Das Space Shuttle Derived Launch System

Die SLS hatte ja (inoffiziell) die Aufgabe die vielen Beschäftigten des Space Shuttle Programms weiter zu beschäftigen, denn dieses wurde 2005 von Bush eingestellt, 2011 stellte dann Obama das Nachfolgeprogramm mit den Raketen Ares I + V ein, sodass im Prinzip alle die an großen Trägern arbeiteten, nun arbeitslos waren. Das ist auch ein Grund für die Misere der SLS, doch das ist heute nicht mein Thema.

Ich habe mir mal zur Aufgabe gemacht, auszurechnen, wie eine echte „SLS“ aussehen könnte, eine Rakete die nicht Teile des Space Shuttle Programms verwendet, sondern wirklich soweit es geht die Komponenten unverändert übernimmt.

Zur Erklärung: Die SLS-Kernstufe hat den Durchmesser des ET, kann also auf dessen Fabrikationsanlage gefertigt werden, aber ist größer. Es gibt einen neuen Schubrahmen, der vier anstatt drei SSME aufnimmt. Ebenso sind die Booster von 4 auf 5 Segmente verlängert worden.

Meine Idee: Man baut den Schubrahmen aus dem Orbiter aus, bzw., baut ihn nach und setzt ihn einfach an den Boden des Tanks. Oben bekommt der ET noch einen Stufenadapter für die Oberstufe und man wird einige Hilfssysteme aus dem Orbiter verlagern müssen wie z.B. Heliumdruckgasflaschen. Als Strukturfaktor der Kernstufe habe ich den der Kernstufe der SLS genommen, addiert man das Gewicht der einzelnen Systeme, so kommt man auf ein geringes Gewicht, ich nehme an, man ist bei der SLS wieder von der Leichtbauweise des SLWT auf die des früheren Tanks zurückgegangen, dann würde es ziemlich genau passen.

Da diese Kernstufe kleiner als die der SLS ist, habe ich vier Booster vorgesehen, dafür die originalen des Space Shuttle Programms, mit 4 Segmenten, sogar mit der Bergungsausrüstung. (Könnte man weglassen, brächte dann noch etwas Nutzlast).

Problematisch für eine Mondmission und dafür ist die Rakete ja da, ist die Oberstufe. Im Prinzip benötigt man eine neue Oberstufe, für die SLS wird ja auch die EUS entwickelt. Doch wenn man dem Grundsatz treu bleibt, nur Existierendes zu verwenden, dann gibt e eigentlich nur zwei mögliche Oberstufen:

  • Die Delta 4 Erststufe CBC
  • Die Delta 4 Zweitstufe DCSS

Die CBC ist zu schwer, das Optimum würde im Bereich 100 bis 150 t liegen, und hat vor allem eine sehr hohe Trockenmasse von über 26 t. Die DCSS ist dagegen zu leicht, nur 30 t schwer. Die Centaur ist dagegen noch leichter als die DCSS, auch wenn sie etwas bessere technische Werte als diese hat.

Ich habe daher vier Optionen betrachtet:

  • Oberstufe CBC
  • Oberstufe CBC + DCSS
  • Oberstufe 2 x DCSS (nacheinander gezündet)
  • Oberstufe EUS

Hier die Nutzlasten:

Version Nutzlast auf Fluchtgeschwindigkeit
DCSS 35 t
CBC 34 t
CBC + DCSS 40 t
2 x DCSs 39 t
EUS 44 t

Die CBC-Versionen sind nutzlastmäßig unattraktiv, egal ob mit oder ohne DCSS, wenn man bedenkt, das man durch Ersetzen der CBC durch eine zweite DCSS die nahezu gleiche Nutzlast bekommt. Die EUS ist auch nicht so viel besser, als zwei hintereinander geschaltete DCSS. Immerhin erreicht sie die Zielnutzlast der SLS Block 2, und zwar ohne neue Booster und selbst die kleinste Version mit der DCSS würde die SLS mit derselben Oberstufe in der Nutzlast schlagen. Die Nutzlast für ein TLI wäre etwas höher, aber nicht nennenswert. Für hohe Geschwindigkeiten also z.B. zum Mars werden die kleineren Stufen noch etwas aktraktiver.

Die EUS bringt relativ wenig Vorteile, weil sie durch den geringen Schub von 440 kN relativ große Gravitationsverluste hat, das Perigäum liegt bei Brennschluss deutlich über 1.000 km Höhe. Ersetzen der vier RL10 durch ein J-2X würde trotz geringerem spezifischem Impuls die Nutzlast auf etwa 48 t steigern. Rein theoretisch könnte man auch bis zu drei Centaur auf der Kernstufe in einem Dreieck anbringen und so drei Raumsonden gleichzeitig starten, doch da es in der Praxis kein Projekt gibt, das dies erfordert ist das eben nur Theorie. Das parallele Zünden mehrerer kleinen Stufen (wie eben den drei Centaur) habe ich nicht betrachtet, da ich auch keine Umsetzung eines solchen Prinzips bei Oberstufen kenne, es ist wahrscheinlich zu riskant.

Interessant an dem Projekt wäre, das gerade neue Oberstufen für neue Schwerlastraketen, namentlich die OmegA und Vulcan gebaut werden. Diese sind deutlich größer als die DCSS und setzen auch zwei RL10 ein. Leider sind ihre technischen Daten nicht bekannt, sodass eine Simulation noch spekulativer wäre.

Ich denke aber es wäre umsetzbar gewesen. Es wäre eben eine Lösung gewesen, wie sie früher üblich war. Genügte damals eine Rakete nicht mehr den Ansprüchen, dann baute man einfach einige Booster an (Titan, Delta), verdoppelte deren Zahl (Delta) oder wechselte die Oberstufe (Titan) aus.

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