Verblödungs-Fernsehen und Killerspiele

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Ich habe es ja schon erzählt. Ich schaue mir zusammen mit einer Kollegin in der Mittagspause Germanys next Top Modell an, jeweils von Werbeblock zu Werbeblock. Das ganze ist recht kurzweilig anzusehen, vor allem wegen der musikalischen Unternahlung der Szenen. Allerdings bekommt man mit der Zeit auch Mitleid mit den Mädchen, von denen ja nur eine Gewinnen kann und wenn sie dann von Model-Domina Heidi Klum so auf die Folter gespannt werden und am Schluss doch wieder eine gehen muss, dann leidet man ein bisschen mit. Nicht weil sie gehen müssen, sondern weil dieses Sendeformat so ist. Das gleiche gilt im Prinzip für andere Casting Shows. Bei dieser Staffel von GNTM ist eigentlich schon nach einigen Folgen klar, dass Marie das Rennen machen wird. Sie hat dieses typische Modell Gesicht mit den ebenmäßigen Ausdruck, ideal für Kataloge oder Covers wo das Modell zwar gut aussehen soll, aber eben auch nicht vom Produkt ablenken. Zudem hat sie ja schon ein paar Aufträge gewonnen.

So gesehen könnte man das ganze einstellen und die Siegerin küren und Heidi (oder sonst eine Agentur) könnte den Verliererinnen, die vielleicht nicht die besten sind, aber bei denen es zumindest zum Model (wenn vielleicht auch nicht Top Model) reicht, einen Vertrag anbieten. Doch dann wäre die Quote wohl futsch. Die Frage die ich mir stelle ist aber die: Was diese Casting Shows vermitteln? Du musst dich nur irgendwo vorstellen, einige Runden überstehen und Du hast es geschafft, bist ein Superstar oder Topmodel. Wozu Berufsausbilddung, wozu in der Schule lernen? Braucht man alles nicht!

Das könnte man fortsetzen durch zig verschiedene Doku-Soaps und was sonst noch so läuft. Die Leute die dort kommen, tun alles, nur eines nicht: Arbeiten, Studieren, Lernen. Da geht es um Teenager die rum hängen und sich von den Eltern aushalten lassen. Mädchen die mit 17 ihre Brüste operieren lassen oder Fett absaugen. Im Prinzip läuft es so: Das Fernsehen zahlt dafür, dass sie über mich berichten dürfen, inklusive verzerrter Darstellung oder lächerlich machen. Wer intelligent ist oder es zu was gebracht hat (oder bringen will9 hat so was nicht nötig und kommt nicht im Fersehen.

Die Frage ist: Was richtet das bei jemanden an, der das täglich anschaut? Wenn die Politik glaubt, das jemand vom Spielen von Ego-Shootern so aggressiv wird, dass er einen Amoklauf begeht und sich anschließend umbringt, was muss dann das dauernde Berieseln mit solchem Fernsehen anreichten? Das Leute meinen, es wäre normal, sich vom Staat aushalten zu lassen, oder man nichts tun müsste um beruflich und schulisch erfolgreich zu sein? Das man auf die schnelle Tour reich wird und jeder der noch arbeitet dumm ist? (Zumindest das letzte scheint richtig zu sein, wenn ich mir da meinen Gehaltszettel und die Abzüge anschaue).

Wäre das nicht eine einfache Erklärung für PISA? Muss eine Jugend die so was anschaut nicht verdummen? Warum tut die Politik nichts dagegen? Was könnte man dagegen tun? Nun wenn man "Killerspiele" verbieten will, warum nicht auch niveauloses Fernsehen? Aber da würde man ja die Gewinne von einigen Konzernen verringern, an denen – das ist ja das pikante – so renommierte Verlage wie Bertelsmann und Brockhaus beteiligt sind. Auf der einen Seite also die 24-Band Enzyklopädie in Leder mit Goldbelag produzieren und auf der anderen Seite Assozialenfernsehen!

Ich habe eine Vision: Es muss eine Mindestanforderung an Qualität für das Fernsehen geben. Zum einen für eine bestimmte Sendung (Fleischbeschauen wie "Hot or Not" sollten verboten gehören) und zum anderen für den Durchschnitt eines Senders. Wer also billige Dokus Soaps produziert muss diese Niveauabsenkung durch eine gut recherchierte Reporttage oder eine gute Wissensendung ausgleichen. Wer das ‚"A-Team" zum 20 sten Mal sendet, muss als Ausgleich einen Hollywood Spielfilm in Erstaustrahlung bringen. Das ganze müsste noch ergänzt werden, um Sendezeitenbeschränkung (nicht dass die Wissensendungen dann nur zwischen 3 und 4 Uhr morgens laufen).

