Prozentrechnen und seine Schwierigkeit

Auf den heutigen Blog bin ich durch die Diskussion um den Impfstoff von AstraZeneka gekommen, das Thema ist aber auch allgemein interessant, weil man in der Medizin gerne mit Prozenten Wahrscheinlichkeit jongliert, die meisten aber nicht wissen, wie diese Zahlen zu interpretieren sind. Prozente kommen einem im Alltag meistens bei Kapitalanlagen oder Preisen unter. Zumindest bei Additionen ist das einfach, man rechnet zum Preis einfach den Preis x Prozent / 100. Etwas schwerer ist es beim Subtrahieren, also wenn es vor allem bei Angeboten heißt es „40 % weniger“, weil sich das auf den Ausgangspreis bezieht.

Die eigentliche Problematik ist aber eine andere. Es ist ein relatives Maß und das vergessen wir zu gerne. Relatives Maß bedeutet: 1 % Zinsen sind bei 10.000 Euro nicht viel, bei 10 Millionen Euro kann man komfortabel davon leben. Das ist auch ein Grund, warum Reiche immer reicher werden – selbst wenn sie ihr Geld nur konservativ anlegen, also jegliches Risiko vermeiden, können sie ab einem bestimmten Vermögen nicht mal die Zinsen durch den Lebensunterhalt verbrauchen, geschweige denn das sie wie die meisten die kein großes Vermögen haben dieses mal angreifen müssen, um eine größere Anschaffung zu tätigen, wie das bei durchschnittlichen Einlagen der Fall ist.

Richtig problematisch wird das Prozentrechnen aber bei kleinen Wahrscheinlichkeiten. Da täuschen Prozentzahlen leicht über die echte Größe hinweg. Nehmen wir mal den aktuellen Fall des AstraZeneca Impfstoffs. Da gab es (Stand 18.3.2021) 13 Fälle in Deutschland von Sinusvenenthrombosen, von denen drei tödlich verliefen bei bis dahin 1,6 Millionen verabreichten Dosen. Davon sind 12 Frauen und bei den ersten sieben Fällen gab es bei vier Fällen vorher Störungen des Blutgerinnungssystems, die Ursache für eine Thrombose.

Man kann das nun verschieden sehen. Die Sinusvenenthrombose ist relativ selten, die normale Todeswahrscheinlichkeit liegt bei einem Fall pro Million Personen und Jahr. So gesehen sind drei Tote, wenn man auch berücksichtigt das der Impfstoff nur kurz in der Anwendung ist und es auch noch die Zweitimpfung gibt viel, das sind dreimal so viel wie natürlich vorkommen würden. Also eine Steigerung um 300 %. Da zuckt man zusammen. Aber es bezieht sich auf eine geringe Wahrscheinlichkeit, nämlich 1 in 1 Million. Auf der anderen Seite ist es kein Zufall, das zwölf der 13 Patienten Frauen waren. Denn die Antibabypille steigert das Thromboserisiko (nun nicht nur auf diese spezielle Form reduziert) enorm. Ohne Antibabypille erkranken 2 von 10.000 Frauen pro Jahr an Thrombose. Je nach Präparat steigt diese Rate auf 9 bis 12 pro 10.000. Also auch hier eine Steigerung um 350 bis 500 Prozent, aber und das ist wesentlich, bei einem viel höheren Risiko nämlich 1 in 5000 anstatt 1 in 1 Million.

Das ist immer so. Man kann, wenn man die Daten, die bei der Behandlung anfallen und wenn man sie in Verbindung mit dem Auftreten von Krankheiten setzt, immer für alles ein Risiko ausrechnen und oft auch, ob ein Risiko erhöht ist. Für den Einzelnen relevant ist aber wie hoch das tatsächliche persönliche Risiko ist. Impfgegner sind unfähig diese Unterscheidung zu treffen. Es gibt bei jedem Impfstoff – auch gegen Grippe, Diphterie oder Tetanus – eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass es schwerwiegende Komplikationen gibt. Aber verzichte ich deswegen auf die Impfung? Wenn ich eine neutrale Risikoabwertung mache, was passieren kann, wenn ich die Infektionskrankheit bekomme, dann entscheide ich mich immer für den Impfstoff. Denn die Infektion ist viel wahrscheinlicher als die Nebenwirkung des Impfstoffs. Windpocken – eine für Kinder in der Regel harmlose Infektionskrankheit, erzeugt bei Erwachsenen fünf bis sechsmal häufiger Komplikationen, die bei bestimmten Vorerkrankungen sogar lebensgefährlich sein können und die können sich weil sich die Erreger wie der Wind verbreiten, daher auch der Name, auch noch leicht bei Kindern anstecken.

