Die Julinachlese von SpaceX

 9,005 total views,  2 views today

Anders als im letzten Monat gibt es doch etwas neues – und zwar eine Zahl, auf die wir lange gewartet haben und sie lautet 22. Das Thema „Lohnt sich Wiederverwendung (ökonomisch)?“ ist ja emotionsgeladen wird mit teilweise sehr polarisierten Meinungen geführt, die im einen extrem davon ausgehen, dass es sich nicht lohnt und SpaceX Starts an Kunden, die die freie Auswahl haben, quersubventioniert durch hohe Startkosten für NASA, DoD und NRO und dem anderen Extrem, das alle anderen Hersteller von Raketen nur unfähig seien ihre Raketen wiederzuwenden und es sich natürlich lohne.

Bisher gab es keine Zahlen um den einen oder anderen Gesichtspunkt zu belegen, es gab aber andere Tatsachen. So das man die Wiederverwendung ja probiert hat – operationell beim Space Shuttle und mehrmals zumindest einmal erprobt oder konzeptionell durchgespielt bei verschiedenen Trägern. Dabei kam man zu dem Schluss, dass es sich in den durchgespielten Fälle mangelnde Faktenlage nicht lohnt.

Nun hat sich dies geändert, und zwar durch Änderung eines Kontraktes. SpaceX bekam im Dezember 2018 den Auftrag drei GPS Block III Satelliten (SV-04 bis 06) zu starten. Dieser Kontrakt hat einen Umfang von 290,5 Millionen Dollar oder 96,8 Millionen pro Start. Bisher bestand das DoD immer darauf, eine neue Rakete für jeden Start zu haben. Darauf hat sie nun verzichtet und SpaceX lässt 64 Millionen Dollar beim Startpreis nach. 64 Millionen Nachlass von 290,5 sind 22 Prozent. Um so viel wird die Wiederverwendung billiger.

Bevor nun einer gleich ins Kommentarfeld navigiert – nein man kann nicht die 64 Millionen Dollar Nachlass durch drei teilen und damit im Allgemeinen die Ersparnis bei jedem Start feststellen (rund 21 Millionen Dollar). Zu berücksichtigen ist, das Starts für alle Regierungsbehörden immer teurer sind, nicht nur bei SpaceX. Sie führen so viel Bürokratie ein, verlangen so viel mehr Nachweise, dass deutliche Mehrkosten entstehen. Ein Beispiel aus der Frühzeit der Kommerzialisierung der US-Träger. 1991 gab General Dynamics an, das ein Startvertrag für SES (Eutelsat 91) Seiten lang wäre, der für den Start von GOES-K mit der NASA dagegen 4.150 Seiten umfasste. Das sagt alles.

Entsprechend wird das DoD auch die Bergung verteuern, eine naheliegende Annahme ist aber das dies proportional zu anderen Aspekten des Starts ist und man so den Preisabschlag prozentual ermitteln kann. Weiterhin ist es ja so, das sonst SpaceX bei allen anderen Starts – auch für die NASA – schon gebrauchte Raketen einsetzen kann. Die kann man aber nicht unendlich oft starten – nach SpaceX eigenen Angaben rechnen sie mit 10-maliger Verwendung, wollen das Limit aber bei Starlink Starts auch praktisch erproben. Eine Landung scheiterte schon, weil ein Triebwerk schon beim Aufstieg ausfiel – da war es noch kompostierbar und diese stufe flog nur achtmal. Dieses Jahr musste SpaceX zum ersten Mal seit Langem eine erste Stufe neu produzieren, die Forderung des DoD nach neuen Erststufen hätte also SpaceX diese Produktion gespart. Damit sinkt aber auch die Gewinnspanne durch Verwendung einer gebrauchten Stufe, da man so die Stufe später herstellen muss.

Vor allem muss man bei einer echten Wirtschaftlichkeitsrechnung die Nutzlastabnahme entgegenrechnen. Angaben von Koenigsberg bedeutet eine Bergung auf See bei GTO Starts eine Abnahme der Nutzlast von 6,5 auf 5,5 t. Bei der Landung an Land wegen der Umkehrung der Aufstiegsbahn sind es sogar nur 3,5 t. Das sind die Verluste der heutigen Falcon 9 die auf Wiederverwendung ausgerichtet ist. Auf der Website findet man dagegen höhere Werte für die Nutzlast, für GTO 8,3 t. Wenn ich annehme, das selbst bei SpaceX man sich nicht einfach Werte ausdenkt, ist die für mich schlüssigste Erklärung das man die Falcon 9 mal so auslegte da,s sie diese Nutzlast hatte. Lange bevor die Wiederverwendung startete, gab es ja von Elon Musk Angaben von Strukturfaktoren (30 für die Erststufe und „nahezu 25“ für die zweite Stufe) und modelliere ich die Falcon 9 mit diesen Strukturfaktoren, so hat sie tatsächlich diese Nutzlast. Aber diese Version zerbrach schon bei den ersten Versuchen der Bergung in der Atmosphäre durch die Belastung. SpaceX besserte nach und nach einigen Fehlversuchen klappte auch die Bergung. Diese Version der Falcon 9 ist mit einigen kleinen Änderungen bis heute im Einsatz und auf sie bezieht sich Königsmann. Im Übrigen liegen veröffentlichte kommerzielle Startpreise, also nicht für die US-Regierungsorganisation auch immer über den Webpreisen angesiedelt. Der Start des 4.500 kg schweren Amazonas Nexus Satelliten kostet nach der Bank die ihn finanzierte 80,6 Mill. Dollar, nicht die 62 Millionen die SpaceX ausweist – wobei an der Bemerkung „up to 5,5 t to GTO“ schon erkennbar ist das bei Bergung die Nutzlast absinkt.

Das heißt: Der Umbau einer „Wegwerfrakete“ zu einer wiederverwendbaren hat die Nutzlast von 8,3 t in den GTO auf 6,5 t gesenkt. Dabei geht auch diese Rakete verloren. Birgt man sie, so sinkt die Nutzlast weiter ab auf 5,5 t. Das ist eine Abnahme von 33 %, also weitaus mehr als an Kosten eingespart werden. Selbst wenn ich von den 6,5 t ausgehe, sind es noch 15 % Nutzlastabnahme, was die reale Einsparung dann auf 7 % reduziert und das auch nur, wenn die Bergung gelingt, was ab und zu scheitert.

Auf Basis dieser Überlegungen sind eben andere Hersteller von Raketen, die ja auch einige Jahrzehnte Erfahrung mit der Technik und den Kosten haben, auf den Schluss gekommen das es sich für sie nicht lohnt.

Das grundlegende Problem beider Standpunkte ist, das sie nicht vergleichbar sind. Andere Hersteller haben existierende Raketen und die Kosten diese wiederverwendbar zu machen würden sich nicht lohnen – ihre Nutzlast würde sinken und es wird bei einer existierenden Rakete sicher teurer werden, als bei einer neu konzipierten. SpaceX fing bei Null an und hat meiner Ansicht nach folgenden Ansatz gewählt: sie haben eine Rakete gebaut die, wenn sie konventionell ausgelegt wäre, die besagten 8,3 t in den GTO und 22 t in den LEO bringt. Eine solche Rakete ist überdimensioniert für den Bedarf, denn es gibt bisher keinen Satellit in den GTO der mehr als 7 t wiegt und nur das US-Militär hat alle paar Jahre mal den Bedarf für 20+ t in den LEO, alle anderen LEO Nutzlasten, selbst die relativ schwere bemannten Raumschiffe wiegen erheblich weniger. Eine neue Rakete 30 % größer auszulegen als eigentlich nötig ist, vor allem wenn man zig-mal den gleichen Triebwerkstyp verwendet, ist viel einfacher als eine bestehende Rakete für die Wiederverwendung umzubauen. Eine Wegwerf-Falcon hätte etwas kürzere Tanks und käme mit 6 bis 7 Triebwerken in der ersten Stufe aus – der Mehraufwand ist also überschaubar. Was herauskam ist eine Rakete die, auf das Groß des Bedarfs ausgelegt ist – die meisten kommerziellen Kommunikationssatelliten wiegen unter den 5,5 t die wiederverwendbar möglich sind. Nur wenige über 6,5 t, die bei Verlust de ersten Stufe möglich sind. Ähnliches gilt für die Nutzlasten von NASA und DoD. Beim Kunden DoD ist der Knackpunkt auch weniger die Nutzlast, als vielmehr das die meisten militärischen Satelliten keinen integrierten Antrieb haben, also von der Stufe in den GEO gebracht werden. Das schafft eine nur zweistufige Falcon 9 mit mittelenergetischen Treibstoffen nur mit zu kleinen Nutzlasten. Für sie wurde die Falcon heavy konstruiert, wobei man schon an der Verzögerung des Erststarts – ursprünglich weniger als 1 Jahr nach der Falcom 9 geplant – sieht, das man dort den Markt als klein einschätzte und sich entsprechend Zeit lies, was sich ja auch bestätigte. Man muss nur beim bisherigen Launch Service Provider ULA die Zahl der Starts der Delta H und der der Delta M /Atlas V vergleichen, um zu diesem Schluss zu kommen.

