Anscheinend war mein Scherz zum ersten April nun doch etwas zu übertrieben, denn anders als im letzten Jahr hat man ihn sofort durchschaut. Ich habe einige Ideen gehabt auch mal wieder einen Spaß auf Kosten von SpaceX zu machen, vielleicht publiziere ich die ja noch hier unter "Satire". Das leitet mich weiter zu SpaceX. So langsam denke ich verstehe ich das Geschäftsmodell der Firma. Sie hat nun angekündigt, die Entwicklung der Falcon 1e zurückzustellen und die der Falcon Heavy (vormals Falcon 9 Heavy) anzugehen.
Das macht auf den ersten Blick keinen Sinn. Die Falcon 1e ist ja nichts anderes als eine Falcon 1 mit einem etwas leistungsfähigeren Triebwerk und etwas gestreckten Erststufentanks. Die Entwicklung sollte also viel einfacher als die der Falcon 9 sein und ursprünglich war ihr Erstflug auch vor der Falcon 9 angekündigt, hat sich aber dann sukzessive immer weiter nach hinten verschoben. Dabei wäre sie sicher das ideale Modell um das neue Triebwerk im Flug zu erproben und mehr Erfahrungen zu sammeln und erst mal in einem Marktsegment sich richtig zu etablieren – bisher dominieren ja zwei Aufträge der NASA das Launchmanifest und machen zwei Drittel aller Starts aus.
Das interessante daran ist, dass die Firma ja schon einen Kunden hat, der die Trägerrakete gebucht hat: ORBCOMM hatte einen Vertrag über den Start von 18 Satelliten abgeschlossen. Die beiden ersten sollen nun als Sekundärnutzlast einer Falcon 9 in den Orbit gelangen. Was mit den anderen passiert ist noch offen.
Stattdessen investiert die Firma nun in die Falcon Heavy. Sie bekam von der USAF die Antwort, dass um an einer Ausschreibung am EELV Programm teilnehmen zu können, sie eine Startrampe in Vandenberg benötigt und die Falcon Heavy.
Wäre SpaceX eine normale Firma, so würde sie erst mal versuchen mit der Falcon 9 und Falcon 1e im Markt Fuß zu fassen. Es gab hier zwar Fortschritte, so konnte nun zum zweiten Mal ein Auftrag für den Transport eines Kommunikationssatelliten gewonnen werden (der erste Kunde ist inzwischen wieder abgesprungen und sein Satellit wurde letztes Jahr von einer Ariane 5 gestartet) und auch ein dicker Auftrag für das Iridiumnetz konnte gewonnen werden. Aber der Durchbruch im freien Markt blieb noch aus.
Fließt dann Geld, kann man die nächste Stufe angehen. Was die Firma macht, ist dagegen sich für jeden Regierungsauftrag zu bewerben der nur geht und die gesamte Ausrichtung der Entwicklung darauf abzulegen. Was ist aus dem Anspruch geworden den Transport generell zu verbilligen? Nun es wird klar, wenn man weis, wie Starts vorfinanziert werden. Bei einem kommerziellen Starts ist bei Vertragsabschluss eine erste Rate fällig. Dem folgen weitere im regelmäßigen Abstand, bis vor dem Start der Flug vorfinanziert ist. Es ist also anders als im täglichen Leben, wo sie erst zahlen wenn eine Dienstleistung erfolgt ist. Anders würden Newcomer wohl auch kaum Fuß fassen können. Im Prinzip läuft es auch bei Regierungsaufträgen so. Nur ist es hier so, dass ein Großteil der Mittel in einem frühen Projektstadium fließt, während der Entwicklung. Nur wenig bei der Produktion und der Operation. Bei Apollo war 1967 das Jahr mit dem höchsten Etat, also zwei Jahre vor der Mondlandung. Auch beim COTS Programm ist es so. Vor dem Jungfernflug der Falcon 9 (also 6 Monate vor dem ersten COTS Start), hatte SpaceX schon 254 von 278 Millionen Dollar erhalten. Als Kistler Rocketplane die Ausschreibung gewann, erhielt die Firma auch gleich mal 30 Millionen Dollar, obwohl dann wenige Monate später feststand, dass die Firma gar nicht fähig war das Programm zu finanzieren – das Geld war futsch.
Analog läuft es auch bei USAF Aufträgen. Das bedeutet dass für eine Firma es sehr lukrativ ist sich auf solche Aufträge zu bewerben. Es ist praktisch eine Vorfinanzierung der Entwicklung durch die Regierung. Mehr noch: Aufgrund dieser Tatsache kann ein neuer Auftrag die fehlenden Mittel für die Produktions- und Operationsphase eines alten Auftrags aufbringen. Das ganze ist natürlich nur so lange möglich, wie es immer neue Aufträge seitens der Regierung gibt. Hat eine Firma dann erst mal eine lebenswichtige Bedeutung für die nationale Sicherheit oder ein Programm, so wird die Regierung sie auch so subventionieren. So erhielt Boeing im Jahr 2009 neben 500 Millionen Dollar für drei neue Starts auch 550 Millionen Dollar um "Fähigkeiten" und Anlagen am Laufen zu halten – sonst würde Boeing einfach die Ingenieure entlassen und bei dem nächsten Projekt fehlt dann das Fachwissen. Das kann sich die USAF nicht leisten, wenn die Delta IV für die nationale Sicherheit notwendig ist um Spionagesatelliten zu starten. Ich vermute dass dies auch das ist was SpaceX anstrebt: Die Regierung finanziert durch immer neue Aufträge das laufende Geschäft. Natürlich müssen irgendwann auch Leistungen folgen. Ich denke die Firma spekuliert dann darauf, das sie so wichtig ist (z.B. für die Versorgung der ISS), dass dann Preiserhöhungen hingenommen oder es andere Subventionen gibt. Man kann nur spekulieren, weil es anders als z.B. bei Arianespace ja keine Geschäftsberichte gibt die man studieren könnte. Es heißt nur das die Firma bisher immer "profitabel" war. Nur bisher hat sie ja auch immer Vorfinanzierungen bekommen und z.B. müssen ja noch zwei COTS Flüge durchgeführt werden die schon vorfinanziert sind. Ob das also noch so bleibt wird sich noch zeigen.
SpaceX wird im Laufe dieses Jahres mit hoher Wahrscheinlichkeit an die Börse gehen. Da bietet die Falcon Heavy inkl. potentiellen Aufträgen von USAF für Investoren wesentlich mehr Anreize zu investieren, als eine poppelige Falcon 1e die zwar zum Testen recht nett ist, mit der sich aber nicht wirklich viel Geld verdienen lässt.
Aufschluss dürfte wohl dieser Artikel geben:
http://www.spaceflightnow.com/news/n1104/04launchcosts/
Demnach steigen die Startkosten der Atlas rapide und die NASA ist darüber nicht sehr glücklich. Dumm nur, das anders als SpaceX die NASA die Träger nicht vor Ende 2013/2014 für ausreichend sicher für ihre Raumsonden hält. Da die NASA für eigene Missionen nur US-Anbieter wählen darf und ULA’s Prise wie angegeben exorbitant hoch sind, ist das natürlich super lukrativ: SpaceX könnte ihre Startpreise verdoppeln und wäre immer noch günstiger….