Die Juninachlese 2021 zu SpaceX

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Die Nachlese ist diesmal recht kurz, denn so viel neues gab es nicht. Also Neues in dem Sinne das es „neu“ ist, nicht das keine Starts stattfanden, denn ich kommentiere ja auch woanders nicht jeden Start. Für die erfolgten Starts eine kleine Nachlese. Es gab im Mai nur Starlink Starts, vier an der Zahl. Einer liefert weitere Hinweise auf die echte Performance der Falcon 9, den Starlink 1-26 hatte noch einen Radarsatelliten an Bord. Er führte direkt in den hohen Orbit (569 x 581 km) anstatt bisher im 260 x 284 km Orbit. Die 171 m/s Differenz zwischen beiden Orbits, führt schon zur Abnahme der Nutzlast von 15,6 auf 13,7 t. Das ist überproportional, denn würde der reklamierte spezifische Impuls des Merlin Vac (348 s) gelten, würde dies nur 5 % Nutzlastabnahme entsprechen.

Im Juni gibt es mehr Diversität mit anderen Starts und mit der inzwischen erfolgten CRS-22 Starts transportiert die Dragon fast so viel Fracht, wie die Antares – nur das die dreimal leichter ist. Dafür ist sie wiederverwendbar, auch wenn das der NASA nichts nützt, denn SpaceX ist der teuerste CRS-Anbieter. Die einzige Neuigkeit resultiert daraus. Es wurden weitere Weltraumtourismusflüge mit Axiom Space angekündigt, jetzt insgesamt vier Missionen. Sowohl zur ISS wie auch unabhängig davon. Die NASA hat daher auch ihre Preise für Leistungen deutlich angehoben, sie sollen nun „kostendeckend“ sein. Auch Russland scheint nun auf Weltraumtourismus zu setzen. Denn es gab zuerst die Ankündigung Russlands Schauspielerinnen mitzunehmen, eine der Kandidaten wäre 26, würde sie starten wäre sie die jüngste Frau (soweit ich weiß auch bei Männern), die jemals ins All startet. Der aktuelle Rekord wird seit fast 40 Jahren von Sally Ride mit 32 Jahren gehalten. Dann hat die NASA einen freien Platz, den man für Russland reserviert hat, mit einem US-Astronauten besetzt.

Interessant bei allen Missionen finde ich das die Dragon mal mit sieben Sitzplätzen angekündigt wurde, es gab auch Bilder von Mockups mit sieben Liegen. Gerade bei solchen Touristikflügen, die nur zur ISS gehen, dachte ich, sollten NASA-Restriktionen, die nicht mehr als vier Astronauten starten sollten, nicht gelten, aber nach wie vor starten auch bei den Touristikflügen nur drei Passagiere mit einem professionellen Astronauten. Bei sechs zahlenden Passagieren würde sich der Ticketpreis doch halbieren. Für die kurze Zeit von und zur ISS wäre die Enge doch erträglich.

Aber es gab keine Neuigkeiten von dem Starship, also seit dem ersten Test, bei dem der Prototyp eine große Höhe erreicht hat, ist er nicht mehr bei oder nach der Landung explodiert. Dokumente für die FAA lassen den Schluss zu, das man zwischen Ende Juni und Dezember den ersten orbitalen Test anstrebt, wobei bei dem es keine Landung gibt. So scheint diese Testphase beendet zu sein – offenbar meint man bei SpaceX, dass eine erfolgreiche Landung reicht, um alle Fehler die dort auftreten können festzustellen. Auch von Starlink hört man außer den Starts nichts mehr. Inzwischen sind so viele Satelliten im Orbit, dass das Netz betriebsbereit wäre. Aber hört man etwas von tollen Datenraten über Starlink, Meldungen über einen enormen Zulauf an Kunden? Immerhin eine Neuigkeit gibt es, obwohl auch erst im Juni erschienen: Zumindest die US Air Force glaubt an den Erfolg des Starships und untersucht schon den Einsatz um Fracht schnell über den Globus zu befördern. Das muss wohl einer der nassen Militärträume sein und ich nehme an das kann man in einigen Jahren in die Liste der skurrilen Projekte einordnen, für das das Militär viel Geld verballert hat – anders als bei anderen Budgets gibt es beim US-Militär problemlos Milliarden für die wahnwitzigsten und unsinnigsten Projekte und Wirtschaftlichkeit ist bei ihnen kein Thema (2011, als sie noch in Afghanistan waren, gaben sie mehr Geld für Klimatisierung von provisorischen Bauten aus, als das Budget der NASA betrug. Das Wärmedämmen hätte nur einen Bruchteil dessen gekostet. Schade das auf dem Mond keine russische Militärbasis ist, sonst hätten wären die USA schon längst wieder dort gelandet und hätten mit Sicherheit dort Soldaten stationiert.

