Alles ist giftig, wenn man nur die chemische Bezeichnung wählt…

Das ist überspitzt ausgedrückt mein Resümee, wenn man die vorherrschende Meinung zahlreicher Verbraucher nimmt, vor allem wenn es um Zusatzstoffe geht. Das liegt wahrscheinlich schon am Begriff „Zusatzstoffe“, der gesetzlich verordnet ist. Anders als er suggeriert, ist es aber nicht so, das Zusatzstoffe überflüssige Stoffe sind, („zusätzlich“) sondern sie sind technologisch notwendig. Vieles wurde vor der Einführung des Begriffes schon verwendet, nur eben dann als Zutat deklariert. Guarkernmehl und Johannisbrotkernmehl wurden eben als Zutat zugegeben und Backpulver ebenso. Oder es wurden Auszüge aus Lebensmitteln zugegeben die einen Stoff enthielten, wie Auszüge aus Soja, die lecithinreich waren.

Hersteller haben heute die Verpflichtung Zusatzstoffe unter Angabe ihrer Klasse, also Funktion wie „Dickungsmittel“, „Säureregulator“ oder „Emulgator“ anzugeben. Dabei kann dies durch die E-Nummer oder chemische Bezeichnung geschehen. Die E-Nummern werden meist gemieden, weil sie noch negativer als chemische Namen besetzt sind. Ich finde das gut, weil ich denke, dass selbst keiner meiner Berufskollegen alle 300 E-Nummern auswendig kennt, ich zumindest nicht.

Das Problem ist nun die mangelnde chemische Bildung der Durchschnittsbevölkerung, Sie setzt ja chemische Bezeichnungen, die nichts anderes als eine genaue Bezeichnung ist in Verbindung mit chemisch synthetisierten Produkten. Sonst konnte man ja die Trivialbezeichnung wählen. Oftmals sind es ja auch Trivilnamen, nur bei einfachen Verbindungen oder bei Vitaminen wird die chemische Nomenklatur verwandt.  So vom Alltagsgebrauch unterschiedliche Nomenklatursysteme gibt es ja auch in anderen Bereichen von Wissenschaft und Technik. Die Biologie hat z.B. für jede Art einen wissenschaftlichen Namen und ich nehme an, ihr wisst auch nicht auf Anhieb was sich unter Arabis alpina oder Felis sylvestris verbirgt.

So werden aus harmlosen Substanzen richtig giftige Dinge. Das ganze ist zweischneidig. Zum einen unterbindet es die Deklaration von Stoffen die man als Zusatzstoffe braucht, wie E300 Ascorbinsäure als Vitaminzusatz (Vitamin C) oder bei anderen Naturstoffen oder Naturextrakten als Lebensmittelzutat. Auf der anderen Seite werden absolut harmlose Stoffe wie die Soda zum furchterregenden Säureregulator Dinatriumcarbonat.

Was kann man tun? Man könnte sich informieren oder man kann sich wie eine Kommentatorin in letzter Zeit eine Liste erstellen mit allen Lebensmitteln die es ohne Zusatzstoffe gibt (viel Spaß, das engt das Supermarktsortiment bedeutend ein) oder noch besser man kocht selbst. Dann aber bitte keine Lebensmittel verwenden die sonst auch als Zusatzstoffe eingesetzt werden, wie Vanillinzucker oder Backpulver. Ich würde den Zeitaufwand für die letzten beiden Optionen als bedeutend höher einschätzen als für die erste Option: sich zu informieren.

Für die vorinformierten (ohne Google): Welche furchterregenden Substanzen verbergen sich unter folgenden Zusatzstoffen: (Trivialnamen der Substanz oder des Produkts dass sie vor allem enthält).

E101: Lactoflavin?

E120: Echtes Karmin?

E260: Ethansäure?

E306: alpha Tocopherol?

E335: Kaliummonotatrat?

E500: Natriumhydrogencarbonat?

E503: Ammoniumcarbonat?

9 thoughts on “Alles ist giftig, wenn man nur die chemische Bezeichnung wählt…

  1. Moin,

    ich seh das mal so: Wenn ein Zusatzstoff zur traditionellen Zubereitung normal ist, z.b. Backpulver im Kuchen oder Pökelsalz im Kassler, so ist das ok.

