Versprechen und abkassieren

Eigentlich wollte ich ja nicht so bald wieder was zu SpaceX schreiben, schließlich glänzt die Firma nun mehr dadurch, dass sie endlich liefert anstatt was anzukündigen. Ich wollte bis September warten wenn wie jedes Jahr die neue BFR vorgestellt wird.

Viel zu sagen gibt es nicht. Die Firma hat Pläne für eine Erweiterung ihres Raketenareals im Kennedy Space Center eingegeben. Dort kommt ein futuristischer 100 m hoher Turm mit 3000 m² Fläche, damit man die vielen Landungen der BFR auch überwachen kann und ein Parkplatz für 2500 Autos hin, damit es die Leute nicht so weit zum Laufen haben. Von Brownsville, das mal als kommerzieller Flugplatz aus der Taufe gehoben wurde gabs dagegen immer noch keine Neuigkeiten. Also wie immer: Ankündigungen und nichts neues zu den schon laufenden Projekten (Raptor, Starlink, BFR, Falcon Heavy – da wurde die STP-2 Mission inzwischen auf Dezember verschoben und weitere Starts sind keine mehr angesetzt).

Anrosteten startet die Firma Satelliten und das erwartet man ja von ihr. Entsprechend schrumpft ihr Lauschmanifest im Mai waren es noch 42 Starts in der Zukunft nun sind es noch 36. Zu Jahresanfang waren es noch 51. Es scheinen keine neuen mehr hinzuzukommen. Mich wundert es nicht, denn SpaceX generiert ja keine neuen Starts. Wenn sie die Hälfte aller US-Regierungsstarts und kommerziellen Starts durchführen, dann kommen sie im Jahr vielleicht auf 20 Starts. So nimmt ihr „Vorrat“ ab. Dann haben sie wenigstens Kapazität frei um ihre Starlink Konstellation zu starten. Dank der neuen Block 5 Erststufe brauchen, sie von der ja nur eine pro 100 Starts. Mit zwei dieser Stufen haben sie dann die ganze Konstellation abgedeckt, die ich auf etwa 200 Starts schätze wenn sie die Kapazität der Raketen ausnutzen.

Musk macht lieber woanders Schlagzeilen. Ganz neu für mich war das SpaceX nun auch U-Boote baut. Er hat wohl eines zur Rettung der eingeschlossenen Jugendfußballer eingesetzt und dann als dieses nicht eingesetzt wurde, weil es viel zu groß war den Verantwortlichen als Pädophilen beschimpft. Mal sehen was die als Nächstes entwickeln. Ich würde ja auf Treibstofffabriken tippen, denn das U-Boot brauchen sie sicher für die Besiegelung von Europa, dem nächsten Schritt nach der Kolonisierung des Mars. Dann kommt sicher die Besiedlung des Titan und mit einer Treibstofffabrik würde auf einem Mond der jede Menge Methan hat auch das Treibstoffproblem gelöst sein. Oder fliegende Untertassen? Also Raketen in Form von Diskus?

Ich halte Musks Vorgehen ja eher für einen Kommerziellen Schachzug. Er hat sich wohl an Jobs orientiert, seit der bei Apple eingestiegen ist ist der Unternehmenswert explodiert. Apple ist in vieler Hinsicht besonders. Keine andere Firma bringt ihre Benutzer dazu so schnell ihr Produkt zu wechseln, dabei sind die Produkte nicht billig und es ist eine abgeschlossene Applewelt mit nur wenigen Möglichkeiten Fremdperipherie anzuschließen. Apps gibt es ja nur vom Apple Store. Das letztere Modell haben ja inzwischen auch Microsoft und Google übernommen.

Bei Musk ist das Erfolgsmodell Marskolonisierung. Damit hat die Firma einen Touch der in Richtung Entdecker, Abenteuer geht und das hilft gute Leute zu finden die dann dort arbeiten. Bevor sie die Marskolonisierung ausarbeiten dürfen, müssen sie sich natürlich mit den zahlreichen Kleinproblemen der aktuellen Raketen beschäftigen …

Ansonsten, das habe ich schon oft erwähnt, gilt es in den Schlagzeilen zu bleiben. Also pusht man das indem man Dinge ankündigt die nicht kommen oder revidiert werden, wie die BFR die immer wird. Dafür aber nun auch von Kontinent zu Kontinent fliegen soll. Nächstes Jahr erfolgen die Testflüge – so ankündigt letztes Jahr. Ich glaubs nicht.