Vor allem fehlen eben die vollmundigen Ankündigungen von Musk. Das liegt wohl daran, dass er inzwischen erkannt hat, das er viel schneller reich werden kann, wenn er seinen Einfluss bei Bitcoins nutzt. Meiner Ansicht geht es darum ja bei seinen Firmen. Es geht darum, seinen Reichtum zu vergrößern. Das geht bei Tesla und SpaceX über die Erhöhung des Firmenwerts – bei Tesla durch den Börsenkurs, den er in der Vergangenheit mehrfach manipuliert hat und dabei auch ins Visir der Börsenaufsicht geriet. Bei SpaceX, indem der Preis für einen Anteil steigt, den Investoren bei einer der Runden zahlen müssen bei denen er bzw. die Erstinvestoren Anteile verkaufen, um Geld für die Entwicklung von Starlink und Starship lockerzumachen. Bei beiden Firmen ist der Firmenwert enorm hoch. Dieser fiktive Wert ist nicht rechtfertigbar mit wirtschaftlichen Kenngrößen wie Wertschöpfung, Umsatz oder Mitarbeiterzahl. Es geht um Spekulation und die kann auch schiefgehen wie man bei Wirecard sehen kann.

Musk hat inzwischen erkannt, dass man mit Bitcoins viel schneller Kasse machen kann. Innerhalb eines Monats hat er den Bitcoin-Kurs halbiert. Zuerst kündigte Tesla an, keine Bitcoins als Zahlung für Autos mehr zu akzeptieren. Hat man das einige Monate lang getan, die nicht sofort umgetauscht, sondern erst vor der Ankündigung, dann hat man damit Kasse gemacht den der Kurs stieg im letzten Jahr rapide an. Dann hat Musk selbst nochmals den Kurs absacken lassen, weil ihm plötzlich aufgefallen wird, das für das Erzeugen dieser Kryptowährung enorm viel Energie verbraucht wird und das vielleicht nicht zu seinem Renommee als Klimaretter passt. Nebenher hat er auch den Kurs der Kryptowährung Dogecoin erhöht – angeblich ein Irrtum.

Ich hoffe er bleibt dabei, dann werden vielleicht auch die SpaceX Fans mal wieder etwas ruhiger.

Ich will Musks zweite Firma Tesla hier nicht groß zum Thema machen, denn außer das es um Geld verdienen geht hat sie doch wenig mit SpaceX zu tun, baut eben Elektroautos, wie zig andere Firmen auch. Aber ich habe eine Dokumentation gesehen, die sich um den Bau der Gigafactory in Brandenburg dreht. Es geht dabei nur am Rand um Musk, meist um Tesla, vor allem aber über die Regierung in Brandenburg, die sich über eigene Institute hinwegsetzt und eine Fabrik mit einem enormen Wasserverbrauch in einem Trinkwasserschutzgebiet genehmigt. Selten habe ich mich für einen grünen Umweltminister so geschämt wie über Axel Vogel. Denn so was sollte nicht genehmigt werden. Nach dem Bericht ist die Fabrik auch nicht genehmigt (wobei er schon einige Monate alt ist, die illegal installierten Abwasserröhren werden z.B. nicht erwähnt) sondern während noch geprüft wird, gibt es eine provisorische Baugenehmigung nach der nächsten. Als ich das hörte, fragte ich mich willkürlich, ob wir inzwischen für große Konzerne zur Bananenrepublik verkommen. Im Prinzip schafft doch eine provisorische Baugenehmigung Fakten. Am Anfang schon durch Abholzen des Waldes. Was bitte will man in Brandenburg machen, wenn die Fabrik fertig ist oder fast fertig und die „endgültige“ Prüfung fällt negativ aus? Wieder abreißen? Wohl kaum! Vor allem: jeder der privat oder durch einen Träger ein Haus baut, muss vorher alles genehmigen lassen, erst dann darf er anfangen. Da gibt es auch keine vorläufige Genehmigung, geschweige denn mehrere.