Arianespace hat seit der Ariane 1 ein anderes Konzept um die Konkurrenz preislich zu unterbieten. Auch hier baut man eine eigentlich zu große Rakete – eine Ariane 5 kann mittlerweile 11,25 t in den GTO transportieren, Ariane 6 mindestens 12 t und an einer Steigerung um weitere 1-2 t wird gearbeitet. Diese Nutzlastkapazität liegt über den größten Nutzlasten. Aber es werden in der Regel zwei Nutzlasten gestartet, die sich eine Rakete und damit die Startkosten teilen. Gelingt es Kunden mit ihren Satelliten so zu paaren, dass sie die Nutzlastkapazität weitestgehend ausnutzen, so ist die effektiv. Es gibt auch hier Nachteile. Der Kokon, in dem der zweite Satellut steckt, gelangt auch in den Orbit. Er wiegt je nach Größe des Satelliten rund 500 bis 600 kg, also etwa 5 % der Nutzlastkapazität, die so verloren geht. Die Doppelstartkapazität war ja nicht unumstritten. Es gab immer wieder Perioden, in denen es nicht möglich war, Satelliten zu paaren, weil es Verzögerungen bei der Anlieferung gab oder man kein geeignetes Gegenstück in den Auftragsbüchern hatte. So ging der PPH-Entwurf für die Ariane 6 auch von der Aufgabe dieses Features aus und sah zwei Versionen mit einer maximalen Nutzlast von 6,5 t im Einzelstart vor – man sieht auch hier orientiert an den maximalen Satellitenmassen. Interessanterweise konnten gerade die kommerziellen Kunden Arianespace dazu bewegen, doch wieder die Doppelstartkapazität anzustreben. Wahrscheinlich haben sie eine entsprechende Anlieferung zugesichert, denn seit dieser Vereinfachung gab es auch bei Ariane 5 kaum noch Einzelstarts.

Der eigentliche wirtschaftliche Vorteil ergibt sich bei SpaceX nicht dadurch, dass die Rakete wiederverwendbar ist, sondern dass möglichst viel „in House“ gefertigt wird. Sowohl in Europa wie auch in den USA sind Dutzende von Firmen bei einer Rakete beteiligt. Lockheed baut die Strukturen, doch die Triebwerke kommen von Rocketdyne, Aerojet und Thikol. Die Avionik von Honeywell und IBM, die Nutzlastverkleidung von Oerlikon. Geht man von den Hauptsystemen weiter herunter, so findet man noch mehr Hersteller. Auf der einen Seite hat es Vorteile, wenn man das Triebwerk von einer Firma kauft, die nichts anderes macht als Triebwerke zu entwickeln und daher das Know-how dafür hat. Auf der anderen Seite will diese Firma auch Gewinn machen und in jedem Falle generiert es bei beiden Firmen Kosten für die kaufmännische Abwicklung der Zusammenarbeit. In Europa ist es sogar noch schlimmer als in den USA. Da die Rakete von der ESA finanziert wird, gibt es das Prinzip des Geographical Returns, man bekommt also genau den Teil, den man finanziert als Entwicklungsaufträge wieder zurück. Eine Ariane entsteht so in ganz Europa. Die Hauptänderung bei Ariane 6 ist, dass man diese Grenzen gelockert hat und die Fertigung zusammengefasst hat.

Ein zweiter Punkt ist die Stückzahl. Gerade durch Einzelstarts kommt man auf doppelt so viele Träger und damit wird jeder billiger und Fixkosten für den Weltraumbahnhof sinken pro Start. Hier sind alle US-Anbieter im Vorteil, weil die USA nur mit eigenen Trägern startet. Bei ULA waren dies fast alle Starts und bei SpaceX sind es, wenn man die firmeneigenen Starlink Starts weglässt, von den externen Aufträgen auch in etwa die Hälfte, dagegen bei Arianespace nur 20 bis 25 Prozent. Ein Forderung an die ESA, die so wie es aussieht, aber nicht erfüllt wird, ist das die ESA entsprechend eine gewissen Anzahl an Start pro Jahr fest bucht, um die gefertigte Stückzahl zu erhöhen. Hier habe ich als Europäer und als jemand der mit Ariane groß geworden ist, zu kritisieren: Gerade Deutschland bucht gerne nicht-europäisch, so der Bundeswehrsatellit SARAH auf eine Falcon 9. Auch war es bisher fast immer so, dass ein europäisch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt wie Solar Orbiter, Sentinel 6 immer an Bord einer US-Rakete startete. Ich denke in der Hälfte der Fälle sollte es eine europäische sein.

Die USA könnten übrigens noch mehr sparen, indem sie den Ansatz der CRS und Commercial Crew zugrunde liegt, ausdehnen. Der wesentliche Unterschied zu anderen Aufträgen ist, das Sie bei CRS/CCdev „normale Kunden“ sind, anstatt alles zu bestimmen und Sonderwünsche umgesetzt haben wollen, die den Start verteuern, von der Bürokratie die sie mitbringen, ganz zu schweigen. Die ESA ist für Arianespace ein Kunde wie jeder andere. Es gibt keine Sonderbehandlung und die veröffentlichten Startpreise sind auch mit denen kommerzieller Kunden vergleichbar. Das würde den Regierungsorganisationen sehr viel Geld ersparen. Noch mehr wäre es, wenn sie den günstigsten internationalen Anbieter für eine Mission wählen. Gerade der Start, der GPS Block III Satelliten zeigt dies. Jeder Block III Satellit wiegt 3,880 kg und gelangt in einen Transferorbit, der in etwa den gleichen Geschwindigkeitsbedarf wie ein GTO hat. Selbst die Falcon 9 ist dafür noch zu groß. Eine Ariane 62 könnte zwei dieser Satelliten starten und würde dann mit 53 Millionen Dollar pro Satellit leicht die Falcon 9 unterbieten. Der europäische/amerikanische Sentinel 6 wog nur 1.362 kg und wäre damit sogar mit einer Vega für 38 Millionen Dollar startbar. Chinesische und russische Anbieter wären noch billiger, kämen aufgrund politischer und Sicherheitsbedenken aber nicht in Frage. Wenn eine Ariane das James Webb Teleskop starten darf, der teuerste Satellit, der je gebaut wurde. Ist sie dann nicht gut genug für einen Navigationssatelliten der Sin Serie gebaut wird?

Durch die Beschränkung auf (zertifizierte) US-Träger lohnt sich zumindest für die US-Regierung Wiederverwendung (nahezu) nicht. Denn so unterbietet SpaceX die (bekannten) Preise der anderen Konkurrenten gerade son das man den Auftrag erhält, wenn dieser aus Proporzgründen (z.B. bei dem Dod) nicht sowieso gesplittet wird. Dann kann der Start einer Falcon 9 mal 50 und mal 109 Millionen Dollar kosten – 50, wenn die Nutzlast so klein ist, das eine Pegasus auch die Alternative wäre, 109 wenn die Konkurrenz eine Atlas 401 ist. Bei der Falcon Heavy sind die Gegensätze 117 und 331 Mill. Dollar – auch hier hätte bei der kleineren Nutzlast eine Atlas V gereicht, bei dem teuersten Start dagegen eine Delta 4H.

