Da war es wieder einer weniger

Am Donnerstag ging es durch die Nachrichten: Sealaunch ist bankrott, kann aber seine Geschäfte unter dem Gläubigerschutz (Chapter 11) weiter führen. Ursache war aber diesmal nicht die Wirtschaftskrise, sondern ein Fehlstart im Januar 2007, der nicht nur die Rakete für Monate an den Boden fesselte, sondern auch dazu führte, dass viele Kunden zu Arianespace und ILS wechselten.

Das hat mich etwas verwundert, weil ich Sealaunch für den stärkeren Konkurrenten von Arianespace ansah. Aus mehreren Gründen: Die Startplattform erlaubt Starts mit einer Bahnneigung von 0 Grad – anders als bei der Proton – durch den Start von Baikonur aus beträgt die Inklination 52 Grad. Entweder kostet es Nutzlast die Inklination abzubauen oder man lebt damit und der Kunde benötigt mehr Treibstoff um die geostationäre Bahn zu erreichen. Weiterhin ist die Zenit moderner und transportiert bei 480 t Startmasse dieselbe Nutzlast wie die Proton mit rund 700 t. Zuletzt hatte Sealaunch vor dem Fehlstart mehr Starts aufzuweisen, war also geschäftlich erfolgreicher.

Die Tatsache, dass ein Fehlstart zu einem solch gravierenden Einbruch geführt hat, ist symptomatisch für den Markt: Er ist geprägt von einem Übergangebot an Trägern. Weltweit werden etwa 15-25 Satelliten pro Jahr gestartet: Vor 10 Jahren waren es noch 30-40. Um diese rund 20 Starts bewerben sich derzeit vier Unternehmen: Arianespace, ILS, Sealaunch und die China Great Wall Industry Corporation („CGWIC“). Dazu kommen noch Lockheed mit der Atlas, Boeing mit der Delta, die ISRO mit der GSLV, Mitsubishi mit der H2A und SpaceX mit der Falcon. Anders als Arianespace CEO LeGall zähle ich diese nicht zu den derzeit aktiven Unternehmen, da es ihnen in den letzten 5 Jahren nicht gelungen ist einen Start durchzuführen. Dies sind zu viele Anbieter. Alleine Arianespace könnte mit 8 Starts 16 Satelliten transportieren. Rechnet man noch 4-6 Einzelstarts bei jedem der anderen Mitbewerber pro Jahr hinzu so würden die vier führenden Unternehmen rund 30 Starts pro Jahr durchführen können. Rechnet man alle Anbieter zusammen, so sind es rund 60 Starts pro Jahr – 3 mal so viele wie angeboten werden.

Gerade die beiden amerikanischen Firmen Boeing und Lockheed zeigen, dass heute der Markt extrem umkämpft ist: Sie bieten Träger an die zuverlässig sind. Sie haben einige Jahrzehnte Erfahrung auf dem Buckel und sie sind trotzdem nicht erfolgreich: Weil sie zu teuer sind. Heute muss alles stimmen, es darf keine Schwäche bei einem der wichtigen Punkte: Preis, Zuverlässigkeit und Service geben. Stimmt auch nur ein Punkt nicht ist man weg vom Fenster. Nun bei Zuverlässigkeit und Service kann Arianespace mithalten – aber beim Preis? Offiziell wird die Ariane 5 von Los zu Los preiswerter, doch addiert man die Preisnachlässe so müsste Ariane 5 für weniger als die Hälfte des ursprünglichen Preises starten. Und das ist nicht der Fall.