Ein anderes Beispiel ist die Schlagzeile, die es vor einigen Jahren gab, als es die Meldung gab, das „rotes Fleisch“ das Darmkrebsrisiko signifikant erhöht. Das stimmt. Aber es stimmt auch das andere Faktoren prozentuell erheblich mehr Risiko bringen. Um mal das Worst-Case Szenario zu nehmen: Dickdarmkrebs tritt vor allem im höheren Alter auf und es ist bekannt, dass bei einer genetischen Vorbelastung die Wahrscheinlichkeit erhöht ist. Zudem sind Männer häufiger als Frauen betroffen und der Lebensstil (Sport, Ernährung spielt auch eine große Rolle). In der Altersgruppe von 50 Jahre alten Männern mit generischer Vorbelastung gibt es eine Wahrscheinlichkeit von 13,4 % in den nächsten 30 Jahren an Darmkrebs zu erkranken. Das ist erstmal ein hohes Risiko. Doch alleine durch gesunden Lebensstil kann man das auf 7,6 % senken und mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und Entfernung von Polypen, aus denen der Krebs sich bilden kann auf 2,6 %, also auch eine Reduktion von 400%. Da sind die 40 % höheres Risiko durch rotes Fleisch klein.

Vor allem kann man das Risiko mit den entsprechenden Zahlen auch klein rechnen. Quarks tat das gerade bei dem obigen Beispiel des roten Fleisches. Nur haben sie dann natürlich nicht die Bevölkerungsgruppe ab 50 genommen, sondern alle. Da der Krebs vor allem im Alter auftritt, Männer häufiger als Frauen betroffen sind und die Genetik das Risiko erhöht, senkt das schon mal den Prozentsatz. Anschließend haben sie die Zahlen nicht auf 30 Jahre, also die zu erwartende Restlebenszeit von 50-Jährigen, sondern pro Jahr bezogen und schwupps kamen sie auf 3,5 Fälle pro 10.000 Personen und Jahr. Mit dem übermäßigen Konsum von rotem Flesich und Wurstwaren steigt dann nach Quarks das Risiko um 1 Fall pro 10.000 also ein kleines Risiko.

Ja mit Prozentangaben kann man gut jonglieren und sie verbergen die Größe der Datenbasis oder den realen Effekt. Innerhalb der Blogleser ist SimonVr der Spezialist sich aus Zahlen immer gerade die rauszusuchen, die ihm passen oder noch besser Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Wenn ich z.B. beweisen will, das OneWeb beim Ausbau seines Webs einen größeren Fortschritt macht, dann gelingt mir das leicht. Heute starteten innerhalb von 24 Stunden jeweils Raketen mit Starlink und OneWeb Satelliten. Es war der 25.ste Starlink Start aber erst der fünfte für Oneweb. Oneweb ging ja durch die Coronapandemie über fast ein Jahr in die zeitweilige Insolvenz, weil Finanziers absprangen wurde mittlerweile durch die britische Regierung und einen Großanleger gerettet, hat dadurch aber ein Jahr Verloren in denen SpaceX alleine 13-mal startete.

