Testbericht ALDI Cyco Alu-City Bike 71 cm/28″

ALDI Cyco City BikeDa ich mich nach Tests richte, die aber bei ALDI wegen der Aktionen meistens nicht voraus vorliegen, heute ein Testbericht über das Alu City Bike, das es ab nächster Woche bei ALDI gibt. Denn ich denke, es ist weitgehend zu dem identisch, das ich vor drei Jahren kaufte und erscheint auch jedes Jahr zur selben Zeit im Prospekt.

So kann ich einen Bericht über drei Jahre abliefern, anstatt einem kurzen Ausprobieren. Wichtig ist sicher, wofür man das Fahrrad einsetzt. Ich habe keinen Führerschein, also erledige ich „per Pedes“ alle kurzen Strecken und alle Einkäufe. Zwei bis dreimal pro Woche gehe ich auch zum Sport in den Nachbarort. Ich komme so auf eine Fahrleistung von 25 bis 35 km pro Woche. Das ist sicher mehr, als die meisten in der Stadt zusammenradeln, aber deutlich weniger, als wenn man mit ihm zur Arbeit fährt oder auf dem Land ist. Vielleicht aber gerade deswegen für eine mittlere Nutzung repräsentativ.

Ich bin sogenannte City oder Hollandräder gewohnt, vor allem liegt mir an einer Rücktrittbremse, weil ich die von klein auf gewohnt bin. Da ich in den Wintermonaten auch noch mein altes Rad einsetze damit es nicht ganz so schnell durchrostet, kann ich auch recht gut vergleichen.

Verglichen mit meinem alten Rad, das zu DM-Zeiten 999 Mark im Fachhandel kostete, schlägt sich das ALDI Rad recht gut. Es ist leichter, wahrscheinlich durch den Aluminiumrahmen und ich komme auch leichter vorwärts, muss also weniger stark treten bzw., habe meistens einen Gang höher eingelegt. Mit den sieben Gängen komme ich hier auf den Fildern gut zurecht. Bei uns ist es durchaus hügelig, aber nicht wie im Gebirge. Steigungen von 5-10 % kommen auf dem Weg durchaus vor und sind ohne in den letzten Gang schalten zu müssen meisterbar. Die Gänge rasten nach drei Jahren ohne Inspektion auch noch sauber rein und schalten sofort.

Es ist das erste Fahrrad bei dem man tatsächlich die Endmontage und Einstellung nur mit dem mitgelieferten Inbus-Schlüssel (er ähnelt dem von IKEA) erledigen kann. Man braucht ihn eigentlich nur für den Lenker. Der Schnappverschluß für den Fahrradsattel machte in den ersten drei Monaten Probleme, als langsam wieder der Sattel sank und alle paar Wochen neu eingestellt werden musste, danach war Schluss damit. Wahrscheinlich war das Rohr anfangs zu glatt und hat nun etwas mehr Haftreibung.

Zu kritisieren habe ich nur vier Dinge. Das eine sind die Reifen. Es sind Reifen mit den normalen Ventilen. Ich tendiere zu denen mit Autoventilen, was auch zu der auch dieses Jahr zeitgleich angebotenen Fussluftpumpe passt. Meine Erfahrung mit normalen Ventilen ist, das die Fahrradluftpumpen irgendwann nicht mehr sauber abdichten und man eine neue kaufen muss. Bei den Adaptern für Fusspumpen ist es eine wackelige Angelegenheit. Sie fliegen oft beim Pumpen wieder ab. Daher finde ich die Autoventile viel praktischer, aber das ist Geschmackssache. Wer natürlich bei einer Panne flicken und neu aufpumpen muss, wird wohl die erste Alternative wählen. Nur gehe ich bei einem City Bike eben nicht von dem Einsatz bei größeren Touren aus.

Das zweite ist der Gepäckträger. Er ist eine einfache Konstruktion mit wenig Spannung auf dem Träger. Also einige Säcke Blumenerde rutschfest einspannen geht nicht. Wer immer einen Korb einsetzt, dem kann das aber egal sein. Dafür reicht er allemal aus oder man nimmt einige Spanngummis um dieses Manko auszugleichen.

Die Bremsen sind für meine Hände etwas weit weg vom Lenker, so erreiche ich sie eigentlich nur mit den Fingerspitzen und bremse meistens mit der Rücktrittbremsen. Dabei habe ich als Mann die Damenvariante gewählt (wegen des leichteren Einstiegs) sodass ich eigentlich wegen der Anpassung an kleinere Hände leichter an die Bremsen kommen sollte.

