Ampeln

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So, wie wohl schon bemerkt wurde, habe ich über Ostern keinen Blog geschrieben – ich passe mich eben den Surfgewohnheiten meiner Leser an, die übers Wochenende und am Feiertag besseres zu tun haben. Trotzdem war ich ganz fleißig über Ostern. Ich habe endgültig Teil 1 meines Manuskriptes über europäische Trägerraketen nach fast 4 Monaten Arbeit abgeschlossen. Das sollte eigentlich schon früher geschehen, aber jedesmal wenn ich was durchgelesen habe, fiel mir ein, dass man dies noch ergänzen könnte (nur um 50 Seiten später festzustellen, dass ich dies schon in einem anderen Zusammenhang schon mal erwähnt habe) oder es gab für mich noch offene Fragen die ich klären wollte – um nach einigen Stunden Suche doch nichts neues zu finden. Irgendwann habe ich dann das Korrekturlesen, dass dann mehr zum Umschreiben wurde, aufgegeben und morgen geht dann der Aufruf an die Korrekturleser die sich gemeldet haben raus die und ich hoffe, dass ich dann dieses Projekt bald abschließen kann, auch wenn noch alle Abbildungen fehlen. Da bin ich aber pragmatisch und entscheide mich dann eher für weniger Abbildungen anstatt mit schlechter Qualität zu leben. Vom geschäftlichen Standpunkt her bin ich ja ziemlich dumm: Bei jedem Buch versuche ich noch etwas mehr Text auf die Seiten zu quetschen: Vom Gemini Programm zum ATV habe ich das Format gewechselt (+1.5 cm mehr Platz), vom ATV zum LM Buch die Schrittgröße von 11 auf 10 Punkt reduziert (20 Seiten eingespart) und bei diesem ist der untere Beschnittrand um 1 cm kleiner (12 Seiten eingespart). Die meisten anderen Raumfahrtbücher die ich kenne, machen genau das Gegenteil: Wenig Text, in großer Schrift mit vielen Abbildungen. Das schindet Seiten. Aber ich möchte gerne ein bezahlbares Buch haben, bei dem ich trotzdem noch etwa 25 % vom Buchpreis als Honorar bekomme.

Den Großteil von Ostern habe ich mit der Recherche für den zweiten Teil verbracht, der nun auch um 30 Seiten dicker geworden ist, und sich so langsam den 248 Seiten des ersten Teils annähert. Dabei sind mir ein paar Ideen für "Was wäre wenn" Blogs gekommen, die ich vielleicht mal in nächster Zeit umsetzen werde.

Mein heutiges Thema sind Ampeln. Ich sehe Ampeln vorwiegend aus einer Perspektive als Fußgänger, denn ich habe kein Auto. Und ich hasse Ampeln. Dafür gibt es einige Gründe. Das erste ist, dass Ampeln meiner Erfahrung nach einseitig Fußgänger behindern. Bei meinem täglichen Weg zur Arbeit muss ich zwei Hauptverkehrsstraßen überqueren. Die eine direkt nach der Bushaltestelle und die andere ist eine Ausfallsstraße mit einigen Ampeln in regelmäßigen Abständen. Beide Ampeln reagieren nur auf Knopfdruck. Bei der ersten steht eigentlich immer ein Pulk von Leuten – eben weil 5 Buslinien direkt daneben halten. Trotzdem hat man als Fußgänger grün nach 2 Minuten Wartezeit und dann für rund 10 Sekunden. Zusammen mit der Gelbphase sind das 15 Sekunden. Das ist hier extrem lange (weshalb ich meistens auf den Verkehrsfluss schaue und dann die Straße so überquere) aber es ist bei fast allen Ampeln so: Der Fußgänger, der ja auch ein Verkehrsteilnehmer ist, wird als Störung des Flusses der Autofahrer angesehen. Das ist bei einer Hauptstraße vielleicht extrem, aber es ist so auch woanders. Mehr noch: Die heutigen Ampeln sind ja intelligent: Das bedeutet, sie schalten so, dass die Autofahrer möglichst wenig warten müssen. Das hat meist zur Folge, dass man an einer viel befahrenen Straße auf die Ampel drückt und dann warten kann – ein Auto nach dem anderen braust vorbei. Dann ist Ruhe – kein Auto mehr weit und breit und die Ampel schaltet auf Grün! Viel besser kann man die Fußgänger doch nicht verarschen: Du darfst laufen, wenn du keine Ampel bräuchtest, doch wenn Du den Verkehrsfluss aufhältst, musst Du warten!