Das leitet mich zum letzten Punkt über, der wohl gerne falsch verstand wird nämlich meine Ansicht der Frage „Lohnt sich die Wiederverwendung“ und damit zusammenhängend „Was hat SpaceX für die Raumfahrt getan?“. Beides wird ja immer von Fans bejaht, die aber leider meist keine stichhaltige für mich Begründung dafür liefern. Wie ich ober erörtert habe, lohnt sich Wiederverwendung bei einem existierenden Trägersystem nicht. Die eingesparten Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand, und vor allem da ein existierendes Trägersystem auf eine an die Nachfrage angepasste Maximalnutzlast angepasst ist und diese Nutzlast bei der Bergung absinkt, wird es unwirtschaftlich. Klassische Trägersysteme, die die minimale Zahl an Triebwerken einsetzen (meist eins oder zwei) können auch nicht den Weg beschreiten wie SpaceX eine Stufe mit 9 Triebwerken zu bauen. Aber ein neu konzipiertes System kann durch Wiederverwendung der ersten Stufe die Startkosten senken. Ob das bei der Oberstufe auch so ist, wird sich zeigen – die kostet weniger, ihre Bergung ist aber mit noch mehr Nutzlastverlust verbunden. Nur als Hausnummer: das Starship/SuperHeavy Gespann wiegt dreimal so viel wie die Falcon heavy die schon weitestgehend wiederverwendbar ist, hat aber nur 40 % mehr Nutzlast. Aber diese Erkenntnis ist nicht neu. Auch das wiederverwendbare Space Shuttle musste neu konzipiert werden und man baute nicht einfach eine Saturn V mit derselben Startmasse so um, das sie bergungsfähig ist.

Die zweite Frage hängt damit zusammen. Denn dann geht es um meine Sicht auf Raumfahrt. Für mich ist Raumfahrt vor allem Forschung, die Erforschung unseres Sonnensystems, des Universums, aber auch der Erde. Die Überwachung unserer Erde auf Veränderungen, aber auch wenn Menschen dabei sind, Unternehmen, die etwas von Abenteuer, von Herausforderung haben. Das wären Mondlandungen oder Marsmissionen, aber nicht die Arbeit auf der ISS, wo sich die Forschung letztendlich darum dreht, wie sich die Schwerelosigkeit auf den Menschen auswirkt und wie man ihr begegnet. Um es ketzerisch zu formulieren: wenn niemand zur ISS fliegt braucht man auch die Forschung nicht. Raumfahrt sind nicht Trägerraketen. Sie sind nur Werkzeuge um den Weltraum zu erreichen. So habe ich schon mehrfach drauf hingewiesen das es für die EU billiger wäre, die teurere Ariane 5 weiter zu betreiben, anstatt eine Ariane 6 zu entwickeln. Die Entwicklung wird von der ESA finanziert, den finanziellen Nutzen haben aber zu ¾ kommerzielle Kunden. Wenn man ein funktionierendes System hat, muss man nicht ein neues entwickeln, wenn sich dies wirtschaftlich nicht lohnt. Russland und China setzen aus diesem Grund ihre Raketen seit Jahrzehnten weitestgehend unverändert ein. Ebenso gehören, so für mich nicht militärische Raumfahrt, eigentlich nur ein Teil des Militärs, sowie jede kommerzielle Nutzung des Raums – letztendlich nur das Erschließen von neuen Geschäftsfeldern durch die Wirtschaft zur „Raumfahrt“, die bei mir vielleicht besser „Raumforschung“ heißen sollte.

Wenn jemand diese Aspekte hinzunimmt, dann ist für ihn sicher die Aussage „Wiederverwendung lohnt sich“ korrekt. Sie generiert für SpaceX Gewinne, die derzeit ins Starlink Projekt gehen, das nach meiner Definition eben nicht zur Raumforschung gehört. Irgendwann wird es bei SpaceX kein Projekt mehr geben, auch weil die Investoren auch mal Gewinne sehen wollen. Dann wird Wiederverwendung im Speziellen und SpaceX im Allgemeinen diese Investoren, darunter Elon Musk reich gemacht haben. Doch die Raumfahrt an sich hat nicht dadurch profitiert. Kunden von SpaceX profitieren con leicht niedrigeren Preisen als bei der Konkurrenz, aber wie ich schon durch Zahlen belegte, nicht signifikant niedrigeren, denn schließlich will SpaceX den Profit maximieren. Die meisten Nutzlasten der Kunden sind aber keine Forschungssatelliten. So spart das US-Militär, die NRO und Konzerne wie SES oder Intelsat Geld. Aber was bringt das der Raumfahrt?

Ebensowenig hat SpaceX nichts in meiner Definition für die Raumfahrt getan. Ja die meisten Firmen haben nichts für die Raumfahrt getan, denn die meisten verfolgen nur Projekte mit denen sie Geld verdienen, entweder durch staatliche Finanzierung (Raumfahrtagenturen, Militär, Umwelt/Wetterorganisationen) oder durch andere Firmen (Bau von Kommunikations-, Erdbeobachtungssatelliten). Die Zahl der Projekte, die auf eigne Kosten finanziert wurden, kann man wirklich überschauen und meist waren es Projekte mit bescheidenem Finanzaufwand die dazu dienten etwas zu beweisen, um mehr staatliche Mittel zur Umsetzung in größerem Maßstab zu bekommen. SpaceX hat die Falcon 9 zur Hälfte selbst finanziert – doch das hat Orbital bei ihrer Antares auch und beide Unternehmen haben sicherlich diese Summe bei dem folgenden CRS-Kontrakt wieder reingeholt. Ja wenn ich mal wieder ketzerisch sein darf: nachdem SpaceX nach offiziellem OIG Report bei CRS-2 der teuerste der drei Anbieter ist (obwohl Sierra Nevada einen Transporter erst auf eigene Kosten entwickeln muss und obwohl Trägerrakete und Kapsel bei SpaceX wiederverwendbar sind) könnte man zu dem Schluss kommen das Wiederverwendung sogar teurer als Nichtwiederverwendung ist. SpaceX hat sich die Fähigkeit zur Frachtrückholung eben gut bezahlen lassen. Das macht jede Firma so und es zeigt, dass die Firma eben auch nicht mehr für die Raumfahrt tut als andere Firmen. Vor allem müsste, wenn die Technologie etwas für die „Raumfahrt“ an sich gebracht hat, sie ja offen sein, also andere Firmen sie übernehmen können, ohne alle Fehler von SpaceX zu wiederholen und auf ihren Erfahrungen aufzubauen und auf ihren Erfahrungen aufzubauen. Das ist aber nicht der Fall.

Nicht, dass es vollmundige Ankündigungen gab, etwas für die Raumfahrt zu tun. Elon Musk will seiner eigenen Legende nach SpaceX gegründet haben, weil er eine Raumsonde zum Mars schicken wollte und die Träger zu teuer waren. Nun könnte er es ja, tut es aber nicht. Angekündigt war eine Dragon die auf dem Mars landet „Red Dragon“, für die hat die NASA sogar angefangen Experimente zu entwickeln, bis sie wieder eingestellt wurde und anstatt einen Tesla hätte man beim Jungfernflug der Falcon Heavy sicher auch etliche Kleinsatelliten oder Sonden von Universitätsinstituten mitnehmen können, wenn der Start sowieso nur der Erprobung dient.

Profitieren tun auch Reiche, die nun wieder einen Space-Trip buchen können. Doch zum einen ist das nicht das, was ich unter Raumfahrt verstehe, zum andern hat die Entwicklung der Crewed Dragon ja die NASA komplett finanziert und die der Falcon 9 zur Hälfte, also der Teil, der von SpaceX stammt, ist klein, und selbst wenn man den Space Tourismus zur Raumfahrt dazu zählt, ist dann auch der Beitrag den SpaceX zur Verbesserung dieses Teils der Raumfahrt leistet entsprechend klein.

