Glücksspiele, Kompetenzspiele, Suchtrisiken und Gewinnchancen

Woran denken Sie, wenn man von „Glücksspielen“ redet? In der Tat tummeln sich unter dem Begriff eine ganze Menge von Spielen. Wie der Name aussagt, ist der wesentliche Charakter eines Glücksspiel, das der Spieler das Ergebnis, also den Spielausgang und damit seine Gewinnchancen nicht oder kaum beeinflussen kann. Doch zwischen reinem Glücksspiel und einem Spiel, das man nur durch eigene Aktionen gewinnen kann, im Fachchinesisch „Kompetenzspiel“ genannt gibt es viele Abstufungen.

Also ich denke bei Glücksspiel primär an das, was man in einem Casino spielt. Das sind Roulette, Black Jack. US Spielfilmen wird auch häufig „Craps“ gespielt, ein Spiel, das ich nur von den Filmen kenne und das in Deutschland kaum bekannt ist und mit Würfeln gespielt wird. Doch die Bandbreite ist groß. Im Prinzip sind auch Lotto oder Toto, also das Wetten auf Spielausgänge von Fußballspielen ein Glücksspiel, diesmal sogar staatlich lizenziert. Das gilt dann natürlich auch für alle anderen Lotterien wie Klassenlotterien, Aktion Mensch etc. Dazu kommen dann die ganzen Spielautomaten wie klassische „Slot Machines“ in Casinos, aber auch Gaststätten.

Für den Laien gibt es aber dann doch Unterschiede. Wer beim Roulette setzt, sieht sofort das es sich um ein Zufallspiel handelt, genauso wie das Ziehen der Lottozahlen. Doch ist Black Jack, in Deutschland „Siebzehn und vier“ genannt ein Glücksspiel? Hier kann doch jeder nach den ersten Karten entscheiden, ob er eine weitere Karte nimmt oder nicht. Ist Poker ein Glücksspiel? Auch hier werden die Karten ja zufällig verteilt. Aber auch hier kann man Karten verwerfen. Wie sieht es beim Würfelspiel Kniffel oder Yahtzee aus? Zuerst mal erscheint es als ein Glücksspiel, denn das Ergebnis der fünf Würfel kann man ja nicht voraussagen. Auf der anderen Seite haben verschiedene Kombinationen der Augen unterschiedliche Werte und werden bestimmte Kombinationen eines Zettels nicht erreicht, so müssen sie gestrichen werden, es gibt also keine Punkte. Zudem gibt es einen Bonus, wenn man in der oberen Hälfte des Ergebniszettels eine bestimmte Punktezeahl erreicht. Diese kann spielentscheidend sein. Dieses einfache Würfelspiel, bei dem das Ergebnis eines Wurfs unvorhersehbar ist, hat also strategische Komponenten denn es gilt auss verschiedenen Möglichkeiten beim ersten Wurf die Würfel auszuwählen, für die die Chance für eine hohe Punktezahl hoch ist und mit den anderen dann noch zweimal weiter zu würfeln in der Hoffnung man erhält die gesuchte Kombination.

Das zeigt: überall dort, wo man selbst den Spielverlauf beeinflussen kann, verschwimmt die Grenze von einem reinen Glücksspiel zu einem Kompetenzspiel. Dort wo die Beeinflussung nicht möglich ist, ist es ein Glücksspiel. Was allerdings nicht Spieler davon abhält zu glauben man könne das Schicksal doch beeinflussen. Bei Spielern an Automaten hält sich beharrlich die Vorstellung, dass man durch das Stoppen der Räder zu einem bestimmten Zeitpunkt den Ausgang beeinflussen könnte. Bei Roulette meinen viele Spieler, dass wenn 11-mal die Farbe „Rot“ kam, nun die Chance für „Schwarz“ beim nächsten Durchgang höher wäre, das wäre ja nun „statistisch im Nachholbedarf“ und bei Lotto meinen einige, dass wild verteilte Zahlen häufiger kommen, als wenn man eine Reihe oder Zeile ankreuzt. Alle Kombinationen sind aber gleich wahrscheinlich.