Also sollte SpaceX ja viel weiter beim Aufbau seines Netzes sein. Tja es sind nun nach diesen beiden erfolgreichen Starts 1.385 Starlink Satelliten gestartet (ich zeihe nicht mal die inzwischen deorbitierten ab) aber nur 146 Satelliten für OneWeb. So sieht es an absoluten Satellitenzahlen besser für Starlink aus. SpaceX hat 848 % mehr Satelliten gestartet und etwas weniger noch im Orbit. Doch wenn ich auf Prozentangaben des Netzausbaus umschwenke, dreht sich alles um. Starlink umfasst als Gesamtnetz in der ersten Ausbauphase 12.000 Satelliten, Onweb lediglich 720. Beide Zahlen berücksichtigen Reservesatelliten um Ausfälle abzufangen. 1.385 von 12.000 Satelliten sind 11,5 Prozent, 146 von 720 Satelliten sind 20,3 Prozent. Oneweb ist also fast doppelt so weit wie Starlink beim Netzausbau. Man kann das noch weiter spinnen: Das Netz kann Oneweb mit weiteren 15 Starts fertigstellen, SpaceX benötigt noch 177 Starts, das sind also 1080 % mehr. Viel besser wird es auch bei der Startrate: Onweb würde bei je sechs Starts von Wostoschny und dem CSG das Netz in 15 Monaten fertigstellen. SpaceX bei der angekündigten dauerhaften Startrate von einem Start alle zwei Wochen, also 25 pro Jahr fast 7 Jahre brauchen, also auch hier 444 % mehr.

Wäre ich nun SimonVR, würde ich darin einen Beweis sehen, wie miserabel SpaceX gegenüber Oneweb aufgestellt ist …

Zuletzt noch ein Ausflug in das nun wieder häufig benutzte Wort „exponentielles Wachstum“. Auch das hängt mit der Prozentrechnung zusammen. Etwas steigt immer exponentiell wenn das, was durch einen prozentualen Zuwachs entsteht, in der Gesamtheit verbleibt. Also um ein Beispiel aus dem Alltag zu nehmen: Man für sein Geld Zinsen bekommt und die nicht abhebt. Das ist die sogenannte Zinseszinsrechnung. 1000 Euro zu 3 % angelegt liefern dann nach 1 Jahr 30 Euro Zinsen, nach 10 Jahren aber 40,32 Euro. Das ist wenig mehr, weil der Zinssatz klein ist, kann bei Wucherzinsen aber dazu führen, dass man die Zinsen bald nicht mehr bezahlen kann. In der Biologie ist exponentielles Wachstum üblich – alle Arten bringen mehr Junge zur Welt als benötigt werden, um die Sterberate bei den Erwachsenen zu kompensieren. Denn normal ist, dass nicht alle geschlechtsreif werden. Man muss nicht mal das berühmte Beispiel der Bakterien anwenden, bei denen sich die Zahl unter optimalen Umständen alle 20 Minuten verdoppeln kann. Es geht auch mit der Menschheit. Die Menschheit hat 160.000 Jahre gebraucht um vom ersten Homo Sapiens der als genetische Mutation in Afrika entstand auf eine Population von 3 Mrd. zu kommen, die etwa um 1960 erreicht wurde. Für die nächste Verdopplung auf 6 Milliarden, benötigte man dann nur 39 Jahre. Diese Grenze wurde im Jahr 1999 erreicht. Inzwischen, 21 Jahre später, sind wir bei einer Weltbevölkerung 7,8 Mrd. Wie eigentlich jedem einsichtig nützen alle Bestrebungen zur Reduktion der Klimagase nichts, wenn das so weitergeht. Im Gegenteil: Würden wir wieder die Population auf rund 2 Milliarden reduzieren, dann müssten wir gar nichts für das Klima tun. Aber wir haben hier ein anderes Problem: Der Mensch hat nur eine begrenzte Fähigkeit sozial zu reagieren, vor allem wenn es um sehr große Kollektive wie die Weltbevölkerung geht. Es scheitert ja meist schon bei viel kleineren Gruppen. Das ist in der Quintessenz auch der Grund warum der Kapitalismus als Gesellschaftsform sich gegenüber dem Kommunismus durchgesetzt hat, den ersterer hat ja das grundlegende Postulat, das wenn jeder für sich das beste anstrebt es allen besser geht und der Kommunismus das Postulat, das es allen besser geht wenn man gemeinsam an etwas arbeitet. Der Kapitalismus setzt auf den Egoismus im München, der Kommunismus auf seine Sozialfähigkeiten. Leider sind wir in der regel aber Egoisten – mehr oder weniger.

