Facebook Heuchelei

Facebook kommt immer wieder in die Schlagzeilen. Jetzt gerade, weil dort eine falsche Meldung „Fake News“ über eine angebliche Äußerung von Renate Künnast nicht zeitnah gelöscht wurde. Vorher waren es rechtsradikale Äußerungen, gegen die protestiert wurden, zu deren Löschung sich aber Facebook sich nicht genötigt führte. Ganz im Gegensatz zu Bildern auf denen Brüste zu sehen sind, selbst ohne sexuellen Hintergrund z.B. bei einer stillenden Frau. Aus der Sicht von Facebook ist das auch logisch: es gibt etwa 7 Milliarden Brüste auf der Welt, aber nur wenige Millionen rechtsradikale die auf Facebook posten. Also sind Brüste viel gefährlicher als Rechtsradikale …

Datenkrake Facebook

Dann ist natürlich noch das Dauerproblem der Datenkrake, mit undurchsichtigen AGB und vor allem auch das Facebook Nicht-Mitglieder über Facbeook-Likes Buttons auf anderen Webseiten trackt. Das alles nur um mehr personalisierte Daten zu gewinnen, die man dann an Webekunden verkaufen kann. Die Gewinne werden dann nicht in Europa versteuert, obwohl sie auch hier gewonnen wurden und auch das alles kommt in den Medien, genauso wie die Einsicht, das selbst nationale Behörden gegen Facebook kaum Handhabe haben. Was ändern wird sich wohl erst, wenn die EU mal eine Milliardenstrafe verhängt. Sobald es an das Portemonnaie geht, sind Konzerne plötzlich enorm flexibel.

Es geht auch ohne

An und für sich tangiert mich das Problem nur peripher. Für mich waren soziale Netzwerke nie interessant. Mir erschloss sich nicht der Sinn und Zweck. Wenn ich jemand kontaktieren will, warum nicht direkt? Was interessiert mich was andere liken oder nicht? Und ich wüsste nicht was es so Wichtiges gäbe, dass ich es vielen mitteilen müsste, zumindest im privaten Bereich. Ich weiß auch nicht, warum es so wichtig wäre, von mir Bilder zu posten oder „Selfies“ zu machen. Kurzum: Ich bin für die Plattform wohl einfach nicht extrovertiert genug. Zudem habe ich das Ego, das wenn jemand was von mir will, er auf meine Seite kommen kann oder mich anmailen kann.

Vielleicht bin ich auch zu alt, denn nach eigenen Statistiken ist das Durchschnittsalter eines Facebook-Benutzers 29,4 Jahre. Das erklärt auch den leichtsinnigen Umgang mit Bildern oder persönlichen Daten wie „Habe gestern wohl etwas zu viel über den Durst getrunken“, die dann später vor allem bei der Stellensuche sehr negative Folgen haben können.

Facebook ist da nicht das Einzige. Ich bin auch nicht bei Google+ und ich nutze auch andere neue Webservices nicht wie Twitter, Instagramm, Whatsapp etc. Meiner Beobachtung verselbstständigen sich diese Dinge. Die Leute meinen dann gar nicht mehr ohne Smartphone und ohne dauerndes Kontrollieren des Status auskommen zu können.

Die Medien und Facebook

Was mich ein bisschen ärgert, sind öffentliche Medien. Auf der einen Seite verweisen sie immer, wenn es um Facebook geht auf die Mängel, die ich oben aufgezählt habe, auf der anderen Seite findet sich bei fast jeder Sendung, egal ob im Radio oder Fernsehen irgendwann eine Bemerkung wie „Diskutieren sie mit uns bei Facebook“. Oder es werden Facebook Seiten-URL eingeblendet. Ich finde das heuchlerisch. Entweder ich kenne das Problem und finde das Verhalten inakzeptabel und nicht vereinbar mit deutschem Datenrecht oder auch nur dem Befolgen von deutschen Gesetzen die ja auch Schranken für die Meinungsfreiheit kennen. Dann werte ich ein solches Medium nicht auf, indem ich dort eine Seite unterhalte und Besucher auf diese Seite locke.

