Die Zahl für heute: 0,4

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Will man etwas verteuern so geht das ganz einfach: man verbietet es. Alles, was illegal ist, wird automatisch teuer. Das beschert Produzenten dann viel höhere Gewinne, so wurde die Mafia während der Prohibition erst so richtig mächtig. Ich will diesen Effekt mal am Beispiel Cannabis verdeutlichen. Dazu habe ich einige Zeit in sogenannten „Grower Foren“ und auf Websites für Hanfzucht verbracht.

Eigentlich ist es bei Hanf, aus dem Cannabis gewonnen wird, egal ob dies nun in der Form von Marihuana oder Haschisch geschieht, ja eine normale Nutzpflanze. Bei uns seit Jahrhunderten in Gebrauch vor allem zur Fasergewinnung für Seile oder Dämmstoffe. Mit Ausnahmegenehmigungen dürfen auch heute Landwirte spezielle Sorten die arm an THC (dem psychogen aktiven Wirkstoff) sind anbauen. Da gibt es ganze Felder mit Faserhanf. Entsprechend billig ist dieser Hanf. 10 kg Hanfwolle für die Dämmung kosten unter 40 Euro im Baumarkt. Hanfsamen gibt es im Drogeriemarkt für unter 5 Euro/Pfund zu kaufen und ein schwäbischer Müslihersteller nervt mich jeden Morgen mit seinem Werbespot für Hanföl. Bei Amazon gibt es 1 l Hanföl ab 15 Euro in Bioqualität zu kaufen.

Marihuana soll meinen Recherchen nach auf dem Schwarzmarkt dagegen 8 bis 10 Euro pro Gramm kosten und dann weiß man nicht mal, ob es nicht gestreckt ist oder Pestizide dran sind – da es meist geraucht wird, und die Lunge empfindlicher auf Gifte reagiert als der Verdauungstrakt nicht unwichtig. Interessanterweise ist diese Preisstruktur auch dort erhalten geblieben, wo Hand heute legalisiert ist, aber trotzdem nicht jeder Hanf anbauen darf, sondern ihn nur in zertifizierten Läden kaufen kann. Dort kostet dann Marihuana teilweise mehr als früher auf dem Schwarzmarkt. Zum einen kein Wunder, denn in Fernsehberichten sehe ich das dort genauso angebaut wird wie bei vielen Selbstgrowern – nicht in einem Gewächshaus oder im Freien, sondern in einer Halle unter Kunstlicht und wenn man die Sonne mit 1000 W/m² Strahlleistung über eine Vegetationsperiode durch Lampen ersetzt, dann hat man eine große Stromrechnung. Daneben muss das Marihuana gewonnen werden, das heißt die Blüten, die inmitten vieler kleiner Blätter sind, müssen von all diesen Blättern befreit werden, was bisher noch meist manuell geschieht, weitere Arbeit gibt es für die Aufzicht der Pflanzen und zum Schluss wollen Verkäufer und Staat auch noch was verdienen.

Ich dachte mir, das müsste doch, wenn man die eigene Arbeitszeit nicht bezahlt, billiger sein. Normalerweise ist es ja so: Wer selbst Gemüse oder Obst anbaut weiß, dass dies nicht billiger ist als es im Supermarkt zu kaufen, selbst wenn man die Arbeitszeit nicht rechnet. Aber man braucht Saatgut, Stecklinge, Gerätschaften, Dünger, Blumenerde. Rechnet man die Aufwendungen dafür zusammen, dann lohnt es sich nicht. Also mal nachgerechnet.

Das Prinzip

Ich gehe davon aus, dass der Programmentwurf der Grünen für die Bundestagswahl 2017 umgesetzt wurde. In diesem Wahlprogramm gab es die Forderung das jeder drei weibliche Pflanzen straffrei aufziehen kann. Dann muss man die Pflanzen nicht in einer Growbox unter elektrischem Licht ziehen, sondern kann das im Freien tun. Da nicht jeder einen Garten hat, bei drei Pflanzen die benötigte Fläche aber klein ist, bin ich davon ausgegangen, dass man den Hanf in Kübeln aufzieht, die man auf der Terrasse oder Balkon hat.

