Was wäre aus der Mondforschung ohne Apollo geworden?

Die Frage ist provokativ und spekulativ, weil es kaum vorstellbar ist. Mit Ausnahme der ersten Pioneer Sonden dienten doch auch die Raumsonden der Vorbereitung von Apollo: Ranger zur Erkundung der Technologie und dem Anfertigen von hochauflösenden Aufnahmen bis zum Aufschlag. Surveyor für die Untersuchung der physikalischen Eigenschaften der Mondoberfläche. Lunar Orbiter schließlich zur Kartierung potentieller Landeplätze. Keines dieser Programme, so wage ich zu behaupten wäre in dieser Form ohne Apollo entstanden. Dazu kommt natürlich das Apolloprogramm selbst, mit über 300 kg Mondgestein, Nebenbei wurden dort einige ALSEP Stationen aufgestellt.

Doch das ist nur die eine Seite – dem folgte ein Desinteresse am Mond, das über 2 Jahrzehnte anhielt. Es folgte 1994 die kurze Mission der Technologiesonde Clementine, bei der der Mond eigentlich nur dazu diente Sensoren zu erproben. Wieder fast ein Jahrzehnt Pause und dann die Rückkehr zum Mond mit SMART-1, Kayagua, LRO, Chang’E-1 und Chandrayaan.

Wer die Auflistung durchsieht merkt, dass bis heute die USA wenige Mondsonden nach Apollo gestartet haben. Es sind genau zwei. Dieses Desinteresse ist schon auffällig. Dabei ist der Mond einfach zu erreichen. Es werden keine großen Empfangsantennen benötigt. Das ist sicher auch ein Grund warum China und Indien zuerst mal den Mond ansteuern, bevor sie an Raumsonden zu den Planeten denken.

Wäre ohne Apollo es besser gelaufen? Mehr Sonden, eine kontinuierliche Erforschung. Eventuell sogar Landesonden, Rover, Bodenprobengewinnung? Die Frage ist schwer zu beantworten. doch ich denke nicht.

Warum?

Nun weil der Mond ein PR Problem hat. Er ist langweilig. Er ist kraterüberdeckt, dass kann jeder mit einem 200 Euro Teleskop feststellen. Auch wenn man näher ran geht sieht er prinzipiell nicht anders aus – nur sind die Krater eben kleiner. Es gibt kaum geologisch interessante Formationen. Das ändert sich auch nicht bei der Landung. Die Mondoberfläche sieht eben nach Kraterwüste aus. Bodenproben mögen interessant sein, aber wahrscheinlich spricht der nötige technische Aufwand gegen sie. Sonst gäbe es auch längst Marsbodenproben, denn das ist eigentlich seit 2 Jahrzehnten kein echtes technisches Problem mehr. Es ist nur ziemlich teuer welche zu gewinnen und zur Erde zurückzubringen, weil der Start vom Mars viel Treibstoff erfordert. Anders als vielleicht die Bergung von Kometenmaterie oder von einem Asteroiden. Anders als Laien glauben benötigt man sie auch nicht unbedingt – bei einem atmosphärelosen Körper kann man mit Spektrometern aus dem Orbiter die Zusammensetzung der Oberfläche bestimmen, mit Gammastrahlenspektrometern das Alter und mit anderen Instrumenten bekommt man weitere physikalische Parameter. Natürlich gibt es zahlrieche Details, die man durch chemisch-physikalische Untersuchungen feststellen kann. Die Frage ist nur ob, ohne die Möglichkeit Gestein einfach so mitzunehmen, es die Mittel geben würde für diese Zusatzinformationen eine Mission zu starten, nur um Gesteinsproben zu gewinnen.

Vergleicht man die Mondforschung mit der Venusforschung, so gibt es eine Parallelen: Beide Himmelskörper sind himmelsmechanisch ähnlich anspruchsvoll – geringer Geschwindigkeitsaufwand, kurze Reisezeiten. Weiterhin sind beide geologisch tot – oder zumindest ist es extrem schwierig festzustellen ob die Venus noch aktiv ist. Bei der Venus its das durchaus nicht sicher, aber ihre dichte, heiße Atmosphäre sorgt dafür, dass Lander recht kurzlebig sind und aus dem Orbit nur die Atmosphäre oder die Oberfläche mit Radar aufgenommen werden kann.

Wie viel einfacher hat man es doch mit dem Mars – aktive Vulkane, tiefe tektonisch gebildete Gräben, Wasser, früher sogar mal in flüssiger Form, man kann über Marsleben (zumindest in der Vergangenheit) spekulieren. Leicht aus dem Orbit und vom Boden aus erforschbar, moderte Temperaturen und eine Atmosphäre die zumindest aerodynamisch gesteuerte Landungen ermöglicht.

Die USA haben in 50 Jahren genau vier Missionen zur Venus gestartet: Mariner 1+2,5, Pioneer Venus und Magellan.

Daher mein Resümee: Aufgrund der Ähnlichkeiten zum Mond, (haut einfach keinen vom Hocker) wäre ohne Apollo auch nicht mehr Mondforschung betrieben worden. Zumal LRO als einzige anspruchsvolle Mission der USA ja schon zum nächsten Mondprogramm (Constellation) gehört.

Natürlich wäre mir persönlich ein anderer Verlauf lieber: Mehr Raumsonden zum Mond, aber auch zur Venus, vielleicht spart man dafür ein 2 Milliarden Dollar teures Marslabor ein. Doch leider läuft Raumfahrt nicht so. Ginge es rein rational zu, so würde vieles anders laufen….

Inzwischen habe ich mein Manuskript für Skylab einmal durchgelesen. Ich bin ganz zufrieden. Ich denke es wird ein ganz gutes Buch. Gibt es denn eigentlich nicht noch jemand der Korrekturleser werden will? So wies aussieht habe ich da gerade ein kleines Problem. Lukas kann nicht. Kevin und Thomas scheinen ziemlich eingespannt zu sein. Ich habe zwar noch drei Bewerbungen vorliegen, aber mit einem habe ich mich wohl durch meinen BWL Kommentar verscherzt und die beiden anderen haben schon Defizite eingeräumt. Zwei Korrekturleser hätte ich aber gerne pro Buch.

2 thoughts on “Was wäre aus der Mondforschung ohne Apollo geworden?

  1. Jesco von Puttkamer behauptet in seinem Buch „Abenteuer Apollo 11“, dass sowohl Ranger als auch Surveyor ursprünglich nur für wissenschaftliche Zwecke gedacht waren, dann aber für Apollo abgeändert wurden. Ich konnte allerdings keine weitere Quelle dafür finden.

  2. Bei Ranger stimmt das. Das Projekt ist deutlich jünger als Apollo. Es wäre wohl nicht geändert worden, wenn die ersten Sonden nicht so versagt hätten. Spätere Sonden sollten nur ganz einfach sein und das einfachste und für Apollo auch nützliche waren Videoaufnahmen bis zum Aufschlag.

    Bei Surveyor ist es so, dass es Pläne für Mondlandesonden schon längere Zeit gab. Durch die Verzögerung bei der Entwicklung der Atlas-Centaur waren die wesentlich früher geplanten Sonden aber nicht startbar. Surveyor kam so spät, dass es im wesentlichen nur noch als Vorbereitungsprogramm diente. Mit den ursprünglich geplanten ambitionierten unbemannten Sonden (die unter anderem auch einen Rover enthielten) hatte es nichts mehr zu tun.

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