Radiowerbungssplitter

Auf mein heutiges Thema kam ich relativ schnell. Man muss nur Radiowerbung hören und da fielen mir doch wieder einige Beispiele ein, die nervig sind.

Es gibt Dauerbrenner der Radiowerbung wie Seitenbacher. Egal ob der Geschäftsinhaber nun Bergsteigermüsli oder Hanföl anpreist, es wirkt amateurhaft. Wenn er alleine versucht zwei Personen im Dialog darzustellen und dazu nicht mal richtig seine Stimme verstellen kann, oder er meint in der Werbung müsste man den Produkt- und Firmennamen möglichst oft wiederholen und dann so Zeilen generiert wie „ Seitenbachers XYZ-Müsli. XYZ-Müsli von Seitenbacher“. Wenigstens ein Spot hat eine unfreiwillige Komik, der für Hanföl „Da nimmschte jeden Morgen an Löffel, da fühlscht dich guat“. Glaub ich sofort, aber, wenn ich Hanf am Morgen nehme, dann ist für mich auch der Vormittag gelaufen …

Aber Seitenbacher ist ja ein Dauerbrenner, ich will mich auf einige neuere konzentrieren. Da ist derzeit die Kampagne für reuter.de. Da sagt eine Frau in sachlichem Ton „Nun erläutern wir ihnen am Beispiel von Villeroy und Boch welche Herstellergarantien bei Reuter.de gelten“. Antwort „Alle“. So sind die Spots alle aufgebaut. Eine langschwafelige Einleitung mit Details die dann, wenn man die Antwort bekommt, völlig irrelevant sind, also hier „am Beispiel von Villeroy und Boch“ – wenn alle Herstellergarantieren gelten, brauch ich keinen Hersteller explizit nennen. Für mich wirkt es eher verwirrend.

Der zweite ist ein periodischer Dauerbrenner. Ich vermute die Spots gibt es nicht bundesweit. Es ist einer für ein Mineralwasser „Peterstaler“. Der läuft periodisch seit Jahrzehnten. Früher haben die Mitarbeiter interviewt, die anstatt ihrem Namen nur „Ich bin Peterstaler“ gesagt haben. Danach kamen dann Käufer dran, ebenfalls mit dem Spruch „Ich war schon immer Peterstaler“ und nun geht das so: „Was waren wir schon alles. Mit 14 waren wir verliebt, mit 18 erwachsen, aber eines sind wir immer geblieben: Peterstaler“. Ich habe schon die ersten Spots nicht verstanden. Warum soll jemand sagen, Er wäre ein Produkt. Okay, bei den Mitarbeitern die mit ihrer Firma verbunden sind ist das noch denkbar, zumal das Mineralwasser ja auch, wie die Stadt heißt wo es herkommt. Aber die folgenden Radiospots waren dann doch skurril, vor allem wenn man denkt, dass es sich um Mineralwasser handelt, also ein mehr oder weniger austauschbares Produkt, es hat im besten Fall einen prickelnden Eindruck, aber keinen Geschmack. Selbst wenn jemand das über ein Produkt mit Eigengeschmack sagen würde wie „Ich bin ein Cabernet-Souvignon“ fände ich es befremdlich. Ich kann mir auch ehrlich nicht vorstellen, deswegen dieses Mineralwasser zu kaufen. Daran ändert auch die Stimme von Luke Skywalker und der übertrieben fröhliche Ton nichts.

Der Verdrängungswettbewerb bei Mineralwässern muss groß sein. Die Tatsache das Wasser eigentlich keinen Eigengeschmack hat und wenn es Mineralien enthält, oftmals sogar einen negativen Geschmack hat führte dazu, dass der Markt von Konzernen dominiert wird, die mit Radiowerbung eine Marke etablieren, auch wenn sie nur Wasser aus der Leitung abfüllen wie der Konzern Nestle. Das führt mich zu meinem nächsten Splitter, ich würde ihn als den Spot mit der größten Übertreibung bezeichnen. Er ist wieder für ein Mineralwasser, diesmal „Black Forest“. Also entweder soll es international vermarktet werden was ja schon gut mit französischen und italienischen Wässern klappt oder man meint, mit dem englischen Namen moderner und weniger provinziell zu klingen. Aber die Spitze sind die Spots. Sie sind in Form von gesprochenen Tagebucheinträgen verfasst. Die Wortwahl und der Ton suggerieren, dass man von dem Wasser fast einen Orgasmus bekommt. Muss geklappt haben, denn nach eigener Angabe ist das Wasser der Hansjakobquelle inzwischen Platz 6 der stillen Mineralwässer in Deutschland. Wie ich bei der Recherche erst erfahren hab, ist Black Forest eine der Wässer ist, die Peterstaler vertreibt, was die gleiche Sinnlosigkeit der Spots erklärt.

