Rätsel des Alltags: Der E-Scooter

Ich möchte heute mal mit einer neuen Reihe anfangen, die wie man am Titel schon erkennt, von „Rätseln des Alltags“ handelt. Gemeint sind aber nun nicht mysteriöse oder gar geheime Dinge, als vielmehr Dinge die rätselhaft sind, weil sich nicht einleuchtend oder logisch sind. Also so Dinge, wo man sich fragt „Wie ist jemand nur auf diese Lösung gekommen?“. Heute geht es um die E-Scooter, die ja nun offiziell zugelassene Verkehrsmittel sind. Ich kam auf den Artikel, weil in der vorletzten ct‘ ein solches Gerät getestet wurde, und auch die rechtlichen Vorschriften beleuchtet werden.

E-Scooter sind mit einem Elektromotor betriebene Tretroller. Sie dürfen in Deutschland eine maximale Geschwindigkeit von 20 km/h – plus 10 % Abweichung, also maximal 22 km/h, die zumindest ein Roller erreicht, aufweisen. Der Akku ist fest verbaut, in der Regel nicht wechselbar. Men benötigt eine Versicherung und ein Nummernschild wenn man mit ihnen fährt. Dafür gibt es aber keine Helmpflicht und sie müssen auch keinen Blinker haben, obwohl es riskant sein soll, die Hand vom Lenker zu nehmen, um de Abbiegeabsicht anzuzeigen. Rechts ein Signal zu geben, geht es wegen dem Gaspedal am rechten Griff sowieso nicht. Fahren darf man nur auf dem Fahrradweg oder, wenn dieser nicht existiert, (der Normalfall) auf der Straße, nicht auf dem Gehweg. Es gelten die gleichen Vorschriften für Alkoholgrenzwerte wie bei anderen motorisierten Gefährten.

Soviel an Zusammenfassungen. Ich überspringe mal die Grundsatzfrage, ob man so etwas überhaupt braucht. Die meisten sind sich einig, dass ein E-Scooter ein Gefährt für Kurzstrecken, also die letzte Meile ist. Da viele Roller zusammenfaltbar sind, bieten sie sich vielleicht für Leute, an denen das Laufen zur nächsten Bus- oder Straßenbahnhaltestelle zu anstrengend ist. Meiner Erfahrung nach ist aber in Städten und Umgebung von Großstädten das Netz an Haltestellen so groß, dass man die nächste Haltestelle auch ohne E-Scooter schnell erreicht und auf dem Land sind nicht nur die Haltestellen dünn gesät, sondern auch die Taktung unattraktiv, sodass man dann gleich auf ein größeres motorisiertes Gefährt oder E-Bike ausweicht. Aber es gibt Käufer für die Roller und man sollte nie die Zahl der faulen Leute unterschätzen.

Unverständlich ist für mich aber, dass man für einen E-Scooter der maximal 20 km/h erreicht, eine Versicherung und ein Nummernschild braucht und gesetzlich, wie ein Fahrer von Motorrädern behandelt wird, während man das für E-Bikes oder Fahrräder nicht braucht. Ich vermute es liegt daran, das man bei E-Bikes noch selbst treten muss, um vorwärtszukommen, bei den E-Scootern nicht und sie daher als nur motorisierte Geräte, vergleichbar einem Mofa behandelt werden. Nur macht das keinen Sinn, wenn es um die Unfallgefahr und die entstehenden Schäden geht. Die Gefahren sind bei einem Fahrrad wegen der höheren Geschwindigkeit höher, auch weil, wenn man mal einen Unfall hat, man aus einer höheren Position stürzt. Die Einstufung als Fahrzeug endet aber dann beim Blinken. Jedes andere motorisierte Gefährt braucht einen Blinker, also eine blinkende Leuchte, die die Abbiegabsicht anzeigt. Man kann nach Erfahrungsberichten nicht mit der Hand ein Abbiegen signalisieren. Das sei zu gefährlich. Mit nur einer Hand ist der Roller schwer steuerbar. Es gibt hier also ein Gefährt im Straßenverkehr das nicht signalisieren kann, in welche Richtung es abbiegt. Blinker sind nicht vorgeschrieben, doch wenn man sie nachträglich montiert greifen dann neue Vorschriften – also warum schreibt man sie nicht gleich vor.