Natürlich wird es dazu nicht kommen. Aber wenn ich drüber nachdenke ist der Vorschlag nicht so doof. Wenn ich der Argumentation folge, das Killerspiele (angeblich) aggressiv machen und Amokläufer hervorbringen – wie viel größer muss der Einfluss des Fernsehens sein, dass viel länger bei vielen Jugendlichen konsumiert wird? Dabei müssen nicht grundlegende Hemmschwelen überwunden werden, die jeder hat (auch wenn es im Film so einfach aussieht: Jemanden zu erschießen erfordert das Überschreiten von Hemmungen) sondern es muss nur das in jedem Menschen liegende Bedürfnis nach Faulenzen oder dem schnellen Weg um etwas zu erreichen (Karriere, Reichtum) nachgegeben werden. Die Hemmschwelle ist dafür erheblich kleiner. Im Gegenteil: Man muss seinen Schweinehund überwinden um zu lernen, zu arbeiten, sich einzusetzen, auch wenn man keine Lust hat oder es einen nicht interessiert.

Ich glaube das eher das Verblödungsfernsehen einen Einfluss auf Menschen hat als Killerspiele. Zeit daran etwas zu ändern!

14 thoughts on “Verblödungs-Fernsehen und Killerspiele

  1. Viele Leute aus meinem Freundeskreis haben inzwischen dem Fernsehen den Rücken gekehrt und legen lieber DVD Abende ein wo sie in Ruhe und ohne Werbestörung ihere lieblingssendungen ansehen können. Mir geht es da ähnlich. Was im Fernsehen derzeit abläuft, ist absolut nicht mehr zu ertragen.

    Heidis Top-Tussi Show ist übrigens denk ich noch fast harmlos im Vergleich zu „Prostitutionsshows“ ala Rock of Love oder Flavor of Love wie sie derzeit auf MTV laufen.

    @Killerspiele: Natürlich ist es mal wieder (wie üblich) zu 95% die CSU, die nach verboten schreit. Die Partei, wo Herr Stoiber anno 2002 kurz nach Ehrfurt den lieben Jäger und Schützenvereinen auf einer Verantstalung versichert hat sie werden gegen hegliche Waffenverschärfungsgesetzte kämpfen. Und diese Meinung hält in der CSU bis heute vor. Meine Erachtens hat die CSU durch diese Politik das Blut sämtlicher Opfer seit Erfurt an ihren Händen kleben.

    Auf NTV war übrigens gestern ein Bericht zum Thema Sportwachen bzw. Waffenvererbung. Fazit war, daß man in Deutschland fast so einfach an Schusswaffen kommt wie in den USA.

  2. Auch wenn ich das risiko eingehe werbung zu machen genau das selbe gefühl was das fernsehn angeht habe ich auch. Und habe vor kurzem eine Sendung im netz gefunden was es recht gut auf den punkt bringt. 🙂 http://fernsehkritik.tv/
    naja ansonsten fernsehn ist schon eine weile nicht mehr das was es mal war und auch die öffentlich rechlichen setzen sich leider nicht wirklich davon ab. Hoffe zwar das es irgendwann wieder besser wird aber warscheinlich wird man auf dvds oder so umsteigen müssen.

  3. Um nochmal auf die von mir kristisierten MTV Shows zurückzukommen:

    Beim durchstöbern von Wikipedia mußte ich feststellen, daß ein nicht gerade geringer Teil der „Kandidatinnen“ aus Playboy Models und Porno Darstellerinnen besteht.

    Was wieder die Frage aufwirft wie gefaked Reality Shows eigentlich sind. Bei den MTV Shows ist es eigentlich schon mehr als offensichtlich.

  4. Ich finde das eigentlich nicht so schlimm, zum Beispiel will ich bei mir auch bald eine Fettabsaugung machen lassen und da ist es interessant zu sehen, wie sowas abläuft.