Meine Ansicht, ebenfalls nicht neu, dient das ganze nur dazu den Unternehmenswert zu steigern. Als Laie meint man ja der Unternehmenswert könnte man danach bemessen was das Unternehmen an Kapital, Grundstücken und Maschinen hat, also was man verkaufen könnte. Wenn man es etwas weiter fasst dann vielleicht auch noch Aufträge denn die bringen ja zukünftigen Gewinn. Was ich allerdings gelernt habe ist das die Gesetze der Wirtschaft und vor allem an der Börse anders sind. Nehmen wie die letzten Börsenkrisen, egal ob Immobiliencrash oder Euro-Schiuldenkrise. In beiden Fällen fielen die Kurse aller Unternehmen um ein Drittel oder mehr, obwohl sich an ihren Aktiva nichts änderte, nicht mal die Aufträge gingen um diesen Prozentsatz zurück. Damit kann man an der Börse viel Geld verdienen, wenn man den Aktienkurs hoch treibt und verkauft. Musk macht es nun bei Tesla vor. Als er gestern ankündigte die Firma von der Börde zu nehmen, klettert der Kurs um 8 % auf 379,5 Dollar. Bei 420 Dollar will er aussteigen.

Zuerst dachte ich „Hä, wenn ich die Firma kaufen will, würde ich doch dafür sorgen dass sie möglichst billig ist“. Und in der Tat gab es ja in den letzten Monaten nur schlechte Nachrichten von Tesla. Immer noch keinen Gewinn. Seit es die Firma gibt, macht sie nur Schulden. Das neue Modell verzögert sich und die Produktionskapazität ist zu klein (eine Parallele zu SpaceX auch dort werden Startzahlen angekündigt die man nicht schafft). Aber dann machte es „Klick“. Nicht er will die Firma kaufen. Er will seine 20 % verkaufen und das an Andere, die dann die Firma übernehmen. Das hat sich dann doppelt gelohnt. Man verkauft bei einem hohen Kurs, der zuletzt ja eher nach unten ging und hat eine Firma los, die nur Verluste machte. Denn wenn wie er sagt, die Finanzierung steht, warum sollte er dann nicht jetzt aussteigen wo der Kurs niedriger ist, damit benötigt er weniger Kapital um die Aktionäre auszuzahlen.

Tesla ist schon was besonderes. Das zeigt der Vergleich mit Daimler als deutschem Autohersteller:

Tesla (Dollar)

Daimler (Euro)

Porsche

Umsatz

11,83 Mrd

164,33 Mrd

21,52 Mrd.

Gewinn

-1,962 Mrd

10,525 Mrd

3,32 Mrd

Mitarbeiter

37.500

255.605

29.800

Börsenwert

67,2 Mrd.

88,5 Mrd

8,63

Obwohl Tesla also in Umsatz und Mitarbeiterzahl in etwa ein Zehntel der Größe von Daimler hat, keinen Gewinn macht und das seit es die Firma gibt, hat sie zwei Drittel des Werts von Daimler. Dabei macht Daimler nicht nur mehr Gewinn, dort sind auch die Mitarbeiter produktiver, Teilt man Umsatz durch Mitarbeiterzahl so erwirtschaftet ein Daimler Mitarbeiter 640.000 Euro, ein Tesla Mitarbeiter 315.000 Dollar. Noch schlechter sieht es aus wenn man Tesla mit Porsche vergleicht – Porsche ist kleiner und wie Tesla stellen sie Autos her die sich nicht jeder leisten kann – Bei etwas kleinerer Mitarbeiterzahl macht Porsche doppelt so viel Umsatz und hat einen hohen Gewinn (in Prozent besser als bei Daimler) ist aber nur ein Zehntel von Tesla an der Börse wert.

SpaceX wert wurde im April inzwischen auf rund 24 Milliarden Dollar geschätzt. Dabei hat die Firma derzeit etwa 6.000 bis 7.000 Mitarbeiter. Daimler hat 40-mal so viele, aber der Börsenwert ist nur neunmal größer. Porsche dreimal so viele Mitarbeiter, aber nur ein Drittel des Wertes. Noch deutlicher ist der Unterschied im Umsatz. Wenn dieses Jahr 24 Falcon 9 starten, so mal hochgerechnet von den 14 Starts dieses Jahr bis jetzt, dann fährt die Firma einen Umsatz von etwa 1,9 Md. ein (vier COTS und zwei US-Starts mit 150 / 90 Millionen pro Start eingerechnet). Das sind pro Mitarbeiter 291.000 Dollar, also weniger als die Hälfte als Daimler.

Daher denke ich ist SpaceX nicht profitabel. Die ganzen angekündigten Entwicklungen müssen ja auch finanziert werden. Meine Überlegung: erwirtschaftet ein Mitarbeiter mehr Umsatz so auch mehr Gewinn. Ist vielleicht einfach gedacht, aber logisch.