Noch sinnfreier finde ich die Radiowerbung eines Küchenstudios (Name leider vergessen), die mit einer kostenlosen Lokalrunde in einer Kneipe beginnt und dann folgt die eigentliche Botschaft: Man bekommt zeitlich begrenzt beim Kauf einer kompletten Küche das fünfte Elektrogerät gratis. Klingt gut, aber in meiner Küche gibt es: Herd, Geschirrspülmaschine, Kühlgefrierkombination, Dunstabzugshaube. Das sind vier Elektrogeräte. Das Fünfte wäre dann wahrscheinlich noch billiger wie ein Allesschneider oder ein nicht stationäres Gerät wie ein Mixer. Selbst wenn jemand noch ein hochpreisiges Gerät reinstellt, wie eine Waschmaschine, dann rückt die maximal 200 Euro teure Dunstabzugshaube zum fünften Gerät auf. (Ich darf annehmen, dass die Regelung so ist, dass die Geräte nach Preis absteigend geordnet werden). Groß lohnen tut es sich also nicht.

Der Letzte und mit Abstand blödester Spot der Radiowerbung ist die Serie von Amazon, die ihren Echo anpreisen wollen. Das geschieht mit völlig sinnfreien Beispielen. Einer Playlist fürs Geschirrabspülen (wir bemerken: der moderne Hipster hat Geld für einen Echo und ein Musikabbonement, leistet sich aber keine Geschirrspülmaschine). Ein Amazon Echo hat auch die beruhigende Stimme für das Baby, das bei der eigenen Playlist nicht einschläft und das Beste ist, das der Hipster keine Pizza beim Lieblingsitaliener bekommt, also macht er sie einfach selbst (nach dem Rezept vom Echo) und weil er dann den Teig 10 Minuten kneten muss (habe ich noch nie gemacht) und keine Hand frei hat, muss der Echo italienische Musk spielen.

Hallo? Wie gekünstelt ist das denn? Wenn ein Italiener Ruhetag hat, gehen die meisten zum Nächsten, die gibt es schließlich wie Sand am Meer. Selbst wenn jemand auf die Idee kommt, die Pizza selbst zu machen, halte ich die Wahrscheinlichkeit, dass er alle Zutaten für eine originale Pizza Diabolo zu Hause hat, für äußert unwahrscheinlich. Dann würde ich ein Rezept sicher nicht über den Echo abrufen, sondern mir ausdrucken. Zuletzt habe ich noch nie gehört, dass man einen Pizzateig 10 Minuten kneten muss. Ich mach das, bis er die richtige Konsistenz hat, und lasse ihn dann ruhen.

Kurzum: Das Beispiel ist gekünstelt und unsinnig und so sind es alle Beispiele der Radiowerbung in den Amazon Radiospots. Im Prinzip ist die Idee vom Echo ja nicht so schlecht. Wie oft habe ich schon Lust gehabt einen bestimmten Song zu hören und war dann zu faul mich durch Ordner oder Alben zu kämpfen, bis ich ihn hören konnte. Wenn das mit der lokalen Musiksammlung auf dem NAS ohne Abo klappen würde, ich hätte ihn schon längst gekauft, aber Amazon will einen ja in ein Abo zwingen. Schade.

Das wären meine Beispiele für schlechte Radiowerbung, habt ihr auch solche? Denkt auch an die Abstimmung sofern noch nicht geschehen.

8 thoughts on “Radiowerbungssplitter

  1. Audi Macht Werbung mit dem Auddi Lunar Quattro Rover, dieser ist aber schon vor der Teilnahme von den PTS entwickelt worden und hie Asimov.
    Es gibt keine vernünftige Synergie für den Automobilbauer aus diesem Rover. Trotzdem wird mit ihm geworben.

