Sputnik V

Russland hat seinen neuen Impfstoff gegen Covid-19 „Sputnik V“ getauft. Da kommen mir als Raumfahrtkenner natürlich sofort Assoziationen auf. Nur die ersten drei Sputniks waren Erdsatelliten, danach nutzte die UdSSR die Bezeichnung als Tarnung, um zum einen Tests des Wostok-Raumschiffs zu verschleiern, zum anderen erhielten Raumsonden die im Erdorbit verblieben, eine Tarnbezeichnung aus dem Sputnikprogramm. Später erhielten alle Erdsatelliten die Bezeichnung „Kosmos“ und dieses Programm war dann für die Tarnung von Tests und Misserfolgen zuständig. Ich habe mal nachgeschaut und der Sputnik 5 (5 für das römische V für fünf) war die letzte Vorbereitungsmission am 25.3.1961 vor Gagarins Flug. Die Wostok hatte einen „Mannequin“ und den Hund Sewsdotschka an Bord. Das „V“ bei Sputnik V steht aber für Virus oder Vacin, je nach Lesung. Man kritisiert das Russland die dritte Testphase für einen Impfstoff, bei dem man die Verträglichkeit bei einer großen Personengruppe überprüft, weglässt. Nun ich denke genau das macht man nicht. Denn der Impfstoff wird ja zuerst an dem medizinischen Personal und den Lehrern in Russland eingesetzt, man könnte auch sagen erprobt, denn die haben als beim Staat Angestellte kaum eine Wahl, außer es wäre eben kein zugelassener Impfstoff …

Wenn er sich als wirksam und verträglich erweist, hat Russland einen Vorsprung und einen Impfstoff, wenn nicht … Nun ja Menschenleben zählen in Russland nicht viel, sonst hätten sie viel eher auf die Pandemie reagiert, denn als bei uns schon die Fallzahlen rapide anstiegen gab es in Russland keine Fälle, man hätte sich also wappnen können. Das hat man nicht und so hat Russland nun (16.8.2020) Platz 4 weltweit inne (Deutschland Platz 20) mit mehr als viermal so vielen Infektionen wie Deutschland. Allerdings nichts gegen die reichste Nation weltweit, die USA. Aber gut Trump sagte ja er wollte „Anmerica great again“ machen, das gilt eben auch bei den Covid-19 Infektionen, dabei hatten die USA als ich im März zum ersten Mal auf die Seite der John Hopkins Uni ging, noch weniger als Deutschland, jetzt 20-mal so viel…

Aber Russland kritisieren ist leicht und wenn dann sollte man auch auf die Versäumnisse der deutschen Politik aufarbeiten und da gibt es einige. Nachdem man zuerst auch hier die Gefahr unterschätzt hatte und erst reagierte, als die Fallzahlen rapide anstiegen – geschweige denn das man auf so was vorbereitet wäre und die notwendige Ausrüstung vorrätig gehabt hätte – hat man die Epidemie doch in den Griff bekommen. Seitdem wurde gelockert und was nun passierte war vorhersehbar. Die Maßnahmen zur Verbreitung des Virus stehen auf zwei Säulen. Das eine ist die Reduktion des Ansteckungsrisikos durch Abstand, Mund/Nasenschutz. Das Zweite ist die Isolation von Infizierten und die Verfolgung von Herden durch Quarantäne und Einschränkung der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit. Das betraf die Anzahl der Personen, die sich an einem Fleck treffen dürfen – bis hinab zu zwei ganz am Anfang aber auch die Einstellung aller Reisen. Das man das Letztere nun einfach so aufgab, weil die Ziele der Urlauber kleine Fallzahlen haben, finde ich völlig unverständlich. Den es geht nicht um die Fallzahlen auf den Balearen oder woanders. Es geht schlicht und einfach darum, wie viele Kontakte man hat. Wie viele verschiedenen Menschen begegnet man normalerweise im täglichen Leben, wenn man eben nicht gerade ein Konzert oder Fußballspiel besuchen kann – einer überschaubaren Zahl der meist immer gleichen Personen: Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Vereinsmitgliedern. Die einzig wechselnden Menschen sind die, die man im öffentlichen Verkehr oder beim Einkauf begegnet und daher auch die Nichtaufhebung des Abstandsgebots und Schutzmaskenpflicht. Doch wie vielen begegnet man im Urlaub im Hotel, beim Schlendern durch den Basar, am Strand oder bei Besichtigungen? Vor allem kommen die Urlauber von überall her auch von Gegenden, wo die Fallzahlen größer sind. Das ist das Problem und deswegen sind die Fallzahlen in den Urlaubsregionen so schnell angestiegen. Es sieht so aus, als hätte man nichts aus Ischgl gelernt, wo ein infizierter Barmann für Tausende von Infektionen sorgte, weil die Urlauber bei der Rückkehr natürlich das Virus weiterverbreiteten.