Da Hand eine zweihäusige Pflanze ist, es also männliche und weibliche Pflanzen gibt, habe ich unterscheiden zwischen normalen Pflanzen und speziellen feminisieren Pflanzen, dazu noch später mehr. Das ist notwendig, da man erst kurz vor der Erntezeit sieht, ob man eine männliche oder weibliche Pflanze hat. Die muss man dann entsorgen, denn sonst gibt es nur Hanfsamen und kein Marihuana, das man nur von unbefruchteten weiblichen Pflanzen gewinnen kann. Ich gehe aus dem gleichen Grund davon aus, dass man bei normalem Saatgut 5 Pflanzen aufzieht, um auf drei weibliche zu kommen. Bei gleicher Verteilung von männlichen und weiblichen Pflanzen gibt es dann eine Chance von 97 % das mindestens eine weibliche Pflanze dabei ist.

Material

Hanf kann recht groß werden 3-4 m im Garten mit tiefen Boden sind in einer Vegetationsperiode möglich. Die meisten für Marihuana optimierten Sorten bleiben kleiner. Ich bin davon ausgegangen, dass man erst einen Samen oder Steckling in einem kleinen Blumentopf von etwa 0,5 l Volumen groß zieht, wenn der nicht mehr reicht, kommt er in einen größeren Topf von 3 – 5 l Volumen und dann zuletzt in einen 20 – 25 l Kübel. Das ist meiner Erfahrung mit anderen Kübelpflanzen wie Orangenbäumchen und Oleander die größte noch leicht transportable Größe und es kann durchaus sein, das man den Hanf transportieren muss, z.B. wenn man die Pflanze bei einem Gewitter wie wir es in BW gerade hatten mit Starkwinden reinholt oder in einen windgeschützte Ecke verschiebt.

Die Kosten für den kleinsten Topf habe ich mir gespart, die bekommt man kostenlos, wenn man im Supermarkt sich eine Balkonpflanze zulegt. 10 Töpfe mit 3 l Volumen kosten rund 7 Euro, mit 5 l Volumen 13 Euro. Ein 25 l Kübel kostet 8 Euro, der Untersetzer dazu 3,50 Euro. Die kleinen Töpfe können sich dann einen der größeren Untersetzer teilen.

Dann brauchen wir eine kleine Gießkanne (1 l) und eine große (5 l). Eine 1,8 l Kanne kostet 4 Euro, erstaunlicherweise billiger als eine 1 l Kanne, eine 5 l Kanne liegt bei 7 Euro.

Wir brauchen Blumenerde. Mindestens 25 l, so viel gehen in den Kübel rein, praktisch aber mehr, denn das Volumen im Sack ist für lockere Erde. Ich schätze man braucht 40 l. Ich kaufe meine immer bei Aldi, da wären das pro 20 l je 1,30 Euro. Dann braucht man noch Dünger. Ein Sack Blaukorn von 5 kg müsste bei etwa 200 g pro Planze/Vegetationsperiode für 5 Jahre reichen.

Das wären dann folgende Kosten:

Artikel Jahr 1 Jahr 2 –
Gießkanne klein 4 €
Geißkanne groß 7 €
Blumenkübel 5 Stück mittel 7 €
Blumenkübel 5 Stück groß 40 €
Untersetzer 5 Stück groß 17,50 €
Sack Blaukorn 4 €
Blumenerde 3 € 3 €
Summe 82,5 € 3 €

Zur Erklärung: Die Töpfe und Gießkannen kann man in den Folgejahren wieder verwenden. Wenn man es genau macht, muss man noch berücksichtigen das nach 5 Jahren das Blaukorn alle ist, doch das macht dann nur einen Unterschied von 1 Euro pro Jahr aus.

Zuchtmaterial

Wie stark die Illegalität etwas verteuert, sieht man bei Hanfsamen. Im Drogeriesortiment ist ein Pfund Hanfsamen für unter 5 Euro zu haben. Ich denke das sind Tausende von Samen. Jeder einzelne Samen kostet also bei THC-freiem Hanf nicht mal einen Cent. Kauft man Hanfsamen für die eigene Marihuanazucht, so kann man pro Samen 5 bis 30 Euro berappen. Da ich nicht weiß, ob schon das Verlinken auf Anbieter illegal ist, verlinke ich hier mal auf eine Google Suchanfrage mit den richtigen Schlüsselworten. Die meisten dieser Anbieter sind in den Niederlanden heimisch, wo der Bezug legal ist, oft auch umschrieben „für den medizinischen Gebrauch“. Ein Bezug in Deutschland ist verboten. Das gilt auch für die zweite Quelle von Zuchtmaterial nämlich Stecklingen / Jungpflanzen die in Österreich legal sind. Hier ist man ab 10 Euro pro Pflanze dabei.

