Bye Bye Briten

Gestern hatte Theresa May einen Städtetrip hinter sich. Drei Länder, drei Regierungschefs in einem Tag, eben so die Art von Reisen die Briten lieben. Grund sie wollte noch mal den Breakxit-Vertrag nachbessern. Weil der wohl nicht durchs Parlament kommt.

Ich war mit dem Vertrag nicht zufrieden, nur anders als die Briten. Der Vertrag bedeutet für England, dass sie durch ein Handelsabkommen im Prinzip Mitglied des Binnenmarktes sind, mit allen Vorteilen, aber nicht mehr in der EU. Damit müssen sie keine Beiträge mehr bezahlen die dann bei diktatorischen Staaten in Osteuropa landen, die sich weigern Flüchtlinge aufzunehmen (okay, damit können auch die Engländer nicht glänzen). Sie müssen nicht EU-Vorschriften umsetzen die über nationalem Recht stehen und haben kein Problem mehr mit Feinstaub und NOx. Sie können wieder ihre eigene Regeln für Produkte, Deklarationen und Sicherheit verabschieden. Kurzum, sie haben wieder ihre volle nationale Souveränität gewonnen und müssen auch kein Verfahren der EU befürchten, wenn sie mal gegen Vorschriften verstoßen, wie z.B. Italien, das sich derzeit mehr verschuldet als erlaubt.

Besser geht es doch nicht: Die wichtigsten Vorteile mitnehmen, dabei volle Souveränität zurückerhalten. Doch das reicht ihnen nicht und nun schlägt sie zu, die britische Überheblichkeit die man am einfachsten so beschreiben kann „Entweder wir machen es so, wie wir es wollen oder gar nicht“. Damit haben sie schon früher dauernd den anderen EU-Staaten Knüppel in die Beine geworfen. Die Debatten, ob man in der EU überhaupt sein sollte, gab es schon in den Sechzigern. Noch heute reden Engländer zwar von „Europa“, meinen den Begriff aber synonym mit „dem Kontinent“, also sehen sich nicht als Bestandteil von Europa. Da ist es folgerichtig, wenn man austritt.

Dabei hat diese britische Haltung sie ein Weltreich gekostet. Es fing 1776 an, als einige amerikanische Kolonien keine Steuern zahlen wollten, wenn von dem Geld nicht auch was bei ihnen ankommt. Eigentlich ein nachvollziehbarer Gedanke und ein Problem, das man lösen kann, ohne Gewalt anzuwenden. Es kam zum Britisch-Amerikanischen Krieg, der mit der Unabhängigkeit der Kolonien von England endete. Dann verbot man den Indern, die auch schon Jahrzehnte eine Kolonie waren, selbst Salz in jeder Form zu handeln oder zu gewinnen und das in einem Land mit subtropischem Klima und dem entsprechenden Verlust von Salz durch Schwitzen. Ein gewisser Ghandi ging zum Strand und hob dort einige Salzkörnchen auf – das reichte aus, um ihn zu verhaften. 17 Jahre später wurde die britische Flagge zum letzten Mal eingeholt und Indien unabhängig, es folgten bald darauf die anderen Kolonien.

Ab und zu habt ihr damit Erfolg gehabt, so im Zweiten Weltkrieg, als ihr am Rande einer Niederlage wart. Aber auch nur weil Hitler so verrückt war und Russland und den USA den Krieg erklärt hat. Ohne deren Hilfe habt ihr überall, wo die deutschen und britischen Streitkräfte aufeinandertrafen, sehr alt ausgesehen: in Frankreich, Griechenland und Nordafrika, wo sich auch erst das Blatt wendete, als die USA eingriffen.

Dieser britische Sturkopf treibt bisweilen bizarre Blüten. Ich kann mich noch an den Falklandkrieg erinnern. Okay, die Annektion dieser Inseln durch Argentinien war nicht okay, aber deswegen eine Flotte an den Rand der Antarktis zu schicken? Wegen einiger Inseln mit ein paar Tausend Einwohnern, auf denen man praktisch nur Schafe züchten kann? Da wäre ich doch froh, wenn mir die jemand abnimmt und ich nicht noch Subventionen dahin zahlen muss. Stattdessen fängt man einen Krieg an, der mit den Folgekosten für das Militär die eh schon hohe Verschuldung noch mal um einen zweistelligen Milliardenbetrag hochgetrieben hat.

