ein Erfolg werden. Scheitern ist bei uns nicht vorgesehen. Der typische Amerikaner aber scheitert „gerne“, ihm macht das „nichts“ aus. Und die Videos zweier synchron gelandeten Raketenstufen sind ein x-faches mehr wert als die verlorengegangene Endstufe die im Meer „gelandet“ ist.

    So wie Kennedy einst seinen „Mondlandungsgedanken“ in die Köpfe der Menschen pflanzte und damit den Einstieg für den Sieg im kalten Krieg einleitete, so sind die wahrlich märchenhaften Versprechen eines Musk nichts anderes. Ich will damit sagen, wenn Milliarden für (möglicherweise gescheiterte) Raumfahrtprogramme ausgegeben werden ist dies zehnmal besser als das was mit dem Geld sonst so auf der Welt für Unfug angestellt wird.

    Zusammengefasst: SpaceX macht so gesehen einen sehr guten Job. Wir sollte sie nicht an ihren Versprechungen beurteilen sondern an ihren Taten, und diese gehen weit über das hochschießen von Raketen hinaus.

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