Vergleiche in der Werbung

Vor einigen Tagen bekam ich eine Mail, in der ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass nun Danone in seiner Werbung für die Fruchtzwerge auf einer neuen Welle reitet. Sie werben mit dem Calcium und Vitamin D in den Fruchtzwergen. Wer so wie ich etwas älter ist, der kennt ja diese Firma und ihre Werbung für die Fruchtzwerge. Früher war es lange Zeit "So wertvoll wie ein kleines Steak". Das wurde ihr irgendwann verboten, weil es hochgradig irreführend ist. Das einzige was daran stimmte ist, dass der Energiegehalt vergleichbar ist, die Fruchtzwerge aber viel mehr Zucker und Fett und weniger Eiweiß als ein Steak enthielten.

Nun soll mit Calcium und Vitamin D geworben werden. Und ich habe mir mal die Seite angesehen. Der Calcium Gehalt und Vitamin D Gehalt stammt offensichtlich aus der Milch. So gesehen könnte man auch Milch oder ein Milchprodukt zu sich nehmen. Das erste was mir auffiel war auf der "Wussten sie schon" Seite die Grafik. Nach der sollten Fruchtzwerge sehr viel weniger Fett und Kohlenhydrate enthalten als andere Produkte.

Wer sich die Grafik genau ansieht der stellt einige Besonderheiten fest. Das erste ist der Maßstab in der X-Achse der erst bei 10 % Kohlenhydrat-Gehalt anfängt. Würde man auch hier von 0 anfangen, so sähe das Ergebnis weitaus weniger spektakulär aus. Die meisten Produkte liegen bei 12-17 % Kohlenhydrate. Da sind die Unterschiede nicht so groß. Das gilt noch mehr für das Fett, wo eine so hohe Y-Achse eigentlich nur für ein Produkt mit 14 % Fett (offensichtlich ein Rahmjogurt) notwendig ist. Alle anderen liegen zwischen 2 und 6 % Fett.

Das nächste ist: Womit vergleiche ich mich? Wenn ich einen für mich günstigen Vergleich haben will, dann suche ich mir einfach Konkurrenzprodukte heraus, die schlechter als mein Produkt abschneiden. Das ist bei "Kinder" Produkten recht einfach, denn diese sind herstellerübergreifend zu süß und mit hohem Fettanteil gemacht. Die einzigen beiden Fruchtjogurts im Vergleich sind weitaus besser eingeordnet. Der Autor hätte kein Problem, aus dem nächsten Supermarkt einige mehr zu besorgen, die besser als Fruchtzwerge abschneiden.

Inzwischen ist es ja etwas besser geworden und der Energiegehalt von Fruchtzwergen ist "nur" noch so hoch wie bei normalem Fruchtjogurt. Früher war es recht fettreich. Heute bestehen Fruchtzwerge aus Magerquark, der ominösen Traubenfruchtsüße und Frucht. Der Hersteller gibt keine genaue Rezeptur an, doch das lässt sich aus dem Eiweiß/Fett/Calcium Gehalt rekonstruieren. Vor allem ärgert mich seit Jahren die Unverfrorenheit, mit der man Glucose oder Glucose-Fructose Sirup als "Traubenfruchtsüße" bezeichnet. Mit Trauben und ihren wertvollen Inhaltsstoffe hat das genauso wenig zu tun, wie der Einsatz von Butterreinfett mit der Milch etwas zu tun hat. Das dies noch nicht verboten wurde, zeigt in welchem Zustand unsere Lebensmittelüberwachung ist. Die Frage ist wann andere Hersteller nachziehen. Warum bezeichnet man dann nicht Sonnenblumenöl als "Die Kraft aus Sonnenblumen" oder Haushaltszucker als "Rübenfruchtsüße" oder wie wäre es mit der Bezeichnung "Milchkonzentrat" für Molke?

Dazu passt auch dass der Hersteller seine Produkte schön redet. Ein Zitat aus einer Broschüre."Tatsache ist: Nicht der Zucker ist es, der dick macht, sondern das Fett – und der Umstand, dass Zucker oft in Form von Süßigkeiten aufgenommen wird, die relativ fetthaltig sind". Das ist schlicht und einfach falsch. Zucker wird in Fett umgewandelt und er sättigt gar nicht. Daher kann man von ihm recht viel konsumieren ohne satt zu werden. Zwar sind zahlreiche Süßigkeiten fetthaltig, doch kann man jede Menge Zucker auch mit Saft, Limonade, Bonbons und Gummibärchen zu sich nehmen und dadurch dick werden. Da vor allem der Zuckerzusatz bei diesem Produkt so in der Kritik steht, ist es für mich nicht verständlich, warum er nicht zumindest einen Teil durch Süßstoffe ersetzt.

In der Summe soll es doch darauf hinauslaufen ein Produkt als gesund zu bezeichnen, obwohl es das nicht ist. Ich rate Eltern dazu, generell um solche speziellen "Kinder" Produkte einen Bogen zu machen, auch um Produkte einer Firma bei denen "Kinder" dick auf der Verpackung drauf steht. Eine Alternative sind Diätjogurts (die eben nicht so viel Zucker enthalten) oder selbst gemacht Desserts aus Naturjogurt oder Quark und Marmelade. (Auch die gibt es energiereduziert). Wer selbst mischt, setzt meist weniger Zucker zu, als in den gekauften Produkten drin ist und der Fruchtanteil ist auch höher. (er muss bei einem fertigen Fruchtjogurt nur 6 % betragen).

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