Ich wünsche es euch eines: keinen Vertrag. Ihr seid ohne Vertrag in die EU eingetreten, ihr sollt es ohne Vertrag verlassen. Ihr habt ja auch noch eure nationale Währung, das britische Pfund. Ja es war mal ein Pfund Sterling-Silber wert. Gut man wird eine Grenze zu Nordirland ziehen müssen die kontrolliert wird, damit nicht zu viele Wirtschaftsflüchtlinge aus England kommen, aber die kann man ja sicher wieder abschieben, sie kommen ja aus einem sicheren Herkunftsland. Dann könnt ihr auf eurer Insel euer eigenes Süppchen kochen mit Linksverkehr, so komischen Vorstellungen von Demokratie (Mehrweitwahlrecht, Unter- und Oberhaus) und Essen (Fish und Chips, Speck und Bratwüste zum Frühstück, Pfefferminzsoße zu Lamm).

Ich befürchte nur es wird mit euch weiter nach unten gehen. Die Infrastruktur scheint ja schon marode zu sein, weil man auf die glorreiche Idee gekommen ist, Wasser- und Stromanschlüsse und Bahntrassen zu privatisieren. Klar Firmen wollen ja kein Geld verdienen die halten das Netz in Schuss und buttern noch was vom eigenen Geld rein und senken dafür die Gebühren…

Ich prophezeie, dass es nicht mehr lange dauern wird, dann hat die Insel vollkommen abgewirtschaftet. Es geht doch eigentlich seit Jahrzehnten bergab. Aber ihr habt noch eine Alternative: werdet der 52-Bundesstaat der USA. Die sprechen die gleiche Sprache, haben den bei euch erfundenen Kapitalismus à la Holmes zur Staatskultur erhoben, erfreuen sich an verschrobenen Eingeborenen mit noch seltsameren Gewohnheiten – ganz England als Disneyland. Außerdem haben die noch die alten Maße, die ihr aufgeben musstet wie Inch, Yard oder Unzen. Politisch versteht ihr euch ja sowieso mit den USA besser als mit Europa. Ihr wart ja auch die Einzigen, die bei Bush Angriffskrieg 2003 mitgemacht haben.

Es könnte noch schlimmer klommen. Es heißt ja „Vereinigtes Königreich“ und zumindest beim Fußball git es ja vier Mannschaften: Nordirland, Wales, Schottland und England – anscheinend ist das wörtlich zu nehmen und die Schotten wollten ja schon über ihre Unabhängigkeit und damit Zugehörigkeit zu Europa abstimmen. Das könnte noch mal kommen, und wenn es ganz dumm läuft, habt ihr in einigen Jahren nicht mal eine ganze Insel mehr. Gut gemacht: in 80 Jahren vom Weltreich zu einer halben Insel…

Aktuell höre ich das Theresa May, nachdem sie schon die Abstimmung zum Vertrag verschieben musste, nun mit einem Misstrauensvotum aus der eigenen Partei kämpfen muss. Bestätigt voll, was ich von euch denke: wirklichkeitsfremd, bis zum Gehtnichtmehr. Da holt jemand das Beste aus diesem idiotischen Beschluss auszutreten heraus und es reicht euch nicht und ihr säbelt sie noch ab…

Aber auf die einfache Idee, den Austritt zurückzunehmen, das ist ja nach einem aktuellen Beschluss des EuGH möglich kommt keiner, wäre auch gegen die britische Sturheit…

6 thoughts on “Bye Bye Briten

  1. „Der Vertrag bedeutet für England, dass sie durch ein Handelsabkommen im Prinzip Mitglied des Binnenmarktes sind, mit allen Vorteilen, aber nicht mehr in der EU…..Sie können wieder ihre eigene Regeln für Produkte, Deklarationen und Sicherheit verabschieden. “

    Sachlich nicht ganz richtig.
    Für die Übergangsfrist von max. 2 Jahren muss GB sich noch an die EU-Regeln halten.
    Nur wenn das noch zu schliessende Handelsabkommen mit der EU in Kraft tritt und NUR DANN, wenn eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland verhindert werden kann (Backstop Vereinbarung) kann GB eigene Regeln in Kraft setzen.
    Das ist in sich ein Widerspruch, da GB gar nichts anderes übrigbleiben wird als einen Großteil der EU-Regeln ins Handelsabkommen 1:1 zu übernehmen. Unternehmen wie Airbus, Rover, Ariane und viele andere würden wegen der engen Verflechtung durch Lieferketten andernfalls schlagartig nicht mehr funktionieren.

    Ich kann die Wut über den Austritt verstehen aber nicht teilen.
    Tatsache ist, dass das britsche Empire 1914 auf dem Höhepunkt der Macht war und der Niedergang mit dem Ende des 1. Weltkriegs begann.
    Speziell wir Deutsche haben GB und insbesondere Winston Churchill sehr viel zu verdanken.
    Er hat im 2. Weltkrieg als Einziger in Europa gegengehalten. Die strategische Wende war die gewonnene Luftschlacht um England.
    Durch die Verhinderung einer deutschen Invasion konnten die britischen Inseln quasi als Flugzeugträger fungieren, Nachschub aus den USA erhalten und später dann als Basis für die alliierte Invasion in der Normandie dienen.