Wie schon gesagt, für ertragreiche Sorten oder Sorten mit hohem THC Gehalt wird man gerne ein Vielfaches der niedrigsten Preise los. Ich gehe im Folgenden von Samen aus und rechne mit 30 Euro für 5 Samen für eine einfache Sorte. Die bringt weniger Ertrag pro Fläche, aber die Samen potenter Sorten sind alle für kleine Growboxen gedacht, wo die Pflanzen nicht hoch werden und man optimale Bedingen schaffen kann.

Bei Samen stößt man schnell auf „feminisierte Samen“ die nochmals teuer sind. Da Hanf zweihäusig ist, bedeuten männliche Pflanzen für die Marihuanagewinnung, dass man eine Pflanze aufzieht, die aber erst vor der Blüte, also am Ende der genutzten Vegetationsperiode als unnütz erkenntlich ist. Das ist für Leute mit beschränktem Platz und Wachsen unter Kunstlicht natürlich sehr schlecht. Daher gibt es Samen von feminisierten Pflanzen. Das sind weibliche Pflanzen, die unter Stress gesetzt wurden, sodass sie auch männliche Geschlechtsorgane bilden und sich selbst bestäuben. Die Samen davon sind aber nach wie vor weiblich. Wenn man die Möglichkeit hat, eine Pflanze zu isolieren wäre im Hinblick auf zukünftige Kosten es aber besser normale Samen zu kaufen. Denn dann kann man aus einer weiblichen Pflanze, die man „opfert“ (sinnvollerweise die kleinste) und einer männlichen Pflanze, die es bei 5 Samen mit Bestimmtheit mindesten einmal gibt, selbst Samen züchten, die dann ja dieser Sorte entsprechen. Dann kann man sich in den Folgejahren die Ausgaben für weitere Samen sparen, zumindest etwa 3 Jahre, so lange bleiben sie keimfähig. Dazu muss man eine männliche Pflanze behalten und sie von den anderen trennen, z.b. ins Zimmer holen. Wenn die weiblichen Pflanzen blühen, das ist meistens später, bringt am diese im Zimmer zusammen, schüttelt die männliche Pflanze, damit der Pollen freigesetzt wird, und kann sie danach entsorgen. Die bestäubte weibliche Pflanze wird Samen bilden. Sie bildet auch Marihuana, aber wenig und da die Samen länger zum reifen brauchen als die Blüten leben, wird man dieses nicht ernten können. Auf der anderen Seite ersparen einem feminsierte Samen rund 50 % der Kosten für Blumenkübel und Erde, dam man ja nur 3 Kübel braucht.

Dann benötigen unsere Pflanzen Wasser. Wie viel, hängt vom Wetter ab. Ich habe mal mit 0,5 m³ pro Pflanze gerechnet, das sind 100-mal geißen mit je 5 Litern. Wie viel das kostet, hängt von Eurer Komune ab. Ich habe mit 5 €/m³ Wasser gerechnet und man kommt dann auf folgende Aufstellung.

Artikel Jahr 1 Jahr 2 –
Normale Samen 5 Stück 30 €
Feminisierte Samen 3 Stück 30 € 30 €
Wasser 5 Pflanzen (normal) 12,5 € 12,5 €
Wasser 3 Pflanzen (feminisiert) 7,5 € 7,5 €
Summe normal 42,5 € 12,5 €
Summe feminisiert 37,5 € 37,5 €

Nun kann man eine Gesamtrechnung machen, und zwar pro Pflanze. Pro Pflanze deswegen, weil bei 5 „regulären“ Samen und der Samengewinnung man statistisch nur 1,5 weibliche Pflanzen zur Marihuanagewinnung nutzen kann. Eine Pflanze braucht man für die Samengewinnung. Es gibt dann aber so viele Samen, das man die nächsten beiden Jahre keine weibliche Plfanze dafür opfern muss, dann also 2,5 Pflanzen hat. Weiterhin habe ich berücksichtigt, dass bei feminisierten Samen die Packung nur 3 Samen umfasst und man so einen Teil des Materials nicht braucht.