  2. Bei dem Müsli kommt noch dazu das die Werbung in diesen unsäglichen Schwäbisch gemacht wird. Dieser Dialekt ist im DACH Raum so beliebt wie Fußpilz.

      1. Ich habe leider auch bei der Webrecherche nicht rausgefunden in wieweit Seitenbacher außerhalb von BW Umsatz macht, aber nach Kommentaren scheinen Amis auf den Dialekt zu stehen. was für einen internationalen Vertrieb spricht. Ich finde Dialekt nicht negativ, wenn es passt. Mir stößt nur dieses dumpfe Konzept und die Wiederholung des Firmen- und Produktnamens auf. Das ist extrem nervig und wäre es auch in hochdeutsch.

        Kuriosität am Rande: Der Firmeninhaber kommt aus Waldenbuch, also in der Nähe von Stuttgart (dort ist auch Ritter Sport angesiedelt), der Firmenname ist der eines Bachs in Waldenbuch, die Firma selbst steht aber im Odenwald …

        Ob ein Dialekt beliebt ist oder nicht juckt mich nicht, die Alternative wäre das alle nur noch Hochdeutsch sprechen und man noch mehr regionale Identität verliert. Aber für jemanden der sein Produkt verkauft ist das natürlich was anderes. Laut einem Interview schert sich der Firmeninhaber nicht um Umfragen oder Marketingkonzepten:
        http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/seitenbacher-die-stimme-fuer-das-muesli-12085247.html

      2. Ach ja zur Statistik
        Ich war überrascht das Bayrisch auf Platz 2 ist. Ich hatte in Erinnerung das gerade dieser Dialekt sehr beliebt sei.
        Das so viele andere Dialekte nur wenige Prozentpunkte haben denke ich liegt daran, das man diese auch kaum hört. Was ist der Unterschied zwischen Thüringerisch und Sächsisch? Wie klingt ostpreußisch, pommerisch oder mecklenburgisch? Was man nicht kennt kann man auch nicht ablehnen.
        In meinen Augen spielt die Reihenfolge ziemlich exakt die Abweichung der Dialekte von der Hochsprache wieder, also je ausgeprägter sind desto unbeliebter sind sie. Meine Statistik sähe anders aus. Bayrisch finde ich okay, dafür finde ich saarländisch extrem nervig. Wenn Heinz Becker im Fernsehen kommt schalte ich sofort um.

        1. Schwäbisch klingt ausgesprochen unangenehm und ist nur schwer verständlich. Mit schwäbisch wird eine piefige, mittelmässige und ausgesprochen langweilige Lebensart verbunden. Umgang mit Schwaben versucht man daher ausserhalb vom „Ländle“ besser zu vermeiden.

          1. Da sehen Sie mal, wie subjektiv das Ganze ist. Ich persönlich mag den schwäbischen Dialekt, ebenso wie den bayrischen. Oben erwähnte Bernd, dass er den saaländischen Dialekt nicht mag. Ich finde ihn gar nicht schlecht. Kann auch daran liegen, dass ich Verwandtschaft in der Eifel habe und der pfälzische Dialekt ist recht ähnlich.
            Und mittelmäßige, langweilige Lebensart? Ich kann Ihnen berichten, was ich dieses Wochenende so getrieben habe. Im Garten steht mein Teleskop, mit dem ich die letzten Nächte den hervorragend sternklaren Himmel genossen habe. Gestern Nachmittag habe ich mal wieder Bier gebraut. Und gerade eben habe ich den Smoker angefeuert für das Barbeque heute Abend. Ich bin Ingenieur und arbeite im Maschinenbau im Service und bin weltweit unterwegs.
            Der Bernd ist selbstständiger Programmierer und lehrt Programmieren an einer Hochschule. Er schreibt Bücher über Themen, die ihn interessieren und betreibt seit einigen Jahren diese Internetseite und diesen Blog. Ist das alles langweilig?
            Natürlich sind das jetzt nur zwei Beispiele aus einem Bundesland mit mit 12 Mio. Einwohnern (von denen auch nicht alle schwäbisch schwätzen).

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