Wünsche und Träume

Erinnern sie sich noch an ihre Kindheit? Als Kind und Jugendlicher hat man so viele Wünsche und meistens nicht das Geld sie zu erfüllen. Als Erwachsener ändert sich das, zumindest, wenn man ein ausreichendes Einkommen hat. Meiner persönlichen Ansicht nach nehmen aber auch die Wünsche als Erwachsener ab. Man überlegt sich mehr ob man wirklich etwas braucht. Vor allem aber hat man irgendwann das meiste, was man sich wünscht. Das macht das Schenken schwer. Wünsche waren auch ein Angelpunkt in der Predigt unseres Pfarrers letzten Sonntag. Das Resümee war das gleiche, wobei es bei ihm noch Wünsche gibt, die er sich nicht leisten kann. Das ist vielleicht ein Unterschied zu mir. Ich könnte spontan nichts nennen, was ich mir konkret an Materiellem wünsche. Sicher eine ganze Reihe von Wünschen, die einem nur das Schicksal erfüllen kann wie z.B. Gesundheit, Zufriedenheit, Glück. Aber ich könnte nun nicht irgendeine Sache beziffern, die ich mir wünsche und die ich mir nicht leisten könnte.

Trotzdem fühle ich mich nun nicht etwa glücklicher, als wie als Jugendlicher oder Kind, als ich weniger hatte und auch weniger Geld zur Verfügung. Das wichtigste an Wünschen ist meiner Meinung nach, nicht das sie erfüllt sind. Es sind zwei Dinge. Das eine ist die positive Überraschung. Das ist die Überraschung, wenn man etwas geschenkt bekommt, das man nicht erwartet hat, aber das man sich wünscht oder zumindest gut brauchen kann. Das wird schwieriger, wenn man schon alles hat, wobei es hier persönliche Unterschiede gibt. Ich kenne Leute denen kann man beliebig viel schenken, selbst wenn sie etwas ähnliches schon haben. Und andere brauchen wenig, wissen aber genau was. Ich denke ich bin für andere ein schwerer Kandidat. Ich glaube ich habe alles und meine Wünsche sind recht speziell. Besondere Bücher für mein Hobby. Wenn jemand z.B. auf die Idee kommt mit Kleidung zu schenken wird er bald feststellen, dass ich Sachen um so eher anziehe je billiger sie sind. Die teuren Sachen hebe ich mir dann eher für Sonntage und Feiertage auf.

Das schönste an materiellen Wünschen (es gibt ja auch ideelle Wünsche) ist meiner Ansicht nach aber nicht die Befriedigung, sondern das Träumen davon. Wenn ich zurückdenke, an die bald 30 Jahre in denen ich mich mit Computern beschäftige, dann ist eine der schönsten Zeit die von 1983 bis 1985 als keinen hatte und vom nächsten träumte. Mein erster Computer war ein Ti 99/4A – er war mir aber nach einem halben Jahr zu langsam und hatte zu wenig Speicher und Möglichkeiten. Dann vergingen fast 2 Jahre in denen ich keinen neuen Computer hatte, aber vom nächsten träumte. Zahllose Modelle habe ich evaluiert und verworfen. Der C-64? Zu langsame Floppy, mühsames Basic, wirkt irgendwie unelegant. Der Dragon? Toller Computer, schnelles und komfortables Basic, aber maximal 32 KB Speicher. Der Oric-1? Klang nach einem guten System, hatte aber nur billige Plastiktasten, genauso wie der Sinclair Spektrum, der wegen fehlender Floppys und der billigen Aufmachung bald ausschied. Fast gekauft hätte ich ein Spektravideo 328, den Vorgänger des MSX Standards – aber dann doch gleich auf die ersten MSX Rechner oder das Adam System warten – wurde in den USA als Preisbrecher gepriesen, tauchte aber nie in Europa auf dem Markt auf. Es wurde dann ein CPC-464, dem ich acht Jahre treu blieb.

Aber alleine das Durchlesen von Tatberichten, das Vergleichen, das überlegen, was man alles mit dem neuen Rechner machen könnte war toll. Ich habe daraus gelernt. Ich habe zwei Teleskope, benutze sie aber nicht. Zum einen ist die Lage nahe Stuttgart nicht ideal und zum andern bin ich nicht der Typ, der gerne nachts in der Kälte am Fernrohr steht und beobachtet oder minutenlang jede Abweichung beim fotografieren mit einem Fadenkreuzfernrohr beobachtet und korrigiert. Trotzdem lese ich immer gerne die Anzeigen in der SuW, oder besuche mal einen Teleskopshop und schaue mir Teleskope an. Was das wechselt. Vor einem Jahr war es ein 16″ (400 mm) Dobson, jetzt eher ein 150 mm Refraktor. Ich könnte mir beide Teleskope leisten. Aber warum? Es ist viel schöner zu überlegen was ich damit machen könnte, als mich mit den üblichen Widrigkeiten der Beobachtung (Luftunruhe, Streulicht, Wolken, Kälte, späte Nachtstunden…) auseinanderzusetzen.

Passend dazu auch heute mein persönlicher Musiktipp. Er erinnert mich mit einigen weiteren Titeln, die damals in der Hitparade waren, an das erste Mal, als ich den Herrn der Ringe durchgelesen habe. Das war 1986. Eigentlich habe ich nur das Buch gekauft, weil ich in einem Computerspiel nach dem Buch nicht weiter kam. Doch hat es mich dann so gepackt, dass ich die drei Bände in einer Woche durchgelesen habe. Parallel habe ich Musik gehört und Daryl Halls „Dreamtime“, drückt genau das aus, was das Buch in mir auslöste, man wurde in diese Fantasy Welt von Mittelerde hineingezogen und begann mitzufiebern und zu träumen

One thought on “Wünsche und Träume

  1. Zitat „Erinnern sie sich noch an ihre Kindheit? Als Kind und Jugendlicher hat man so viele Wünsche und meistens nicht das Geld sie zu erfüllen. Als Erwachsener ändert sich das, zumindest, wenn man ein ausreichendes Einkommen hat. Meiner persönlichen Ansicht nach nehmen aber auch die Wünsche als Erwachsener ab. Man überlegt sich mehr ob man wirklich etwas braucht. Vor allem aber hat man irgendwann das meiste, was man sich wünscht.“

    Ja, so geht es mir auch. Es gibt zwar auch Erwachsene als „ewige Kinder“ die nicht so rational vorgehen und sich durch ständigen Warenkonsum überschulden.

    Aber ich gehöre zu deiner Sorte, Bernd. Die Wünsche verschieben sich mehr in den Bereich materiell schwer faßbarer Güter wie Glück, Zufriedenheit, schöne Erlebnisse, schöne Momente, prickelnde Ereignisse… also Dinge, die man mit Geld nicht direkt erzwingen kann.

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