4 thoughts on “Prozentrechnen und seine Schwierigkeit

  1. Oh Bernd, es ist tatsächlich lustig, dass ausgerechnet Du über die Tricks mit der Prozentrechnung schreibst. Wobei, alles was Du im ersten Teil des Blogs geschrieben hast ist richtig. Das Meiste was Du im Blog schreibst hat Sinn. Allerdings mit einer Ausnahme: Wenn es um SpaceX geht, verlierst Du anscheinend Deine analytischen Fähigkeiten. Meine Kritik bezog sich immer auf SpaceX-Themen, nur bei diesen Themen empfand ich Deine Vergleiche und Berechnungen teilweise als abenteuerlich. Ich bin doch nicht der erste, der Dir fehlende Objektivität beim Thema SpaceX vorwirft, oder?

    Ich schlage vor, dass wir lieber eine sachliche Diskussion führen, bei den einzelnen Themen. Wenn Dir etwas nicht passt was ich schreibe, dann antworte direkt, statt etwas anzugreifen, was ich nur in Deiner Phantasie schreiben würde. Oder hast Du keine Lust sachbezogen zu argumentieren und greifst Du mich stattdessen bei anderen Themen an? Ja, es gibt diese Taktik bei Diskussionen, wenn man keine gute Antwort auf Argumente findet wird stattdessen die andere Person direkt angegriffen, bzw. werden der anderen Person dumme Aussagen unterstellt, die diese Person nie gesagt hat. Das ist kein guter Stil Bernd.

    Wenn Du der Meinung bist, dass ich bei der Prozentrechnung Fehler gemacht habe, dann zeige direkt wo das passiert ist, Du kannst auch gerne die Stelle verlinken. Dann kann sich eine Diskussion entwickeln und die Leser Deines Blogs können sich ihre eigene Meinung bilden. So habe ich das bisher gemacht. Jetzt hast Du scheinbar die Lust auf sachliche Diskussion verloren und greifst Du mich stattdessen mit Unterstellungen an, ohne einen direkten Bezug auf meine Aussagen anzugeben. Normalerweise ist so ein Angriff ein Anzeichen dafür, dass man keine Argumente hat, bzw. die eigenen Argumente als schwach empfunden werden.

    1. Du nimmst dich zu wichtig.

      Ich nutze immer Kommentare für neue Blogs und Du bist mit deinen Äpfel zu Birnen Vergleichen der ideale Aufhänger für das Thema. Wie kann man alle SpaceX Starts von denen mehr als die Hälfte nur mit eigenen Satelliten erfolgt mit denen von Arianespace vergleichen die nur frei ausgeschriebene Satelliten startet? Und dann noch behauptest „dominiert den Wettbewerb“. In dem Bereich wo beide wettbewerben hat letztes Jahr wie in den vergangenen Jahren Arianespace mehr gestartet als SpaceX.

      Daneben enthalten deine Kommentare enorm viele Falschinformationen ich vermute aus Unkenntnis. Boeing konnte sich nicht bei COTS beteiligen, die Ausschreibung leis nur Newcomer zu. SpaceX hat bei COTS übrigens auch nicht gewonnen sondern kam erst zum Zuge als klar wurde das Rocketspace/Kistler den Auftrag nicht erfüllen konnte. Ist kein Geheimnis, steht in der wikipedia. Auch hier hast Du dir die Fakten genommen die die passten und die einschränkung ganz einfach unter den Tisch fallen lassen.

      Niemand baut etwas fehlerhaftes nur zum Test. Nirgendwo, auch nicht Programmierer. In welcher Branche arbeitest Du dass Du einfach mal was bewusst fehlerhaftes machen darfst? Es ist unsinnig. Denn wenn ich weiß das es fehlerhaft ist brauche ich es ja gar nicht erst produzieren. Wenn etwas früh ausfällt ist das vielmehr der Hinweis auf Qualitätsmängel bei der Fertigung.