Also wenn ein Blog Kommentator meint, das die Steigerung der Gewinne von Konzernen, Investoren und Elon Musk die Raumfahrt vorangebracht hat, dann hat er recht, dann hat SpaceX viel für diese Art von Raumfahrt getan.

Zuletzt noch ein Ausblick. SpaceX plant nach Aussagen von Shotwell den ersten orbitalen Start eines Starships noch im Juli. Nach dem Plan ist es ein suborbitaler Start, das heißt, das Starship geht vor Hawaii nieder, absolviert also nur 2/3 eines Orbits. Da keine Bergung geplant ist, wird das primär ein Test der Antriebstechnologien.

20 thoughts on “Die Julinachlese von SpaceX

    1. Das ist keine Überraschung sondern auch woander so. Nehmen wir als Beispiel mal den Ersatz des Space Shuttles zur ISS Versorgung durch die drei unbemannten und zwei bemannten Vehikel. Nehme ich die derzeit transportierte Fracht und Astronautenzahl dann sind dei neuen Systeme günstiger. Bei den vorgesehenen 4 Shuttle Missionen (für die heutige ISS würden rechnerisch zwei reichen) dagegen das Space Shuttle, da der größte Teil der Kosten nur Fixkosten sind. Allerdings war damals auch die ISS um etliche Module größer geplant, mit mehr Besatzung und 90 Tage Aufenthaltszeit, heute sind es um 180 Tage.

  1. „Also wenn ein Blog Kommentator meint, das die Steigerung der Gewinne von Konzernen, Investoren und Elon Musk die Raumfahrt vorangebracht hat, dann hat er recht, dann hat SpaceX viel für diese Art von Raumfahrt getan.“

    Hört hört, klingt für mich wie ein Ritterschlag wenn man bedenkt das es von einem der größten SpaceX Kritiker kommt.

    Ich meine was will man mehr? Man erkennt einen lukrativen Markt und schafft es als Newcomer sich erfolgreich gegen andere Mitbewerber zu behaupten. Das was SpaceX also konkret für die Raumfahrt getan hat ist zu zeigen das es eben doch günstiger und effizienter geht als Old-Space immer behauptet hat.

    Klassischer Fall von: Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

    1. Freut mich das Dir der Reichtum einiger Investoren so Freude bereitet.

      Nur mal zur Klarstellung ein „lukrativer“ Markt war der Start von Raketen nie, ist es auch heute noch nicht, zumindest bei großen Raketen mit den hohen Entwicklungskosten. Selbst Jeff Bezos hat seine Investitionen in die New Glenn herunter geschraubt nachdem der USAF Auftrag nicht an ihn ging.

      Und günstiger ist es eben gerade nicht, das beweisen die publizierten Startpreise von SpaceX einer steht sogar mit Link im Beitrag. Es ist für SpaceX günstiger, aber davon hat eben die Raumfahrt nichts, sondern nur einige Investoren. Gut wenn Du ein Fan von Millionairen bist, dann macht Dir das sicher Freude.

  2. Es gibt etwas das SpaceX hat, und keine andere Firma hat: Eine Horde von Fans, die alles toll findet. Es gibt ja zahlreiche Social media Seite, wo jedes Video und Bild auf die allerkleinste Details untersucht wird. Die Leute campen ausserhalb von Boca Chica, mit einem Arsenal an Kameras mit riesigen Teleobjektiven, um zu schauen was da alles passiert. Gewisse dürfen auch näher ran. Ich glaube SpaceX hat nur Vorteile, wenn alle diese Leute gewähren zu lassen, der Werbeeffekt ist riesig.
    Es gibt mehrere Youtube Creators, die leben vom dem Zeug (z.B. „Everyday Astronaut“).

    1. Ganz bestimmt nützt SpaceX der Fan-Cult … jeder Fan (ab 18) ist ja auch Wähler. Dank SpaceX wird ja die USA den Wettlauf zum Mond und Mars gewinnen – gibt bestimmt ’n Orden für 😉

      1. Was glaubst du, wer in den letzten 10 Jahren mehr Menschen dazu motiviert hat einen Beruf in der Raumfahrt zu ergreifen? SpaceX oder NASA?

        Und wer hat dem Risikokapital Raumfahrt eher schamckhaft gemacht? NASA oder SpaceX?
        Geld ist nun mal kein Problem. Jemand zu finden, der deine Idee finanziert schon.

        1. Natürlich die NASA

          Die NASA ermöglicht die ganzen Missionen zu den Planeten, Weltraumobservatorien, Monitoring der Klimaänderungen. Die NASA finanziert auch (was Aufträge angeht) SpaceX zu etwa 70 %. Ohne die NASA wäre SpaceX nach Elon Musks eigener aussage längst bankrott.

          Risikokapital hat nichts mit SpaceX zu tun. Die neueren US-Firmen die Raketen bauen werden alle von Milliardären gestützt, nicht Risikokapital. Oneweb hat sein Geld von Großinvestoren zusammenbekommen und zwar bevor SpaceX an Starlink ging.

          Wenn es wirklich um Geldverdienen in der Raumfahrt geht braucht man so große Summen das einzelne Risikokapitalgeber immer noch zurückschrecken, zumal es ja schon genügend Firmen in dem Sektor gibt.

          1. Beide. Ohne die NASA hätte SpaceX anfangs nicht die notwendigen Mittel gehabt. Vielleicht hätte ein Börsengang auch funktionert, aber da fehlte es mMn SpaceX an den notwendigen Erfolgen um Investoren anzulocken.
            SpaceX aber genauso, denn Orbital hat den gleichen Vertrag bekommen. Nur hat SpaceX wesentlich mehr daraus gemacht, in den Bereich Technologie, Marktanteil und eben Inspiration durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit. Letzteres ist ja auch nicht verwunderlich, denn das Gewächshaus auf dem Mars war ja genau dafür gedacht. Mehr Begeisterung für Raumfahrt, mehr Geld für die NASA und daraus folgend neue Techologien. Nur war das recht naiv.
            Die NASA hat für dieses Jahr 2,5 Mrd. für die SLS-Entwicklung bekommen, sogar 300 Mio mehr als beantragt. Ist es das was Sie wollen, denn das ist staatliche Raumfahrt. Naja eher eine Mischung aus to-big-to-fail und Lobbyismus. So ne Art historisch gewachsener Sozialismus an dessen Ende die Boeing-Shareholder die Kohle scheffeln. Nur sind die alle gesichtslos und eignen sich daher nicht als Hassfigur.
            Da ich gerade bei Figuren bin, mMn gibt es bei SpaceX 3 wichtige Personen. Musk, Shotwell und Mueller. Ohne Musk Visionen gehts nicht, denn Raumfahrt ist normalerweise sehr konservativ. Sprich, was nicht kaputt ist reparier auch nicht. Shotwell hat viele wichtige Verträge an Land gezogen und als Präsident muss sie der Belegschaft Musks Ziele so vermitteln, dass diese nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Mueller ist der Triebwerksguru, der für Merlin und Raptor verantwortlich ist.

            Und auch bei den Milliardären gibts einen Unterschied. Während SpaceX regelmäßig Raketen startet kommt das ein Jahr früher gegründete Blue Origin nicht so richtig voran. ULA wartet immer noch auf das BE4 und die New Sheppard ist auch nicht mehr als SpaceShipTwo, nur Rakete statt Gleiter.

            Ach ja, ist Peter Beck auch Milliardär?

          2. Die Antwort bezieht sich auf den Kommentar um 13:05
            https://www.bernd-leitenberger.de/blog/2021/07/01/die-julinachlese-von-spacex/#comment-91735
            Da die Verscheachtelungstiefe begrenzt ist geht eine direkte Kommentierung nicht – Du hättest deinen Beitrag der nichts mit den vorherigen zu tun hat auch nicht gleich auf Ebene 3 einsortieren brauchen.

            Anders als Du habe ich nur SpaceX betrachtet. Ich mach kein Fass auf wie SpaceX vs SLS oder spaceX vs Boeing. SpaceX ist ein von Investoren finanziertes Unternehmen das auf Gewinn ausgerichtet ist wie Boeing, nur ist Boeing börsennotiert und ich kann mich dabei beteiligen, das macht aber für den Aspekt „Was hat xxx für die Raumfahrt getan“ keinen Unterschied weil beide Unternehmen nichts aus Menschenfreundlichkeit oder Forschungseifer tun. Daher muss ich SpaceX auch nicht mir einem anderen Unternehmen vergleichen.

