SpaceX und die bemannte Raumfahrt

Heute will ich weitere Passagen meines Mailwechsels mit Leon Kums veröffentlichen. Wir kamen irgendwann einmal zu dem Thema bemannte Raumfahrt. Kums schreibt über die Entstehung der Dragon. Die vorherigen Teile finden sie hier und hier.

„Die Dragon ist sicher Elon Lieblingskind. Er hat ja mal angekündigt dass er zum Mars will und die Trägerraketen sind zwar eine Möglichkeit Geld zu verdienen und auch die Transportkosten zu reduzieren, doch dazu braucht man ein bemanntes Raumfahrzeug. Die Dragon entstand ursprünglich als unbemanntes Labor, inzwischen heißen diese Mission dafür ja „Dragonlab“. Die Idee war es, eine Konkurrenz zur russischen Foton zu etablieren und auch zur Forschung an Bord der ISS. Geplant war ein Start auf der Falcon V. Doch als wir erste Analysen machten, war klar, dass diese Rakete nicht die Kapsel in den Orbit bringen könnte und wir planten die Falcon 9. Wahrscheinlich wäre die Dragon längst eingestellt worden, wenn nicht wenige Monate nach Projektbeginn die NASA die COTS Ausschreibung herausgab. Da traf es sich gut das wir ein Design in Petto hatten und so konnten wir auch die Ausschreibung gewinnen.

Das wir den COTS Auftrag gewonnen haben, erwies sich aber auch als Fluch. Verglichen mit dem Gewicht ist die Nutzlast der Dragon doch recht gering. Sie war ja niemals ausgelegt voluminöse Racks mit Fracht zu transportieren, sondern vielmehr wesentlich schwerere Experimente. Wir haben dann noch einen Erweiterungszylinder entworfen um dort ORU’s oder eine Palette zu transportieren. Doch die NASA hat abgewunken. Der Bedarf dafür wäre gering und er wäre auch mit dem Manipulatorarm nur schwer zu erreichen. daher mussten wir uns auf 12 Flüge einlassen, um die 20 t zu transportieren.“

Über die bisherigen Flüge und den ISS-Transport:

„Die „Dragon Qualifaction Unit“ war nichts anderes als der obere Teil der Dragon, aber eben nur die Struktur, die wir fest auf die zweite Stufe vernieteten. Zu dem Zeitpunkt war nicht mehr fertig und nachdem wir bei der Falcon 1 die Nutzlast zweimal reduzieren mussten, wollten wir zudem kein Risiko eingehen, keinen Orbit zu erhalten. Schon diese Kapsel überforderte aber das Steuersystem der zweiten Stufe, das wir dann beim zweiten Start mit mehr Treibstoff ausstatteten.

Der zweite Flug erfolgte dann mit einer Dragon Kapsel die zumindest in der Struktur fertiggestellt war. Die Zündung der Bremstriebwerke erfolgte durch einen Timer, weswegen wir auch die hohe Landeabweichung angaben, aber schlussendlich ist bis heute die Avionik noch nicht fertiggestellt. Es gab Diskussionen ob wir nicht einige Tiere mitfliegen lassen sollten. Angesichts dessen das die ersten Falcon 1 Flüge aber scheiterten und der Jungfernflug ebenfalls nicht den normalen Orbit erreichte war das allen zu riskant. selbst Elon war damit zu überzeugen, das wenn bei diesem Flug Tiere umkommen sollten, er alle Ambitionen fallen lassen kann, die Dragon als bemannter Transporter anzupreisen.

Immerhin konnten wir eine leere Dragon schon in den Orbit bringen. Flug zwei zeigte, das die Falcon 9 dafür ausreichend stark war. Das Problem ist nur, dass die Dragon 1.200 kg mehr wiegt als geplant (5,2 zu 4 t), während wir die Performance der Falcon 9 auf 6,8 t absenken mussten. Eine Zeitlang planten wir den Start auf der Falcon 9 Heavy. Das lies genügend Nutzlast übrig (die 6 t die auf der Website angegeben sind). Doch dann entschlossen wir uns die Falcon 9 zu verlängern und die Startmasse von 335 auf 480 t zu erhöhen. An den NASA Kontrakten ändert das leider nichts. Da müssen wir 12 durchführen. Bei den CRS Verhandlungen wollen wir mehr Fracht transportieren und weniger Flüge durchführen.“

Über den bemannten Einsatz

„Das Thema man rated ist recht komplex. Ich war ja am X-33 Projekt beteiligt und kenne daher die Anforderungen. Ich und einige andere haben das Thema mehrmals mit Elon durchgekaut, wir sind aber nicht durchgedrungen. Natürlich gibt es von der NASA Dokumente wie „man rated“ in technischer Hinsicht definiert ist. Doch wer einmal mit der NASA zusammenarbeitet, weis auch das es andere „weiche“ Kriterien gibt. Ich kannte das ja schon vom X-33 Projekt. sobald es um Sicherheit von Astronauten geht, handelt man sich einen enormen Overhead ein. NASA Verantwortliche sind dann fast ständig in der Firma. Es müssen laufend Reports erstellt werden. Alle Prüfungen müssen protokolliert werden, über Fortschritte referiert, Probleme genauestens untersucht etc. Beim X-33 Projekt hat vielleicht ein Drittel der Leute an der Entwicklung gearbeitet, der Rest hat protokolliert, referiert und Audits gemacht.

