Gute Idee, aber Umsetzung mangelhaft

Ich habe gerade einen Testbericht über die erste Festplatte mit Flash Speicher gelesen. Die Idee dahinter ist recht gut: Man integriert auf die Festplatte Flash Speicher, das ist nichtflüchtiger speicher, den Sie von ihrer SD, CF Karte oder ihrem USB Stick kennen. Er kann mehreres: Den Zugriff auf die Festplate beschleunigen, weil er als Puffer (neben den wenigen MB RAM, die eine Festplatte ohnehin hat) fungiert, man kann in ihm Betriebssystemdateien oder häufig geladene Programme unterbringen und deren Start so beschleunigen und man kann die Festplatte abschalten, wenn ein Programm nur auf einen kleinen Datenbestand zugreift, sie z.B. an einem Text arbeiten und den ab und an sichern.

Die erste Festplatte für Notebooks kostet 30 Euro mehr als eine normale Festplatte und hat 256 MB Flash Speicher an Bord. In einem Test der Computerzeitschrift ct blieb aber nichts von den Versprechungen übrig: Weder die Festplatte wurde schneller, noch wurden Programme schneller geladen. Auch das booten ging nicht schneller und der Indizierungsdienst von Vista (das einzige Betriebssystem das diese Technologie unterstützt) verhinderte, das sich die Festplatte abschaltete.

Kurzum: ein praktischer Nutzen ist nicht zu sehen. Warum? Wahrscheinlich weil schlicht und einfach durch die Defragmentierung von Windows schon recht schnell von der Festplatte linear gelesen wird, und vor allem weil 256 MB Puffer bei einem Hauptspeicher von 1-2 GB und einer Festplattengröße von 80-160 GB ein Witz sind. Da ist der RAM Puffer von Windows für Festplattenzugriffe ja größer.

Für 40 Euro bekomme ich je nach Medium (SD, CF Karte oder USB Stick) heute einen 2-4 GB großen Flashspeicher. In dieser Größe hätte ich dies auf der Platte erwartet und da wäre der Nutzen auch gegeben. Sinnvoller halte ich aber nicht eine Verwaltung als zwischengeschalteten Puffer, sondern für eine dezidierte Funktion. z.B.. Hosten der Betriebssystemdateien oder der Windows Auslagerungsdatei / des RAMS beim Suspend-Off Modus. Für eine Festplatte ist zudem ein Aufpreis von 30 Euro ziemlich happig, auch wenn s sich hierbei um eine Notebookfestplatte handelt die etwas teurer sind. Es ist je nach Größe ein Aufpreis von 30-50 %. Bei dem Systempreis eines Notebooks macht dies nicht viel aus, wohl aber beim Wahl einer Festplatte. So beträgt die Differenz zwischen einem 80 und 160 GB Modell von Samsung z.B.. nur 35 Euro. Für denselben Preis könnte ein Notebookhersteller also eine wesentlich größere Platte einbauen.

Da beides von der RAM Bestückung abhängt bin ich eher dafür Flash RAM in RAM Module zu integrieren. Flash Speicher ist 3-4 mal billiger als RAM, so wäre der Aufpreis zu verschmerzen. Dafür könnte man dort den Speicher kopieren und den Computer dann wirklich per Knopfdruck ausschalten und beim Einschalten dann ohne Hochfahren da weiterarbeiten wo man war – dann würde ich das sogar machen. Derzeit dauert es mir einfach noch zu lange.

Eine andere Sache ist es das Vista USB Flash Speicher als Arbeitsspeicher Erweiterung nutzen will. sofern sich da nicht massiv etwas ändert ist das ziemlich Blödsinn. Die USB Schnittstelle ist limitiert auf 60 MB/s. Die schnellsten Sticks auf dem Markt lesen und schreiben mit etwas 30 MB/s. Das ist nur in etwa so schnell wie eine Festplatte. Das liegt nicht an den Speichern selbst. Sie sind zwar prinzip bedingt beim Schreiben langsamer als RAM, doch die langsame Geschwindigkeit kommt durch die Controllerelektronik und die Sparsamkeit zustande: Es ist preiswerter einen Stick aus wenigen Bausteinen zu fertigen als aus vielen. Bei vielen Bausteinen steigt aber die Datenrate an (Heute bekommt man 2 GByte auf einen NAND Speicher, das ist eine 16 mal höhere Datenmenge als bei RAM Bausteinen – daher ist dieser Speicher auch erheblich billiger).

Ich sehe für Flash Speicher eine Zukunft, vor allem weil die Kapazitäten so extrem angestiegen sind – Ein Speicherstick mit 1-2 GB Kapazität kostet 10-20 Euro, 3-4 mal billiger als RAM Bausteine, Tendenz: Weiter sinkend. Es gibt heute schon „Festplatten“ nur aus Flash Bausteinen – Noch teuer mit kleinen Kapazitäten von 16 GB, doch angekündigt sind auch Größen bis 160 GB. Soviel muss es gar nicht sein: Es würde reichen eine mittelroße „Festplatte“ aus Flash Speicher für die Programme zu haben – denn auf die greift man sehr häufig zu und auf die eigentliche Festplatte dann eben nur die Daten abzulegen. Eine 32 GB große Platte müsste dafür ausreichen, das kostet heute noch etwa 300 Euro, doch denke ich wird es in ein paar Jahren so preiswert sein, dass man es in jedem Computer einsetzen wird. Ich kann mich noch an meinen ersten USB Stick erinnern: Gekauft vor 4 Jahren. Für 42 Euro bekam ich damals 128 MB. Heute bekomme ich für das Geld 4096 MB, also die 32 fache Kapazität. Das entspricht einer Verdopplung alle 10 Monate – RAM Kapazitäten und Festplatten verdoppeln sich nur alle 24-28 Monate.

Es gibt noch unzählige andere Einsatzmöglichkeiten: Warum gibt es nicht die Stereoanlage mit einigen GB Flash Speicher ? Anstatt auf Cassette zeichnet man in den internen Speicher auf – Billiger und leiser als eine Festplatte ist es und bei Musik braucht man auch nicht die riesigen Kapazitäten. 1 GB reichen bei 128 KBit/s (CD Qualität) für 16 Stunden Musik und kosten heute gerade mal 10 Euro (okay, dann kommt noch etwas für den Encoder dazu). Und wenn es mal voll ist kann man es auf einen USB Stick übertragen.

Ein Fernseher mit etwas mehr Speicher erlaubt recht einfach zweitversetztes Fernsehgucken oder das Überspringen von Werbung. Komprimiert man mit MPEG-4, so reichen 1 GB für etwa 100 Minuten. 2-3 GB sind für die meisten Leute ausreichend, man kann damit 3-5 Stunden ab puffern. Die Möglichkeiten sind da – macht was draus!

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