Sport, Kommerz und Moral

Bald beginnt ja die Fußball-WM in Katar, in der Kritik war sie von Anfang an. Das man die Fussball-WM in diesen Staat nicht vergibt, dafür gibt es gleich drei gute Gründe: Die Menschenrechtssituation, die Tatsache das es dort viel zu heiß für eine WM ist und – die Situation der Arbeiter dort.

Ich fange mal mit dem letzten an, auch weil dieser Punkt für mich am unverständlichsten ist. Katar ist wie die anderen Staaten um den persischen Golf die große Öl- und Gasvorkommen haben enorm reich. Damit die absolute Monarchie nicht gefährdet wird, wird viel von dem Einkommen wieder an die Bevölkerung zurückgegeben, allerdings nur die mit katarischer Staatsbürgerschaft und die sind schon lange in der Minderheit. Denn die ganze Arbeit erledigen Fremdarbeiter. Warum man die nicht anständig bezahlt, während man für die Polizei als Dienstwagen Luxussportwagen von Lamborghini, Ferrari und Jaguar anschafft und Milliarden in künstlerische Inseln investiert ist mir ein Rätsel. Dass Geld dazu hätten sie ja. Aber es ist wohl eine Folge des „Mr. Scrooge“ oder „Dagobert Duck“ Prinzips, zumindest nenne ich es so: je reicher einer ist desto geiziger und moralisch verkommener wird er. Die Erkenntnis ist nicht neu. Bei uns gibt es ein Sprichwort: „Bei den Armen kann man das Kochen lernen und bei den Reichen das Sparen“.

Punkt 2 sind die allgemeinen Menschenrechte. Das geht ja über Katar hinaus. Genauso war in der Kritik das man schon vorher die Leichtathletikweltmeisterschaften in das Land vergab. Genauso wie bei der Vergabe der Winter-Olympiade und WM nach Russland. Das die Situation der Menschenrechte und der Demokratie in Russland immer schlimmer wird, war nun ja schon vorher bekannt. Genauso wie die Vergabe der Winter-Olympiade nach China, nachdem diese ja schon 2008 die Sommerolympiade hatten. Auch hier: damals hieß es das die Vergabe der Olympiade die Situation verbessern sollte. Das Gegenteil ist der Fall. Inzwischen ist es noch schlimmer und gerade hat sich Xi Jingping die Begrenzung der Amtszeit abgeschafft und auch bei Russland ist analoge Konzept – „Wandel durch Handel“ gescheitert.

Sowohl FIFA wie olympisches Komitee ziehen sich ja auf die Position zurück, dass sie politisch unabhängig sind. Kurz: ob eine Sportveranstaltung in einer Demokratie, einer absoluten Monarchie oder einem Ein-Parteien-Überwachungsstaat stattfindet, geht sie nichts an. Aber politisch waren die Spiele schon immer: Hitler nutzte Sie 1936 als Werbung für sich und das Nazisregime. Als 1980 die olympischen Sommerspiele in Moskau stattfanden, gab es den restlichen Boykott, weil Russland im Dezember 1979 in Afghanistan einfielen und als Gegenreaktion den Boykott der Ostblockländer bei der nächsten Sommer-WM 1984 in Los Angeles.

Meiner Ansicht nach kann man nicht sich auf den Standpunkt zurückziehen, das Spiele unpolitisch sind. Die originalen olympischen Spiele waren es auch nicht: Während sie durchgeführt wurden, gab es eine Friedenspflicht. Hätte man, wenn es nicht um Politik ging, ja auch nicht festlegen müssen. Vor allem ist es ja so das die Regimes auch Auswirkungen auf die Spiele haben. In China dürften nicht mal Zuschauer Athleten helfen, wenn diese z.B. bei einem Abfahrtslauf gestürzt sind oder ein Bob umkippte. Die Athleten wurden vor der Bevölkerung sonst abgeschirmt, quasi interniert und ausländische Besucher mussten sich rigide Kontrollen gefallen lassen. Wie frei die Spiele in Katar werden? Angeblich gibt es ja eine Zusage das deutsche Fans Sicherheitsgarantien haben. Ich glaube nicht daran. Spätems, wenn unter den Fans zwei Männer sind die sich öffentlich küssen oder die Regenbogenflagge dabei ist, wird man sehen ob dem so ist. Schon jetzt kommen ja Vorwürfe, die Kritik wäre „arrogant und rassistisch“. Zu den Athleten: es ist es ja auch so, das viele der nicht so demokratischen Staaten keine Sportförderung haben, sondern weil das Regime mit Medaillen angeben will, jeder der das Potenzial hat, muss dort Sportler werden muss, mit wenig eigenen Freiheiten. Man sah das bei dem Fall der viel zu jungen Eiskunstläuferin bei der letzten Winter WM aus Russland. Bei allen Staaten schwingt zudem der Verdacht des Staatsdopings mit, der ja dazu führte das russische Athleten mittlerweile weitestgehend von Spielen ausgeschlossen sind. Diese Zustände sind ja nun mal nicht das, was man unter „Freier Jugend“ allgemein-hin versteht.