Also meiner geschätzten Meinung nach ist das sicherste Indiz dafür, dass ein Spiel weniger vom Glück abhängt, je komplexer die Regeln sind. Denn je mehr Regeln es gibt, um so mehr Möglichkeiten habe ich, das Spiel zu beeinflussen. Blackjack hat z.B. folgende einfachen Regeln:

  • Gespielt wird mit einem 52-Spielkarten-Blatt.
  • Die Karten mit 2 bis 10 zählen nach ihren Punkten.
  • Die Karten mit Buben, Damen, Königen zählen jeweils 10 Punkte.
  • Beim Ass kann man sich aussuchen ob es als ein oder elf Punkte wert ist.

Ziel ist es möglichst nahe an 21 Punkte heranzukommen, wer jedoch die 21 überschreitet, hat verloren. Die deutsche Bezeichnung 17 und 4 leitet sich daraus ab, dass die Bank bis 17 Karten ziehen muss und ab 17 keine Karte mehr ziehen darf.

Man kann darauf wetten, das die Grenze von 17 bei diesem Spiel so gezogen wurde das langfristig die Bank gewinnt. Black Jack ist ein auch in Deutschland erlaubtes Glücksspiel, das man auch in einem Casino spielen kann. Da es trotzdem Entscheidungsmöglichkeiten des Spielers gibt, legt man das Handicap der Bank so fest das sie langfristig gewinnt. Weiterhin ist es natürlich so, das je mehr Spieler am Tisch sind man aus den schon gezogenen Karten die Chancen ableiten kann, wie wahrscheinlich es ist, jede mögliche Punktzahl zu ziehen und so seine Entscheidung durchdenken und abwägen kann, während die Bank diese Möglichkeiten nur eingeschränkt hat. Damit dieser Nachteil für die Bank sich nicht auswirkt, wird anders als Black Jack im privaten Umfeld das Spiel gleich mit sechs Decks gespielt, so gleichen sich die Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Punktzahlkombinationen an.

Solche „Penality“ gibt es auch bei anderen Glückspielen. Deutlich wird das bei Sportwetten. Egal ob dies nun Fußballwetten wie bei Toto, oder Pferdewetten sind. Bei Toto führt man ein Handicap ein. Denn es ist nun mal erheblich wahrscheinlicher das der Erste gegen den Tabellenletzten gewinnt als umgekehrt. Bei Pferdewetten bekommt man abhängig von der Einstufung der Siegeschancen durch Buchmacher einen variablen Anteil seines Einsatzes als Gewinn. Das kann bei dem Favoriten ein Bruchteil des Einsatzes sein und bei einem Außenseiter ein Vielfaches davon. So kann man auch Wetten oder Spiele die nicht nur vom Zufall abhängen als Glücksspiele einstufen, indem man die Gewinnchancen der Bank oder des Gebers oder die Ausschüttung von Gewinnen so beeinflusst, dass langfristig die Bank gewinnt, denn sonst würde sich ja der Betrieb eines Casinos oder einer Online Plattform nicht lohnen.

Doch das geht nicht bei jedem Spiel. Das Kartenspiel Poker hat dafür deutlich zu komplexe Regeln. Von Filmen her wird oft der Eindruck erweckt, beim Poker käme es weniger auf die Qualität des eigenen Blattes an, als vielmehr darum zu „blöffen“, also den Gegner zumindest im Unklaren zu lassen ob man ein gutes oder schlechtes Blatt hat oder besser noch, mit einem sehr schlechten Blatt aber selbstbewussten Erhöhen des Einsatzes vorzutäuschen, das man ein gutes Blatt hat und den Gegner zum Aussteigen zu bringen, wo er dann seinen Einsatz verliert. In der Tat hat Poker eine deutliche psychologische Komponente, denn es gewinnt nicht der, der das beste Blatt hat, sondern der am Schluss das beste Blatt hat. Weil man in jeder Runde aber seinen Einsatz erhöhen muss, kann es sein das man vorher aussteigen muss oder will.