Den Charakter Musks sieht man an zwei Episoden im Film. Während er als Technik-Guru gefiert wird, ist er bei dieser Fabrik, in der immerhin Milliarden Investitionen stecken sehr uninformiert. Er meint, dass sie in Berlin gebaut wird – also ob es in einer Großstadt ein so großes freies Gelände gäbe – ich nehme an die Fabrik in Schanghai wird auch nicht in der Stadt Schanghai, sondern der Provinz Schanghai liegen. Dann weiß er nichts über die Wasserproblematik, oder das, was er von sich gibt, ist ziemlicher Unsinn. Dann will er den Deal platzen lassen, weil die Fabrik in Brandenburg liegt und natürlich die gesamte Regierung ihn so hofiert, weil damit Brandenburg gut dasteht und besteht auf dem Namen „Giga Berlin“, denn er dann auch trotz Absprachen verwendet. Wegen eines Namens soll es scheitern? So reagieren meiner Ansicht nach nicht fähige Manager.

Hier der Link zum Video in der Mediathek. Interessant auch, weil ich denke, dass viele Aspekte, wie die Arbeitsbedingungen bei Tesla oder die Ablehnung von Gewerkschaften sich auf SpaceX übertragen lassen.

Soviel für heute, also wenn es weiter nichts Neues mehr von SpaceX gibt, lasse ich die nächste(n) Nachlesen ausfallen, bis es sich wieder lohnt, aber wer weiß, vielleicht gab es bis Anfang Juli den ersten orbitalen Startversuch der BFR.

Ach ja, kennt ihr eigentlich einen Unterschied von Jeff Bezos und Elon Musk? Bezos wird mit an Bord beim ersten bemannten Flug der New Shepard am 12.7.2020 sein. Elon Musk ist bisher auf keinem der Flüge einer Dragon gebucht.

7 thoughts on “Die Juninachlese 2021 zu SpaceX

  1. Ubrigens, wenn da jetzt alle von dem Bezos Flug reden (mittlerweile hatt sich auch Bronson gemeldet das er noch fruher, am 4 July, fliegen will!) habe ich mich gefragt, ob die New Sheppard eine zweite Stuffe tragen konnte und wenn ja, was ware ihrer Meinung nach die maximale LEO Nutzlast?

    1. Lohnt sich nicht. Zwar ist die Masse unbekannt aber nach Englisher Wikipedia hat das Triebwerk 490 kN Schub und brennt 110 s lang. Bei einem angenommenen mittleren spezifischen Impuls von 4.000 kommt man u1f 13,75 t Treibstoff. Das Vehikel dürfte auch sehr schwer sein, denn es erreicht ja gerade mal 100 km Höhe wofür 1.600 m/s endgeschwindigkeit ausreichen. Eine hypothetische zweite Stufe müsste also rund 8.000 m/s (mit Aufstiegs Verlusten) aufbringen und dürfte nicht schwer sein. Die Nutzlast dürfte gleich Null sein.

  2. Mein heutiger Kommentar bezieht sich auf den Satz: „denn ich kommentiere ja auch woanders nicht jeden Start.“

    Jeden Start zu kommentieren wäre sicherlich übertrieben, die bisherigen 19 Starts in einer Jahreshälfte für eine Rakete, die über 5 Tonnen Nutzlast in GTO bringen kann ist was Anderes, so was gab es noch nie, oder? Ja, Sojus flog früher sehr oft, die ist aber wesentlich kleiner als Falcon 9. Die amerikanischen Raketen die früher öfter geflogen sind, waren auch allesamt kleiner. Saturn V war viel grösser, die flog aber nicht so oft.

    Darüber hinaus, manchmal kommentierst Du Bernd schon woanders Starts. Beispielsweise am 4.September 2020 in „Die Augustnachlese von SpaceX“ hast Du folgendes geschrieben: „Allmählich kommt auch überall wieder Normalität in den Startkalender, so starteten auch innerhalb weniger Tage Ariane 5 mit drei und die Vega mit 53 Satelliten. “ Das nehme ich zum Anlass anzuschauen, wie die Normalität im Jahre 2021 (bis heute 18. Juni.2021) bzgl. Startkalender aussieht. Bisher hatten wir im Jahr 2021:

