Sputnik 1

Morgen jährt sich nun zum 50.sten Mal der Start von Sputnik 1, und heute (das wird gerne vergessen) zum 65.sten mal der erste erfolgreiche Start einer A-4, die dabei als erstes Objekt den Weltraum (definiert als 100 km über der Erdoberfläche) erreicht hat. Fast jeder hat von dem Sputnikschock gehört. Darüber wurde auch genug geschrieben: Die Amerikaner waren von dem Start vollkommen überrascht und hatten diesen der UdSSR nicht zugetraut. Mehr noch als die Tatsache dass nun die Sowjetunion als erste einen Satelliten gestartet hatte, war das Gewicht von 83.6 kg – 8 mal größer als der größte von den USA projektierte Satellit. Damit war auch klar dass die Sowjetunion über eine leistungsfähige Trägerrakete für Atomsprengköpfe verfügen musste, während das amerikanische Atlas System sich noch in der Entwicklungsphase befand. Die Mannie der „Raketenlücke“ die zu einer enormen Aufrüstung füllte breitete sich aus (auch unterstützt von Prahlereien von Nikita Chruschtow der sagte „Wir produzieren sie am Fließband wie Würstchen“.

Doch es hätte keinen Schock geben müssen. Zum einen hatten die Sowjets einen Start eines Satelliten schon vorher bei einer wissenschaftlichen Konferenz angekündigt, genauso wie dies die Amerikaner zu dem geplanten ersten geophysikalischen Jahr taten, das am 1.7.1957 begann. Zum anderen hätte man es vermeiden können. Die USA hatten zwar noch nicht eine einsatzbereite Interkontinentalrakete, aber sie verfügten über einsatzbereite Mittelstreckenraketen, die mit Oberstufen auch einen Satelliten transportieren konnten, wenn auch keinen so großen wie die R-7, die Trägerrakete des ersten Sputnik.

Die amerikanische Regierung legte jedoch wert darauf, dass keine militärische Rakete benutzt wurde. So schied zum Beispiel die von Braun favorisierte Juno, eine Rakete entwickelt aus der Mittelstreckenrakete Jupiter aus. Als diese mit Oberstufen getestet wurde gab es sogar den offiziellen Befehl Ballast mitzuführen, damit die leergebrannte Oberstufe keinen Orbit erreicht und so nicht unbeabsichtigt erster künstlicher Satellit wird.

Werner von braun wurde kurz nach dem Sputnik Start von einer Senatsanhörung befragt warum dies möglich ist. Er antwortete zu derer Verblüffung, dass die USA schon 1955, spätestens 1956 einen Satelliten hätten starten können, wenn sie ihr Raketenprogramm gezielter verfolgt hätten und nicht aufgesplittert oder sein Team über Monate auf höherem Befehl hin Däumchen gedreht hat.

Was Folge ist Geschichte: Es kam zu einem Wettlauf im all. Es folgten unbemannte Missionen zum Mond, die ersten bemannten Missionen. Flüge zu den Planeten und als letztes ein Wettlauf, wer zuerst auf dem Mond landet.

Weniger bekannt ist, das Sputnik 1 nicht der erste Satellit der UdSSR sein sollte. Der eigentliche Satellit, genannt „Objekt D“ wurde seit dem 30.1.1956 geplant. Hier zeigte sich aber, dass die Sowjetunion durchaus nicht so technisch überlegen war. Denn die Konstruktion dieses Satelliten, obwohl mit 1327 kg erheblich schwerer als Sputnik 1 und jedem geplanten amerikanischen Satelliten verzögerte sich sehr stark. Ende 1956 war abzusehen, dass er nicht zum Sommer 1957 fertig sein würde. Es war schlicht und einfach nicht möglich, mit existierenden Experimenten die Beschränkungen an Masse und Strombedarf einzuhalten oder die Experimente hielten die Belastungen beim Start nicht aus. Man begann sehr schnell ein sehr einfachen Satelliten zu konstruieren „Objekt P“. Objekt P = Sputnik 1 bestand eigentlich nur aus einer Aluminiumkugel von 2 mm Stärke, einem Ventilator in der mit Stickstoff gefüllten Kapsel, der für den Temperaturausgleich sorgte und 4 Peitschenantennen die man über die Rakete herab führte, so dass man sie nicht entfalten musste. Eine Batterie diente als Stromversorgung und eine einfache Schaltung schaltete jeweils für 0.4 s einen Sender mit 1 Watt Leistung an, der im 20 und 40 MHz Band alternierend ein Piep-Piep sendete.

Damit konnte man in Grenzen Aussagen über die Ionosphäre machen (Signaldämpfung und Ausbreitung) sowie die Bahn Bestimmung und die Dichte der Hochatmosphäre bestimmen (durch Abbremsen des Satelliten). Das war der einzige Nutzen von Sputnik 1. Doch inzwischen ging es nicht um wissenschaftlichen Nutzen. Es ging um das pubertäre Verhalten von Supermächten „Wer hat die größte ?“ (Rakete) „Wer ist er erste?“.(Mensch im Weltall)… Objekt-D wurde verspätet am 15.5.1958 gestartet – als Sputnik 3.

Heute hat sich viel verändert und die Mächte arbeiten zusammen. Ich habe in der letzten Woche 4 Aufsätze über die vier Mondmissionen von 2007/8 gemacht und hier arbeiten USA, Indien und China an verschiedenen Projekten, aber auch zusammen (Indien hat Experimente von 5 anderen Ländern an Bord von Chandrayaan 1) und die Daten stehen Wissenschaftlern aus aller Welt zur Verfügung. Zusammenarbeit ist eben doch besser als Konkurrenz.

 
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Ein Kommentar


  1. An der Stelle frage ich mich: Ist nicht Krieg die Triebfeder eines technologischen Schubs? Ohne das Nazireich mit seinem Strohhalm „Wunderwaffen“ keine A-4, ohne A-4 keine R7, ohne kalten Krieg keine Notwendigkeit, Entwicklerteams der A-4 zu kidnappen, ohne kalten Krieg kein Wettlauf zum Mond und keine Saturn V.

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