Selbst bei Online Poker ohne diese psychologische Komponente – man sieht ja seinen Gegner nicht, ist aufgrund dieses Erhöhensprinzips des Einsatzes mit jeder Runde nach Expertenansicht Poker kein Glücksspiel und damit in Deutschland außer in Schleswig Holstein zumindest online verboten.

Ein Indiz dafür das es sich um Poker um ein Kompetenzspiel handelt genauso wie Schach, Dame doer Go ist auch die das man einige Jahre brauchte ein Computerprogramm auf Basis von künstlicher Intelligenz zu schreiben, das bei Poker gewinnt, und zwar in einer Runde mit mehreren Gegnerspielen alle schlägt. Würde es nur nach den ausgegebenen Karten geben, so könnte schon ein schnell zusammengeschriebenes Programm relativ einfach die Chancen für jede mögliche gewinnbringende eigene oder gegnerische Kombination berechnen und entsprechend agieren.

Wir wissen seit Langem, das alles was uns Spaß macht, in unserem Gehirn das Belohnungszentrum auslöst. Das bedingt die Gefahr, dass man danach süchtig oder abhängig wird. Das gilt nun nicht nur für Drogen, egal ob es sich gesellschaftlich akzeptierte wie Alkohol oder Tabak oder verbotene und vom Staat verfolgte wie Cannabis oder psychoaktive Substanzen. Alles was wir tun und uns Spaß macht oder einen „Kick“ verursacht kann süchtig machen: Nicht nur Drogen, Essen oder Sex, sondern eben auch Computerspiele, ins Internet gehen, aber eben auch Glücksspiele. Daher hat man die Gefahren von Glücksspielen auch untersucht und inzwischen muss bei seriösen Plattformen wie der staatlichen Lotteriegesellschaft auf die Suchtgefahren hingewiesen werden. Nach den Untersuchungen des Suchtpotenzials von Glücksspielen haben ein hohes Suchtpotenzial vor allem Geldspielautomaten aber auch Internet-Casinospiele, Poker und Sportwetten. Das gilt sicher noch mehr für normale Casinobesuche, doch ist wohl die Einstiegsschwelle im Internet kleiner, es ist leichter verfügbar und es gibt auch kein Analogon zu einem bundesdeutschen Casinoverbot den es bei „echten“ Casinos noch gibt. Nach den Erkenntnissen wird zum Beispiel bei den Geldspielautomaten die hohe Ereignisfrequenz, daneben das häufige Auftreten von „Fastgewinnen“ (also z.B. zwei von drei Symbolen sind gleich), die Möglichkeiten des Synchronspielens an mehreren Geräten, damit auch das Verlustrisiko, aber auch der Kick, und die Umwandlung des Geldeinsatzes in Punkte angesehen, wodurch man nicht so stark wahrnimmt, wie viel Geld man schon verloren hat. Klassische Lotteriespiele wie Lotto 6 aus 49, aber auch Klassenlotterien besitzen hingegen nur ein geringes Suchtpotenzial. Das verwundert nicht: das Ausfüllen eines Tippscheins einmal pro Woche liefert weitaus weniger.

Ein gutes Glücksspiel ist so ausgelegt, dass die Chancen in etwa gleich hoch für die Bank und den Spieler sind, aber die Bank einen Vorteil hat, denn sie möchte ja Gewinn machen. Einfach verständlich ist dies bei Roulette. Roulette hat 37 Zahlen, von denen durch Zufall eine fallen kann. Von diesen ist aber eine die Null die nicht als Rot oder schwarz, gerade oder ungerade oder eine der anderen Kombinationen, auf die man neben Einzelzahlen setzen kann und auch bei Einzelzahlen erhält man das 35-fache des Einsatzes als Gewinn, zusammen mit dem Einsatz also das 36-fache. Da es aber 37 Zahlen sind, hat die Bank immer einen Vorteil und wird langfristig 1/37 der Einsätze als Gewinn einstreichen. Das klingt nach wenig, bedenkt man das jeder Spieler aber nicht nur einmal spielt und ein Spiel nicht lange dauert so kommen über die Zeit doch große Summen zusammen. Wesentlich schlechter sind die Chancen bei Lotterien, aber auch wesentlich schwerer zu berechnen. Diese Lotterien dienen dazu, die Staatskasse zu füllen. Beim klassischen Lotto 6 aus 49 werden 50 Prozent des Einsatzes als Gewinn wieder ausgeschüttet. Dazu gibt es noch eine Bearbeitungsgebühr pro Tippschein, der Handel will ja auch noch was an dem System verhindern. Bei Soziallotterien wie der Aktion Mensch ist der Anteil noch geringer, denn da soll ja auch Geld für die Projekte abfallen. Bei Aktion Mensch wird eine Gewinnquote von „mindestens 30 Prozent“ angeführt. Demgegenüber sind die Glücksspiele in Casino, trotz deutlich höherem Suchtpotenzial „ehrlicher“ sprich die Gewinnquote ist höher.