  5. Moin,

    Es gab da mal so ne Theorie von Timothy Leary: Das Fernsehprogramm wird staendig an Hand der Quoten und Zuschauerbefragungen optimiert. Aus Kostengruenden werden diese Messungen am besten dort vorgenommen, wo viele Menschen gleichzeitig Fernsehen, z.b. im Knast, der Psychatrie, oder Altenheimen. 😉

    ciao,Michael

  6. Getmanys next oberzicke
    U20 – deutschland deine dümmsten kinder
    deutscland sucht den möchtegern
    popidiot,
    u
    s
    w
    .
    Du hast recht, es ist schlimm. meine Mutter ist Psychologin und da ich inzwischen 19 bin kann sie mir auch nicht mehr verbieten irgendwelche spiele zu spielen. Dabei hab ich nur Fallout 3 für die Xbox. Aber wenn sie sieht, dass ich das spiele bittet sie mich eigentlich nur kopfschüttelnd darum, dass ich leiser mache, damit sie das „Geballere“ nicht hören muss. Bei meinem kleinen Bruder (16) ist das etwas anders. Glücklicherweise hasst er Egoshooter aber sportbegeistert und spielt (wenn überhaupt) Madden 09 (also ein sportspiel). aber wenn meine Mutter sieht, dass mein kleiner Bruder so einen Mist guckt, die von einer Brachialschenkelklopfer-Spaßgesellschaft entwickelt wurde, dann zieht sie alle Register, um meinem Bruder von diesem quatsch wegzukriegen.

  7. Man sollte nicht jeden Blödsinn der erzählt wird ungeprüft glauben. Ständig geistern Zahlen von 10 bis 20 Millionen illegalen Waffen in Deutschland durch die Medien. Das sind fast so viel wie die Zahl der Haushalte. Trotzdem kenne ich keinen Haushalt mit illegalen Waffen. Irgendwas kann also daran nicht stimmen.
    Noch ein Beispiel, wie wir von unseren „unabhängigen“ Medien manipuliert werden: Gammelfleisch. Fast bei jeden Bericht wurde erwähnt, daß 10% davon in den Dönern steckt. Was völlig verschwiegen wurde: 90%, also fast alles, steckt in der „anständigen“ deutschen Wurst. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, daß davon auch nur einmal die Rede war.
    Aber es ist ja auch viel einfacher, solche Sprüche ungeprüft nachzubeten als selber zu denken.

  8. Hallo Bernd.
    Ich finde die Auswahl deiner Themen sehr ansprechend und fände es gut, wenn du hin und wieder mal ein Rechtschreibprogramm über den Text laufen lassen könntest… Würde der Wirkung deiner Texte nicht schaden!!!

    Der letzte Satz deines Artikels ist mit Vorsicht zu genießen. Man könnte meinen, du fändest es gut, wenn der Einfluss von Killerspielen auf Menschen wachsen würde, was ich höchst bedenklich finde.

    Zum Glück gehört deine Leserschaft eher zum gebildeten Teil der Bevölkerung 🙂

  9. Was ist denn der Einfluß von Killerspielen? Schon alleine das Wort ist eine üble Hetze. Hier wird einfach unterstellt, daß diese Spiele die Gewaltbereitschaft fördern. Allerdings ist das niemals nachgewiesen worden. Dafür gibt es auch Theorien, nach denen durch solche Spiele ein Abreagieren erfolgt, sie also die Gewaltbereitschaft senken. Also eine Art Überdruckventil das Schlimmeres verhütet. Nur ist in unseren „unabhängigen“ und „gut informierten“ Medien nichts davon zu hören.

  10. Gerne bin ich bereit deinen Blog mit einem Artikel über Killerspiele zu bereichern.
    Zur Zeit befinde ich mich allerdings mitten in der Prüfungsphase. Sobald diese dann vorbei ist werde ich mich hinsetzen und ihn verfassen!
    Du kannst mit dem Entwurf bis zum 3.April rechnen 😀

  11. Als intelligenter Mensch kann man sich ja auch solche Sendungen ansehen zur Unterhaltung, ohne deswegen auf der Stelle zu verblöden. Ich bin auch beruflich erfolgreich, meine Freundin auch, wir schaun uns dennoch manchmal solche verfilmten Sozialstudien an oder GNTM weils unterhaltsam ist. Das TV zeigt was die Leute sehen wollen – die eigentliche Ursache sehe ich also eher in der Bildungspolitik als im TV. Hätte erstere nicht versagt, hätte das TV nicht diesen von Dir beschriebenen Effekt.

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