Schlechte Zeiten für die bemannte Raumfahrt

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Es ging in den letzten Jahren hin und her bei der bemannten Raumfahrt in den USA: Das Shuttle wurde eingestellt und Constellation geboren. Nach fehlender Finanzierung wurde auch dieses eingestellt, ohne das die eigentlichen Projekte aber so richtig aufgegeben wurden – Aus der Ares V wurde das SLS. Aus dem Orion das MPCV. Was fehlt ist eigentlich nur ein Ziel – sowie die gesamte Technologie auf ihm zu landen. Daneben gibt es Finanzierungsprogramme für kommerziellen Crewtransport und Versorgung, Technologieforschung ohne konkrete Vorgabe und robotische Vorläufermissionen ohne Missionsziel. Natürlich gab es in den letzten Jahren noch ein paar Nebenkriegsschauplätze, weil jede Lobbygruppe versucht noch was für sich rauszuholen. So wurde als die Entlassungen beim Auslaufen des Shuttles kamen, dann plötzlich vorgeschlagen das wieder zurückzunehmen, obwohl bei vielen Komponenten 2-3 Jahre vergehen würden, bis sie erneut zur Verfügung stehen würden. Oder es wurden völlig unbekannte Firmen beauftragt die Versorgung der ISS zu übernehmen. Continue reading „Schlechte Zeiten für die bemannte Raumfahrt“

Russland ist kein Vorbild

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Heute bin ich mal in der Laune, mich wieder bei einigen unbeliebt zu machen. Rühri kann mich schon mal überall als Gegner der russischen Raumfahrt verunglimpfen. Ich bekomme ja immer wieder Mails und auch Kommentare hier im Blog, man möge doch diese oder jene russische Trägerrakete verwenden oder dieses russische Triebwerk und überhaupt hätten es die Russen raus wie man alles preiswert produzieren könnte und die ESA/EADS/Arianespace wären viel zu teuer.

Ich halte das für völligen Blödsinn

Warum? Nun weil verkannt wird, was die Preistreiber bei einer Rakete sind und wie sie produziert wird. Das teure an einer Rakete ist die Arbeit. Es werden so wenige hergestellt, das vieles nicht automatisierbar ist und selbst wenn, dann machen Kontrollen einen großen Kostenfaktor aus. Bei der Saturn V entfielen nur 6 % der Herstellungskosten auf die Materialen, 28 % auf die Fertigung und 66 % auf die Qualitätskontrolle. Eine Rakete ist vereinfacht gesagt so teuer, weil sie noch viele Leute von Hand daran arbeiten und vor allem viel kontrollieren und prüfen. Das machen in der Regel qualifizierte Techniker, die dafür gut bezahlt werden. Die Fertigung ist damit eher mit Einzelanfertigungen vergleichbar. Schon der Vergleich mit Großraumflugzeugen hinkt, weil dort schon mehr automatisiert wird und die Produktionsserien größer sind. Verglichen mit einem Flugzeugbau ist das wie der Vergleich der Fertigung der S-Klasse mit einem Maybach. Continue reading „Russland ist kein Vorbild“

Chinas Raumfahrt

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Als ich für mein Trägerraketenlexikon durch Chinas Raketenzoo durchgegangen bin, fühlte ich mich an die Anfänge der Raumfahrt erinnert. Damals schienen die Sowjets in enorm schneller Zeit zahlreiche neue Raketen in Dienst zu stellen – Auf die Sputnik folgte die Luna, dann die Wostok, Woschod, Molnija und die Sojus – bis sich 1967 herausstellte, als man erstmals eine Rakete in Natura bei der Pariser Luft & Raumfahrtausstellung sehen konnte, dass es immer ein und dieselbe Rakete war, nur mit unterschiedlichen Oberstufen, bzw., sogar nur unterschiedlichen Versionen einer Oberstufe.