Meine Meinung: man hätte die Reisebeschränkung für private Reisen weiter in Kraft lassen sollen, solange bis man wirklich einen Impfstoff hat. Das trifft viele Leute hart, aber ein zweiter Lockdown wäre noch verheerender. Viele Unternehmen haben ihre Reserven schon beim ersten Lockdown verbraucht, auch die Bundesregierung kann nicht einfach noch mal die 750 Milliarden einfach so aus dem Ärmel schütteln. Ein Jahr lang keinen Urlaub im Ausland machen ist für viele sicher hart, aber den Arbeitsplatz zu verlieren ist noch härter. Und es heißt ja nicht das man keinen Urlaub machen kann, auch Deutschland hat schöne Ecken und unsere Tourismusbranche hat auch große Umsatzeinbußen erlitten.

Wenn man die Reisefreiheit wieder in Kraft setzt, dann hätte man das anders organisieren sollen. Anstatt Tests bei Wiederankunft, wie derzeit (wo sogar noch diskutiert wird, ob die kostenlos sein sollen oder nicht) hätte es verbindende Tests vor der Einreise ins Urlaubsgebiet geben müssen, das heißt ohne aktuellen Test kommt man nicht ins Urlaubsland. Das hätte von den Urlaubsländern und nicht Deutschland ausgehen müssen, denn so sind auch die erfasst die aus Ländern kommen in denen es noch größere Fallzahlen gibt. Ganz neu ist der Gedanke nicht, denn als nach der Epidemie bei Tönnies der ganze Landkreis Gütersloh gesperrt wurde, konnten die die trotzdem verreisen wollten sich testen lassen und die Zielgebiete in Deutschland akzeptierten dann diese Urlauber mit aktuellem Testresultat. Man weiß also, wie es geht, warum setzt man es nicht um? Weil man noch größere Umsatzeinbußen in der Tourismusbranche befürchtet, aber die gibt es jetzt in noch größerem Maße in Spanien, wenn praktisch das ganze Land von England und Deutschland, welche die meisten Touristen stallen zum Risikogebiet erklärt wurde.

Meine Erklärung: man hat sich zu sehe an das Virus gewöhnt, die Fallzahlen sind in den niedrigen Bereich einiger Hundert pro Tag gesunken, in der Spitze waren es mal über 6.000 pro Tag. So lassen auch der Mund-/Nasenschutz und das Abstandhalten im Alltag nach. Aber wie sagte Spahn schon richtig: „Das Virus macht keine Ferien“.

Kleine Nebenbemerkung: Die ominöse Ziffer „50 Infizierte pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen“ ist so ziemlich die Grenze des Gesundheitssystems und zugleich in etwa das Maximum, was bei uns erreicht wurde. Dazu muss man die 50 erst mal mit 830 multiplizieren, um auf die Einwohnerzahl der Bundesrepublik zu kommen und dann durch 7 teilen, weil es ein 7-Tages-Durchschnitt ist, man kommt dann auf 5.928 Fälle pro Tag in der BRD. Diese Grenze sollte man also nicht ausreizen.

Das die Politik irgendwie das Virus aus dem Blick verloren hat zeigt auch der Schulanfang. Es scheint so als hätte kein Bundesland ein tragfähiges Konzept für einen Dauerunterricht unter den Covid-19 Einschränkungen erarbeitet, geschweige denn die Maßnahmen ergriffen, die man braucht. Und nun, welche Überraschung, beginnen nach den Sommerferien die Schule wieder und Meck-Pom muss nach wenigen Tagen schon wieder Schulen schließen.

7 thoughts on “Sputnik V

  1. Das nächste Problem sind die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Natürlich ohne die einfachsten Schutzmaßnahmen einzuhalten. Was wird dadurch erreicht? Wenn durch diesen Unfug die Infektionszahlen wieder steigen, zwingt man die Regierung geradezu, die Maßnahmen noch zu verschärfen. Also gerade das Gegenteil von dem, was man erreichen will.
    Mal wieder das alte Prinzip: Am meisten wird einer Sache von den übereifrigen Anhängern geschadet, nicht von den Gegnern.