Vor allem ist die Vergabe an diese Länder eine Folge des Kommerzes. Entweder versteckt über Bestechungsgelder oder offen, indem die Länder einfach zusagen alle Knebelverträge von FIFA und IOC zu akzeptieren und viel Geld in die Spiele zu pumpen. Es geht ja schließlich um Werbung – weniger im Ausland als vielmehr das Punkten bei der einheimischen Bevölkerung. Sport ist enorm kommerzialisiert worden und das Geld das umgesetzt wird, landet nicht wieder beim Breitensport. Die Einkünfte landen bei einigen Organisation wie dem IOC oder FIFA oder einigen Vereinen an der Spitze, wie z.B. bei den Rekordumsätzen der Bundesliga. Um das auf die Spitze zu treiben, sind IOC und FIFA auch noch als Vereine registriert und in der Schweiz angesiedelt, damit sie wenig Streuen zahlen. Die Schweiz ist ja das Vorbild für die neutrale Haltung der Organisationen. Auch hier dient diese als Vorwand damit man weiterhin Geschäfte mit jedem machen kann. Das treibt dann solche Blüten das Deutschland Munition für den Gepard-Flugabwhrpanzer nicht mehr liefern darf weil sie aus der Schweiz stammt. Wenn Neutralität für die Schweiz also heißt, das man ein defensives System mit dem die Ukraine sich gegen die Luftschläge Russlands, die ja inzwischen vor allem der Zivilbevölkerung und Infrastruktur gelten, nicht mit Munition versorgen kann, um sich gegen einen Aggressor zu wehren der einen Angriffskrieg (und die sind völkerrechtlich von der UNO geächtet, und die Schweiz ist Mitglied der UNO) begonnen hat, dann würde ich die Schweiz als einen Verbündeten Russlands ansehen und die EU sollte mal darüber nachdenken, genau die gleichen Sanktionen wie gegen Russland gegen die Schweiz umzusetzen. Auch die Schweiz ist ein Beispiel für das Dagobet Duck Ptinzip: Auch dort haben es Asylsuchende Schwer, je reicher ein Land ist desto weiter geht es mit der Moral bergab. Wie ich bei der Recherche feststellte scheint es auch beim Thema Gleichstellung und Sexualstrafrecht in der Schweiz Nachholbedarf zu geben. Die UN hat vor wenigen Tagen der Schweiz nicht weniger 70 Vorschläge dazu unterbreitet. Warum wundert mich das überhaupt nicht?

Zurück zu Katar. Das die Fußball-WM dorthin vergeben wurde, daran können wir nichts ändern. Aber man könnte endlich mal Konsequenzen ziehen. Das geht mal damit los, dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk keine Senderechte einkauft und die Spiele überträgt. Man kann nicht in den Nachrichten und Magazinen über die Missstände dort berichten und dann die Spiele übertragen, als wäre nichts gewesen. Fans die sie unbedingt sehen wollen, haben ja immer noch die kommerzielle Alternative entweder auf Privatsendern oder bei Sky oder Magenta TV. Und ich bin auch dafür das kein Politiker zu deutschen Spielen anreist.

Anders sieht es bei der Frage der Teilnahme aus. Aus den Erfahrungen mit Moskau 1980 und Los Angeles 1984 habe ich den Schluss gezogen das dies nichts bringt. Bei den olympischen Spielen ist es so, das vielen Athleten das Land und seien Situation weitestgehend egal ist. Aber viele Sportler haben hier die einzige Gelegenheit in vier Jahren – und Sportlerkarrieren dauern ja nicht ewig – in den Fokus der Öffentlichkeit zu geraten. Denn jenseits von Fußball, Tennis und einigen anderen Sportarten ist es so, dass die meisten Sportarten die es bei Olympia gibt, ein Schattendasein führen, mal ins Rampenlicht kommen wenn es eine WM oder olympische Spiele gibt und so ist das für viele Sportler auch die einzige Chance durch Bekanntheit einen Werbevertrag zu ergattern. Beim Fußball stellt sich die Frage sowieso nicht, weil dafür die (Ma)FIFA und der DFB, zwei ebenso korrupte wie kommerzielle Organisationen verantwortlich sind, ob eine Mannschaft zur WM kann.