Ich finde es auch etwas komisch wenn ich eine Diskussion, sagen wir mal zu der ARD-Diskussionsendung „Fakt“ bei Facebook führen soll anstatt bei der ARD. Das wäre für mich der erste Sprung. Die ARD-Homepage oder die Fakt Homepage. Da immer nur eine Sendung gerade „OnAir“ ist, wäre es auch kein Problem auf die Hauptseite einen Button mit einem direkten Sprung zu legen oder man nutzt sowieso kurze feste links wie www.ard.de/Fakt.

Die Argumentation lautet dann: Jeder ist auf Facebook, Facbeook hat eine so große Marktmacht … Gerade deswegen sollte man sich nicht beteiligen, das die Marktmacht kleiner wird, dann wird vielleicht auch mal Facebook sich reformieren, wenn es an Kunden oder Mitgliedern verliert. Zudem müsste man dann wenn man unabhängig sein will auch Seiten auf den anderen sozialen Netzwerken wie Google+ unterhalten. Ansonsten sind die Medien ja auch auf Unabhängigkeit bedacht. Wenn in einer Sendung jemand gezeigt wird wie er im Internet sucht, dann geschieht das mit einer Phantasie-Suchmaschine die es nicht gibt. Sonst wäre es ja Schleichwerbung. Doch Facebook-URL die eingeblendet werden sind keine Schleichwerbung? So ist aber was die öffentlichen Medien betreiben Facebook-Heuchelei.

P.S.: Das ist der erste Artikel von mir, der in Lesbarkeit und „SEO-Optimierung“ zweimal Grün bekommt ….

8 thoughts on “Facebook Heuchelei

  1. Zur Zeit wird hier in München Werbung geschaltet, die Facebook als guten, sicheren und
    den Kunden schützenden Daten(kraken)sozial… bla bla bla darstellt.

    Achtung, jetzt wirds rechtsradikal!

    Nach Gerüchten stammt doch der Chef von Facebook von einem Volk ab, das von uns
    Deutschen verfolgt wurde.
    Wenn das stimmt, frage ich mich, warum gerade rechtsradikale Äußerungen in Facebook
    nicht schneller gelöscht werden, als sie geschrieben werden?

    Ach ja, Omnia non olet! Bzw. Bitte keine Moral, nur Kasse!

    Rechtsradikal-Modus aus!

  2. Da will ich mal folgendes behaupten:
    Die Erben von Beutekunst, denen die „arisierten“ bzw. gestohlenen Gegenstände
    aus Museen zurückgegeben wurde, verhökern das alles so schnell wie möglich.

    Ich habe aber keine belastbare Fakten, die diese Behauptung Präfaktisch machen!

  3. Als ich das Wort „postfaktisch“ zum ersten Mal hörte, dachte ich: „Wow, stimmt voll, das
    die Post (DHL) ihre Pakete nicht mal mehr richtig ausliefern kann. Weder zur Paket-
    station, noch vor die Haustür oder zum Nachbarn….

    Ich mußte dann immer irgendwo in die Wallachei, um von einem unfreundlichen Kiosk-
    Besitzer das Paket am Tag später abholen.

    Zu Zeiten von Walter Spahrbier war das aber ganz anders! Da kannte der Postbote noch
    einen, und hatte die Pakete immer zuverlässig abgeliefert.

    Tja, Pech gehabt Amazon und Co. Ich bestell nix mehr….

  4. Interessante Einblicke hat die Sueddeutsche Zeitung nach einer wochenlangen Recherche bei Arvato geliefert.
    Arvato ist von Facebook beauftragt die Inhalte auf „Konformität zu den Facebook Regeln“ zu prüfen.

    http://www.sueddeutsche.de/digital/exklusive-sz-magazin-recherche-inside-facebook-1.3297138

    Der Link liefert nur eine kurze Übersicht. Einen ausführlichen Artikel gab es am gestrigen Freitag in der Printbeilage SZ-Magazin.

    Dort wird en Detail (ohne Bilder) geschildert mit welch drastischen Inhalten die Mitarbeiter dort konfrontiert werden.

    Für 1500 EUR Brutto und ohne jegliche psychologische Betreuung! Die meisten halten das nur ein paar Monate aus.

    Die gestrige Nacht konnte ich nicht wirklich schlafen…

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