Ist Leitungswasser stärker belastet als Mineralwasser?

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Unser Trinkwasser ist das am besten untersuchte und überwachte Lebensmittel: Für Trinkwasser gelten strengere Grenzwerte als für abgefülltes Wasser. Trotzdem haben manche Verbraucher Angst, Wasser aus dem Wasserhahn zu trinken oder bereiten es selbst auf. Dies kann notwendig sein, wenn sie sehr alte Rohre in der Hausinstallation haben. Die Verantwortlichkeit des Wasserwerks endet an ihrem Hausanschluss. Hier gibt es zwei Gefahrenquellen: zum einen Bleirohre in sehr alten Häusern: Aus diesen löst sich permanent Blei, welches vor allem für Kleinkinder sehr giftig ist. Vor allem morgens, wenn das Wasser über Nacht in der Leitung gestanden ist, sollte es erst ablaufen, bevor Wasser zum Trinken entnommen wird. Frisches Wasser aus dem städtischen Leistungsnetz ist daran zu erkennen, dass die Temperatur gleichmäßig kühl (etwa 13-14 Grad Celsius) bleibt. Viele Verbraucher bereiten ihr Trinkwasser auf, um kalkarmes Wasser zu gewinnen, da einige Getränke (wie Tee) dann besser schmecken. Dabei wird in der Regel auch Blei gebunden.

Die zweite Gefahr sind moderne Installationen. Hier ist es das Kupfer, das problematisch sein kann. Kupferleitungen bilden bald eine Schutzschicht aus, die verhindert, das sich Kupfer löst. Das kann aber geschehen, wenn Kupferleitungen direkt mit Eisenleitungen verbunden werden. An dieser Stelle kann sich dann durch eine elektrochemische Reaktion lokal Kupfer lösen. Eine moderne Gefahr sind Mischbatterien aus Messing. Hier sind es Absperrventile, die bleihaltige Legierungen enthalten, die dann auch Blei ins Wasser abgeben können. Leider enthalten auch moderne Legierungen noch sehr viel Blei. Das braune Wasser, das aus dem Hahn kommt, wenn es längere Zeit steht, enthält übrigens Eisen, da Eisenrohre durch den Sauerstoff im Wasser laufend korrodieren und dabei Rost bilden. Es ist allerdings gesundheitlich völlig unbedenklich und könnte sogar zur Eisenversorgung genutzt werden – nur wird dies keiner machen, da es widerlich schmeckt.

Mit Wasserfiltern zum Binden von Mineralien im Wasser handelt man sich aber ein anderes Problem ein. Diese Filter mit ihrer großen Oberfläche neigen dazu, zu verkeimen und geben dann Mikroben ins Wasser ab. Sicherer ist es daher, das gefilterte Wasser zu erhitzen.

Eine weitere Gefahr kann das Nitrat im Wasser sein. Nitrat an sich ist ungefährlich, wird jedoch im Körper und durch Bakterien zu Nitrit reduziert. Dabei entsteht Methämo­globin, das nicht in der Lage ist, Sauerstoff zu transportieren. Nitrit ist deshalb insbesondere für Säuglinge toxisch, da bei ihnen ein Enzym, welches aus dem Methämo­globin wieder das normale Hämoglobin bildet, noch nicht aktiv ist. Bei Erwachsenen ist stark gedüngtes Gemüse und Fleisch, dem Nitrat und Nitrit zugesetzt wird, die Hauptquelle für Nitrat. Bei der Verwendung von fertiger Säuglingsnahrung ist es das Wasser, wenn das Einzugsgebiet durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung verunreinigt ist. Das Gemüse in der Säuglingsnahrung selbst sollte nitratarm sein, da die meisten Hersteller nur ökologisch angebautes Gemüse für Säuglingsnahrung verwenden. Der ADI (Acceptable Daily Intake) Wert von Nitrat beträgt 3,65 mg/kg. Trinkwasser darf dagegen bis zu 50 mg/l enthalten. Die Gehalte sind besonders hoch in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten, bei denen das Trinkwasser aus oberflächennahem Wasser stammt. Im Zweifel ist es daher sinnvoll, für die Säuglingsnahrung Mineralwasser zu verwenden. Früher sah man auch die Nitratbelastung für Erwachsene kritisch, da aus ihm unter bestimmten Umständen Nitrosamine entstehen können, die krebserregend sind. Heute weiß man das ein Abbauprodukt des Nitrats, das Stickoxid NO zu einer erhöhten Durchblutung der Herzkranzgefäße führt und andere positive Wirkungen aufweist. So wird heute nicht mehr empfohlen, die Nitrataufnahme zu senken. Dies gilt allerdings nur für Erwachsene und größere Kinder. Kleinkinder können noch nicht das Abbauprodukt Nitrit entgiften.