Das System der Desinformation haben die Chinesen übernommen: Die Gesamte Serie Langer Marsch 2-4 mit offiziell nicht weniger als 13 Versionen, besteht aus nur vier Triebwerkstypen. Dabei haben alle in den ersten beiden Stufen dieselben Triebwerke, nur unterscheiden sich die Massen leicht. (Gleicher Durchmesser von 3,35 m, unterschiedliche Stufenlänge). Das wird dann ergänzt durch zwei Oberstufen und Booster, die im Prinzip aus einem der vier Triebwerke der ersten Stufe bestehen. Würde Europa es auch so machen, hätte man ohne Problem aus den sechs Versionen der Ariane 4 und drei Revisionen der Oberstufe auch angeblich 18 verschiedene Träger angeben können. Continue reading „Chinas Raumfahrt“

Die Bundeswehr und Leckeres aus China

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GDA EmpfehlungenWie passend zum Blog hat das Kabinett beschlossen, sich an einer EU Mission zur Bekämpfung der Piraterie am Golf von Somalia zu beteiligen. Doch wie! Die Bundeswehr soll weder Piraten verhaften, noch Schiffe aufbringen oder gar versenken. Nur sie davon abhalten Handelsschiffe zu kapern. Nicht einmal Soldaten dürfen auf Handelsschiffen zum Schutz mitfahren. Hallo? Habt ihr in Berlin denn vollständig den Verstand verloren? Was soll ein solcher Einsatz? Davon wird das Problem doch nicht gelöst und die betreffenden Soldaten müssen sich doch zu Recht verarscht vorkommen. Es ist der Tiefpunkt in der Weise wie mit der Bundeswehr umgegangen wird. Bis zur Wiedervereinigung war es relativ einfach: Die Bundeswehr hatte nach Grundgesetz nur die Aufgabe der Landesverteidigung und dürfte nur in Friedensmissionen der UNO teilnehmen, aber nicht in Kampfeinsätzen. Dann  meinte man, wir müssten mehr tun und hat das Grundgesetz zu ändern: Mit dem Resultat, dass der erste Kampfeinsatz der Bundewehr kein UNO sondern ein NATO Einsatz war, also völkerrechtlich nicht ganz eindeutig, auch wenn angesichts der Politik von Serbien zwingend notwendig. Seitdem soll nach dem Willen der Regierung die Bundeswehr überall mit dabei sein, ohne dass man sich allzu sehr nass machen will. Es könnte ja gefährlich werden. So schauen sich die Soldaten in Afghanistan die Opiumplantagen an, weil wenn man was dagegen tut, könnte man die Unterstützung der Warlords verlieren und nun sollen sie Piraten vertreiben ohne welche gefangen zu nehmen oder die Schiffe zu versenken. Das letzte halte ich für das wichtigste: Wenn man sich schon scheut die Piraten vor Gericht zu stellen, weil es rechtliche Probleme geben könnte (es fand ja alles im Ausland statt) oder diese einen Asylantrag stellen können. Dann sollte man wenigstens die Schiffe versenken und die Piraten beim nächsten Landgang wieder von Bord schmeißen.

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Der Unterschied zwischen China und Indien

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Gestern startete die indische Mondsonde Chandrayaan 1. Es ist die zweite Mondsonde eines Schwellenlandes, nach dem Start von Chang’e-1 zum Mond, fast genau auf den Tag 1 Jahr nach dem Start Chinas Mondsonde am 24.10.2007.So weit so gut. Trotzdem unterscheiden sich beide Sonden dramatisch.

Es gibt über Chandryaan-1 viel mehr Informationen, vor allem aber ist es eine internationale Mission. Zwei Experimente kommen aus den USA, drei aus der ESA. Auch ein technischer Vergleich der beiden Sonden – Leistungen und Anzahl der Experimente verglichen gegen die Startmasse fallen zu Gunsten von Chandrayaan 1 aus. Indien zeigt, dass es technologisch China auf dem Gebiet der Raumfahrt die Stirn bieten kann. Zumindest in diesem Teilgebiet sogar führend ist.

Es bleibt zu hoffen, dass auch die Informationspolitik so bleibt. Obgleich nicht vergleichbar mit der ESA und NASA gibt es von indischen Trägern erheblich mehr Informationen. Überträgt man dies auf Chandrayaan 1 So wird diese Mission sich recht deutlich publizistisch von Chang’e‘-1 unterscheiden.

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