            Aber ein paar Tatsachen korrigiert: Die Mittel aus COTS+CCDev kominiert sind für Orbital/Boeing und spaceX nahezu gleich hoch, 3,6 zu 3,5 Mrd. Dollar. Dafür bekam man bei Orbital/Noeing zwei Raumschiffe und eine neue Trägerrakete und bei SpaceX ein raumschiff und eine Trägerrakete.

            Orbital ist inzwischen billiger als SpacEx beim Transport von Gütern. SpaceX billiger beim Mannschaftstransport als Boeing. Das gleicht sich aus. Boeing hat auch als die NASA nur 4 der 7 möglichen Sitzplätze belegt sich bei CRS beworben da man so 1 bis 1,5 t zusätzliche Fracht befördern kann. Wurde aus formalen Gründen (kein reiner Frachtransporter) abgelehnt. Damit kombiniert wäre Boeing billiger gewesen.
            Ich erkenne hier keinen Vorteil in Sachen Marktanteil und Technologie, zumindest nach dem Frachtvolumen ist Orbital besser. Wiederverwendbare Kapseln sind auch nichts neues, gab es schon 1966.
            Rocket Labs entwickelt eine kleine Trägerrakete für die kleinsten Nutzlasten. Der Finanzaufwand dafür ist klein und solche Projekte gibt es international mehrere Dutzend. Von der entsprechenden Paralleled bei SpaceX die Falcon 1 redet aber niemand. Für Raketen der Größe einer Falcon 9 oder ein Netz wir Starlink benötigt man Summen die von einzelnen Kapitalgeber nur kommen können wenn diese wirklich reich sind.
            Und was Bezos Blue Origin macht oder nicht macht ist irrelevant für die Frage „Was hat SpaceX für die Raumfahrt getan“. Es wäre relevant wenn ich fragen würde, „was hat Blue Origin für die Raumfahrt getan?

          3. „das macht aber für den Aspekt „Was hat xxx für die Raumfahrt getan“ keinen Unterschied weil beide Unternehmen nichts aus Menschenfreundlichkeit oder Forschungseifer tun. Daher muss ich SpaceX auch nicht mir einem anderen Unternehmen vergleichen.“

            Wieso sollten sich Profitstreben und Forschungseifer gegenseitig ausschließen? Das ist unlogisch, außer man definiert dass Forschungseifer nur dann existiert, wenn Profitstreben nicht existiert. Nur ist das quatsch, denn was nützt mir all das Wissen was der Forschungseifer hervorgebracht hat, wenn es nicht angewendet wird? Es ist dann wie ein Buch mit dem gesammelten Wissen des Universums in einer Sprache, die man nicht versteht. Das ist dann eben nicht der größte Schatz, den man besitzen kann sondern nur ein Briefbeschwerer oder Altpapier.

            „Aber ein paar Tatsachen korrigiert: Die Mittel aus COTS+CCDev kominiert sind für Orbital/Boeing und spaceX nahezu gleich hoch, 3,6 zu 3,5 Mrd. Dollar. Dafür bekam man bei Orbital/Noeing zwei Raumschiffe und eine neue Trägerrakete und bei SpaceX ein raumschiff und eine Trägerrakete.“

            Dann packe ich noch 150 – 200 Mio bei SpaceX dazu und schon hat diese Firma 2 Raketen und ein Raumschiff. Eigentlich wäre die FH kostenlos, aber Musk hätte die Entwicklung längst beendet, wenns keinen Vertrag gegeben hätte.

            Aber mal ganz allgemein. Das Hauptproblem der Raumfahrt sind die Kosten um in den Orbit zu kommen. Das wissen alle. Das weißt auch du. Nur was passiert? Nichts. Wo ist der Pioniergeist hin, den man bei Apollo und Shuttle bewiesen hatte? Der auch noch bei der X-33 zu sehen war? Der ist verflogen. Oder eher, man hat akzeptiert, dass die guten alten Zeiten nicht zurück kommen werden, weil militärisch-industrieller Komplex und wechselnde Regierungen Planungen und Fortschritt zu nichte machen. Also hat man sich für COTS entschieden, denn da kann der Congress nicht dazwischen grätschen. Zusätzlich sind es Festpreisverträge und keine „mir-egal-wie-lange-es-dauert-und-wieviel-es-kostet-“ cost+-Verträge.
            Aber Firmen wie SpaceX oder RocketLab beweisen Pioniergeist. Sie sind gewillt neue Wege zu gehen, weil sie keine Angst haben zu scheitern. Dabei ist es egal ob Profitstreben der Motor ist, denn das Hauptproblem löst sich nicht von allein und schon gar nicht, wenn man nur Dienst nach Vorschrift macht.

            Von daher ne abschließende Frage. Was würdest du vorschlagen um Pioniergeist zu entfachen und die Kosten für die Raumfahrt zu senken?

          4. eigen finanzierte Forschung ist in der Raumfahrt durch Firmen vor allem gewinnorientiert, weil der Kreis der möglichen „Kunden“ einer neuen Technologie klein ist – kommerzielle Kunden gelten als extrem konservativ und Regierungsorganisation forschen selber bzw. bezahlen die Forschungi n Firmen. Geforscht wird nur an dem was einem einen direkten wirtschaftlichen Vorteil bringt und das ist auch bei SpaceX so.

            Forschung wird auch angewandt, niemand weiß das besser als SpaceX. Sie setzen Antriebstechnologien ein die die NASA im Apolloprogramm entwickelt haben, einen Hitzeschutzschild für die Dragon der von der NASA entwickelt wurde, ebenso der für das Starship.

            Forschung nützt der Raumfahrt – um mal auf die Frage zurückzukommen aber nur, wenn sie frei verfügbar ist wie dies bei vielen Technologien ist die durch Unis, Weltraumagenturen entwickelt wurden. Die Landungstechnologie von SpacEx ist aber nicht frei verfügbar. Sonst könnte sie ja jemand übernehmen und die Startpreise würden sinken ja und dann gäbe es ja tatsächlich einen Nutzen für die Raumfahrt…

            Zur FH: die wurde nicht durch COTS/CCdev finanziert kann also nicht in einen Vergleich hinzugenommen werden. Ich glaube auch das deine Summe erfunden ist, denn wenn es so billig gewesen wäre hätte es nicht 5 Jahre gedauert und SpacEX hätte keine Kunden verloren. Das Crossfeeding haben sie ja auch aufgegeben. Das spricht eher für eine schwierige, teure Entwicklung.

            Zum Pioniergeist: Ein Pionier ist jemand der etwas erstmals macht. Wenn es wiederholt wird ist es keine Pioniertat mehr. Ich sehe auch beim Entwickeln von Raketen mit jahrzehntealten Technologien wie die Falcon oder Rocket nicht unbedingt eine Pioniertat.

          5. „Forschung wird auch angewandt…“
            Wie wars das damals mit der DC-X?

            „Forschung nützt der Raumfahrt – um mal auf die Frage zurückzukommen aber nur, wenn sie frei verfügbar ist, wie dies bei vielen Technologien ist die durch Unis, Weltraumagenturen entwickelt wurden“
            Hätte man 1985 die Pläne für das Shuttle oder auch nur das RS-25 bekommen können? Warum gibt es überhaupt ein Ariane-Programm, wenn doch alle so nett zueinander sind?

            Die 150-200 Mio für die FH sind der Preis für einen Startauftrag. Der Auftrag, der Musk daran gehindert hat, die Entwicklung der FH zu beenden. Die Entwicklungskosten dürften aber wohl eher bei 500 Mio oder noch mehr liegen, da die Zentralstufe komplett neu entwickelt werden musste.