So erkennt man aber ein System. Musk sorgt dafür das seine Unternehmen im Gespräch bleiben und das steigert ihren Wert. Beim geeigneten Zeitpunkt wird dann verkauft. Solarworld hat er an Tesla verkauft. Klingt bescheuert, weil er ja Anteilseigner bei beiden Firmen ist, doch bei Tessla ist sein Anteil kleiner und Solarworld konnte nicht durch Schlagzeilen glänzen und auch nicht durch Aufträge und da hat er die Reißleine gezogen. Nun folgt Tesla und – so verrückt ist die Wirtschaft. Obwohl es von der Firma schlecht geht und es nur Hiobsbotschaften gibt, hebt der anbgekündigte Verkauf den Kurs an, sodass die Börsenaufsicht sogar den Handel ausgesetzt hat. So was nennt man wohl Kursmanipulationen.

Ich glaube bei SpaceX lässt er den Zwischenschritt über die Börse aus. Wenn er es schafft Investoren die Firma wirklich als so wertvoll zu verkaufen geht das. Die träumen wahrscheinlich von 70 % Gewinn am Umsatz. Kostet schließlich eine Falcon 9 Erststufe nach Musks Angaben 75-80 % der Rakete und die kann nun ja 10-mal wiederverwendet werden, was ihren Kostenanteil auf 7,5 bis 8 % reduziert, denn die Startpreise sind ja gleich geblieben. Und wenn dann die Flüge erst so billig werden, dass sie vergleichbar mit denen von Flugzeugen sind, wie Musk letztes Jahr angekündigt hat, dann ist man so beim 99 % Gewinnlevel. Das spricht das Gierzentrum im Gehirn an, das bei vielen Wirtschaftsbossen enorm vergrößert ist.

Derzeit macht SpaceX übrigens wohl keinen Gewinn, trotz immer mehr Starts. Die letzte Wertschätzung erfolgte als SpaceX erneut 507 Millionen Dollar an Kapital akquirierte – das sind eigentlich nur 10 Falcon 9 Starts mit 70 % Gewinnquote, also etwas was die Firma in einem halben Jahr rein bekommt, ja wenn man 70 % Gewinn macht …

[Edit]

Ich habe inzwischen mehr dazu gelesen. Das Modell das Musk umsetzen will ist offenbar, Tesla in eine Beteiligungsgesellschaft umzuwandeln. Aktionäre werden dann zu Anteilseignern. Nur die Aktionäre, die das nicht wollen, will er auszahlen. So braucht er auch nicht die 60 Mrd., die er bräuchte, wenn er alle auszahlen muss.

Ob das klappt? Ich bin skeptisch, denn der Aktionär tauscht ein Papier das er frei an der Börse verkaufen kann gegen eines an, dessen Wert von der Beteiligungsgesellschaft festgelegt wird und das er nicht frei verkaufen kann. Vor allem ist der Aktienkurs von Tesla ja deswegen so steil gestiegen, weil spekuliert wird. Die Fundamentaldaten der Firma geben das nicht her, weder der Umsatz noch der Gewinn – im Gegenteil die Aktionäre werden dann Anteilseigner einer Firma, die noch nie Gewinn gemacht hat, aber eine Fremdkapitalquote von 85 % hat. Verbindlichkeiten über 23 Mrd. Dollar und Haben nur von 5,4 Mrd. Dollar. Meiner Ansicht nach, ist die Firma damit nicht gesund.

Inzwischen ermittelt die Börsenaufsicht gegen Musk, es wird geprüft, ob die Mitteilung über Twitter eine unerlaubte Kursmanipulation ist. Alleine er war kurzzeitig (inzwischen legt die Aktie wieder den Abwärtsgang ein) um 1,3 Mrd. Dollar reicher.

6 thoughts on “Versprechen und abkassieren

  1. Woher kommt dieses abarbeiten an der Person Musk? Natürlich gibt es eine Menge an Musk zu Recht zu kritisieren. Aber diese Fixierung auf die Person ist schön auffällig. 😉 Sind alle Schwaben piefig ?

  2. Hat sich Musk aktuell selbst zuzuschreiben. (Ein amerikanischer Finanzpodcaster hat in letzter Zeit auch mehr Beiträge über ihn verfasst als er wollte. Es gab aber einfach zuviel zum Kopfschütteln von Musk.)

    Selbst einige Börsenexperten sagen, dass den Worten unbedingt Taten folgen müssen. Sonst ist das Kursmanipulation und da kennt die Börsenaufsicht kein Pardon.