Zuletzt das Dauerärgernis: Der Reflektor. Er sitzt zu lose und man kommt mit Werkzeug auch nicht richtig an ihn heran um ihn richtig fest zu schrauben. Selbst wenn, reicht eines der vielen Schlaglöcher oder Bodenwellen auf den Feldwegen die ich befahre aus, dass das Licht wieder 3 m vor mir auf den Boden zeigt. Das ist ziemlich ärgerlich, auch weil ich selbst im Sommer zweimal nachts unterwegs bin auf Wegen die nicht beleuchtet sind. So ist der Griff in der Fahrt um den Reflektor hochzuziehen fast schon üblich. Eine Lösung wäre hinten ein kleines Gegengewicht, dass der Reflektor nicht durch das Gewicht der vorderen Linse bei lockerem Sitz automatisch nach vorne kippt.

Diese Einschränkungen muss man aber in Relation sehen – in Relation zu dem Preis von 229 Euro. Für den Preis gibt es normalerweise nur deutlich einfache Fahrräder mit einer Dreigangschaltung. Da kann man noch 10-15 Euro für ein Akkulicht und einige Fahhradspanner drauflegen und damit die wichtigsten Einschränkungen meistern. Zu Empfehlen als Zubehör sind die Fahrradtaschen vom Typ „Shopper“ – zusammen mit einem Fahrradkorb wickele ich so seit drei Jahren alle Einkäufe eines zwei Personenhaushaltes ab und bekomme auch alles unter.

Inzwischen (2013), den Beitrag oben schrieb ich 2011 habe ich auch das Nachfolgemodell der Aktion im April 2013. Siehe dazu hier.


 
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14 replies


  1. Vielen Dank Herr Leitenberger für den hilfreichen Bericht über das ALDIRad.
    mfg


  2. Hallo ich finde den Testbericht gut und werde gleich eins holen.


  3. Die Entwicklung des Avioso Elektrofahrrades sollte noch mal etwas genauer unter die Lupe genommen werden.Heftet doch mal 2 Fahrräder zusammen, hängt eine Sitzgelegenheit dazwischen und fertig ist das 0.1 Liter Auto.


  4. Hässlich finde ich es nicht. Ich wüsste jetzt auch nicht was bei einem Fahrrad so hässlich sein sollte, außer man findet bestimmte Bauformen hässlich. Wenn es in rosa wäre, dann würde ich mich schämen damit zu fahren….


  5. OK Bernd, du bist verärgert, daß ich den Fokus auf das Aldi-Rad verlassen habe.

    Daher will ich meinen ganz persönlichen Kommentar zum fotografierten Aldi-Rad hinterlassen.

    Es ist häßlich. So häßlich wie ein funktionaler Industrie-Bau. Ich wäre nicht besonders stolz damit zu radeln.
    Aber es hat ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Es wurde nicht dafür konstruiert, zu gefallen. Es ist reduziert auf seine elementare Transportaufgabe im Rahmen moderner Bedürfnisse wie Leichtbau und Gangschaltung.

    Wenn es jahrelang hält, dann Daumen hoch! Besser als die Aldi-Kamera. (welche das Konzentrat aller schlechten Eigenschaften von Digitalkameras ist)


  6. Vielleicht setzt Du die Diskussion hier fort:
    http://www.bernd-leitenberger.de/blog/2010/08/16/verkehrsvision/
    Mit dem Blogbeitrag hat es nun nichts mehr zu tun….


  7. „kostet 3 mal so viel“ … kostet aber nur 1/3 der TCO eines Fuffziger Rollers, und man kann mit recht gutem Umwelt-Gewissen radeln.

    Wenn man teure Ersatzakkus braucht, ist das dem Druckerpatronen-Effekt / Staubsaugerbeutel-Effekt zu schulden.

    Dagegen gibt es 2 Lösungsansätze:

    1.) Elektrofahrräder kaufen, bei denen es billige Ersatzakkus von Dritttherstellern bzw. Industriestandard-Akkus gibt
    2.) Anleitungen zum Selbstbau von Ersatzakkus aus LiPo-Zellen direkt aus China und einer Heißklebepistole für 9,95 von Aldi

    Ich persönlich würde Variante 2) bevorzugen, da man größeren Spielraum bei der Leistungsfähigkeit hat.