    Ohne diese Basis hätten die USA ein Luftlandemanöver über den Atlantik wagen müssen. Selbst wenn das, wo auch immer (Irland, NordAfrika..) gelungen wäre, hätte der Krieg Jahre länger gedauert und wir hätten die amerikanischen Atombomben abbekommen.

    Geostrategisch ist der Brexit eine Katastrophe. In einer Situation, wo die USA durchdrehen, Putin mit allen Mitteln versucht Europa zu destabilisieren und China Großemachtansprüche anmeldet ist es fatal, wenn GB eigene Wege geht.
    GB ist mit Abstand die größte Militärmacht in Westeuropa: Atomar bewaffnet auch mit U-Booten, 2 nukleargetriebene Flugzugträger und die Einzige, die auch global jederzeit voll einsatzfähig ist (siehe Irak-Krieg).
    Noch sind sie in der NATO….

    Zudem wird Europa durch den EU-Austritt wirtschaftlich geschwächt.

    Mittelfristig wird sich nur ein politsch geeintes und wirtschaftlich wie militärisch starkes Europa gegen Russland und China behaupten können.

    Da nehme ich gerne ein paar britsiche Marotten in Kauf (manchmal können sie ja auch ganz nett sein). Verglichen mit dem, was uns bevorsteht ist das kiki.

    1. Eine gute Zusammenfassung die genau meine Meinung widerspiegelt.
      Klar, die Briten sind überheblich und schießen sich selbst ins Bein. Aber da brauchen wir uns nicht drüber zu freuen. Der Brexit ist eine Katastrophe für ganz Europa. Sicherlich wirtschaftlich aber vor allem ideologisch. Europa (selbst inklusive Briten) hat historisch bedingt ähnliche Werte und Normen. Wenn die zukünftig noch eine Rolle spielen sollen muss zusammengearbeitet werden.

  2. Eigentlich muss sich das UK jetzt allen Regeln und Vorschriften des EU Binnenmarktes beugen, kann aber an seinem Regelwerk nicht mehr mitbestimmen.

    Von daher sind sie jetzt eine „Fax Demokratie“ wie die Norweger.

    Viel gewinnen werden sie dadurch nicht, das ganze entstammt tatsächlich einer eher Retro Haltung man wäre noch ein Empire, so wie die Franzosen momentan auch noch glauben sie wären die „Grande Nation“ statt „kranker Mann“

    Wie auch immer die Briten haben sich keinen gefallen mit dem Brexit getan, die Cousins, in den USA sind ja auch nicht mehr so zuverlässig seit Trump

    Über di Analyse des 2 Weltkriegs reden wir jetzt mal nicht, wäre zu Komplex die Situation aufzudröseln.

  3. Dieser britische Sturkopf treibt bisweilen bizarre Blüten. Ich kann mich noch an den Falklandkrieg erinnern. Okay, die Annektion dieser Inseln durch Argentinien war nicht okay, aber deswegen eine Flotte an den Rand der Antarktis zu schicken? Wegen einiger Inseln mit ein paar Tausend Einwohnern, auf denen man praktisch nur Schafe züchten kann? Da wäre ich doch froh, wenn mir die jemand abnimmt und ich nicht noch Subventionen dahin zahlen muss. Stattdessen fängt man einen Krieg an, der mit den Folgekosten für das Militär die eh schon hohe Verschuldung noch mal um einen zweistelligen Milliardenbetrag hochgetrieben hat.
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    Genau darum beneide ich die Briten dann aber doch, sie haben Prinzipien und lassen ihre Staatsbürger nicht im Stich. Und Invasion bleibt invasion.

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    GB ist mit Abstand die größte Militärmacht in Westeuropa: Atomar bewaffnet auch mit U-Booten, 2 nukleargetriebene Flugzugträger und die Einzige, die auch global jederzeit voll einsatzfähig ist (siehe Irak-Krieg).
    Noch sind sie in der NATO…
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    @Peter

    Das würde ich Pauschal nicht so sagen. Sie liegen insgesamt hinter Frankreich sogar Maritim.

    und nein die neuen Britischen Träger sind nicht Nuklear betrieben.

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    1. Bei den Falklandkrieg ging es nicht (nur) um die Inseln selbst, sondern um den Anspruch auf die Bodenschätze (und möglicherweise auch den Fisch) in den umliegenden Gewässern, und um den Anspruch auf eine Teilmenge der Antarktis.

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