            „Ein Pionier ist jemand der etwas erstmals macht.“
            Ok, dann sind von Braun und Koroljow auch keine Pioniere, denn die erstern Raketen wurden in China gebaut und das auch schon 500 Jahre früher. Karl Benz hat auch nicht das erste Auto gebaut, denn das gabs auch schon 100 Jahre früher. Nur war das mit Dampfmaschine statt Verrennungsmotor. Erster Computer… Zuse? Leibniz? Babbage? oder irgendwer vor 4000 Jahren mit dem Abakus?
            Was ist eine Pioniertat?

          6. Zum DC-X: wird zum Beispiel angewandt von SpaceX. Wo meinst Du hat SpaceX ihre Experten her? Alle kommen von anderen Raumfahrtfirmen.

            Daneben gibt es bei jeder Forschung natürlich noch Grundlagenforschung und Sackgassen die nicht weiter verfolgt werden wie z.B. den Venture star oder das Crossfeeding. Das ist aber wie der Rest deines Posts off-topic. Daher gehe ich nicht weiter drauf ein.

            Zu den Pionieren: Also mal Ernst, Du meinst ehrlich das jemand, der nur weil er viel Geld in etwas pumpt, ein Pionier ist? Ohne sich selbst anzustrengen oder auch nur mit dem Thema vertraut zu machen (siehe Starship aus Edelstahl ist ja billiger pro Kilo als CFK , und das bei einem Gefährt das man nur einmal baut aber oft startet …).

            Selbst wenn man Musk als Pioniere ansieht, warum Beck? Also was er macht ist doch nur eine Rakete wie die Falcon 1 und die gab es ja schon. Andere Unternehmen in den USA und China haben auch schon ähnliche kleine Raketen gestartet. Warum soll er nun ein Pionier sein und die anderen nicht? Sind wir dann nicht alle Pioniere, so wie es ja nun eine Inflation der „Helden“ gibt?

            Zu Braun und Koroljew: Auch hier ist für mich Koroljow als reiner Manager kein Pionier, das kann man auch nachlesen:
            https://www.bernd-leitenberger.de/blog/2019/08/03/wernher-von-braun-und-sergej-korolow/

  3. Eric Berger weiß, wo der Wind weht.

    Als Meteorologe und Chefredakteur von Ars Technica für Raumfahrt, Eric Berger, sagte gegenüber Michael Hardy, dass die NASA zu einer Bürokratie geworden ist. „Die Agentur hat Zehntausende von Mitarbeitern und zehn Zentren sind über das ganze Land verstreut, die alle versuchen, um Bundesgelder zu konkurrieren.“ Nach der erfolgreichen Landung des Menschen auf dem Mond verlor die NASA viel von ihrer Zielstrebigkeit. Damals erschien Elon Musk mit seinem gewagten Plan, den Mars zu kolonisieren. „Das Inspirierende bei SpaceX ist, dass Musk von Anfang an sagte: Der Mars ist unser Ziel“, sagte Berger.

    Bei Ars Technica ist Berger einer von zwei Dutzend professionellen Weltraumjournalisten des Landes und berichtet über das explosive Wachstum von SpaceX. Er traf Musk zum ersten Mal beim Start von Falcon 9 im Jahr 2018; Wie sich herausstellte, war der südafrikanische Milliardär ein Fan seines Journalismus. Zu dieser Zeit schrieb Berger ein Buch über die Gründung von SpaceX im Jahr 2002 und seine frühen Raketenentwicklungsbemühungen. Obwohl Musk von der Presse notorisch unbeliebt ist, stimmte er schließlich zu, an dem Buch mitzuarbeiten, gab Berger ein Interview und ermutigte die SpaceX-Mitarbeiter, dasselbe zu tun. Das Buch hießt: Liftoff: Elon Musk and the Desperate Early Days That Launched SpaceX, erhielt starke Kritiken in der Financial Times, Forbes und anderswo.

    Während Berger sich der blinden Flecken von Musk bewusst ist – zum Beispiel war er nicht begeistert von der COVID-19 Leugnung durch den Tech-Tycoon – teilt Berger seinen Glauben an die Kolonisierung des Mars. „Die Leute müssen letztendlich zu anderen Sternen gehen und in anderen Welten leben“, sagte Berger. „Manche Leute glauben nicht, dass wir die Galaxie verschmutzen müssen, aber ich denke, wir müssen die Galaxie erobern oder wir werden irgendwann sterben. Wenn Elon also sagt, dass wir eine multiplanetare Spezies sein werden, ist das eine langfristige Vision. Und der Mars ist der nächste, am wenigsten schlimmste Fall.“

    Nun ja, Musk hat wahrscheinlich noch andere Flecken, zu sehen an seinen ständigen Reisen nach Russland. Wahrscheinlich hat er keine Ahnung das die bolschewistischen Mörder mit militärischer Gewalt die europäische Grenzen verändert haben, das noch heute dort fast jeden Tag Menschen sterben. Mehr noch: Selbst auf dem Boden der EU werden unschuldige Menschen bewusst von den Russen ermordet, aber manche wollen das nicht wissen bzw. wäre nicht so wichtig und die anderen sagen, das ist nur Politik, hat mit der Raumfahrt nichts zu tun.

    Im Jahr 2001 war Eric Berger bei einem Bob-Schneider-Konzert in Houston, als Allisons Tropischer Sturm erschien. Ein paar Minuten später übertönte der strömende Regen, der auf das Dach des Clubs trommelte, die Musik. Berger versuchte, nach Hause zu fahren, aber eine plötzliche Flut zwang ihn, das Auto zu verlassen und den Rest des Weges zu Fuß zu gehen, wobei er stellenweise dem brusthohen Wasser auswich. Obwohl sein Haus gerettet wurde, war Berger, damals Wissenschaftsjournalist für den Houston Chronicle, entschlossen, nie wieder überrascht zu werden.

    „Ich hatte keine Ahnung, dass Houston so überschwemmen könnte“, erinnerte sich Berger. „Ich dachte: „Warum habe ich nicht verstanden, dass das passieren würde?“ Heute ist der 48-jährige gebürtige Michiganer wohl der angesehenste Wetterexperte in Houston. Space City Weather, eine Website, die er 2015 zusammen mit seinem Meteorologen Matt Lanza gegründet hat, erhält an einem Tag mit schwachem Wetter 10.000 bis 20.000 Seitenaufrufe. Wenn extremes Wetter zuschlägt, wie es oft in Houston der Fall ist, schießt die Leserschaft in die Höhe. Als Hurrikan Laura, ein Sturm der Kategorie 4, im vergangenen Jahr Südosttexas traf, erreichte die Website einen Rekord von 1,6 Millionen täglichen Aufrufen. Da die Site einen einzigen Sponsor hat (Houston Energy Company Reliant), ist sie frei von aufdringlicher Werbung. Der Slogan der Seite lautet „Werbefreie Vorhersagen“ und genau das bietet sie.

    Als er seine eigene Meteorologie-Site ins Leben gerufen hat, hat Bergers langjähriges Interesse an der Raumfahrt nicht nachgelassen. Er wuchs mit Science-Fiction auf und besuchte das College der University of Texas in Austin wegen ihrer starken Astronomieabteilung. Eines von Bergers letzten Berichterstattungsprojekten beim Chronicle war eine einjährige Untersuchungsserie mit dem Titel „Adrift“ über den Untergang des Shuttle-Programms der NASA und das allgemeine Unwohlsein der Organisation. Berger ist überzeugt, dass die Zukunft der Weltraumforschung in den Händen privater Unternehmen wie SpaceX von Elon Musk und Blue Origin von Jeff Bezos liegt.

    Bergers Hauptinteresse ist die ansprechenden Vermittlung von Informationen an die Leser. „Es geht nur darum, wie man kommuniziert“, sagte er. „Es geht darum zu wissen, wie man mit Menschen spricht, ihnen zu sagen, was wir wissen und was nicht.“ Dem kann ich nur mir anschließen.