    19 Falcon 9 Starts
    1 Vega Start
    0 Ariane 5 Starts
    Vielleicht noch zum Vergleich:
    8 Sojus Starts
    Ich möchte hier aus Zeit- und Platzgründen keine weitgehende Analyse betreiben, einen Aspekt möchte ich aber hervorheben. Der Aufbau der Satellitenkonstellationen macht gut ein Drittel der Sojus Startrate und gut zwei Drittel der Falcon 9 Startrate aus. Die Tatsache, dass Arianespace aktuell relativ wenige Starts durchführt (für Ariane 5 ca. die Hälfte der früher (2014-2018) üblichen 6 bis 7 Starts pro Jahr) ist u.a. auch dadurch verursacht, dass Arianespace aktuell über keine Raketen verfügt, die bzgl. Preis/Leistung für den Aufbau einer Satellitenkonstellation in GEO geeignet sind.

    Wenn man sich das bewusst macht wird klar, wie hervorragend im Vergleich die Falcon 9 für den heutigen Bedarf ausgerichtet ist. Die meisten Starts dieser Rakete werden aktuell für den Aufbau von Starlink verwendet. Dazu kommen die Flüge zur ISS (bemannt und unbemannt), Flüge in den GTO-Orbit mit kommerziellen Satelliten, teilweise werden mehr als hundert kleine Satelliten im Rahmen einer Rideshare Mission in LEO gestartet usw. Dazu kommt noch ein Navigationssatellit. Das alles mit einem einzigen Raketentyp. Sehr beeindruckend wie ich finde. Hier kann eigentlich fast jeder schnell erkennen, wie gut Falcon 9 für den heutigen Bedarf ausgerichtet ist.

    Was Ariane 5 betrifft, die zweite Jahreshälfte 2021 wird besser, es werden voraussichtlich insgesamt drei Starts 2021 zusammenkommen. Das scheint die neue Normalität zumindest für die Jahre 2020 und 2021 zu sein. Früher waren es meistens Doppel so viel. Ob die drei Starts reichen, um die Fixkosten zu tragen? Ich befürchte nicht, vor allem wenn man bedenkt, dass Arianespace die Preise für Ariane 5 Starts stark senken musste, um mit SpaceX mithalten zu können. Hoffentlich wird Ariane 6 besser für den zukünftigen Bedarf ausgerichtet. SpaceX hat mit Falcon 9 die Messlatte sehr hoch gelegt.

    1. Einen Satz nennst Du einen Kommentar?

      Wie üblich verdrehst Du die Tatsachen. Arianespace verfügt sehr wohl über Raketen die für eine Satellitenkonstellation in GEO geeignet sind. Nur plant niemand eine solche. Oneweb hat einen Vertrag über die Sojus abgeschlossen, weil für LEO eine Ariane 5 viel zu groß wäre.

      1. Ja, ich habe tatsächlich an der Stelle aus Versehen statt LEO GEO geschrieben. Der Satz sollte also lauten „Die Tatsache, dass Arianespace aktuell relativ wenige Starts durchführt (für Ariane 5 ca. die Hälfte der früher (2014-2018) üblichen 6 bis 7 Starts pro Jahr) ist u.a. auch dadurch verursacht, dass Arianespace aktuell über keine Raketen verfügt, die bzgl. Preis/Leistung für den Aufbau einer Satellitenkonstellation in LEO geeignet sind.“

        Wen man diese Korrektur berücksichtigt bist Du mit dem was ich geschrieben habe einverstanden?

        1. Nö, weil es ganz andere Gründe für die wenigen Starts gibt. Die gleichen warum auch Automobilhersteller derzeit ihre werke schließen. Wenn es keine startbaren Satelliten gibt, weil deren Bau verzögert ist, kann man keine starten.

          Ich weiß nicht warum Du auf der Leo-Konstellation herumreitest. Es gibt ja außer Starsem (an dem auch Arianespace beteiligt ist) ja keinen LSP weltweit der ein anderes LEO-Netz aufbaut. Es sind viele geplant aber aus der Iridiumpleite haben die firmen etwas gelernt. Sie lassen erst mal Oneweb und SpaceX vorpreschen und wenn sie tatsächlich gewinne einfahren kann man immer noch nachziehen. Und selbst Oneweb stand ja schon vor der Pleite.

  3. Es tut mir Leid, habe leider aus Versehen zwei Beiträge gespeichert. Könntest Du den Beitrag Nr. 2 (18. Juni 2021 um 21:28 Uhr) löschen? Der ist doppelt und teilweise fehlerhaft. Sorry…

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