    Wenn aber ein Jogurt oder eine Suppe Guarkernmehl oder Johannisbrotkernmehl enthält, so ist das eine Zutat die traditionell weder in eine Suppe noch in einen Jogurt gehört. Das ist meiner Meinung nach ein Indiz, dass dieses Lebensmittel billig ist, und dessen schlechte Qualität durch Lebensmitteltechnik kaschiert werden soll.

    Die Frage ist also nicht, welche Lebensmittel sind frei von Zusatzstoffen, sondern welche Lebensmittel sind frei von Zusatzstoffen die dort nicht rein gehören.

    ciao,Michael

  2. Also ein paar krieg ich glaube ich noch zusammen:

    E260: Ethansäure
    Essig

    E500: Natriumhydrogencarbonat
    Natron

    E503: Ammoniumcarbonat
    Salmiaksalz nehme ich an

    E335: Kaliummonohydrat
    Was soll das sein? Bist du dir sicher, dass es diese Verbindung überhaupt gibt, bzw wenn ja, ob sie nicht explosiv ist?

  3. E306 Vitamin E
    E101 Vitamin B2
    E503: Hirschhornsalz, ein Backtriebmittel zb bei Lebkuchen
    E335: Weinstein, in ökologischen Backpulvern enthalten

  4. Also ich löse mal auf.
    E101: Lactoflavin = Riboflavin = Vitamin B2
    E120: Echtes Karmin = Cocheillerot = getrocknete weibliche Blattläuse aus Mexiko (nur weil jeder meint natürlich wäre immer besser, echtes Karmin findet man auch in Lippenstiften, doch glaube ich kaum dass sich viele Frauen getrocknete Schildläuse auf die Lippen schmieren würden)
    E260: Ethansäure = Essig
    E306: alpha Tocopherol = Vitamin E
    E335: Kaliummonotatrat = Weinstein, die Kristalle am Boden alter Weinflaschen
    E500: Natriumhydrogencarbonat = Natron, ein Bestandteil des Backpulvers, verantwortlich für die Gasbildung
    E503: Ammoniumcarbonat = Hirschhornsalz, auch manchmal in Backpulver zu finden. Anders als Backpulver zerfällt es von alleine durch Hitze in Ammonaik und Kohlendioxid. Es wird häufig in Lebkuchen eingesetzt und sorgt dort für das besondere Aroma neben den Gewürzen.

  5. Dann gibt es nicht zu vergessen noch das gefährliche Dihydrogenmonoxyd…
    Irgendein Lebensmittel oder Getränkehersteller sollte echt mal den Schneid haben und das auf die Zutatenliste schreiben 😉

  6. Ja und dann noch nitrogen und Oxygen als Schutzgase. Bestimmte Lebensmittel enthalten auch im zweistelligen Prozentbereich den Raketentreibstoff und das Reinigungsmittel Ethanol, warum die noch nicht verboten sind ist mir ein Rätsel

  7. Wie gefährlich Dihydrogenmonoxid ist, haben wir in den letzten Tagen erst wieder erlebt. Auch tausende Tonnen an Sandsäcken haben nicht gereicht, die Überschwemmungen mit dem hochflüssigen Teufelszeug in den Griff zu kriegen 😉

    Kai

  8. Die Giftigkeit von Dihydrogenmonoxid (eigentlich kann man das „mono“ weglassen, da es sich aus den Elementwertigkeiten ergibt, es heißt ja auch Magnesiumoxid und nicht monomagnesiummonoxid) ist kaum bekannt. 2007 starb eine Studentin, als sie in drei Stunden rund 8 l Dihydrogenoxid trank, fünf Stunden später war sie tot.

    Auch chronisch ist Dihydrogenoxid tödlich. Eine Aufnahme von 10 l pro Tag, etwa die vierfache optimale Menge führt über einige Monate zum Nierenversagen – auch hier keine Sicherheitsschwelle vom Faktor 100, man müsste es also sofort verbieten.

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