    Nach Texasmonthly

    Anmerkung zu Marsbesiedlung:

    Auf einer TEDx-Konferenz in Houston 2018 sprach der berühmte Evolutionsbiologe Solomon über Aspekte der Marsbesiedlung und die sind leider nicht erfreulich. Möchte nur drei Beispiel erwähnen: Was passiert aber auf dem Mars mit unseren Skelett? Solomon bemerkte dazu, dass ungefähr zwei Generationen später die Knochen der Menschen, die auf dem Mars leben, breiter und sich an die Auswirkungen der Marsgravitation anpassen werden, die nur ein Drittel der Erdgravitation ausmacht. Gleichzeitig werden sie durch die verringerte Schwerkraft zerbrechlicher, was wiederum zu ernsthaften Problemen bei der Geburt führt, da die Knochen des Beckens bei Frauen wie Streichhölzer werden brechen.

    Eine weitere zu erwartenden Veränderungen beim Menschen auf dem Mars wird der fast vollständige Verlust des Immunsystems sein. In einer sterilen Umgebung ohne Mikroorganismen benötigen die Bewohner möglicherweise keinen Körper, der Krankheitserreger bekämpfen kann.

    Wir müssen auch bedenken, dass die Marsbewohner täglich 5.000-mal stärkeren Strahlungsdosen ausgesetzt werden als während des normalen Lebens auf der Erde. Die Folgen sind unübersehbar, besonders für die Entstehung von unterschiedlichen Krebsarten.

    Hohe Risiken werden auch die Flügen zum Mars darstellen, hier stellen sich eine Reihe schwerwiegender Aufgaben für Radiobiologen dar. Bei einer interplanetaren Expedition wird die Besatzung galaktischer Strahlung ausgesetzt sein, bei der energiereiche Partikel vorherrschen. Versuche an Mäusen, die Zweieinhalb Monate bestrahlt wurden, ergab, dass im Gyrus dentatus des Hippocampus – dem Hauptort im Gehirn, an dem neue Neuronen geboren werden – die Zelldichte abnahm. Was mit der Zerstörung des Gehirns durch kosmische Strahlung zu tun ist, ist noch heute unklar. Auch Schutzmittel haben beschränkte Wirkung, aber gegen Protonen und Kohlenstoffkerne aufgrund der spezifischen Wirkung schwerer Partikel ist man oft machtlos. Protonenausbrüche sind aufgrund ihrer plötzlichen Entstehung sehr gefährlich: Entweder gibt es keine Protonenstrahlung, dann aber sind sie hundert- oder sogar tausendmal größer. Forscher bemerkten auch, dass im August 1972, ein starkes solares Protonenereignis auftrat. Die Apollo-Missionen fanden glücklicherweise im Frühjahr und im späten Winter statt. Astronauten hatten Glück: Wenn sie bei diesen Ausbrüchen auf dem Mond wären, könnten sie sterben, wenn sie eine sehr große Dosis Strahlung erhalten hätten.

  4. Ich sehe einen Nutzen für die Raumfahrt wenn man es drauf anlegen würde einen Nutzen zu haben.
    Eine Atlas 551 und eine FH sind kostenneutral.
    Mit der FH hätte man eine Sonde 7 * schwerer als Newhorizons schicken können.
    Entweder hätte man der Sonde mehr Equipment mitgeben können oder eine 3 Tonen Oberstufe hätte die Geschwindigkeit stark erhöhen können.
    Da Wissenschaftliche Nutzlasten im verhältniss zur Trägerrakete sehr teuer sind, sollte man aus meiner Sicht immer auf FH Starten und die differenz zwischen geplanter Sondenmasse und möglicher Nutzlast sinnvoll nutzen.

    Treibstoff, Equipment, zusätzlicher SEP Antrieb, Strahlenpanzer, mehr redundanzen.

    1. Pluto war aber nur 2006/7 erreichbar, da existierte die FH nicht mal auf dem Papier.
      Im übrigen ist die Aussage über die Nutzlast falsch, eine FH erreicht dank der schweren Oberstufe nie die Geschwindigkeit um Pluto direkt zu erreichen,

      Hätte, Hätte Fahrradkette

  5. Was Musk in den letzten Stunden so Twittert, in Stichpunkten:

    1. Der aktuelle Plan sieht vor, den Basisschub des Raptor auf ~ 230 Tonnen zu erhöhen und die Anzahl der Triebwerke auf 32 oder 33 zu erhöhen.

    2. Zu Raptor Vac spezifischen Impuls: Sieht gut aus bei ~ 378 Sekunden. Weitere Verbesserungen werden mehr als 380 ergeben.

    3. Alle Raptor-Triebwerke, fest oder mit Kardanwellen, werden gleich sein: 33 mit 230 Tonnen Schub = rund 7600 Tonnen Schub, d.h. Schub-Gewichts-Verhältnis SH = um 1,5.

    4. Eine Frage wurde aufgeworfen nach dem Sinn von Raptor Boost, wenn er den gleichen Schub wie der Standard-Raptor hat? Weniger Gewicht? Musk: Die Zentralmotoren auf dem Schiff sind die gleichen wie auf der Stufe. Im Grunde ist dies der Raptor 2. Der Raptor Vac wird die einzige Option sein. Ob der RVac mit dem Raptor 2 kombiniert werden soll (mehr Schub), gleich bleiben oder den spezifischen Impuls erhöhen, steht noch nicht fest. Es kann sich lohnen, 3 weitere Raptor Vacs mit maximalem spezifischen Impuls hinzuzufügen.

    5. Auf die Frage: 33 Triebwerke auf Super Heavy und 9 Triebwerke auf Starship? Musk: Das muss passieren.

    6. Eine Frage zu Erhöhung der Anzahl der Raptor Vacs auf Starship von 3 auf 6? Musk dazu: Dies ist eine der Möglichkeiten.

    7. Laut Musk gehen die Triebwerke etwa 3 Meter unter den Rumpf. Sehr Kompetent! Beim Betrieb in der Atmosphäre wird die Stromlinienform verbessert.

    8. Musk: Die Verdopplung des Durchmessers einer Rakete vervierfacht die Masse, aber die Komplexität, Raketen dieser Größe gleichzeitig zu erstellen, erhöht sich mehr als das Vierfache. Ein Starship mit 9 Meter Durchmesser ist angemessen. Die Parameter mit einer Schubkraft von rund 7500 Tonnen und einer Masse von 5200 Tonnen sind mehr als doppelt so hoch wie bei Saturn-5.

    9. Auf die Frage nach 18-Meter-Version von Starship: Wenn Sie wiederverwendbare Raketen haben, die groß genug sind, um > 100 Tonnen Nutzlast zu tragen, ist es unklar, ob sich die Kosten pro Tonne auf niedrige Umlaufbahn / Mond / Mars mit einer größeren Rakete verbessern werden. Zum Beispiel wechselten die Flugzeuge von Boeing 747 / Airbus A380 auf Boeing 777, die über ~ 100 Tonnen „Nutzlast“ verfügen.

    In der Luftfahrt hat sich herausgestellt, das große Flugzeuge mit nur 2 Triebwerken kostengünstiger sind, als 747 oder 380. Ein Vergleich zu Raumfahrt wäre aber heute nicht ganz gerechtfertigt, da wir erst am Beginn von wiederverwendbaren Trägerraketen stehen und mit größeren Aufgaben werden auch die Nutzlasten deutlich zunehmen.

  6. Starship und die FAA

    Möchte kurz auf die strenge amerikanische FAA Gesetzgebung, die den ersten Starship Flug verschieben könnte, kurz eingehen.
    Nach dem erfolgreichen Start von Starship SN15 begann SpaceX hart daran zu arbeiten, sein Raumschiff in die Erdumlaufbahn zu bringen. Elon Musk sagte bereits im April, dass mit einem Orbitalflug im Juli zu rechnen sei, dieser aber, wie sich später herausstellte, frühestens im August stattfinden würde. Einige Enthusiasten glauben, dass Starship auch in diesem Jahr keine Chance hat, in die Umlaufbahn zu fliegen. Warum?

    Alle Startplätze und Trägerraketen in den Vereinigten Staaten müssen einem Umweltprüfungsverfahren unterzogen werden. Dies hängt mit dem National Environmental Policy Act (NEPA) zusammen. Ohne ein Umweltprüfungsverfahren erhalten Unternehmen keine Lizenz oder Startgenehmigung. Der NEPA-Prozess ist wie folgt:

    1. Erste Identifizierung von Problemen und Bedenken;
    2. Abstimmung mit anderen Agenturen, um festzulegen, welche Organisationen in den NEPA-Prozess einbezogen werden sollten;
    3. Bestimmung der geeigneten Art der Umweltverträglichkeitsprüfung;
    4. Vorbereitung des NEPA-Dokuments;
    5. Einholung eines Umweltgutachtens;
    6. Ein Überblick über den NEPA-Prozess wird von der FAA bereitgestellt.