Das es vorwiegend um Kommerz geht, das beweist auch der letzte Punkt die Sinnhaftigkeit von Spielen. Die Winterolympiade 2014 fand in Sotschi statt, dem wärmsten Punkt von Russland, dass ansonsten sicherlich genügend Plätze für Winterspiele gehabt hätte, wo man ja Schnee und tiefe Temperaturen braucht. Aber Putin wollte sie in Sichtweite seines Kleptomanie-Palastes haben. In China wurde eine intakte Umwelt zerstört damit dort Winterspiele unter Kunstschnee stattfinden konnten und nun findet eine WM in klimatisierten Stadien statt weil es sonst unerträglich heiß ist. Schon bei der Leichtathletik-WM fand die nachts wegen der niedrigen Temperaturen unter kaum Publikumsverkehr statt. Bedingt dadurch, dass man heute, wenn es auch viel Energie kostet, die Bedingungen für Sportereignisse herstellen kann die man braucht wird das nicht so bleiben. Ich denke bald sehen wir eine Winter-Olympiade in Saudi-Arabien oder den VAE. Nur Fußball-WM in Grönland und Island wird uns erspart belieben – aber nur weil die Staaten sich diese Ereignisse nicht leisten können.

Das Interessante ist das alle den Zirkus noch mitmachen. Im Profifußball konnte man schon vor Jahrzehnten gut verdienen. Es gibt Filme aus den frühen Siebzigern, die zeigen Beckenbauer und Netzer in teure Pelzmäntel gehüllt aus einem Porsche steigen. Aber es hat sich ja nicht nur was in der Höhe des Gehalts verändert. Vielleicht liegt es an mir, aber ich kann nicht Fan von etwas abstraktem wie einem Verein sein. Meine Nichte mit Mann und mein Bruder sind Fans des VfB. Als ich jung war, hatte der VfB Spieler, die auch aus der Region stammten – Hansi Müller, Rohleder, die Förster Brüder, Guido Buchwald, Klinsmann. Da konnte man sich mit dem Verein identifizieren, denn er repräsentierte auch mit den Spielern die Region. Heute werden die Spieler wie Waren verkauft und gekauft. Damit ist eben Fußballspielen und damit Geld verdienen ihr Job und wie bei jedem anderen Job, wechselt man bei besserer Bezahlung den Arbeitgeber. Die Mannschaft fluktuiert dauernd, ein regionaler Charakter oder auch nur deutscher Charakter ist nicht mehr gegeben, mit was kann ich mich noch beim Fußballvereinen identifizieren? Das ist ja etwas komplett anderes, als wie bei der Nationalmannschaft die für Deutschland spielt und in der nur deutsche Staatsbürger spielen dürfen. Noch weniger verstehe ich, wie man an einem Verein interessiert sein kann, bei dem auch das Kriterium – er ist in der Regionen in der man lebt ansässig – auch noch wegfällt. Aber zwei meiner Neffen sind Fans vom HSV und Bayern München.

Das Rad ist nicht zurückzudrehen, selbst wenn es irgendwelche Vorgaben gäbe wie maximale Anzahl der Spieler mit Nichtdeutscher Staatsangehörigkeit pro Verein, würde es mit dem Hinweis auf die Konkurrenzfähigkeit in internationalen Wettbewerben, sich bald Widerspruch regen.

Wie kommerzialisiert das ist, zeigt sich ja auch an dem Vorst0oß der FIFA die WM und EM nun alle zwei Jahre abzuhalten. Ich wage zu prophezeien., das wird kommen, wahrscheinlich werde ich es noch erleben, das Die Meisterschaften dann jährlich kommen – in der Sommerpause die WM und in der Winterpause die EM. Warum auch nicht? Für die Millionen, die Spieler verdienen, können sie auch mal so viel arbeiten wie Arbeitnehmer und nicht nur 34 von 52 Wochen im Jahr. Sportfans können jetzt schon mal einen Vorgeschmack kosten, wie eine WM bei Glühwein und Lebkuchen anstatt Bier und Brezeln ist.

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