      Ich hab mir die obigen Bemerkungen das bei den letzten Kommentaren geschenkt weil zum einen die maximale Schachteltiefe erreicht war und zum andern aus den bisherigen Ausführungen von Dir klar ist das es nichts nützt.

      Aber vielleicht führe ich ja noch einen SimonVR Faktencheck ein. Hart aber Fair macht das ja auch so ….

  2. Wie kommst Du zu der Einschätzung „Du nimmst dich zu wichtig.“? Weil ich dem wunderbarem Buchautor Bern Leidenberger Fehler und Halbwahrheiten in seinen Bloganträgen vor Augen führe? Warum tue ich das eigentlich? Weil ich auf Deine Einsicht hoffe? Sicherlich nicht. Den Grund werde ich am Ende dieses Beitrages beschreiben.

    In Deinem Augen Bernd sind Raketenstarts von Arianespace mit den von SpaceX nicht vergleichbar. Eigentlich können wir hier stehenbleiben, die Blogleser können ja selber entscheiden ob es mehr und weniger relevante Starts gibt oder nicht.
    Ich wollte aber noch google bemühen und kurzen Check machen, wie die Presse die Sache bewertet. Ich habe in google-Suchfenster folgendes angegeben: „arianespace raketenstart spacex“, vielleicht auch etwas was interessierte Leser machen möchten.
    Zuerst erscheint bei mir ein Artikel bei Wirtschaftswoche: (ich weiß, je nach Region etc. können die Ergebnisse sich etwas unterscheiden)
    https://www.wiwo.de/technologie/forschung/spacex-die-chancen-stehen-sehr-schlecht-fuer-die-ariane-6/26610666-2.html
    Mit dem Titel „Das Starship wird ein Paradigmenwechsel in der Raumfahrt“ sowie „Die Chancen stehen sehr schlecht für die Ariane 6“. Interessante Lektüre.

    Ich möchte jetzt hier nicht all die Links präsentieren, die Leser können ja selbst das „Experiment“ wiederholen. Allerdings an der dritten Stelle habe ich wirklich etwas interessantes gefunden, ein Artikel bei heise: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Raketenstarts-Wettbewerb-mit-SpaceX-draengt-Arianespace-zu-Preissenkung-4286133.html . Artikel ist von Anfang 2019! Dort steht folgendes (Auszug):
    „Nächstes Jahr soll die neue Rakete Ariane 6 ihren Jungfernflug erleben. Ziel des Projekts ist … die Kosten gegenüber der aktuellen Rakete Ariane 5 in etwa zu halbieren. Betreiber Arianespace muss aber schon jetzt die Preise senken, um mit SpaceX mithalten zu können.
    Daher bekommen Arianespace-Kunden, die jetzt Transporte mit Ariane 5 buchen, die günstigeren Preise, die später auch für Ariane 6 gelten werden.“
    Ich glaube jetzt haben die Leser des Bloges ausreichend viele Informationen um beurteilen zu können, ob meine Behauptung von der SpaceX-Marktdominanz einen wahren Kern haben könnte.

    Jetzt könnten wir noch das Thema Falschinformationen behandeln. Beispielweise schreibst Du Bernd folgendes: „SpaceX hat bei COTS übrigens auch nicht gewonnen sondern kam erst zum Zuge als klar wurde das Rocketspace/Kistler den Auftrag nicht erfüllen konnte. Ist kein Geheimnis, steht in der wikipedia.“ Jetzt mache ich den Faktencheck und schaue tatsächlich bei https://de.wikipedia.org/wiki/Commercial_Orbital_Transportation_Services nach, und finde folgendes: „Am 18. August 2006 gab das NASA Exploration Systems Mission Directorate (ESMD) bekannt, dass SpaceX und Rocketplane Kistler die erste Phase des COTS-Programm gewonnen hatten.“ Die Gewinner waren also SpaceX und Kistler, nachdem Kistler ausgeschieden war konnte sich in der zweiten Runde Orbital Sciences durchsetzen.