    1. Na ja, in der Welt der „Querdenker“ gibt es ja kein Virus und somit auch nichts, was durch die Demonstrationen verschlimmert wird. Dagegen etwas tun kann ja quasi nur die Bevölkerung, in dem man seine Freunde und Bekannte mit solchem Gedankengut versucht mit den Fakten vertraut zu machen.

      1. In der Welt der Querdenker gibt es sehr wohl den Virus, nur wird er ins Verhältnis gesetzt zu den anderen Gefahren des Lebens, wie Bluthochdruck, Straßenverkehr, Rauschen und multiresistente Krankenhauskeime. Auch werden aktuell positiv getestete ins Verhältnis zur Bevölkerung gesetzt. Vielfach wird auch die freihändige Vergabe von Mrd an Großunternehmen im Gegensatz zur Vernachlässigung von Kleinbetrieben und Soloselbstständigen kritisiert.

  2. Wirksamer wäre es wohl, Verschwörungstheorien mit einer anderen Verschwörungstheorie zu bekämpfen. Wie wäre es mit dieser:

    Der großartigste Trump aller Zeiten (der weder groß noch artig ist) hat ja bei der Pandemie recht gewaltig versagt. Da es in seiner Welt kein eigenes Versagen gibt, sucht er krampfhaft nach einer Möglichkeit das unter den Teppich zu kehren. Die Zahlen im eigenen Land kann er nicht verbessern, also versucht er in anderen Landern eine Verschlechterung zu erreichen. So nach dem Kleinkinderprinzip „die anderen sind ja auch nicht besser“. Dazu lässt er vom CIA in anderen Ländern Verschwörungstheorien in Umlauf bringen, die eine Sabotage der dort geltenden Maßnahmen bewirken sollen. Und selbst intelligente Leute fallen darauf rein.

    Wobei das leicht nach hinten losgehen kann, wenn diese Verschwörungstheorien in sein eigenes Land zurückschwappen…

  3. Was mir so gar nicht in den Kopf will ist, wie dumm bzw. blöd manche Menschen sein können. Beispiel einer meiner Kollegin:

    Ihr Schwager war an Covid-19 erkrankt und hat prompt bei einem Klinikbesuch seine Frau (die Schwester meiner Kollegin) infiziert; sie war krebskrank, hat grade schwer an ihrer dritten Chemo laboriert und ist dann recht schnell an Covid-19 gestorben, 4 Wochen danach der Schwager. Meine Kollegin ist ein sehr familiärer Mensch und war dadurch tief getroffen und am Boden zerstört.

    Jetzt, zwei Monate nach der Doppel-Beerdigung fährt sie mit verschiedenen Freundesgruppen für ein Wanderwochenende in die Berge und übernachtet zu zwölft in einem Matratzenlager. Danach, in der Kantine, werden die weit auseinanderstehenden Stühle zusammengestellt, damit man zu mehreren eng zusammen zu Tisch sitzen kann.

    Wie nah müssen denn die Einschläge noch kommen bevor die Leute die allereinfachsten Grundregeln befolgen?

  4. Solche Leute halten die Abstandsregeln wohl erst bei ihrer eigenen Beerdigung ein. Die Friedhöfe sind voll mit Gräbern von Leuten, die sich für unsterblich halten.

  5. Ich kann die Angst und Betroffenheit gut verstehen, besonders wenn Zahlen positiv getesteter mit der Anzahl kranker Menschen gleichgesetzt wird, oder diese Zahl ohne Relation zu durchgeführten Tests. Ich habe heute gelesen, dass die Fallzahlen wieder so hoch sind wie ende April, dass dafür dann 2,5 mal soviel Test augewertet wurden bleibt aussen vor. Aus diesen Zahlen eine Abschätzung des Risikos vorzunehmen ist schwer. Immerhin sind 280 Intensivbetten von 30.000 mit Covid19 erkrankten belegt. Natürlich ist es im Urlaub gefährlich, allerdings auch im Urlaub in Bayern wo es höhere „Fallzahlen“ gibt als auf Mallorca, oder zu hause, wo es tödliche Unfälle gibt. Natürlich ist auch der Wunsch auszugehen bei den Bewohnern von 1 Zimmer Wohnungen ausgeprägter als bei den Hausbesitzern.

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