3 thoughts on “Glücksspiele, Kompetenzspiele, Suchtrisiken und Gewinnchancen

  1. Mein Grundstudium habe ich als Mitarbeiter einer Spielbank finanziert. Nicht nur beim klasischen Spiel ist die Wiederausschüttung sehr hoch. Auch im Automatenspiel sind Ausschüttungen von 91 bis 97,3 hoch.

    Das Gewinnspiel ist etwas für Psychologen. Wenn das Them Spielbank in einem xbeliebigen Gespräch angesprochen wird, kommt fast jeder mit der Geschichte, das er bisher nur ein oder 2 mal in der Spielbank war, einen zweistelligen Betrag gesetzt und das doppelte Gewonnen hat.
    In der Realität setzt man Gewinne so lange wieder bis es weg ist. Und wenn jeman wirklich mal mit Plus heim geht kommt er binnen einer Woche wieder und verspielt mehr als beim ersten mal.
    Das Publikum besteht zu 10% aus Erst- oder Einmalbesuchern und der Rest von 90% sind sogenammte Stammgäste.

    1. „Wenn das Them Spielbank in einem xbeliebigen Gespräch angesprochen wird, kommt fast jeder mit der Geschichte, das er bisher nur ein oder 2 mal in der Spielbank war,“

      Nicht jeder. Ich war noch nie in einer Spielbank. Hat mich nie gereizt, ich bin wohl zu rational eingestellt.

      klasr ist das keine Spielbank ohne Stammgäste auskommt. Nur mit Gelegenheitsbesuchern könnten sie ihren Betrieb nie finanzieren oder zumindest gibt es dann viel weniger. Ich denke der Warnhinweis bei Glücksspiel der ja auch jeder Werbung kommt ist ernst zu nehmen. Es gibt genügend Menschen die das eigentlich dröge Wetten auf die Position einer Kugel bei Roulette oder Stellung von Rädern bei Automaten so in Bann zieht das sie abhängig werden.

      Das ist ja nur ein Aspekt, es gibt ja inzwischen einige Suchtformen die nicht mit einer physiologischen Wirkung wie bei Drogen verbunden sind wie eben Spielsucht, aber auch Internetsucht und Computerspielsucht.

  2. Ich hatte auch „fast“ geschrieben. Das Gehirn scheint so gestickt zu sein, dass man eine Fehlentscheidung nicht so einfach zugibt, selbst wenn es dabei um etawas so belangloses geht.

    Die extrem hohe Ausschüttungsquote der staatlichen Spielbanken fördert scheinbar das süchtig machen. Bei einer Spielothek werden etwa 40% der Einsätze wieder ausgeschüttet auch bei geringen Einsätzen ist das Geld schnell weg. Bei den 97,3% Ausschuttung eines Roulette Automaten dauert es viel länger.Unt man hat Zwischenzeitlich viele Zwischengewinne. Am Ende ist trotzdem alles weg. Im Gegensatz zu den Spielotheken kann man den Einsatz auf 200€ erhöhen.
    Ich denke, dass auch ein Automat der 99,9% der Einsätze Ausspielen würde am Ende zum gleichen Ergebniss führen würde. es braucht halt mehr Spiele aber durch das erhöhen der Einsätze kommt es dann aufs gleiche raus.

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