    Ist das eine Methode von Dir Bernd sich auf Wikipedia zu berufen, obwohl dort das genaue Gegenteil dessen steht, was Du behauptest? Und Du willst ein Faktencheck bezüglich meiner Angaben machen? Echt sehr lustig.
    OK, die andere Angabe von Dir ist ähnlich amüsant, Du schreibst folgendes: „Boeing konnte sich nicht bei COTS beteiligen, die Ausschreibung leis nur Newcomer zu.“ Wie kommst Du darauf, dass die Ausschreibung nur Newcomer zuließ? Wenn man ein wenig nachdenkt wir des offensichtlich, dass so was äußerst dämlich seitens NASA wäre. Die NASA hatte viel zu verlieren, im schlimmsten Fall könnten die Amerikaner nicht nur bei Transport der Menschen, sondern auch beim Frachttransport zur ISS auf die Russen angewiesen sein. Warum also nur Newcomer? Das war doch kein „Jugend forscht Wettbewerb“. OK, falls jemand noch nicht überzeugt ist, dann kann man sich bewusstmachen, dass der zweite Gewinner, Orbital Sciences auch kein Newcomer war (Minotaur-Rakete wurde von dieser Firma gebaut). Von Boeing habe ich im Zusammenhang mit COTS aber tatsächlich nichts gehört. Allerdings nachdem Du Bernd mich aufgefordert hast bei Wikipedia nachzuschauen (hast Du das gemacht?) habe ich auf bei https://en.wikipedia.org/wiki/Commercial_Orbital_Transportation_Services nachgeschaut, und habe eine Überraschung erlebt. Dort steht u.a. folgendes: „Boeing submitted a proposal in conjunction with Arianespace to launch the ESA ATV module on a Delta IV rocket.“ Mit anderen Worten konnte Boeing durchaus an dem Wettbewerb teilnehmen, hatte aber offenbar keine Lust sich die Mühe zu machen eine eigene Raumkapsel zu entwickeln, stattdessen wollte die Firma ATV vermarkten. Boeing wollte lediglich die eigene, bereits vorhandene Delta IV beisteuern. NASA wollte aber offensichtlich eine amerikanische Lösung haben. So lieber Bernd, auch Deine zweite Behauptung „die Ausschreibung lies nur Newcomer zu“ hat den Faktencheck nicht bestanden.

    Was programmieren betrifft, ich habe nie behauptet, dass Programmierer absichtlich Fehler in ihren Code einbauen. Jeder, der nichttriviale, längere Programme schreibt weiß genau, dass in der allerersten, frisch geschriebenen Version so gut wie immer aus Versehen Fehler vorhanden sind. Deswegen machen die Programmierer Entwicklertests um möglichst viele dieser Fehler zu finden, bevor man den Code dem Kunden zum Testen gibt. Alles absolut offensichtlich für alle die mit Softwareentwicklung etwas zu tun haben. Für Dich wirklich nicht?

    Jetzt noch die versprochene Antwort auf die Frage, warum ich hier schreibe. Der Grund ist einfach. Du bist Bernd bei Wikipedia tatsächlich als Quelle bei einigen Raumfahrt-Artikeln angegeben. Im deutschsprachigem Raum halten Dich wegen Deiner Bücher einige Menschen für Raumfahrt-Experten, und erwarten objektive Informationen auch zum Thema SpaceX. Ich bin der Meinung, dass in Deinem Blog diese Menschen nicht objektiv zum Thema SpaceX informiert werden. Deswegen mache ich die Leser auf Fehler, Halbwahrheiten und falsche Angaben in Deinem Blog aufmerksam, wie auch in diesem Beitrag.

  3. Also erst mal wäre es nett, wenn Du immer dieselbe E-Mail-Adresse nehmen würdest, weil ich sonst jeden Kommentar freischalten muss.

    Du beweist mit dem Kommentar, doch das es Dir gar nicht um Fakten geht. Wenn Du behauptest, das jetzt SpaceX den Wettbewerb dominiert dann muss man die derzeit erfolgten Flüge vergleichen, nicht irgendwelche Prognosen für die Zukunft herziehen. Ich behalte mal meine Meinung zu der Kompetenz in Sachen Raumfahrt von Wirtschaftszeitschriften für mich. In jedem Falle sind das Prognosen für die Zukunft, so wie 2011 die Prognose von Musk, die Falcon 9 Starts würden auf 1/100 des derzeitigen Preises sinken. Prognosen müssen nicht eintreten.