Die Versicherung stellt mich vor die größten Rätsel, zumindest als Nur-Fahrradfahrer. Bei einer Versicherung denke ich natürlich immer an einen Versicherungsschutz. Also man bezahlt Beiträge und im Falle eines Falles ist man abgesichert. Ich fand aber nichts über die Leistung der Versicherung, sondern nur, dass man eine braucht und die verknüpft ist mit einer Versicherungsplakette. Was leistet sie? Anscheinend nichts. Der einzige Zweck der Versicherung scheint zu sein, das man eine Plakette (Nummernschild) erhält und so die Polizei feststellen kann, ob man versichert ist. Anders als beim Auto ist das aber nicht mit einer Verkehrstauglichkeitsprüfung verbunden. Also relativ sinnfrei. Sie kostet aber zwischen 20 und 60 Euro pro Jahr, was bei typischen Kosten von 400 Euro für einen E-Scooter relativ viel ist.

Viel sinnvoller fände ich eine Helmpflicht – nicht nur für E-Scooter, sondern auch für Radfahrer. Beim nur unwesentlich (5 km/h) schnelleren Mofa gibt es ja die Helmpflicht. Das würde, wenn schon ein Unfall passiert, und das scheint, relativ häufig vorzukommen, die Folgen verringern.

Bleibt noch die Spitzengeschwindigkeit. 20 km/h sind nicht viel. Der Beitrag verweist darauf das in zahlreichen europäischen Ländern 25 km/h zulässig sind, in den USA sogar 30 km/h. Ich fand die 25 km/h Beschränkung bei E-Bikes schon blödsinnig, weil auf ebener Straße ich selbst mit dem E-Bike auf mehr als 25 km/h komme. Bei meinem Fahrrad (ohne Motor, aber auch leichter, wenn bei 25 km/h die Abschaltung des Motors beim E-bike kommt) sind es auf längeren Strecken in einer hier leicht hügeligen Umgebung bei mir im Mittel 18 bis 19 km/h – aber natürlich mit allen Stopps, die es im Straßenverkehr gibt. Trotzdem lasse ich das Thema außen vor, weil nach den bisherigen Erfahrungen viele Fahrer sich selbst und ihr Fahrkönnen überschätzen. Ärzte befürchten eine erhöhte Unfallgefahr durch die Konstruktion der Roller. Da wären 20 km/h eher besser als 25 km/h. Klar für die Rollerbesitzer ist es natürlich frustrierend, wenn ein Fahrrad an ihnen mühelos vorbeizieht, aber das Problem haben, dann die Fahrradfahrer zumindest beim Anstieg auch mit den Rentnern auf E-Bikes.

Das Hauptproblem scheint aber die Gesamtbilanz zu sein. Die meisten der E-Scooter werden kurz genutzt und dann nicht mehr. Verliehene E-Scooter sind oft defekt und werden dann entsorgt und haben so eine miserable Ökobilanz.

Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, das man die Sache nicht richtig durchdacht hat. An der Ökobilanz wird man nichts ändern können, auch nicht das es wohl mehr ein Gadget, als ein Fahrzeug ist, aber bei den restlichen Vorschriften hätte man einiges ändern können. Meiner Ansicht nach sollten die Geräte wie Fahrräder oder E-Bikes behandelt werden.

2 thoughts on “Rätsel des Alltags: Der E-Scooter

  1. Hier in Hannover sehe ich die E-Scooter sehr selten fahren, es stehen aber sehr (zu) viele auf den Fußwegen im inneren Stadtbereich, das Äquivalent wäre in Stuttgart über den Talkessel verteilt.
    Mein primäres Problem mit den E-Scootern ist, daß sie zu oft im Weg stehen.
    Wobei für mich ein E-Scooter, der die Breite des Fußwegs schmälert, oder der in der Sichtlinie steht, schon im Weg steht. Die sollten so an die Seite gestellt werden wie Fahrräder.

    MfG
    Andreas

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