  8. Kostet aber mindestens dreimal so viel. Daneben würden mich auch die Zusatzkosten interessieren, wenn mal der Akku ausgewechselt werden muss. So ab 100 mal Laden verlieren alle mir bekannten Akkus an Kapazität und bei 20 km Fahrtstrecke pro Ladung sind das nur 2000 km, also eine Strecke die Du bei 10 km (hin und zurück) in einem Jahr zusammen hast.


  9. Mittlerweile gibt es doch eine Alternative zur X-Gang-Schaltung in bergiger Gegend: Das Elektrofahrrad.

    Strom wird nur zugeschaltet bei Bergfahrt. Dann reicht auch 3-Gang Nabenschaltung. Bei Bergabfahrt rekuperiert der Motor idealerweise, so daß zusätzlich Ladestrom gespart wird.

    Würde meine Arbeitsstelle entsprechend liegen (5km) hätte ich schon lange ein Elektrofahrrad.


  10. Fildern <> Stuttgart. Ins Neckartal möchte ich auch nicht täglich mit einem Siebengang Fahrrad fahren, obwohl ich als Student für die Vorlesungen nach Wangen das gemacht habe, aber das war 1-2 mal pro Woche. Zum Neckartal sind es rund 160 m Höhenunterschied mit ziemlichen Steigungen.

    Auf den Fildern habe ich in meinen Routen maximal 50 m (nach Nellingen) und die verteilen sich recht gut auf eine Strecke von 2 km. Es ist eben hügelig, Das heißt langsame Anstiege und ab und zu größere Steigungen.

    Daher habe ich das auch als City Bike besprochen. Denn wer jetzt z.B. im Stuttgarter Kessel wohnt wird mit ihm gut klar kommen. Wobei Stuttgart ja schon ein Extremfall ist. Die meisten Städte haben ja kaum Steigungen (außer vielleicht Freiburg).


  11. Ist die Spreizung einer sieben Gang Nabenschaltung mittlerweile groß genug für den Raum Stuttgart?
    Ich habe vor 15 Jahren ein paar Jahre in Weilimdorf gewohnt, und mir für den Weg zur Arbeit extra ein neues Rad mit 21 Gang Kettenschaltung gekauft.
    Innerhalb des Ortes war das Dreigang Rad ausreichend; aber nicht, wenn ich in eine andere Richtung als Gerlingen gefahren bin.

    Den Gepäckträger gegen einen stabileren zu tauschen (z.B. ESGE) um einen für Wasser / Bier / Cola Kisten geeigneten Korb montieren zu können ist eigendlich bei fast allen Fahrrädern erforderlich.

    Fahren Sie fast nur auf den Fildern? Oder ist die Definition Berg zwischen Nord- und Süddeutschen so unterschiedlich?
    Für mich ist alles über 50m Höhendifferenz ein Berg.


  12. Von ALDI habe ich noch nie einen PC gekauft, das liegt an zwei Gründen: zum einen kaufe ich seit Jahren von einer regionalen Handelskette mit gutem Service. So war beim letzten PC kurz nach dem Kauf im Netzteil ein komisches Geräusch zu hören: Vor der Arbeit hingebracht danach abgeholt (er wäre auch in einer Stunde fertig gewesen.

    Der zweite Grund,warum ich die ALDI-PC’s nie besonders beachtet habe ist dass dort nur Rechner mit zig Schnick-Schnack verkauft werden den ich mitbezahle, aber nicht brauche, wie z.B. eine Grafikkarte für aktuelle Spiele – ich spiele wenn überhaupt nur ziemlich abgelagertes und dafür reicht Onboardgrafik vollkommen aus.


  13. Ich finde den Test super :)Vielen Dank dafür. Ich überlege mir das Aldi Fahrrad zu kaufen und dies hat mir jetzt zu der Kaufentscheidung sehr weitergeholfen.


  14. 3 Jahre sind ein ordentlicher Zeitraum um ein Produkt zu testen. Wenn man bedenkt, wie schlecht Fahrräder von Stiftung Warentest sonst oft beurteilt werden scheint dieses ja wirklich gut zu sein.
    Ein Fahrrad von Aldi hab ich nun nicht. Wenn ich aber technische Produkte dort gekauft habe, waren die absolut in Ordnung und auch günstig im Preis. Letzte Woche hab ich eine Deckenlampe gekauft. Sehr gut verarbeitet und etwas günstiger als im Baumarkt. Einzig bei PC von Aldi wäre ich skeptisch. Als die vor mehr als 10 Jahren damit anfingen war das sicher ok, heute gibt es bessere Möglichkeiten an einen günstigen PC zu kommen.

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