Wenn wenigstens alle Ampeln dann im Takt laufen würden (das ist nämlich die Ursache für das pulkartige Auftreten der Autos) und dann automatisch grün für die Fussgänger anzeigen egal ob jemand da ist oder nicht, dann könnte man von weitem sehen – "Aha jetzt wird’s rot" und 50 oder 100 m vor der Ampel die Straße überqueren wenn die Autos sowieso halten müssen. Aber das bringen die Verkehrsplaner ja auch nicht zustande – siehe die zweite Ampel bei meiner Hauptstraße. Auch hier kann man bis zu 2 Minuten warten – egal wann man drückt, sie schaltet synchron mit den anderen auf der Straße, aber eben nur wenn man drückt. Die Autos kommen nicht schneller vorwärts – sie müssen nur 200 m später anhalten, aber als Fußgänger muss man immer warten, und wenn dann Grün ist, dann wartet mal ein oder zwei Autos – und das auf einer Ausfallstraße nach Esslingen.

Schlimmer ist noch, was Ampeln bei Autofahrern anrichten: Sie richten sich sklavisch nach diesen. Wir haben in unserem Ort eine Ampel an einer T-Kreuzung von zwei Hauptstraßen. An einer Seite, wo die Autos von zwei Richtungen auf die Ampel zukommen können (einmal in Durchfahrtrichtung und einmal rechtwinklig dazu) zeigt die Ampel nur ein blinkendes oranges Signal mit Fußgängersymbol. Auf der anderen Seite das klassische Grün-Gelb-Rot. Was ist die folge? Die Autofahrer auf der einen Seite warten, auch brav wenn gar kein Fußgänger mehr kommt (weil die Ampel mit einer zweiten zusammengeschaltet ist, kommen lange Rotphasen für die Autofahrer vor, bei denen Fußgänger schon längst Rot haben). Auf der anderen Seite erfüllt das "Orange blinkende Symbol" nicht den eigentlich Zweck – dass Leute aus der Kreuzung rausfahren und vor der Ampel halten können – Sie sehen sonst nicht,dass die Ampel für die andere Seite rot ist. Sondern dieses Symbol heißt wohl im Klartext für einen Autofahrer – wenn kein Fußgänger auf meiner Spur ist, dann fahr ich über die Ampel drüber, selbst wenn Fußgänger noch grün haben (und z.B. gerade die Ampel überqueren wollen, oder gerade mal die halbe Straße überquert haben). Dadurch gab es schon einige Beihnah Unfälle an der Kreuzung, die nur dadurch verhindert wurden, dass der Autofahrer nur 30 m zum Beschleunigen hatte und noch rechtzeitig bremsen konnte.

Andererseits stehen Autofahrer sklavisch vor Ampeln die für sie Rot sind und bei denen keiner den Weg überquert und auch links und rechts auf dem Bürgersteig niemand zu sehen ist. Das ist das Hauptproblem: Die Leute halten sich an Symbole und schalten ihren Menschenverstand ab. Daher plädiere ich für Zebrastreifen, weil da die Leute ihren Verstand wieder gebrauchen müssen und man dort eine Rücksicht beobachten kann, die bei Ampeln, aber auch sonst im Straßenverkehr selten geworden ist. Die meisten Autofahrer denken bei Zebrastreifen vorausschauend und halten an, wenn ich noch auf dem Weg zu einem bin (und bei den meisten hätte es noch gereicht den Streifen vor mir zu überqueren). Aber auch die Autofahrer haben einen Vorteil: Ich beeile mich die Straße schneller zu überqueren und sie können sofort wieder losfahren, anstatt wie bei einer Ampel ewig lang zu warten. Es ist ein System das beiden Partien nützt und etwas wo Rücksicht gefordert wird, anstatt einem festen Zwang zu folgen: Trotzdem sind Zebrastreifen auf dem Rückzug. Ich kenne etliche Beispiele wo sie durch Ampeln ersetzt wurden aber keinen einziges Beispiel wo es umgekehrt lief. Das ist für mich völlig unverständlich, weil die Ampeln ja auch für die Stadt teurer sind. Aber was will man im Land der Ordnungsfanatiker und der unzähligen Verordnungen und Gesetze denn auch anders erwarten?