SpaceX funktioniert anders. Getestet wird ein bis zweimal, wenn’s dann keine Probleme gibt, dann war es das. Warum öfters testen, sagt Elon immer? Wenn ich eine Software mehrmals teste kommt auch immer das gleiche raus. Und wenn etwas nicht funktioniert, dann gibt es einen einfachen Bugfix, wie beim zweiten Testflug als die Düse einen Riss hatte. Da haben wir sie einfach gekürzt. So was wäre bei einem bemannten Projekt unmöglich. Ein System muss als ganzes abgenommen und genehmigt sein und dann kann man nicht einfach mal die Düse kürzen ohne zu prüfen, wie sich dies auswirken kann.

Inzwischen hat es glaub ich auch Elon kapiert, als er nun erstmals Unterlagen für ein bemanntes System eingereicht hat, Rückmeldung von der NASA bekam und alles ändern musste. Vor einem Jahr sagte er ja noch man könnte die Dragon für 500 Millionen Dollar komplett umbauen, nun sind eine Milliarde nur für ein Fluchtturm fällig. Trotzdem führt für SpaceX kein Weg an einem bemannten Gefährt vorbei. Nur in diesem Sektor kann so viel verlangt werden, dass die Firma genügend Profit macht, um die Verluste im Trägergeschäft abzufedern.

Ich weiß nicht ob bei Elon schon der Umdenkprozess eingesetzt hat. Auf der einen Seite gibt es bei der bemannten Raumfahrt richtig viel Geld zu verdienen. Auf der anderen Seite befürchtet er, dass sich nun die NASA richtig in Entwicklung einmischt und dann auch darüber Details nach außen dringen. Bisher lief alles sehr einfach. Die NASA gab Ziele vor. SpaceX lieferte und bekam das Geld. Niemand hat sich in die Entwicklung eingemischt. Keiner bei der NASA hat SpaceX Ankündigungen die völlig irrrealistisch waren kommentiert oder ähnliches. Die NASA hat sich sogar die Veröffentlichung von Fotos des COTS Fluges verbieten lassen. Das würde sich dramatisch ändern wenn wir wirklich in einem bemannten Programm involviert sind. Die NASA würde nicht nur die bemannte Version der Dragon genauestens untersuchen, sondern auch die Falcon, das gesamte Management kurzum alles. Ich bin mir ziemlich sicher das dies Elon nicht will. Ich denke er wird sich weiter um Aufträge bewerben solange die NASA für die Entwicklung von Subsystemen zahlt wie beim Rettungsturm, aber bestimmt nicht um den Transport selbst. Was derzeit verteilt wird ist ja wie bei COTS – wie werden für eine Entwicklung bezahlt, aber wir bauen nicht den Nachfolger der Orion.“

Die Zukunft von SpaceX

„SpaceX wird noch dieses Jahr an die Börse gehen, auch weil von irgendwo her das Kapital kommen muss um die Aufträge zu erfüllen für die es Vorauszahlungen gab. Sollte SpaceX tatsächlich Aufträge aus dem EELV Programm erhalten, so wäre wohl die Zukunft gesichert, denn aufgrund der strategischen Bedeutung werden ja schon heute Verluste von ULA vom Dod Getragen. Gelingt dies nicht, so sehe ich schwarz. Die Firma wächst auch so schnell, dass immer mehr Leute Bescheid wissen wie es intern zugeht und wenn das nach außen dringt, dann wird es nichts mit dem erhofften Kapitalfluss durch den Börsengang. Elon ist sich seinem Geschäftsmodell eigentlich treu geblieben. Eine firma aufbauen, sie für Investoren attraktiv zu machen und dann Gewinn mit einem Verkauf zu machen. Nur kommt der bei Raumfahrtfirmen oder Automobilherstellern eben aus einem Börsengang in dem der Aktienwert nicht nach vorliegenden Gewinnen sondern der Hoffnung auf Wachstum oder zukünftige Gewinne herkommt. Daher muss die Firma ein rasantes Wachstum vorlegen und suggerieren damit ginge es weiter. Nur geht dieser Wachstumskurs eben nicht ewig weiter und vor allem gibt es bisher für die Produkte ja noch keinen Markt. Daher habe ich SpaceX verlassen, bevor zu viel über die Interna und den Kurs nach außen dringen, auch wenn SpaceX derzeit mit Anwälten versucht das zu verhindern, wird es doch nicht auf Dauer unmöglich sein.“

Leider brach Leon Kums nach der Veröffentlichung des ersten Teils des Mailverkehrs ab. Wahrscheinlich hat er auch inzwischen Post von den SpaceX Anwälten bekommen.

2 thoughts on “SpaceX und die bemannte Raumfahrt

  1. Dir scheint es ja recht ernst zu sein mit diesem fingierten „Mailwechsel“. Beim ersten Mal hab ich noch gelacht, mich beim zweiten über die Fortsetzung gewundert und jetzt bin ich doch etwas erstaunt. Wenn man keine Fakten hat, die die eigene Sicht der Dinge stützen, konstruiert man sie sich in Form einer erfundenen Persion einfach und markiert sie klein und heimlich als „Satire“, in der Hoffnung, dass es niemand merkt, oder man sich im Fall der Fälle auf diese „Entschuldigung“ berufen darf? Naja.

    Schreib lieber wieder kritisch über die echte SpaceX, das ist viel interessanter.

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