    Für die FAA sind zwei Dinge wichtig: die Umweltprüfung (EAs) und der Umweltverträglichkeitsbericht (EIS).

    EAs definiert den Zweck und die Bedürfnisse des Projekts, analysiert potenzielle Auswirkungen und Alternativen; nachweist die Einhaltung anderer Vorschriften der Exekutive und der Umweltgesetzgebung; und ermöglicht gegebenenfalls die Beteiligung der Öffentlichkeit. Wenn es keine Bedenken auf die Umwelt gibt, stellt die FAA ein „No Significant Impact Statement“ (FONSI) aus. Wenn die FAA feststellt, dass das Projekt zu erheblichen Umweltauswirkungen führt, die nicht durch die in EA beschriebenen Maßnahmen abgemildert werden können, gibt die FAA eine Absichtserklärung zur Erstellung eines EIS aus. Und an diesem Punkt beginnen die Hauptprobleme. Wenn die FAA ein EIS verlangt, verschiebt sich der Zeitplan um mindestens 105 Tage, ohne die Zeit, die für die Erstellung des Entwurfs und der endgültigen Version des EIS erforderlich ist.

    Möchte erinnern, dass die FAA EIS für die Falcon 9 und Falcon Heavy verlangte, als sie sich noch in der Entwicklung befanden. SpaceX hatte ursprünglich geplant, Boca Chica zu verwenden, um diese Raketen zu starten. Im Jahr 2014 veröffentlichte die FAA die endgültige Version des EIS – ein 392-seitiges PDF, das alle Auswirkungen der Operation von SpaceX außerhalb von Boca Chica detailliert beschreibt.

    Wenn man bedenkt, dass der Einsatz von Falcon 9 und Heavy in Boca Chica zur Notwendigkeit von EIS geführt hat, besteht praktisch keine Chance, dass Starship / Super Heavy es nicht brauchen wird.

    Als SpaceX seine Pläne für den Boca Chica-Komplex entwickelte, überarbeitete die FAA das EIS von 2014 wiederholt. Dies war notwendig, um festzustellen, ob die Maßnahmen von SpaceX in den Anwendungsbereich des EIS fielen. Es wurde festgestellt, dass alle bisher durchgeführten Flüge und Tests in den Anwendungsbereich des EIS 2014 fallen. Dies wurde von einigen Gruppen angefochten, aber die FAA genehmigte immer noch die meisten Tests.

    Nach dem Erfolg von SN15 hat SpaceX alle seine Bemühungen auf die Vorbereitung einer orbitalen Startrampe und die unterstützende Infrastruktur konzentriert. Der bemerkenswerteste davon ist der Serviceturm. Es wird voraussichtlich etwa 146 Meter hoch sein, es wird die Integration von Super Heavy und Starship unterstützen.

    CNBC sagte, die FAA habe SpaceX benachrichtigt, dass der Turm noch nicht genehmigt wurde. SpaceX versuchte, eine Zulassung gemäß dem EIS von 2014 zu erhalten, aber die FAA sagte: „Der integrierte Turm von 146 Metern ist deutlich höher als die im EIS von 2014 erwähnten Türme und erfordert eine weitere Umweltprüfung im Rahmen der NEPA.“ Das war der aktueller Stand noch vor einigen Tagen.

  7. Amtlich: Europa Clipper mit FH

    Nach jahrelangen Spekulationen hat die NASA offiziell angekündigt, dass Falcon Heavy die wohl wichtigste Sonnensystem-Mission der Agentur in den 2020er Jahren, den Europa Clipper, starten wird. Die 4,25-Milliarden-Dollar-Mission soll im Oktober 2024 starten und den größten Teil des verbleibenden Jahrzehnts damit verbringen, zum Jupiter zu fliegen, bevor sie für ihr Hauptziel Europa in die Umlaufbahn um den Planeten eindringt. Dann wird die Raumsonde bis zu 44 Flüge über Europa machen, dem eisbedeckten Mond des Jupiter, der laut Wissenschaftlern einen riesigen Ozean unter der Oberfläche verbirgt und vielleicht sogar eine Form von Leben darin lebt.

    Der Gesamtwert des Dienstleistungsvertrags für den Start der Mission beträgt etwa 178 Millionen US-Dollar Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, da durch seinen Abschluss der NASA etwa 2 Milliarden US-Dollar eingespart werden können!

    Die Wahl der Rakete für diese ehrgeizige Mission war Gegenstand langer politischer und technischer Kontroversen. Auf Drängen des Kongresses plante die NASA zunächst, sie mit ihrer SLS-Rakete zu starten. Dafür gab es zwei Gründe.

    Zunächst wollte der Gesetzgeber eine Verwendung für die SLS-Rakete finden. Zweitens könnte SLS die Sonde in etwa 4 Jahren an Jupiter liefern. SLS ermöglicht es Ihnen, in gerader Linie zum Jupiter zu fliegen, was die Ankunft in Europa schneller macht als andere Raketen, die auf Schwerkraftunterstützung angewiesen sind, wodurch viel Zeit zum Erreichen des Ziels benötigt wird. Viele in der wissenschaftlichen Gemeinschaft entschieden sich jedoch dafür, die Mission auf Falcon Heavy zu starten, und dafür gab es Gründe. Zum Beispiel bot SpaceX einen besseren Preis pro Start als die SLS-Rakete, die nach Schätzungen der Regierung mehr als 2 Milliarden US-Dollar kosten würde. Wissenschaftler waren auch besorgt, dass SLS bis zum Startdatum 2024 einfach nicht fertig sein würde, und es wird letztendlich die Wahl sein eine wichtige wissenschaftliche Mission verzögern.

    Trotzdem bestanden Politiker weiterhin darauf, dass die NASA eine SLS-Raketenmission startete. Eine Reihe wichtiger Ereignisse brachten sie dazu, ihre Meinung zu ändern:

    1. Die NASA kam Ende 2018 zu dem Schluss, dass Falcon Heavy eine Mission ohne Gravitationsmanöver in der Nähe der Venus durchführen kann und daher nicht in die inneren Regionen des Sonnensystems vordringen muss. Falcon Heavy könnte dies mit einer zusätzlichen Star 48-Stufe tun.

    2. Die NASA kam nach Fertigstellung der Pläne für das Artemis-Programm zu der Erkenntnis, dass der Hauptauftragnehmer eine zusätzliche Rakete für den rechtzeitigen Start des Europa Clipper zu bauen, einfach nicht bewältigen könnte. Und dass alle SLS-Raketen benötigt werden, um die Landungsbemühungen auf dem Mond zu unterstützen.

    Außerdem war die Frage des Einführungspreises wichtig. Das Repräsentantenhaus sagte: „Die Clipper-Mission muss eine Rakete verwenden, die die Gesamtkosten und die Komplexität der Mission reduzieren und die wissenschaftlichen Ergebnisse beschleunigen kann.“

    Und was die Behörde schließlich dazu zwang, SLS endgültig aufzugeben, war das Problem mit der Rakete selbst. Angetrieben wird die Rakete unter anderem von zwei großen Feststoffraketen, die während des Betriebs erhebliche Vibrationen erzeugen. Das Problem ist die Torsionsbelastung. Nachdem die NASA Tests in einem Windkanal durchgeführt hatte, war der tatsächliche Wert der Torsionsbelastung fast doppelt so hoch wie früher von den Ingenieuren geschätzt. Die NASA berichtete, dass zusätzliche Mittel erforderlich seien, nämlich 1 Milliarde US-Dollar, um das Raumfahrzeug widerstandsfähiger gegen solche Vibrationen zu machen.

    Diese zusätzlichen Kosten veranlassten die NASA schließlich, eine SpaceX Falcon Heavy-Rakete für den Start der Mission zu wählen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.