4 thoughts on “Ampeln

  1. Es ist auch möglich eine Ampel durch einen Kreisverkehr zu ersetzen. Wenn alle vorrausschauend fahren ist es schneller und effektiver. In Großbritanien sieht man das sehr oft. Aber wenn eine Ampel steht fühlen sich denke ich mal viele leute sicherer weil sie genau wissen das sie bei Grün im recht sind. 🙂

  2. Moin,

    wenn du Selbstmord begehen willst, so emfehle ich die Zebrastreifen in Frankfurt ;-( In dem Jahr in dem ich dort gearbeitet hab, wurden zwei Fussgaenger am selben Zebrastreifen angefahren.

    ciao,Michael

  3. Meine Idee seit Jahren schon:
    Kombination von Fußgängerampel und Zebrastreifen durch Synthese der Vorteile beider Systeme und Vermeidung der Nachteile. Die Autofahrer sehen nur noch ca. 5s rot und danach für 20s ein gelbes blinkendes Männchen=freiwilliges Losfahren wenn Straße frei. Vorteil: Halten wird erzwungen (gerade bei mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen fühlen sich Fußgänger dann sicherer), ABER Autofahrer werden nicht genötigt, eine unsinnig lange „dumme“ Rotphase abzuwarten die vom langsamst möglichen Fußgänger ausgeht sondern können selber entscheiden. Die Autofahrer sehen um Ruhezustand der Ampel übrigens nie Grün. Ohne Knopfdrücken arbeitet der Zebrastreifen wie ein normaler Zebrastreifen.

    Meine Forderung für Verkehrskreuzungen:
    Turbokreisel. Baut Turbokreisel! Googelt danach! Bei Baden-Baden gibt es einen, ich bin durchgefahren. DAS IST WOHL DIE GENIALSTE VERKEHRSLEIT-ERFINDUNG IN DER GESCHICHTE DES KFZ! Die Erfindung ist so genial und funktioniert auch so genial, mir fehlen die Worte. Der Verkehrsdurchsatz ist hoch, die Intelligenz wird an den Autofahrer zurückgegeben (Stichwort Gruppenintelligenz), die Sicherheit ist hoch, die Effizienz ist hoch und so ein Teil sieht auch noch schön ästehetisch aus, wie eine Spiralgalaxie! Wenn ich König von Deutschland wär, würd ich ein 10.000-Turbokreisel-Programm für das Jahr 2011 auflegen. 10.000 Turbokreisel als Ersatz für uneffiziente dumme klimaschädliche herzinfarktrisiko-erhöhenden Ampelkreuzungen.

    Warum dominieren Ampeln so unser Leben?
    Wir Deutschen haben in unserem Blut eine große Obrigkeitshörigkeit. Alles muß reglementiert werden. Wir finden vielleicht unterbewußt Ampeln geil, wenn sie uns rot reinhauen und wir scharf bremsen und 1 min an einer menschenleeren Kreuzung ohne Querverkehr warten müssen. Dann sind wir dankbar von der Gnade des imaginären Herren, nach 1min doch noch losfahren zu dürfen, nachdem xxx kJ Energie durch Bremsen und Leerlauf verpulvert sind. Ordnung muß sein!
    Ampeln sind ein Symbol der Verantwortungsabgabe, der Abgabe eigener Entscheidungsfähigkeit und des Kniefalls vor einem Lehnsherren. Schlimm, im 21. Jhd., aber es steckt in uns drin.
    Nicht umsonst monierte der alte Kant ja schon „Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen…“

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