Artikel Jahr 1 Jahr 2 – 3 Jahr 4
Normale Samen Summe 125 € 15,5 € 15,5 €
Feminisierte Samen Summe 97 € 40,5 € 40,5 €
Normale Samen pro Pflanze 83,33 6,2 € 10,33 €
Feminisierte Samen pro Pflanze 32,33 € 13,5 € 13,5 €

Man landet in beiden Fällen bei einem Betrag rund um einen 10 Euro Schein pro Pflanze. Doch wie sieht das mit dem Ertrag aus. Schaut man bei „Samenbanken“ vorbei, so findet man enorme Erträge von 400 ja 700 g pro Pflanze. Ich habe in aufwendigen Recherchen, deren Quelle ich aus Datenschutzgründen nicht nennen kann, erfahren das für eine einfache Sorte und eine solche habe ich bei den Samen zugrundegelegt und ohne spezielle Ausrüstung um den genauen Bedarf der Pflanzen zu bestimmen und beim Anpflanzen in Kübeln, nicht in viel tiefer reichenden Gartenboden der typische Ertrag bei uns bei 50 bis 60 g pro Pflanze liegt. Ich nehme die niedrigere Ziffer, 50 g und teile das – wegen der Anschaffungskosten und bei regulären Samen auch dem niedrigen Ertrag im ersten Jahr, durch die Aufwendungen für 3 Jahre und erhalte so:

Artikel Mittel Jahr 1-3
Normale Samen Summe 0,44 €/g (n Jahre → 0,16 €
Feminisierte Samen Summe 0,40 €/g (n Jahre: → 0,27 €/g)

Der Trend für n Jahre reflektiert nur noch die laufenden Kosten, also ohne Anschaffungskisten für Kübel etc. Wir landen also bei reinen Ausgaben bei einem Betrag von unter 1 Euro pro Gramm, der Schwarzmarktpreis liegt dagegen bei 8 bis 10 €/g und man weiß nicht mal ob der „Stoff“ reines Marihuana ist – Drogen werden gerne gestreckt.

Das sind natürlich nur die Materialkosten. Die eigene Arbeitszeit ist da nicht dabei. Also das aussähen, zweimal umtopfen, regelmäßig gießen und nicht zuletzt die Ernte, die so habe ich mir sagen lassen ziemlich arbeitsaufwendig sein soll. Angesichts dessen wundert mich nicht, das, wenn von Legalisierung von Cannabis die Rede ist, immer von einem kontrollierten Anbau und kontrolliertem Verkauf, wobei sich die Preise dann am Schwarzmarkt orientieren. So ist der Eigenanbau nach wie vor nicht erlaubt und die hohen Gewinne bei den gleichen Preisen wie auf dem Schwarzmarkt wandern in die Taschen der Betreiber und des Staates. Natürlich muss dann aber auch die Arbeitszeit bezahlt werden. Würde man Hand zur Marihuanaproduktion wirklich im Rahmen der industriellen Landwirtschaft anbauen so würde das gehen wie bei Arzneipflanzen:

Pflanzen von weiblichen Jungpflanzen entweder aus Samen oder Stecklinge in einem Feld

  • normale Landwirtschaftler Umgang während der Vegetationsperiode.
  • Ernten der gesamten Pflanze oder nur der Blütenspitzen – ersteres geht mit Maschinen, das zweite handunterstützt.
  • Extraktion der fettlöslichen Stoffe im Gegenstromverfahren z.B. mit einem Benzin/Aceton/Ethylether
  • Abziehen des Lösungsmittels im Vakuum

Man erhält dann kein Marihuana, sondern so etwas wie Haschisch, also die fettlöslichen Bestandteile das sind bei den Blüten noch Squalene, bei ganzen Pflanzen wären dann noch Wachse dabei. Auf einen genormten Wirkstoffgehalt käme man nach HPLC-Analyse des THC bzw. CBD-Gehaltes und Versetzen mit Fett/Öl zur Einstellung auf einen Mindestgehalt, ähnlich wie auch Milch oder Milchprodukte auf einen festen Fettgehalt eingestellt werden.

Das ist im wesentlichen die gleiche Methode wie Extrakte aus Lavendel, Ginkgo oder Arnika hergestellt werden, entsprechend würde man den Preis pro Gramm auch bei dem solcher Extrakte einordnen und das sind dann 0,5 bis 1 € Euro pro Gramm. Das liegt in dem Bereich, den ich für den Hobbyanbau ermittelt habe. Dann wäre es wie bei anderen landwirtschaftlichen Produkten auch – dass Hobbygärtnern lohnt sich finanziell nicht mehr. Immerhin – in Ländern, in denen der Anbau legalisiert ist und dort von Bauen betrieben wird, liegen die Preise für Marihuana zwischen 1 und 1,5 €/g.

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