Eine recht neue Gefahr ist Uran im Trinkwasser. Die Giftwirkung von Uran beruht nicht auf der radioaktiven Strahlung. Dazu wird zu wenig aufgenommen und durch die hohe Halbwertszeit ist die Strahlenbelastung gering. Uran ist aber ein Schwermetall wie Cadmium und Blei und kann bei hohen Konzentrationen die Nieren schädigen.

Lange Zeit gab es keinen Grenzwert für Uran im Wasser. Seit 2011 ist ein Grenzwert von 10 µg/l in Deutschland in Kraft. Dieser ist umstritten. Er ist zwar einer der niedrigsten Grenzwerte (die WHO empfiehlt 15 µg/l und in den USA beträgt er 30 µg/l. In anderen Ländern sind noch viel höhere Grenzwerte üblich, in der Slowakei und tschechischen Republik z.B. 1000 µg/l. Nach der Faktenlage zeigten sich bei einer 90 Tagestudie auch bei so niedrigen Dosen Effekte bei den Nieren, doch im Tierversuch gab es eine toxische Wirkung von Uran je nach Darreichungsform erst bei Mengen von 80-1100 mg/kg, also übertragen auf den Menschen bei einem Konsum von Uran im Bereich von 4,8 bis 60 g/tag, also etwa 1 Million mal höher als die normale Aufnahme. Menschen, die sehr viel uranreicheres Wasser als bei uns getrunken haben (in Brunnenwasser in Finnland wurden Konzentrationen bis zu 1.920 µg/l gefunden) wiesen keine Gesundheitsschäden auf. Lediglich in einem Fall war beim jüngsten Kind einer Familie die Konzentration eines Iummunglobulins gesunken. Es gab aber keine Hinweise auf Nierenschädigungen, welche bei hohen Dosen auftreten.

Die unterschiedlichen Grenzwerte haben daher weniger einen wissenschaftlichen Hintergrund, als vielmehr die Belastung des Wassers. In Finnland und der Tschechoslowakei gibt es Uranvorkommen oder Erzvorkommen die auch Uran als Begleitmineral enthalten, dort gibt es kein Trinkwasser ohne große Uranmengen. Bei uns ist es mit Ausnahme des Schwarzwaldes und in Ostthüringen keine Erzvorkommen in Oberflächennähe. Die Uranbelastung in Restdeutschland beruht auf dem Einbringen durch Phopshatdünger, die das Erz mit enthalten. Gedüngter Boden enthält einige bis einige Zehn Milligramm Uran pro Kilogramm Erde und oder wird es durch den Regen ausgewaschen und gelangt ins Grundwasser. Die Belastung ist aber gering, vergleichen mit der natürlichen Belastung durch Auswaschungen von Erzen in Süddeutschland. Der Grenzwert wird daher wie bei anderen Grenzwerten so festgelegt, dass er so niedrig ist, dass Gemeinden die darüber liegen sich anstrengen müssen ihn zu senken, er liegt aber noch weit unterhalb der Grenze, wo das Uran gefährlich wird, denn auch in Finnland und der Slowakei sterben die Leute nicht an dem dort 100mal häufigeren Uran im Trinkwasser.

Der Grenzwert bei uns ist daher ein politischer Grenzwert, denn 10,6 µg betrug 2009 der höchste an die Europäische Union gemessene Analysenwert in deutschem Trinkwasser. So ist der Grenzwert von 10 µg/l noch durch Mischung mit unbelastetem Wasser erreichbar. Die Ausfilterung von Uran durch Ionenaustauscher, die von Verbänden wie Food-Watch gefordert wird (mit einem Grenzwert von 2 µg/l) ist bei Trinkwasser praktisch nicht zu finanzieren, vor allem weil dann die Ionenaustauscher als Atommüll entsorgt werden müssen.

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