Faszination bemannte Raumfahrt

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Thmoas Reiter im Destiny ModulSeit knapp 2 Wochen ist Thomas Reiter auf seiner zweiten Langzeit Mission im All. ESA und Phoenix werden diesen Flug mit etwa 100 Sendungen und Übertragungen begleiten. Insgesamt ein in Europa recht großes Interesse. Vorgestern stand dann als weitere Publicity ein Telefongespräch zwischen Angela Merkel und Thomas Reiter an, bei dem sich wesentlich besser wirkte als bei ihrer peinlichen Rede bei der Übergabe des Columbus Moduls an die NASA.

Immer wieder wird darauf verwiesen, dass die bemannte Raumfahrt durch ihre Publicity als positiven Effekt Menschen für Technik begeistert und dies wäre für unser Land sehr wichtig. Nun ich kann diese Meinung nicht teilen. Natürlich war auch ich in meiner Jugend von den Bildern von schwerelos schwebenden Astronauten, Flüssigkeiten die sich zu kugeln formen, Purzelbäumen im All und hüpfenden Astronauten auf dem Mond fasziniert. Doch dies hat mich nicht zur Technik geführt. Ich denke wer Astronauten faszinierend findet, wird vielleicht gerne Astronaut werden. Aber ob er dafür ein naturwissenschaftliches Studium aufnimmt ? Bei allen Astronauten, deren Biographie ich kenne ist es umgekehrt gewesen. Sie haben ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen, weil sie dies interessiert und dann ergab sich die Gelegenheit Astronaut zu werden. Da für die Experimente einiges an Hintergrundwissen nötig ist, ist eine naturwissenschaftliche Ausbildung in vielen Raumfahrtagenturen Grundvoraussetzung. Wer nur ein Shuttle fliegen muss, bei dem sind dann eher viele Flugstunden auf Militärmaschinen wichtig. In jedem Falle wird vorausgesetzt dass der Bewerber das was er bisher gemacht hat gut gemacht hat und nicht nur als Alibi um die Qualifikation als Astronaut zu schaffen.

Jupiter aufgenommen von Voyager 1Nun werden die wenigsten die sich für Raumfahrt interessieren Astronaut werden wollen. Es geht ja auch darum das Interesse an technischen Fächern zu wecken, weil nach allgemeiner Ansicht der Erfolg Deutschlands als Nation darin liegt viele innovative Erfindungen hervorzubringen, wofür man viele gut qualifizierte Techniker und Ingenieure braucht. Gerade hier finde ich leistet die unbemannte Raumfahrt mehr. Mein Interesse an der Raumfahrt kam als ich als Preis für einen guten Hauptschulabschluss mir 1980 ein Buch über die Planeten kaufte, die mich schon damals interessierten. Die faszinierenden Aufnahmen von Viking und Voyager von Mars und Jupiter schlugen mich sofort in den Bann. Wenige Monate später flog Voyager 1 am Saturn vorbei und ich sah innerhalb weniger Tage ein halbes Dutzend neuer Welten. Dieser Faszination kann ich mich bis heute nicht entziehen. Ich begann mich aber für die Technik zu interessieren – Wie werden die Bilder gemacht, wie steuert man eine Sonde bei Signallaufzeiten von 90 Minuten, wie baut man ein technisches Gerät, das unter widrigsten Umständen jahrelang funktioniert ?

Das ist Herausforderungen die sicher viele faszinieren und eher zu einem Studium führen, denn man hat so zumindest eine reale Chance an einem Raumfahrtprojekt mitzuarbeiten. Auch heute finde ich, technische Herausforderungen vor allem im unbemannten Sektor. Nehmen wir die deutsche Kamera HRSC : sie ist fähig den Mars nicht nur in Farbe, sondern auch in 3D zu erfassen und hat für Detailaufnahmen noch ein Teleobjektiv an Bord. Zusammen mit einem eigenen Computer wiegt sie weniger als 20 kg Obgleich man diese Kamera schon für die 1996 er Mars 96 Mission entwickelt hat fasziniert sie mich bis heute. Ich glaube derartige High-tech inspiriert manch einen für ein technisches Studium – Das muss nicht Luft & Raumfahrttechnik sein. Man braucht damit alles funktionier auch Elektrotechniker, Informatiker, Werkstoffkundler. Für manche Experimente wäre ein Chemiker oder Physiker der sein Wissen zur Verfügung stellen kann auch nicht von Nachteil.

Daher mein Plädoyer : Mehr Mittel für die unbemannte Raumfahrt. Zum einen um das erworbene Fachwissen auszubauen und zu erhalten. Zum zweiten um weiter so öffentlichkeitswirksame Missionen wie Mars Express und Rosetta mit deutschen Experimenten zu bestücken und zum dritten um mehr Menschen für die Technik zu begeistern.

des Bildes von Thomas Reiter ESA, des Bildes vom Jupiter NASA/JP