Wichtig wäre es also Ariane 5 Konkurrenzfähig zu erhalten – insbesondere unter dem Aspekt, dass mit der Sojus sie einen Konkurrenten für die kleineren Nutzlasten hat – Bis 3 t Gewicht dürfte die Sojus die Satelliten starten. bleiben also nur noch die mittelschweren und schweren Satelliten von 4-6.5 t Gewicht. Und da wird es ohne die leichten Gegenstücke schwierig einen Doppelstart durchzuführen. Derzeit können zwei Satelliten von 4.5 t Gewicht gleichzeitig transportiert werden. Doch was ist wenn einer 5.5 oder 6 t wiegt? Dann findet sich meist kein leichter zweiter Satellit. Mehr denn je ist es also nötig die Ariane 5 auszubauen. Was tut aber unsere liebe ESA? Sie verschiebt es um weitere 3 Jahre, hat aber 30 Millionen übrig um ein Triebwerk für die fernere Zukunft zu entwickeln. Stattdessen sollte man das verfügbare Geld für einen Zweck bündeln: Die ESC-B Oberstufe und wenn diese zur Verfügung steht kann man an die nächste Hochzeit gehen.

Wie sind nun die verbleibenden Konkurrenten einzuschätzen? Also ich beschränke mich auf die, die auch mal einen Satelliten gestartet haben und keine Papiertiger wie SpaceX. Die Proton ist etabliert, aber Russland macht keine Anstrengungen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Der neue Weltraumbahnhof wurde wieder aufgegeben, genauso die Einführung einer kryogene Oberstufe für die Proton und die Angara Entwicklung verläuft schon seit Jahren auf sehr niedrigem Niveau. Pläne für einen äquatornahen Startplatz wurden auch schon bald aufgegeben. Kurzum: Proton versucht so viel wie möglich zu verdienen ohne zu investieren.

China ist daher ein wesentlich gefährlicher Konkurrent: Sie bauen einen neuen äquatornahen Startplatz auf, sie entwickeln die Langer Marsch 5 mit einer Nutzlast welche mit der Ariane 5 konkurrieren kann – die alte Serie war auf maximal 5100 kg Nutzlast begrenzt. So hat China auch in den knapp 10 Monaten seit die CGWIC von der US-Liste für Unternehmen die keine US-Technologie starten dürfte wegfiel schon einige Aufträge ergattert, darunter der Start eines europäischen Eutelsates, was Arianespace sehr aufbrachte.

Soviel für heute. Ich habe mal eine Frage an meine Blog Leser: Hat jemand das Das Raketentypenbuch von Eugen Reichl? Ich habe nun schon die dritte Besprechung dieses Buches gesehen mit einer Bemerkung über die zahlreichen Rechtschreibfehler – das sieht irgendwie danach aus, als hätte jemand Inhalte meiner Website kopiert, denn mit der Rechtschreibung stehe ich ja auf Kriegsfuß. Könnte das mal jemand überprüfen?

2 thoughts on “Da war es wieder einer weniger

  1. Es wird sehr interessant sein, den weiteren Gang der Ereignisse in Sachen Sea Launch (und auch Land Launch) zu verfolgen. In Anbetracht der Höhe der Verbindlichkeiten (ca. 500 Mio USD) rechne ich mit einem Konkurs der Firma Sea Launch. Aufgrund der Margenverengung werden die das nie zurückzahlen können, glaube ich.

    Betreffend ESC-B kann ich dir nur beipflichten und jedes einzelne Wort von dir mit Arial 32 kursiv und fett als richtig und wichtig hervorheben ! 😉 😉

  2. die Proton Rakete ist ein Auslauf Model
    sie soll durch neue russische Rakete ersetzt werden in spähtest 2020
    Das wird nicht RKK Energia Angara, das teil ist die Vapoware der Raumfahrt
    TsSKB Progress und Khrunichev haben schon alternative Raketen Studien angeboten

    US firmen wie Lockheed und Boeing schießen sich gegenseitig in beine, um Marktanteile kontrolle

    Japans Raketen haben zu kleine Nutzlast, um auf Mark eine ernste Konkurrenz zu sein.

    China arbeite an Fünfte Generation der Langen Marsch Rakete
    Die könnte ein ernst zu nehmen Konkurrent werden

    Arianespace und ESA ist erfolgsverwohnt und denkt nicht das die Zeiten sich andern können
    was eine tages noch eine Bose Überraschung bringt

    und SpaceX ?
    nur ein Fehlstart mit Falcon 9 oder 9 Heavy kann das ende für SpaceX sein !

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