In Memorian: Neil Armstrong

Wie ihr sicher mitbekommen habt, ist gestern Neil Armstrong gestorben. Wie ebenfalls sicher bekannt ist, der erste Mensch, der den Mond betreten hat. Ich bin nicht besonders gut in Nachrufen, aber ich will man leinen versuchen. Neil Armstrong sticht in vielem aus den ersten Astronautengruppen heraus. Er war der einzige Zivilist bei den ersten drei Gruppen, er war als einziger schon vorher bei der NASA angestellt und als einziger war er schon auf einer Rakete unterwegs – er war X-15 Pilot. Und er war der einzige nach der ersten Astronautengruppe der schon im Koreakrieg war (mit 19).

Wie seine Kollegen von Apollo 11 war er nur zweimal im All. Historische Bedeutung bekam er dadurch, dass er bestimmt wurde als Erster auszusteigen. Als es angekündigt wurde, wurden technische Gründe vorgeschoben – die Astronauten landeten in Montur und nach der Landung war es so, dass Armstrong an der Tür stand, während Aldrin auf der anderen Seite war. In der Enge der Kabine die Plätze zu tauschen wäre riskant gewesen (wie sich bei der Mission zeigte, war es so eng, dass ein Schalter abbrach als ein Astronaut beim Bewegen aneckte, netterweise, war es der Schalter zum Starten des Aufstiegstriebwerks – er konnte aber mit einem Kugelschreiber überbrückt werden). Doch beschlossen wurde es vorher jn einem Meeting zwischen Chris Kraft, Deke Slayton, George Low und Bob Gilruth als Erster bestimmt der den Mond betreten sollte. Vorher gab es eine Diskussion wer der erste sein sollte – Aldrin verwies darauf, dass der LM-Pilot Chef dieses Raumfahrzeugs sei, also als erster aussteigen sollte, er drängte auch darauf dass die Wahl auf ihn fiel und machte sich nicht besonders beliebt. Andererseits ist natürlich der Kommandant Chef des ganzen Raumfahrzeugs und der Mission, er führte auch die Landung durch. (Bei Apollo war der Job des LM-Piloten der undankbarste, denn er beschränkte sich darauf, bei der Landung dem Kommandanten Daten vorzulesen, damit dieser nicht die Instrumente im Blick halten musste sondern durchs Fenster schauen konnte wohin er steuerte)

Die Wahl fiel auf Armstrong nicht wegen der Luke (dieser Umstand wurde erst nach dem Beschluss bekannt), sondern weil er als ruhig und zurückhaltend galt. Aldrin dagegen vertrat seine Position sehr eindringend. Allen Beteiligten des Meetings war sicher sein Auftritt als Ersatzcopilot von Gemini 9 in Erinnerung, als er eine Sondersitzung durchsetzte in der er durchsetzen wollte, dass Euegene Cernan versuchte die Nutzlastverkleidung vom ATDA zu entfernen, etwas was sowohl Chris Kraft wie auch Gene Kranz in ihren Memoiren als zu riskant ansahen. Später drang er darauf, dass nicht ein Zivilist als erster den Mond betrat. Für die Astronauten sicher ein gutes Argument, denn alle (bis auf Armstrong) der ersten drei Gruppen waren Militärangehörige. Allerdings war für die Öffentlichkeit die Sichtweise wohl gerade eine andere – das Neil Armstrong als einziger Zivilist als erster auf den Mond gelangen würde, das hob den zivilen Charakter des Programms hervor, dass ja auch von der NASA und nicht dem Dod finanziert wurde.

Betrachtet man sich die Biographien vorher, so hatte Armstrong sicher die beste Qualifikation. Er war schon Kommandant von Gemini 8, und hatte als die Kapsel durch einen Kurzschluss im Antriebssystem in Rotation kam die Ruhe und brachte sie wieder unter Kontrolle. Collins war Copilot von Gemini 10 und hatte wie bei der Gemini 9 Mission einige Probleme bei der EVA, allerdings weitaus weniger als Eugene Cernan der fast an der Grenze der körperlichen Leistungsfähigkeit war. Bei Aldrins Gemini 12 Mission hatte man die Lehren gezogen. Er war durch Unterwassertraining gut vorbereitet und hatte mehr Haltemöglichkeiten. So verlief seine Mission auch weitgehend reibungslos. Von allen dreien hatte alsoi nur Armstrong eine kritische Situation durchstanden und gemeistert.