    Was das Vorbild Steve Jobs betrifft hat Bernd recht. Musk ist seit dessen Tod das neue Aushängeschild von Silicon Valley und Umgebung.

    Wobei das System von Silicon Valley inzwischen von einigen Leuten vermehrt kritisch gesehen wird.

    Im Übrigen sind diese Leerverkäufer keine „Trolle“ oder „Hater“ wie einige Musk Fans glauben.

    Sie sind keine Heiligen, aber ein notweniger Realitätscheck für Geschichten, die „zu gut klingen um wahr zu sein“.

    Beispiel:

    Das Unternehmen, dessen Lehrverkauf an der Börse Chanos berühmt machte:

    Enron. (Keine Ahnung ob die hier lesenden die Doku „The Smart Guys in the Room“ kennen. Falls nein, unbedingt anschauen. Da kommt euch das kotzen…)

    https://www.cnbc.com/2018/06/13/jim-chanos-says-silicon-valley-ceos-have-a-lying-problem.html
    https://uk.finance.yahoo.com/news/jim-chanos-says-apos-culture-211700892.html

    Der von Musk jüngst attackierte Jim Chanos, ein jahrelanger Tesla Kritiker, meinte das viele Silicon Valley unternhmen selbst leider vermehrt ein Problem mit der Wahrheit hätten und das Fälle wie Theranos (einer der schlimmsten Betrugssknadale der letzten Jahre) nur die Spitze des Eisbergs waren und weitere folgen könnten.

  3. Sie sollten mal etwas genauer über die U-Boot Geschichte recherchieren, so wie Sie es darstellen ist es vollkommen falsch. Richtig ist: Musk hat auf explizite Anfrage seine kostenlose Hilfe bei der Rettung der Kinder angeboten. Dazu haben er und seine Ingenieure innerhalb weniger Tage ein Mini U-Boot gebaut. Die Spezifikationen dazu kamen direkt von den Tauchern vor Ort. Als absehbar war, dass das U-Boot nicht gebraucht wird, hat Musk beim Einsatzleiter nachgefragt, ob er es überhaupt nach Thailand schicken soll, Antwort: „Ja, bitte, als Backup“.

    Nachdem alle Kinder gerettet waren, meldet sich dieser unsägliche Unsworth zu Wort und behauptet, das U-Boot sei eine völlige Fehlkonstruktion und Musk solle es sich dahin stecken, wo es wehtut. Sorry, diese Art Mensch ist für mich absolut unterste Schublade. Andere Menschen zu beschimpfen, die auf Anfrage ihre Hilfe anbieten, das geht einfach gar nicht. Dass Musk daraufhin die Beherrschung verloren hat, ist natürlich nicht in Ordnung, immerhin hat er sich aber dafür entschuldigt. In den Medien (und auch hier im „Anti-Musk“ Blog) wird allerdings nie die ganze Geschichte dargestellt, sondern immer nur der kleine Teil, der Musk möglichst schlecht aussehen lässt.

    1. Und sie glauben wohl alles was Musk verbreitet. „Innerhalb weniger Tage ein mini-U-boot gebaut“ mit dem man dann Personen retten kann. Was bauen sie denn wenn man ihnen eine Woche Zeit gibt? einen funktionierenden Hyperloop?

      Tatsache ist für ihre Falcon heavy die nur eine Abwandlung der Falcon 9 ist haben sie 7 Jahre gebraucht. Aber ein U-Boot das nicht mal zur Kompetenz der Firma gehört bauen sie in ein paar Tagen …

      1. Also die EMail Korrespondenz zwischen dem Leiter der Rettungsaktion und Musk ist inzwischen teilweise öffentlich. Nicht nur zeigt diese das Felix Darstellung im wesentlich korrekt ist, sondern auch das das „U-Boot“ so gut wie einsatzbereit war.
        U-Boot ist ja auch eingentlich das falsche Begriff. Letzlich ist das eine Kapsel mit Sauerstoffversorgung mit der man eine Person durch Wasser transportieren kann wenn diese nicht in der Lage ist für das Tauchen überlebenswichtige Dinge zu beachten (korrekte Atmung etc.)

        Link zur EMail Korrespondenz
        https://twitter.com/elonmusk/status/1016684366083190785

        1. Die Geschichte welche Rolle Elon Musk bei der Rettung der eingeschlossene Fussballer in einer Höhle in Thailand gespielt hat, eignet sich hervorragend für eine Verschwörungstheorie.
          Wenn man die aktuellen Berichtserstattungen verfolgt hatte, dann kann man es nur als PR-Gag von Musk hinstellen. Was ist mit den anderen Geräte wie Akkus, Wasserpumpen und Bodenradar die er bereit stellen wollte, geworden?

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