    Genau das ist es wenn ich meine Äpfel mit Birnen vergleichen, oder besser Nebelkerzen werfen um davon abzulenken das SpaceX eben derzeit nicht Arianespace überholt hat.

    Bei COTS wurde öffentlich verkündet, dass man mehr Vielfalt im ISS-Programm durch neue Konkurrenz haben wollte. Natürlich kann sich jeder bewerben, doch unter der Prämise bekommt man keinen Auftrag. Das sollte auch einem Laien wie Dir klar werden, wenn du die Rauschiffe siehst, seit wann vergibt, die NASA Aufträge an Firmen, die europäische, japanische oder russische Transporter einsetzen? Die Propsals der bei der ISS schon beteiligten Firmen wie Lockheed oder Boeing waren als Imagepolitur gedacht, sie wussten ja das sie nicht zum Zuge kommen zudem werden selbst diese Propsals bezahlt. Und Orbital ist bei der ISS ein Newcomer, war vorher nicht an einem Subsystem der Raumstation beteiligt vor allem sind sie erheblich kleiner als die größeren Firmen und inzwischen ja auch schon zweimal in Fusionen untergegangen (mit ATK und Grumman).

    Ich trenne strikt zwischen Blog (meiner Meinung) und Website mit Faktenartikeln. Du findest im Blog, wenn Du nicht nur auf das Buzzwort „SpaceX“ anspringen würdest, und nur dann dich meldest, auch jede Menge Artikel über hypothetische Raketen, Raumsonden etc., ohne das irgendjemand diese entwickelt, und ich melde mich auch zu anderen Themen, wie z.B. über die Pläne Russlands und Chinas eine Mondstation zu entwickeln.

    https://www.bernd-leitenberger.de/blog/2021/03/20/potemikinsche-raumfahrt/

    Darf man keine Meinung mehr haben? Ich höre fast jeden Tag etwas von Karl Lauterbach, vom Beruf Epidemiologe, doch was er von sich gibt, sehe ich nie als Fachantwort eines Arztes sondern als die Meinung eines Politikers. Uns verbindet, das wir von einer Datenbasis ausgehen – Lauterbach von den Daten zur Infektion, ich von den realen Ergebnissen von SpaceX und dann daraus Schlüsse ziehen und eine Projektion machen. Und in meiner Projektion ist eben, wenn sechs von neun Prototypen in die Luft flogen, der erste orbitale Einsatz noch etwas weiter in der Zukunft als wie bei SpaceX. Und weil die Technologie die gleiche ist wie bei der Falcon 9&Heavy ist für mich auch nicht schlüssig, wie eine neunmal schwerere Kombination billiger ein soll als die Falcon 9 die immerhin zu 2/3 schon wiederverwendbar ist.

    Soweit ich weiß gibt es wenige die sich fachlich mit den Lügen (wenn man etwas behauptet von dem man weiß das es falsch oder unrealistisch ist, dann nennt man das lügen) von SpaceX auseinandersetzt. Es gibt im Web dagegen Zig Pro-SpaceX Artikel. Bei keinem habe ich beobachtet dass dort SpaceX Gegner besonders aktiv wären und die Öffentlichkeit „aufklären“ wollen. Wenn man nicht mal eine kritische Meinung tolerieren kann, dann sagt das einiges aus.

    Der Kommentar war so umfangreich, weil es mein definitiv allerletzter mit Dir war. Das Angebot deine Sicht als Gastblog darzustellen hast Du abgelehnt, deine Art des Kommentierens immer im Kommentar weitere Behauptungen aufzustellen die man dann auch gerade rücken muss, eine bekannte Verwirrtaktik führt zu Endlosschleifen die schon organisatorisch an der Schachteltiefe endet. Vielleicht wechselst Du ins Raumcon Forum, dort wird jeder der für SpaceX ist mit Posts zugeschüttet, wer dort auf mich verlinkt wird verwarnt. Das müsste doch was für Dich sein.

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