Die Wahl von Armstrong war meiner Ansicht nach sicher die richtige. Gerade dadurch dass er sich nach dem Ende des Apolloprogramms aus der Öffentlichkeit zurückzog – er arbeitete zuerst am Fly By Wire Projekt der NASA mit wo er half Computer, die sich beim LM so bewährten in Flugzeuge anstatt der mechanischen Steuerung einzuführen – Piloten weigerten sich vorher die direkte Kontrolle aufzugeben, dann war er beim X-20 Projekt beteiligt und schließlich lehrte er Raumfahrttechnik bei einer relativ kleinen Universität in Cincinnati – war er der beste Kandidat. Er gab danach kaum Interviews und wenn man (was nun sicher wieder folgen wird) sich die vielken Dokumentationen ansieht in denen ehemalige Astronauten zu Wort kommen, dann wird man dort nicht Neil Armstrong sehen. Geht es um die Öffentlichkeitswirksamkeit, so wäre Aldrin sicher der bessere Mann gewesen. Er ist ja sehr umtriebig und gibt auch heute noch viele Interviews und macht Vorträge. Allerdings litt er auch jahrelang unter Alkoholismus als nach Apollo die Popularität absackte und auch seine Ehe in die Brüche ging.

Nach Obama ist er „“among the greatest of American heroes – not just of his time, but of all time.“. Für andere wie einen gewissen Elon Musk, der eine kleine Raumfahrtklitsche führt, ist er „Manipuliert“ und weil er sich gegen Obamas Pläne aussprach sagte er 2010: „Now, Buzz Aldrin is the guy with the PHD from MIT, and Neil is a pilot.  He’s always been a pilot, that’s cool.  But if you are going to look for somebody to render a judgement, a technical judgement on what program makes the most sense, I think you would probably pick the PHD from MIT, rather than the pilot.“. Quelle: Video (ab 8:00) und Aussage. Selbst in den letzten Wochen hat er massiv drauf gedrängt dass er und seine Firma von Armstrong unterstützt wurden.

Aldrin hat das ja getan und seine Position um 180 Grad gegenüber 2009 verändert (ich lese gerade „Der Mond“ von Jaumann/Köhler, da gibt es ein Interview mit Aldrin und er spricht sich für eine Rückkehr zum Mond aus und Überlassung der ISS an die anderen Partner um Geld für dieses Projekt zu bekommen aus. Nun ist er gerade dafür ….) Auch das spricht gegen ihn, denn von einem Helden erwarte ich dass er nicht seine Meinung dauernd ändert. Anders als Armstrong vermarktet Aldrin auch nicht seinen Namen bei Spielen etc.

Ich denke er war der richtige für die Geschichtsbücher. Er starb nun im Alter von 82 an den Folgen einer Herzoperation vor 18 Tage. Ruhe in Frieden.

7 thoughts on “In Memorian: Neil Armstrong

  1. Armstrong Zivilist? Das ist nicht korrekt – Armstrong war Militärpilot, flog auch Kampfeinsätze. Er war jedenfalls nicht mehr Zivilist als die übrigen Astronauten.

  2. Wir beginnen jetzt eine Ära der Beerdigungen, in der wir die Leute dafür feiern, was sie vor 40 jahren gemacht haben, als die Menschheit auf ihrem Höhepunkt war.
    Ruhe in Frieden.

  3. @Tom Jericho: Armstrong gilt deswegen Zivilist, weil er nicht mehr den Streitkräften angehörte, als er Astronaut wurde. Er verließ die Navy 1952 und war bis 1960 in der Naval Reserve.

  4. Bei den ganzen Berichten in Spiegel oder Zeit störten mich immer wieder die Post´s von den Moon-Hoaxer´n.

    Leider werden sie es nie begreifen und Fakten immer anzweifeln.

    Neil Armstrong ist seit ich denken kann ein Held und Vorbild gewesen und wird es immer bleiben.

    R.I.P. Mr Armstrong

  5. Neil Armstrong gehörte der 2. Gruppe von NASA-Astronauten an. Er war einer von zwei Zivilsten innerhalb dieser Gruppe, der andere war Elliot See. Elliot See verstarb bevor er zu seinen Raumflug starten könnte. Dass Neil Armstrong Kommandant der ersten Mondlandemission wurde war Zufall. Laut ursprünglicher Planung wäre es im Sommer 1968 noch Pete Conrad geworden. Umstellung der Apollo 8 und 9-Mission. In der ursprünglichen Crew von Neil Armstrong, gehörte noch Fred Haise an, dieser wäre mit Armstrong auf den Mond gelandet. Buzz Aldrin hatte die Funktion des Aufpassers im Mondorbit gehabt.

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